28.02.2024

Startup, Mutter, Kind: Eine Erzählung von „Rabenmüttern“

Stillend in Shareholder-Meetings oder Kuschelecke im Büro. Wie drei Mamas ihr Comeback in die Startup-Welt schaffen und warum sie deshalb keine Rabenmütter sind.
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(v.l.n.r.): Judith Sacher, Co-Gründerin von PelviQueens, Bernadette Frech, CEO von instahelp, Sandra Zima, Gründerin von Snagy (c) PelviQueens, instahelp, Sandra Zima

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem aktuellen brutkasten-Printmagazin (Download-Möglichkeit am Ende des Artikels).


Eine blaurote Rutsche thront auf einer bunten Spieldecke. Ein leises Klingeln ertönt – eine Modelleisenbahn ist im Anmarsch. Judith Sacher, Unternehmerin und Physiotherapeutin, sitzt in einer bilderbuchähnlichen Atmosphäre. Neben ihr spielt eine Miniversion ihrer selbst. Ein leises Klappern am Parkettboden füllt den Raum. Seit August 2022 ist sie Mama. Wenige Wochen später war sie wieder back to business, knapp sechs Monate später gründete sie ihr Startup.

Bernadette Frech wurde als CEO Mama und Sandra Zima erschuf kurz nach der Geburt ihrer Tochter ein Startup. Beide sind ähnlich wie Sacher und doch anders im Unternehmerinnentum tätig. Und wissen, wie es geht.

Sacher, Frech und Zima haben eines gemeinsam: Familie, Startup-Gründung und Unternehmensführung schließen sich bei den drei Müttern nicht aus. Es geht um Adaption, Hilfestellung, Mindset und allgemein um eine moderne Unternehmenskultur, wie sie das Jahr 2024 auch verdient hat. Und schließlich geht es immer noch um das Aufbrechen von Klischees und die fälschliche Verwendung des Begriffs Rabenmutter.

Vom Wochenbett zur Gründung

Nach ihrer Erholungsphase im Wochenbett kehrte Judith Sacher in ihren Job zurück. Nun erzählt sie, warum sie am ursprünglichen Geburtstermin noch arbeitete, wie sie den Schritt zur Gründung knapp sechs Monate nach Entbindung wagte, warum man als Startup-Gründerin keine schlechte Mutter ist.

Judith Sacher, Co-Gründerin von PelviQueens (c) PelviQueens

Sacher ist Physiotherapeutin und lebt in Oberösterreich. Schon vor ihrer Schwangerschaft arbeitete sie selbstständig in ihrer eigenen Praxis – neben einer Fixanstellung. Ihre Arbeit erfüllt sie. Sonst wäre sie zum Geburtstermin ihres Sohnes nicht in ihrer Praxis gestanden: “Der hat sich nämlich um zwei Wochen nach hinten verschoben”, erinnert sich Sacher. “Und mir ging es so gut, also dachte ich mir, warum nicht?”

Sacher ist eine der vielen Unternehmer:innen, die sich häufig Kommentare wie “Dass du so schnell wieder arbeitest!” und “Du warst nur so kurz in Karenz?” anhören müssen. Doch Sacher weiß, dass man sich als frisch gebackene Mama trauen darf, bald wieder zur Arbeit zurückzukehren. Wie das geht? Am ehesten mit einem strikten aber gesunden Verhältnis zwischen Arbeit und Familie.

“Mein Sohn kam im August 2022 auf die Welt und im Februar darauf kam mir mit einer guten Freundin unsere Startup-Idee.” Judith Sacher und Magdalena Rechberger kennen sich aus dem Studium und arbeiten mit PelviQueens seit Februar 2023 an einer Aufklärungsplattform für Frauengesundheit.

Als Unternehmerin spricht sie ein Tabuthema an, das vielen jungen Familien häufig den Mut vor einer Unternehmensgründung nimmt: “Nur, weil man gerade frisch Mama oder Papa geworden ist und wieder Lust hat zu arbeiten, ist man keine Rabenmama”, erklärt Sacher. “Ich habe gemerkt, wie viel ausgeglichener ich bin, wenn ich arbeiten kann und nicht nur 24/7 Mama bin.”

