vlnr.: Chris Müller, Direktor für Entwicklung, Gestaltung und künstlerische Agenden, Peter Gönitzer (Gründer und CEO Nobilegroup), Bürgermeister Klaus Luger, Aufsichtsratsvorsitzender der Tabakfabrik Linz, Lorena Skiljan (Managing Partner Nobilegroup) und Markus Eidenberger, Kaufmännischer Direktor der Tabakfabrik Linz | (c) Gerhard Gruber
Ganze 2.123 Photovoltaik-Paneele sollen künftig auf einer Fläche von 4.120 Quadratmetern auf den Dächern der Linzer Tabakfabrik installiert sein. Man werde damit „eines der größten Sonnenkraftwerke Oberösterreichs“ betreiben, heißt es dazu in einer Aussendung. Dieses soll in der ersten Ausbaustufe rund ein Viertel des jährlichen Energiebedarfs des Gebäudekomplexes decken. Konkret sollen es voraussichtlich ca. 750.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr sein – das ist etwa der Verbrauch von 250 Haushalten.
Dahinter steht ein größerer Plan mit den Liegenschaften der Stadt Linz. „In den nächsten zehn Jahren wollen wir bereits die Hälfte des Stroms privater Haushalte mittels Photovoltaik erzeugen“, erklärt der Linzer Bürgermeister Klaus Luger, Aufsichtsratsvorsitzender der Tabakfabrik Linz, bei der Pressekonferenz dazu. Bis 2040 soll die drittgrößte Stadt des Landes klimaneutral werden.
Tabakfabrik: Halbe Million Euro Stromkosten-Ersparnis in 25 Jahren
Umgesetzt wird das Projekt mit Unterstützung der Wiener Nobilegroup, die vorab umfassende Analysen durchführte. So wurden unter anderem die Viertelstundenwerte von Stromzählern in der Tabakfabrik einbezogen, ergänzt um den Stromverbrauch für Allgemeinflächen und Baustellen. Außerdem wurden der gegenwärtige Verbrauch und die zukünftige Stromerzeugung gegenübergestellt und die Energieflüsse unter Berücksichtigung individueller Lastprofile simuliert. „Unsere Analyse hat ergeben, dass die Einbindung erneuerbarer Energie in der Tabakfabrik möglich und aufgrund des signifikanten Dachflächenpotenzials sinnvoll ist“, erklärt Peter Gönitzer, Gründer und CEO der Nobilegroup.
Für Mieter:innen gibt es ein eigenes Beteiligungsmodell. Dieses erfolgt über Crowdfunding, mit dem Eigentum an einzelnen Photovoltaik-Paneelen erworben werden kann. In zwölf bis 19 Jahren soll sich die Anlage amortisiert haben. Die Ersparnis an Stromkosten könnte nach 25 Jahren bis zu 552.000 Euro betragen, heißt es weiter.
In den kommenden Jahren plant die Tabakfabrik Linz auch eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) mit dem neuen Donauparkstadion des FC Blau-Weiß Linz, das nur wenige hundert Meter entfernt in der Nachbarschaft gebaut wird. „Die Stadt Linz nimmt eine Vorreiterrolle ein und zeigt mit diesem Projekt, wie eine Stadt die Energiezukunft für eigene Bewohner und Wirtschaft gestalten kann“, kommentiert Lorena Skiljan, Managing Partner Nobilegroup.
Gegen Ineffizienz im Glasfaserausbau: Die „Zero-Touch“-Lösung des OÖ-Startups fluctus
Der weltweite Glasfaserausbau floriert – doch auf lokaler Ebene bleiben oft Lücken und ineffiziente Systeme bestehen. Das österreichische Startup fluctus von Anna Kurpierz und Christian Sattlecker hat eine „Zero-Touch"-Lösung entwickelt, die offene Netze zentralisiert managen und den Markt für neue Anbieter öffnen soll.
Gegen Ineffizienz im Glasfaserausbau: Die „Zero-Touch“-Lösung des OÖ-Startups fluctus
Der weltweite Glasfaserausbau floriert – doch auf lokaler Ebene bleiben oft Lücken und ineffiziente Systeme bestehen. Das österreichische Startup fluctus von Anna Kurpierz und Christian Sattlecker hat eine „Zero-Touch"-Lösung entwickelt, die offene Netze zentralisiert managen und den Markt für neue Anbieter öffnen soll.
Der Bedarf an Bandbreite und enormen Datenvolumina steigt rasant. Doch während der globale Ausbau der physischen Infrastruktur voranschreitet, hinkt die digitale Verwaltung oft hinterher. Gerade kleine Regionen und lokale Netzerrichter stünden vor großen Herausforderungen. Zudem arbeiten mittelständische und große Unternehmen häufig mit starren, unzureichenden Systemen, denen es an Flexibilität fehlt, so die Erfahrung des fluctus-Gründerduos Anna Kurpierz und Christian Sattlecker.
fluctus mit End-to-End
„Wir haben bei unseren Projekten festgestellt, dass der österreichische Ausbau oft große Lücken hinterlässt – kleinen Regionen und Netzbetreibern fehlt der Zugang zu zukunftsträchtigen Technologien“, sagt Kurpierz. Um diese Lücken zu schließen, hat das oberösterreichische Startup ein von Grund auf neues Management-System für „Open-Access-Netze“ entwickelt.
