11.12.2020

Marketing-Fitness-Programm, Teil 3: Funnels und User Journeys

Im finalen Teil des Marketing-Fitness-Programms geht es um Funnels und ihre Funkton im Marketing.
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Marketing
(c) Adobe Stock / Holmessu

Der harte Lockdown ist vorbei und auch unser dreiteiliges Marketing-Fitness-Programm kommt heute zu seinem Ende. Nachdem wir uns bereits mit unseren Kunden und unserem Tracking beschäftigt haben, wollen wir uns heute dem Element widmen, das unsere Marketing-Strategie zu einem stimmigen Gesamtbild für den Endnutzer macht: die User Journey beziehungsweise der Funnel.

Der Begriff “Funnel” hat in den letzten Jahren im Online Marketing an Popularität gewonnen. Letztendlich geht es dabei aber um eine simple Sache: die Visualisierung aller wichtigen Schritte vom Erstkontakt des Users mit unserer Marke bis hin zur Conversion. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten, wie ein solcher Funnel dargestellt werden kann.

Heute wollen wir uns deshalb als Erstes zur Inspiration einige Funnel-Varianten ansehen. Danach widmen wir uns der Frage, welche Vorteile die regelmäßige Analyse auf Funnel-Ebene haben kann und wie wir dies am besten in der Praxis nutzen.

Von Tofu und Piraten – Die verschiedenen Funnel Ansätze

Die häufigsten Funnel-Visualisierungen orientieren sich an der wortwörtlichen Übersetzung des Begriffs: die Kunden werden in einem Trichter visualisiert. Am unteren Ende verengt sich der Trichter und die Kunden kommen zur Conversion. Anhand des immer enger werdenden Trichters sind die Phasen des Marketings aufgeteilt:

  • Im Top Of Funnel (ToFu) findet der Erstkontakt statt- beispielsweise eine Google Search Ad, eine Brand Awareness Ad im Facebook-Netzwerk, oder eine Influencer-Kampagne, welche die Marke vorstellt.
  • Im Middle Of Funnel (MoFu) geht es dann darum, die Kunden näher zu binden: Beispielsweise die Bewerbung des Newsletters oder eines Webinars mit weiteren Informationen.
  • Und im Bottom of Funnel (BoFu) geht es dann um die eigentliche Conversion: mit Retargeting-Ads, Email-Sequenzen und Trust-Signalen (Reviews, Medienberichte) werden die User zur Conversion geführt.

Dieses Modell ist leicht visualisierbar und verständlich, verfügt aber über Nachteile: die Zusammenfassung auf drei Phasen simplifiziert die User Journey mitunter zu sehr, da vom Erstkontakt bis zum Abschluss oft mehr Schritte notwendig sind. Außerdem kann die Visualisierung einer breiten ersten Phase des Funnels zu einem Trugschluss führen – denn nicht immer wollen wir wirklich in der ersten Phase derart viele Menschen ansprechen. Manchmal ist es effektiver, auch bei Erstkontakten fokussiert zu targeten.

Eine andere Variante, die nuancierter an die Stufen der Customer Journey heran geht, ist der AAARRR-Pirate-Funnel. Er gliedert sich in 6 Stufen:

  • Wie erfahren mögliche Kunden von unserem Produkt? Im Awareness-Stage geht es genau darum: Werbungen zur Markenbekanntheit, PR-Maßnahmen, Cold-Outreach – all das kann in diese Phase fallen
  • In der Acquisition-Phase gehen wir einen Schritt weiter – jetzt soll der Kunde tatsächlich auf unsere Website oder in unser Geschäft kommen. Hier spielt zum Beispiel Suchmaschinenoptimierung eine wichtige Rolle: eine gute Auffindbarkeit unserer Website führt zu mehr Visits.
  • Als nächstes folgt die Activation – diese kann einen Zwischenschritt darstellen, beispielsweise das Abonnieren eines Newsletters, oder auch den Beginn des Kaufprozesses
  • In der Retention-Phase wollen wir sichergehen, dass der Kunde sich immer wieder an uns erinnert, und zu uns zurückkehrt. Während er also darüber nachdenkt, ob er unser Produkt kaufen soll, bleiben wir mit Retargeting-Werbungen präsent. 
  • Im Revenue-Stage ist es dann soweit: der Kunde kauft das Produkt und wird zum Umsatzbringenden Kunden
  • Zu guter letzt folgt die Referral-Phase: hier geht es darum, dass zufriedene Kunden zur Neukundengewinnung beitragen. Dies kann zum Beispiel durch positive Reviews, oder durch Empfehlungen in einem Markenbotschafter-Programm geschehen.

Diese Methode ist vor allem im Growth Hacking-Bereich sehr beliebt, weil sie nicht bei der einmaligen Transaktion endet, sondern auch Kundenbindung und Weiterempfehlungen miteinbezieht. Allerdings sollte auch dieses Phasenmodell nicht rigide übertragen werden – manchmal kann es zum Beispiel vorkommen, dass die Activation und Retention-Phasen nur minimal zum Einsatz kommen.

