02.11.2021

„2 Minuten 2 Millionen“: Fünf Investoren für Leiberl-Gründerinnen

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es um Holz-Golf, Hanf zum Trinken und Wohlbefinden durch Bitterstoffe. Zudem konnten sich drei Gründerinnen gleich alle Investoren angeln.
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2 Minuten 2 Millionen, ecolodge, Rohla, Build & Putt, Bitter & Friends
(c) Puls 4/Gerry Frank - Juror Martin Rohla beim Ausprobieren von Streetwear.
kooperation

Der erste bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Robin Simsa. Der junge Mann hat in vielen schlaflosen Nächten mit Revo Foods eine Alternative für Fischliebhaber nur aus pflanzlichen Inhaltsstoffen entwickelt. Durch 3D-Lebensmitteldruck sollen die echten Geschmäcker haargenau wieder gegeben werden können. Außerdem würden sich seine Lebensmittel durch elf natürliche Inhaltsstoffe für einen hohen Omega 3 und Proteingehalt auszeichnen.

Fleischalternativen aus Stammzellen

Simsa studierte Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien und beschäftigte sich im Rahmen seines Studiums mit der Herstellung von Fleischalternativen aus Stammzellen. 2020 erfolgte gemeinsam mit seinen Mitstreitern Theresa Rothenbücher und Manuel Lachmayr die Unternehmensgründung. Seine Forderung an die Investoren: 100.000 Euro für zwei Prozent Anteile.

2 Minuten 2 Millionen, Revo Foods
(c) Puls 4/Gerry Frank – Robin Simsa (r.) und Hans Peter Haselsteiner bei „2 Minuten 2 Millionen“.

Nach dem Pitch beantwortete der Gründer alle Fragen mit großer Souveränität, erklärte die Inhaltsstoffe und versicherte Hans Peter Haselsteiner, dass der imitierte Lachsgeschmack durch einen natürlichen Stoff käme. Nähere Infos gebe es nur bei einem Einstieg, meinte er lächelnd.

Danach schaltete sich Markus Kuntke zu. Der Trendmanager, der auf gesunde Ernährungsformen setzt, verteilte das Billa-Startup-Ticket an Revo Foods. Haselsteiner entschied sich dennoch gegen ein Investment. Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla wollte aufgrund dessen, dass er bei Swing Kitchen investiert sei, nicht einsteigen. Auch Alexander Schütz ging, da er keine Affinität zu Lebensmittel habe.

Kapitalintensiver Weg bis zur Großproduktion

Katharina Schneider fürchtete einen kapitalintensiven Weg für das Startup bis hin zur Großproduktion und ging ebenso. Hotelier Bernd Hinteregger wagte es tatsächlich und probierte es mit zehn Prozent für 100.000 Euro. Nach dem letzten Juror schaltete sich auch Daniel Zech zu. Er bot mit Seven Ventures 500.000 Euro Werbeleistung für drei Prozent am Unternehmen an.

Nach der Beratung kehrte der Gründer zurück, gab Hinteregger einen Korb und ließ auch Zech abblitzen, da es, seinen Worten nach, wohl etwas zu früh für eine Medienkooperation sei. Kein Deal für Revo Foods.

Bitteres bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Marie Greiff und David Faber von Bitter & Friends. Sie wollen mit ihren Produkten aus der Manufaktur Greiff in Wels für das Wohlbefinden ihrer Kund:innen sorgen und den Alltag um eine gesunde Ernährung bereichern. Ob Bitterstoffe in Tropfenform für vor dem Essen, als Elixier danach oder als Tee, Schokolade oder Likör – die Bitterstoffe des Startups sollen die Verdauung fördern und den Stoffwechsel anregen. Oder auch die Entspannungsnerven treffen, damit sich Kund:innen entspannen. Die Forderung: 250.000 Euro für zehn Prozent Anteile.

Nach dem wohl einstudierten Pitch mit hohem Erklärungsfaktor ging es um die Wirkung von Bitterstoffen, etwa der Minderung des Heißhungers, und auch um die Verkaufszahlen. Der Plan fürs erste Geschäftsjahr wäre eine Million Euro Umsatz, erklärten die Gründer.

Bitter & Friends
(c) Puls 4/Gerry Frank – Marie Greiff und David Faber von Bitter & Friends.

Hinteregger zog sich als erster zurück. Schneider indes wusste um die Wichtigkeit dieses Themas und bot 100.000 Euro für zehn Prozent. Alexander Schütz legte mit 125.000 Euro nach. Haselsteiner und Rohla verabschiedeteten sich danach und meinten, mit den beiden Angeboten ihrer Kollegen wären die Gründer an der richtigen Adresse. Nach der Beratung kehrte das Duo zurück und entschied sich für Alexander Schütz. Deal für Bitter & Friends.