Ich hab gemerkt, wie viel ausgeglichener ich bin, wenn ich arbeiten kann und nicht nur 24/7 Mama bin.

Judith Sacher, Co-Gründerin von PelviQueens

Frischgebackene Eltern, die ein Unternehmen führen, selbstständig sind oder über eine Gründung nachdenken, sollten ihren Traum nicht des Kindes wegen wegstecken, meint die Physiotherapeutin. “Mein Mann hat auch ein Startup und wir teilen uns unsere Arbeits- und Familienzeit gut ein. Das ist etwas, das wir in einem Angestelltenverhältnis so nicht machen könnten.”

Damit das Gründen und die Selbstständigkeit auch tatsächlich funktionieren, braucht es vor allem eines: Support. “Ohne meine Eltern und meinen Partner wäre das nicht möglich. Ich arbeite 35 bis 45 Stunden pro Woche und muss mir das gut einteilen. Dank der Unterstützung aus meinem Umfeld kann ich den Traum von meinem eigenen Startup leben und nebenher noch als Physiotherapeutin in meiner Praxis tätig sein.”

Der Plan ging auf, PelviQueens floriert: Im Rahmen des tech2b Inkubators ist bald der Launch eines Hardware-Produkts geplant. In den Köpfen der Gründerinnen schwirren weitere Pläne und für das Mama-Sein bleibt Zeit. “Man braucht Flexibilität und Support, das ist klar. Genauso braucht man aber auch den Willen, wieder selbstständig arbeiten zu wollen. Viele sehen ihre Berufung im Mama-Sein, viele im Unternehmerin-Sein, und viele in beidem”, so Sacher.

Wenn man was gefunden hat, das einem Spaß macht, dann sollte man keine Zeit verlieren und es umsetzen. Egal, in welcher Lebenssituation man sich befindet.

Judith Sacher, Co-Gründerin von PelviQueens

Als Mama darf man sich entfalten

“Alte Frauenbilder darf man als Gründerin nicht verfolgen. Man ist keine schlechte Mutter, nur weil man seiner Leidenschaft nachgeht und Erfüllung in seinem Beruf findet”, bestärkt Sacher. “Auch als Mama darf und soll man sich entfalten – und wenn man was gefunden hat, das einem Spaß macht, dann sollte man keine Zeit verlieren und es umsetzen. Egal, in welcher Lebenssituation man ist.”

In einer ähnlichen Lebenssituation befindet sich Bernadette Frech, CEO von instahelp. In einer, in der Schlaf Mangelware ist und man neue Methoden des Zeitmanagements finden muss, um den gewohnten Arbeitsalltag nicht komplett zu verlieren. Sie leitet seit 2018 das Mental-Health-Startup, das psychologische Beratung online anbietet.

Bernadette Frech, CEO von instahelp (c) instahelp

Seit 2021 ist sie zudem Beraterin des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und arbeitete in der Arbeitsgruppe Gesundheit für die Entwicklung der Standortstrategie 2040 für Österreich mit. Instahelp selbst wurde 2019 beim 4gamechangers Festival zu Österreichs “Startup des Jahres” und von der WKO als “Born Global Champion” ausgezeichnet, 2020 bis 2024 auch zur deutschen Top Brand Corporate Health und erhielt 2021 den Digi Health Award.

Die CEO ist Mutter zweier Söhne, neun und zehn, die sie alleine aufgezogen hat; im Sommer 2023 kam noch ein Baby dazu. Bis auf die Pause im Mutterschutz hat sie ihr Startup nicht verlassen und ist aktuell geringfügig angestellt, wie sie mit sanfter Stimme erzählt, ihr dritter Sohn schlafend im Hintergrund liegend.

Stillend in Shareholder-Meetings

Frech saß bereits stillend bei Shareholder-Meetings, hat in ihrem Büro eine kleine Babyecke mit viel Spielzeug und Laufstall eingerichtet und, mit Weitsicht, vor ihrer Karenz mit Silvia Geier eine zweite Geschäftsführerin als COO bestellt.