Dabei setzt fluctus auf ein „New-Generation Open-Access-Tool“, das den Datenaustausch zentralisiert abwickelt. Das System funktioniert als reine „Zero-Touch“-Anwendung.
„Wir sind derzeit die Einzigen, die am europäischen Open-Access-Markt eine komplett zentralisiert managebare End-to-End-Lösung (E2E) anbieten“, erklärt die Gründerin weiter. „Da sämtliche Marktbegleiter von den Kunden eine Implementierung der Logiken in deren Netz voraussetzen.“
Der entscheidende Vorteil für Kunden sei hierbei, dass im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten Netzbetreiber keine komplexen Logiken mehr selbst in ihr eigenes Netz implementieren müssten.
Wettbewerb steigern
„Ziel unseres Systems ist der Zugang zu einem offenen Netz für alle Breitbandteilnehmer“, so die Founderin weiter. „Einerseits wird damit der Wettbewerb unter den ‚Internet Service Providern‘ gesteigert und verbraucherseitig entsteht zudem ein Nutzen aus qualitativ hochwertigen Produkten, ein großer Pool aus Anbietern und Produkten sowie niedrigere Preise. Durch die Entstehung eines Polypols auf der Angebotsseite und den daraus entstehenden größeren Markt ergeben sich intensivere Preis- und Qualitätswettbewerbe.“
Zudem würden offene Netze einen fairen Zugang für alle Anbieter ermöglichen und an jedem Anschluss einheitliche Prozesse sowie technische Mindeststandards garantieren.
„Unser Produkt ist im Wesentlichen ein System für den Glasfaserausbau und -betrieb, welches als zero-touch Anwendung realisiert wird. Durch das ‚New-Generation Open Access Tool‘, welches den Datenaustausch zentralisiert abwickelt, kann eine vergleichbare Angebotslandschaft wie im Mobilfunk geschaffen werden – neben bestehenden Internet-Providern werden auch neue Anbieter im selben Netz entstehen“, erklärt Kurpierz. „Dies führt zu größerer Angebotsvielfalt, wettbewerbsfähigen Preisen und einer höheren Anschlussquote. Es entstehen somit auch neue Möglichkeiten für Discounter, Energy-Drink-Giganten bis hin zur kleinen IT-Firma, im Netz anzubieten.“
Zielgruppen von fluctus
Die Kernzielgruppe von fluctus umfasst Netzbesitzer (wie regionale Infrastrukturbetreiber) sowie große Technologieunternehmen. Ein typischer Use-Case ist der Zusammenschluss bislang getrennt strukturierter Regionen. Durch die Zentralisierung von Netz- und Betriebsprozessen sollen bestehende Infrastrukturen effizienter genutzt und neue Internet-Service-Provider nahtlos integriert werden.
Monetarisiert wird die Technologie über Dienstleistungs- und Wartungsverträge. Nach dem Prinzip „Grow with your business“ bietet fluctus drei flexible Modelle an, die ein E2E-Deployment und den laufenden Betrieb über das hauseigene OSS/BSS-Management-System umfassen. Die Preisgestaltung ist nach Unternehmensgröße gestaffelt. Zusätzlich wird pro Projekt beziehungsweise pro „Point of Presence“ (POP) eine Projektpauschale verrechnet, die sich nach der Größe des Projekts richtet.
Hürden überwunden
Die Entwicklung einer derart tiefgreifenden Technologie ist kapital- und ressourcenintensiv. Das Gründerteam stand beim Aufbau vor massiven Hürden, wie Kurpierz erklärt: „Die Entwicklung und Herstellung unseres Produktes hat hohe Investitionen, sogenannte CAPEX, erzeugt und unzählige Tests erfordert. Erschwerend kommt hinzu, dass es am Markt wenig ausgebildetes Personal in diesem Bereich gibt – die interne Weiterbildung in dieser Nische ist enorm zeitintensiv und führt daher zu höheren Kosten.“
Einen entscheidenden Durchbruch hierbei brachte aws Seedfinancing – Deep Tech. Die Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) trug maßgeblich zur Marktreife der Technologie bei, wie die Gründerin erklärt. Zudem konnte das Startup das aws-Netzwerk nutzen, um strategisch wertvolle Kontakte zu knüpfen.
Mit einer fertigen Technologie im Rücken sind die nächsten Meilensteine klar definiert. In den kommenden Jahren möchte sich fluctus als etablierte Größe im DACH-Raum positionieren. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Erschließung weiterer internationaler Märkte voran.
Disclaimer: Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt
Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.