Die drei Damen vom Eco-Startup

Die Schwestern Kerstin und Denise Tuder sowie Barbara Pletzer waren die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“. Mit ecolodge Fashion bieten sie nachhaltige, biologische, vegane und fair produzierte Streetwear. Neben dem Vertrieb der eigens kreierten Modekollektion haben die Gründerinnen auch ein zweites Standbein zu bieten. Bei Teamwear können Unternehmen gebrandete Kleidung ordern. Dabei kümmern sich die drei Gründerinnen um die Produktion und Lieferung, sowie bei Bedarf auch um das Design und Logos. Die Forderung: 50.000 Euro für 20 Prozent, um die Awareness zu steigern.

(c) Puls 4/Gerry Frank – Das ecolodge-Team konnte die Investoren beeindrucken.

Nach der Vorstellung komplimentierten sowohl Haselsteiner als auch Rohla den Pitch, setzten aber eine besorgte Miene auf, als die Gründerinnen erklärten, sie ließen in Bangladesh produzieren. Jene erklärten, dass sie sich bewusst wären, dass es in Asien Orte gebe mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen, sie aber zwei Produzenten hätten, die unter guten Bedingungen aus zertifizierten Fabriken ihre Arbeit verrichten.

Kein Investment-Case, aber…

Nach dem Diskurs über den USP des Startups – hohe Qualität und höchste Zertifizierung der Branche – meinte Haselsteiner, dass die Gründerinnen kein klassischer Investment-Case wären, aber unterstützungswert. Er bot 10.000 Euro für fünf Prozent. Auch Rohla, Schütz und Schneider wollten mit demselben Angebot einsteigen. Für die Mediashop-Chefin sei vor allem die Teamwear-Idee eine großartige. Hinteregger komplettierte die Fünfer-Runde mit je 10.000 Euro für insgesamt 25,1 Prozent Abgabe.

Danach schaltete sich Daniel Zech zu. Er bot dem Startup eine Verkaufsfläche im Startup Village in der Shopping City Süd an. Fünffach-Deal für ecolodge.

Trinkhanf bei „2 Minuten 2 Millionen“

Christian Frenkenberger war der nächste bei „2 Minuten 2 Millionen“. Er hat mit Trinkhanf einen pflanzlichen und veganen Drink (aus Wasser und Hanf) entwickelt, der nussig schmecken soll und über 80 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthält. Für die Produktion nutzt er Wasser und Hanfsamen von Nutzsorten. Diese dürfen einen gewissen THC-Gehalt nicht überschreiten. Somit hat das Produkt auch keine berauschende Wirkung. Darüber hinaus hat er andere Versionen des Getränks, sowie einen Riegel im Sortiment. Die Forderung: 300.000 Euro für fünf Prozent.

Gesunkener Umsatz als Problem

Nach einem holprigen Pitch störten sich die Investoren an der hohen Bewertung, hatten wenig Verständnis für die Ausführungen des Gründers und erfuhren, dass der Jahresumsatz der Firma „Frenkenberger Hanfprodukte“ vor zehn Jahren bereits bei 600.000 Euro gelegen hatte, heute aber rund 170.000 Euro betrüge. Frenkenberger habe sich, so im Wortlaut, mit den falschen Leuten angelegt.

(c) Puls 4/Gerry Frank – Christian Frenkenberger beim Vorstellen seiner Hanf-Produkte.

Florian Gschwandtner meinte, er könnte diese Bewertung überhaupt nicht rechtfertigen. Schütz nannte es sogar „Wahnsinn“, während der Runtastic-Gründer zufügte, kein Mensch würde bei dieser Forderung investieren. Beide waren schnell draußen. Haselsteiner folgte, Schneider ging stumm und Hinteregger verabschiedete den Gründer mit einem seichten Witz aus dem Studio. Kein Deal für Trinkhanf.

Tischgolf bei „2 Minuten 2 Millionen“

Gerlinde und Klaus Endres bildeten den Abschluss von „2 Minuten 2 Millionen“. Sie wollen mit Build & Putt das Golf-Feeling auf den Wohnzimmertisch bringen. Mit ihrem Tischholzspiel können bis zu vier Personen gleichzeitig am hölzernen Green spielen. Der Course ist individuell gestaltbar und ähnlich einer Kugelbahn für Murmeln beliebig mit Bahnen aus nachhaltigem Holz erweiterbar. Magneten sorgen dabei für Stabilität. Die Forderung: 50.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung.

(c) Puls 4/Gerry Frank – Gerlinde und Klaus Endres brachten Spielerisches in die Startup-Sendung.

Nach dem souveränen Pitch probierten Hinteregger und Rohla das Spiel aus und erfuhren von 40.000 Euro Umsatz in zwei Jahren. Schütz gefiel das Produkt von der Haptik und vom Design her, er aber hätte keinen Bezug zum Spielgeschäft. Auch Schneider sah sich als falsche Partnerin. Rohla meinte, der konservativ angelegte Umsatzplan von 160.000 Euro in drei Jahren, sei leider ein Ausschlussgrund für ihn. Hinteregger versprach Kunde zu werden, aber auch er wollte nicht einsteigen. Haselsteiner als letzte Hoffnung hoffte, dass der Auftritt in der Sendung gute Resonanz bringen würde. Kein Deal für Build & Putt.

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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