Die Unternehmerin hat sich nie als “Stay at Home-Mum” gesehen und wurde vom rein männlichen Shareholder-Board bestärkt: “Ich war mir unsicher, ob ich der Rolle als CEO von instahelp für das Team, für unternehmerische Ziele, aber auch mit dem hohen Anspruch, den ich an mich selbst stelle, gerecht werde. Das Shareholder-Board und das Team haben mich bestärkt in der Rolle der CEO mit Baby zu bleiben.”

Also folgte sie nach der erwähnten Auszeit dem Ruf der Rückkehr und weiß heute: “Es ist (Anm.: in der Firma) wieder eine Aufgabe, eine eigene Rolle zu finden”, sagt sie. “Man ist nicht ‘full time’ da, man ist anders zurück.” Zur Unterstützung macht Frech ein Coaching, mit einer instahelp-Psychologin, bei dem sie sich in dem Prozess begleiten lässt. “Es ist ein wenig ein ‘loslassen’, man kann zwar sein Startup weiterführen, aber es muss anders sein. Dazu sind gute Rahmenbedingungen wichtig.”

In diesem Sinne hat die Europäische Investitionsbank (EIB) im November 2022 eine Studie “Warum es sinnvoll ist, Unternehmerinnen in Europa zu unterstützen” betitelt und darin belegt, dass Unternehmerinnen als Vorbilder für die Stärkung der Rolle der Frauen in der Wirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Volkswirtschaft leisten.

Darin heißt es im Wortlaut: “Untersuchungen zeigen, dass frauengeführte Unternehmen mit größerer Wahrscheinlichkeit solide Managementmethoden – und mehr Leistungsindikatoren – anwenden und eher bereit sind, neue Produkte und innovative Lösungen einzuführen, nicht nur in der Europäischen Union, sondern weltweit. Frauen neigen auch eher dazu, den grünen Wandel zu unterstützen, auf die CO2-Emissionen zu achten und sich Ziele für Energieeffizienz zu setzen. Von Frauen geführte Unternehmen erzielen bessere Ergebnisse in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance, was die Bewertung ihrer Firmen und ihre Wahrnehmung durch Investoren und Kunden verbessert.”

Ich habe das Gefühl, dass man mit jedem Kind als Person flexibler wird.

Bernadette Frech, CEO von instahelp

Frech selbst fand ideale Rahmenbedingungen vor. Sie sagt: “Ich habe das Gefühl, dass man mit jedem Kind als Person flexibler wird. Ich glaube, was wichtig ist, ist dass, je flexibler man wird, so flexibel sollte man seine Organisation auch gestalten. Wir haben das Ziel, mit instahelp das familienfreundlichste Unternehmen in der Steiermark zu werden.”

Und dazu gibt es einige Methoden beim Grazer Startup: Neben flexiblen Arbeitszeiten, herrscht u.a. eine stark begrenzte Kernarbeitszeit vor, in der Meetings stattfinden müssen. Dazu gab es, wie Frech erzählt, ein klares Einverständnis von allen Beteiligten. Eltern, die die Eingewöhnungsphase im Kindergarten leidend durchstehen müssen, können auch remote von daheim arbeiten.

An dieser Stelle möchte die dreifache Mutter eine kleine Warnung aussprechen. Sie hat den Eindruck, dass “Mamas” in solchen Fällen von der Inanspruchnahme des Pflegeurlaubs zurückweichen und stattdessen lieber arbeiten, wenn sie es können. „Man muss hier auf den ‘mental load’ von Frauen achten und darauf schauen, dass man diese Möglichkeit im Unternehmen gut vorlebt. Da muss das ganze Management-Team dahinter sein”, sagt sie.

Als weitere Methodik auf Mitarbeiter:innen mit Kindern zu achten, erweist sich die Initiative “instahelp unter Palmen”. Jeder August ist bei uns komplett remote gestaltbar, Familien im Büro sind willkommen, für Kinder gibt es je nach Altersgruppe Spielzeug sowie ein Babynest für die ganz Kleinen.