Funnels in der Praxis

Welches der Funnel-Modelle im Marketingalltag am besten funktioniert, kommt sehr auf das jeweilige Produkt und die Marke an: je komplexer das Produkt und der Akquiseprozess, desto granularer sollte auch die Funnel-Planung sein, damit wir den Status Quo auch akkurat abbilden, planen und optimieren können.

Wenn wir erst in der Pre-Launch-Phase unseres Produkts stehen, kann uns die Planung des Funnels dabei helfen, die Marketing-Maßnahmen aufeinander abzustimmen, und sicherzugehen, dass kein Bereich übersehen wird. Idealerweise bauen wir die Planung auf die Schritte der letzten Wochen auf: dank der Zielgruppendefinition können wir uns überlegen, ob wir für unterschiedliche Personas auch verschiedene Funnel-Schritte einplanen. Vorstellbar wäre zum Beispiel eine erweiterter Customer Journey für weniger Technologieaffine User, in denen das Produkt nochmals im Detail vorgestellt wird. Und mit Hilfe der Micro-Conversions aus Woche zwei können wir uns auch für jeden Schritt ein messbares Ziel überlegen. So können wir die Effektivität unseres Funnels langfristig evaluieren und optimieren.

Aber auch wenn wir mit unserem Produkt bereits längere Zeit am Markt aktiv sind, macht es Sinn, sich die Zeit zu nehmen, und den Funnel zu evaluieren. Verhalten sich die User tatsächlich so, wie bei der Planung angenommen? Oder werden manche Funnel-Phasen übersprungen? Oft kann bei einer Analyse eines bestehenden Funnels auch Verbesserungspotenzial entdeckt werden – zum Beispiel, dass noch ein geringer Anteil der Bestandskunden das Produkt an den Bekanntenkreis weiterempfiehlt. Gerade am Ende eines Quartals ist eine Funnel-Evaluation also eine gute Ideenquelle für den zukünftigen Maßnahmenplan.

Die Übungen

Zum Abschluss wollen wir unsere Marketing-Fitness deshalb entlang des Funnels optimieren:

  1. Planung eines neuen Funnels
    1. Unterteilung in sinnvolle Phasen
      1. Einbeziehung der definierten Personas – macht der selbe Funnel für alle Sinn?
    2. Planung der jeweiligen Schritte in den einzelnen Phasen
    3. Definition messbarer Ziele für die einzelnen Schritte
  2. Analyse & Optimierung eines bestehenden Funnels
    1. Sind die Schritte im Funnel korrekt getrackt, gibt es aussagekräftige Daten?
    2. Verhalten sich die Kunden wie im Funnel vorhergesagt?
    3. Sollten zusätzlich Maßnahmen gesetzt werden, oder der Funnel eventuell sogar verkürzt werden?
      1. Mit gut Dokumentierten vorher/nachher-Werten, können Optimierungsversuche gestartet werden

Wenn wir diese Übung schaffen, haben wir es überstanden: mit einer präzise definierten Zielgruppe, einer soliden Datenbasis als Entscheidungsgrundlage und mehr Klarheit über unsere User Journey ist unsere Marketing-Fitness auf jeden Fall gesteigert. So können wir fit ins Jahr 2021 und aus der Krise kommen!

Ich hoffe, das Marketing-Fitness-Programm hat Ihnen gefallen und vielleicht einige neue Perspektiven aufgezeigt. Kommen Sie gesund und Fit durch die Feiertage.

Über den Autor

Leander C. Seidl ist selbstständiger Digital Marketing Stratege für Startups, KMUs und Corporates. Er arbeitete unter anderem am Aufbau des Travel-Startups Midnightdeal, sowie an Product Launches von verschiedenen Tech-Companies. An der FH Technikum Academy und der FH WKW ist er als Gastlektor für Marketing Automation tätig.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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AI Summaries

Marketing-Fitness-Programm, Teil 3: Funnels und User Journeys

  • Nachdem wir uns bereits mit unseren Kunden und unserem Tracking beschäftigt haben, wollen wir uns heute dem Element widmen, das unsere Marketing-Strategie zu einem stimmigen Gesamtbild für den Endnutzer macht: die User Journey beziehungsweise der Funnel.
  • Der Begriff „Funnel“ hat in den letzten Jahren im Online Marketing an Popularität gewonnen.
  • Letztendlich geht es dabei aber um eine simple Sache: die Visualisierung aller wichtigen Schritte vom Erstkontakt des Users mit unserer Marke bis hin zur Conversion.
  • Idealerweise bauen wir die Planung auf die Schritte der letzten Wochen auf: dank der Zielgruppendefinition können wir uns überlegen, ob wir für unterschiedliche Personas auch verschiedene Funnel-Schritte einplanen.
  • Oft kann bei einer Analyse eines bestehenden Funnels auch Verbesserungspotenzial entdeckt werden – zum Beispiel, dass noch ein geringer Anteil der Bestandskunden das Produkt an den Bekanntenkreis weiterempfiehlt.

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  • Der Begriff „Funnel“ hat in den letzten Jahren im Online Marketing an Popularität gewonnen.
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