“Sehr wichtig ist aber”, betont Frech, “den Kontakt mit Frauen in Karenz zu halten, damit diese nie ganz aus dem Betrieb fallen. Auch für die Mitarbeiterinnen ist es wichtig, da Arbeit für viele eine Säule im Leben darstellt. Wir geben die Möglichkeit, dass man mit Kind nicht alles ändern muss. Man kann zum Beispiel geringfügig weitermachen oder bei einfach bei Team-Events dabei sein. Damit man merkt, man wird vermisst und gebraucht. Und am Laufenden bleiben kann.”

Polizistin, Mutter, Gründerin

Sandra Zima, Gründerin von Snagy, einem Startup, das Kuschelsitzsäcke und Geburtskissen herstellt, ist seit 2005 bei der Polizei. Und wurde 2020 Mutter. Sie war vor ihrer Polizistinnenkarriere in der Elementarpädagogik tätig und widmet sich nun hauptberuflich dem Kinderschutz. Genauer, sie übernimmt die Vernehmungen von Kindern zwischen vier und 14 nach schweren Gewalthandlungen. Ihr Startup betreibt sie nebenher.

Sandra Zima, Gründerin von Snagy (c) Sandra Zima

“Die Affinität zu Kindern war bei mir immer schon gegeben”, sagt sie, “aber das Thema ‘Selbstständigkeit’ war ein langer Wunsch von mir.” So gründete sie im März 2022 Snagy und nahm eine Kollegin mit an Bord, die aktuell aber – aus Vereinbarkeitsgründen – nicht mehr dabei ist. Als Polizistin und Gründerin mit Kind ist Zima 24/7 im Einsatz und hat kein Problem, laufend erreichbar zu sein. Sie steht im Urlaub am Strand und telefoniert und kann – weil es die heutigen Zeiten zulassen – auch von überall aus arbeiten.

Meine Tochter wächst mit dieser Situation auf

Sandra Zima

Dabei ist ihr aber auch natürlich die mentale Komponente wichtig, mit der aktuell vierjährigen Tochter kann die Wienerin sich die Arbeitszeit so einteilen, wie sie es wünscht. “Meistens arbeite ich, wenn sie schläft und sitze in der Garage, fülle Kuschelwale und packe Kisten”, sagt sie. “Ein wichtiger Punkt ist, meine Tochter wächst mit dieser Situation auf und wird von mir eingebunden. Sie hat da einen anderen Bezug zu diesen Themen, als vielleicht andere Kinder.”

Als One-Woman-Show hat Zima nie wirklich mit diversen Hürden zu kämpfen gehabt, wie es andere Founderinnen haben, einzig die Undurchsichtigkeit im System ist ein Problemfall. Besonders wenn es um die Verbesserung von Rahmenbedingungen für Frauen als Unternehmerinnen mitten im Familienleben geht.

“Es gibt gar nicht so weit hergeholte Fragen, die schwer zu beantworten sind”, gibt sie ein Beispiel. “Ich habe ein Buch geschrieben, benötige ich dafür einen Gewerbeschein? Niemand konnte mir das sagen. Oder Fragen bei der Neuentwicklung von Produkten. Es war ein massiver Aufwand, um die richtigen Antworten zu erhalten.” Die Gründerin nennt ein paar Stellen wie riz up oder auch die WKO, bei denen sie Hilfe gefunden hat. “Aber es war die größte Herausforderung, die richtigen Plätze zu finden. In Sorge, durch Unwissenheit einen großen Fehler zu machen. Aber der Vorteil der heutigen Welt ist und bleibt, dass man sich die Antworten auf brennende Fragen selber holen kann.”

Egal ob bei Sandra Zima, Judith Sacher oder Bernadette Frech, die sich alle drei in unterschiedlichen Rollen und Phasen ihres Unternehmens befinden, eines wird nach Gesprächen mit den drei Founderinnen klar. Gründerinnentum und kleine Kinder ist kein diametrales Unterfangen mehr. Keine Utopie, die ein Dorf bedarf, um ein Kind zu erziehen. Und es muss auch nicht als übler Charakterzug gesehen werden, mit einem Kind arbeiten gehen zu wollen und die betreffende Person eine Rabenmutter zu nennen.

Rabenmütter sind keine Rabenmütter

Der Begriff Rabenmutter wird schon im Vorhinein inkorrekt verwendet. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) im Artikel “Rabenmütter sind keine Rabenmütter” beschrieb, sind die oftmals verschmähten Vögel vielmehr Vorbilder in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Kolkraben, die in lebenslanger Ehe zusammenhalten, kümmern sich geradezu aufopferungsvoll um ihre Jungen, heißt es darin. Und weiter: “Das Weibchen hudert (wärmt) sie in den ersten zwei Wochen nahezu ununterbrochen, zerkleinert das vom Männchen herangetragene Futter und füttert damit geduldig ihren Nachwuchs. Erst wenn die Brut satt ist, frisst es selbst.”

Was man aus diesen Zeilen mitnehmen kann, ist nicht bloß der Inhalt, der dort beschrieben wird. Ja, Raben haben einen zu Unrecht schlechten Ruf, was ihrer Federfarbe und der Mytholgie mitunter zu verdanken ist – das wirkliche Problem und Learning hier aber ist ein anderes.

Der FAZ-Artikel stammt aus dem Jahre 2005 und behandelte das Thema Vereinbarkeit und Beruf. 19 Jahre später ist es noch immer Thema und man muss erklären, dass Gründerinnen und Frauen in Karrieren, die Kinder in die Welt gesetzt haben, nicht automatisch “schlechte Mamas” sein müssen. Man muss darüber sprechen, wie man das Private gestaltet, um einerseits als Vorbild zu dienen, auf der anderen Seite um Kritikern, Zweiflern und misogynen Personen die Munition zu nehmen, wenn sie Wortschwalle ablassen mit vor Klischees triefenden Meinungen. Oder ihnen mitteilen, was Bernadette Frech zu sagen hat: “Wenn Frauen Kinder haben und gründen wollen, oder im Beruf bleiben, dann ist das möglich. Es ist 2024 möglich, das Unternehmen so zu gestalten. Es braucht schlicht nur gute Rahmenbedingungen.”

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Goldene Houskapreis-Statue, Foto: Alexander Müller

Gute Forschung entsteht in Österreich viel. Was seltener gelingt, ist der Schritt danach: dass aus einer Erkenntnis ein Produkt wird, ein Verfahren, ein Unternehmen. Genau an dieser Schnittstelle setzt der Houskapreis der B&C Privatstiftung an. Ausgezeichnet werden Projekte, die wissenschaftliche Qualität mit konkreter wirtschaftlicher Wirkung verbinden. Mit einem Gesamtpreisgeld von 760.000 Euro ist er Österreichs größter privater Preis für anwendungsnahe Forschung.

Nun geht der Preis in seine 22. Runde. Die Einreichphase für den Houskapreis 2027 ist im September gestartet und läuft bis einschließlich 28. Oktober 2026. Eingereicht wird ausschließlich online unter www.houskapreis.at.

Warum der Fokus auf Anwendung? Erich Hampel, Vorstandsvorsitzender der B&C Privatstiftung, erklärt es so: „Forschung und Innovation sind wesentliche Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Gerade in einem zunehmend technologiegetriebenen internationalen Umfeld wird es für Österreich entscheidend sein, wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in die wirtschaftliche Praxis zu überführen. Dafür braucht es wissenschaftliche Exzellenz ebenso wie unternehmerisches Denken und den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Mit dem Houskapreis zeichnen wir Projekte aus, die diese Verbindung erfolgreich herstellen und wirtschaftliche Wirkung entfalten.“

Forschungspreis in drei Kategorien

Vergeben wird der Houskapreis 2027 in den Kategorien Hochschulforschung, Außeruniversitäre Forschung sowie Forschung & Entwicklung in KMU. Teilnahmeberechtigt sind österreichische staatliche und private Universitäten inklusive Fachhochschulen, Christian Doppler Labors, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das Institute of Science and Technology Austria (ISTA), heimische außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie kleine und mittlere Unternehmen. Gemeinsame Voraussetzung: Die wesentlichen Forschungsleistungen müssen in Österreich erbracht worden sein.

Auch der Houskapreis 2027 wird im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung vergeben, am 20. April 2027 in Wien | (c) Alexander Müller

Wie weit ein Projekt sein muss, hängt von der Kategorie ab. In der Hochschulforschung reicht es, wenn die wirtschaftliche Umsetzung unmittelbar bevorsteht oder bereits erfolgt ist. In der außeruniversitären Forschung muss sie schon passiert sein. Bei KMU muss das Projekt zusätzlich abgeschlossen sein und bereits Umsätze am Markt erzielen.

Was KMU wissen müssen

Für Unternehmen gelten klare Voraussetzungen. Sie müssen der KMU-Definition von EU und FFG entsprechen, ihren Firmensitz und ihre wesentlichen Forschungsaktivitäten in Österreich haben, maximal 249 Mitarbeiter:innen beschäftigen und einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro ausweisen. Außerdem müssen sie seit mindestens zwei Jahren bestehen, also vor dem 31. Dezember 2024 im Firmenbuch eingetragen worden sein, und dürfen in keinem Beteiligungsverhältnis zur B&C-Gruppe stehen.

Die Kategorie steht auch jüngeren Unternehmen offen, sofern sie die genannten Voraussetzungen erfüllen. Entscheidend ist, dass das Unternehmen seit mindestens zwei Jahren besteht und mit seiner Innovation schon Umsätze erzielt. Wie realistisch die Chancen sind, hat der Vorjahresjahrgang gezeigt: Alle drei Nominierungen in der KMU-Kategorie gingen an heimische innovative Unternehmen, den ersten Platz holte sich das Linzer Unternehmen sendance.

Bewertung und Einreichung

Die Bewertung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren durch Fachbeiräte pro Kategorie und eine international renommierte Jury aus Wirtschaft und Wissenschaft. Gewichtet wird dabei je nach Kategorie unterschiedlich: Bei der Hochschulforschung zählt die wissenschaftliche Qualität am meisten, bei KMU der wirtschaftliche Erfolg, der mit 40 Prozent in die Bewertung einfließt.

Vier Trophäen, vier Auszeichnungen: Der Houskapreis 2027 wird in drei Kategorien vergeben, dazu kommt der mit 10.000 Euro dotierte Mariella-Schurz-Preis, über den eine Oberstufenklasse entscheidet. | (c) Alexander Müller

Für die Einreichung braucht es je ein einseitiges Abstract auf Deutsch und Englisch sowie ein Dossier von maximal zehn Seiten. KMU dürfen das Dossier auf Deutsch oder Englisch verfassen, in den beiden anderen Kategorien ist Englisch vorgeschrieben. Hochschulen legen mindestens einen Letter of Intent eines Wirtschaftspartners bei, außeruniversitäre Einrichtungen mindestens einen Kooperationsnachweis. In allen Anträgen ist zudem der Beitrag zu den SDGs zu beschreiben.

Preisgeld und Termine

Pro Kategorie werden drei Projekte nominiert, und alle drei gehen mit Preisgeld nach Hause: 150.000 Euro für den ersten Platz, 70.000 Euro für den zweiten, 30.000 Euro für den dritten. Die Erstplatzierten bekommen von der B&C Privatstiftung zusätzlich die goldene Houskapreis-Statue überreicht.

Darüber hinaus vergibt die B&C Privatstiftung den mit 10.000 Euro dotierten Mariella-Schurz-Preis an eines der nominierten Projekte, das eine Oberstufenklasse auswählt. Die Preisgelder gehen an die Institutionen und kommen dort weiteren Forschungsarbeiten zugute.

Die Nominierten werden im Februar 2027 bekannt gegeben, die Verleihung findet am 20. April 2027 in Wien statt. Wer sich vorab informieren will, hat am 5. Oktober 2026 um 14 Uhr bei einer weiteren Online-Informationsveranstaltung Gelegenheit dazu, Anmeldung unter [email protected]. Im Vorjahr gingen die ersten Plätze an die TU Wien, das AIT Austrian Institute of Technology und das Unternehmen sendance. brutkasten hat über die neun Nominierungen für den Houskapreis 2026 berichtet.

Einreichung: bis 28. Oktober 2026 unter www.houskapreis.at
Kontakt: [email protected]

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