04.10.2019

Q&A-Session zu PSD2: So wird die RBI Drittanbietern die APIs zur Verfügung stellen

Die Frist zur Umsetzung der PSD2-Richtlinie endete mit 14. September 2019. In einer Q&A-Session mit dem brutkasten beantworte Christian Wolf, Head of Group Transformation der Raiffeisen Bank International AG, wie seine Bank Drittanbietern über einen neu geschaffenen Marketplace die nötigen APIs zur Verfügung stellen wird.
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Christian Wolf, Raiffeisen Bank International AG © RBI
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Die PSD2-Richtlinie der EU sieht vor, dass Banken Drittanbietern, wie FinTechs oder anderen Banken, auf Kundenwunsch den Zugriff auf Daten von Girokonten ermöglichen müssen. Mit 14. September 2019 endete die Frist zur Umsetzung der Richtlinie. In einer Q&A-Session mit dem brutkasten beantworte Christian Wolf, Head of Group Transformation der Raiffeisen Bank International AG, wie die Bank Drittanbietern künftig die nötigen APIs zur Verfügung stellen wird.

+++ Elevator Lab: Kooperation mit FinTechs soll Banking innovativer machen +++

Wie wurde die PSD2-Richtlinie innerhalb des Bankenwesens aufgenommen?

Die PSD2-Richtlinie hat im Bankenwesen sicherlich für Unruhe gesorgt. Zunächst ist sie als Bedrohung wahrgenommen worden, da sie die Banken dazu verpflichtet, die Transaktionsdaten ihrer Kunden an Drittanbieter zur Verfügung zu stellen. Dahingehend bestand die Befürchtung, dass die Banken das Interface zum Kunden verlieren. 

Wie ging die RBI mit der PSD2-Richtlinie um?

In der RBI haben wir sehr schnell gemerkt, dass wir dieses vermeintliche Bedrohungsszenario als Chance wahrnehmen müssen. Die PSD2-Richtlinie wurde daher Ausgangspunkt unserer Open-Banking-Strategie. Dahingehend haben wir uns Open-Banking-Modelle in den USA und Asien angeschaut. Uns hat insbesondere interessiert, welche Annahmen diesen Modellen zu Grunde liegen. Im Zentrum stand die Frage, warum Banken ihre Daten proaktiv ohne rechtliche Vorgaben für Drittanbieter zur Verfügung stellen.

Wie wurde die PSD2-Richtlinie bei der RBI umgesetzt? 

Die PSD2-Richtlinie ist im Jänner 2018 in Kraft getreten. Die Umsetzung war mit der Frist vom 14. September 2019 zu erfüllen. Die RBI ist auf 13 CEE-Märkten vertreten, sechs davon sind EU-Länder, in denen wir nun mit den APIs live sind. Dazu zählen Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Tschechien und die Slowakei. 

In Tschechien und der Slowakei waren wir allerdings schon früher live, da der lokale Gesetzgeber dies so vorgeschrieben hat. Bei der PSD2 handelt es sich nämlich um eine Richtlinie, die von den jeweiligen Gesetzgebern mit nationalem Recht umzusetzen ist.

Welche konkreten Anwendungen ermöglichen die APIs?

Die klassischen Anwendungsfälle für PSD2-APIs sind Aggregations-Use-Cases sowie Zahlungsauslösedienste. Ein Aggregrations-Use-Case ermöglicht beispielsweise die gleichzeitige Darstellung von mehreren Konten verschiedener Banken in einer App. Zu den über die PSD2- Anforderungen hinausgehenden Anwendungen gehören insbesondere KYC-Prozesse und Identity-Uses-Cases. Weiters zählen auch Pay-Integration-Anwendungen für Corporates und KMU dazu. Bei den Drittanbietern, denen wir die APIs zur Verfügung stellen, handelt es sich um vier Kundengruppen. Zu ihnen zählen FinTechs, Developer, Corporates und BigTechs. 

Wie werden die APIs zur Verfügung gestellt?

Die APIs werden künftig über einen eigenen Marketplace zur Verfügung gestellt, der im MVP-Status Ende November gelauncht wird. Dabei verfolgen wir die Philosophie einen zentralen Entry-Point für alle Drittanbieter zu schaffen. Der Marketplace soll sich nicht nur an Developer richten, indem die APIs technisch zur Verfügung gestellt werden, sondern auch einen breiteren Adressatenkreis ansprechen. Über die Plattform wollen wir beispielsweise zeigen, welche Use-Cases es gibt und welche Kooperationsmöglichkeiten den Drittanbietern durch die APIs geboten werden.

Wie sollen die einzelnen Drittanbieter angesprochen werden?

FinTechs erreichen wir sehr gut über das Elevator-Lab der RBI. Der Adressatenkreis beschränkt sich jedoch nicht nur auf dessen Teilnehmer. Bereits jetzt laden wir Corporates, Big Techs und Developer aktiv dazu ein, Use-Cases zu identifizieren, an denen wir künftig gemeinsam arbeiten können. Erste Entwicklungen mit Corporates laufen bereits. Wichtig dabei: Die Open-Banking-Strategie verfolgt nicht das Ziel, private APIs zu entwickeln, sondern die APIs einem breiten Publikum am Marketplace bereitzustellen.

Was erhofft sich die RBI durch die Open-Banking-Strategie?

Im Prinzip geht es bei dieser Strategie darum, wie wir es als Bank schaffen, ein nahtlos integrierter wertstiftender Teil der Customer Journey der Kunden zu werden. Durch die Connected-Economy werden wir früher oder später sicherlich mit Kunden-Anforderungen konfrontiert werden, die wir nicht alleine lösen können. In diesem Fall macht es Sinn auf Partner, wie FinTechs, zuzugehen und mit ihnen gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Aber auch die gemeinsame Entwicklung neuer Produkte steht für uns im Fokus unserer Open-Banking-Strategie. Die PSD2-Richtlinie ist somit nicht das Ende, sondern der Ausgangspunkt, um die neue Infrastruktur für alle Parteien gewinnbringend einsetzen zu können.


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Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger
Vl. A1-CCO Martin Resel und IBM-Österreich-Chef Marco Porak | © A1/APA/Hörmandinger

Dass für Unternehmen kein Weg mehr an Agentic AI vorbeiführt, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Dass eine sichere und konforme Umsetzung davon nicht so einfach ist, ebenfalls. „Für KI im Unternehmenskontext gelten andere Spielregeln als im privaten Bereich. Ich spreche hier besonders von souveräner KI“, sagt Marco Porak, Generaldirektor von IBM Österreich, bei einem gemeinsamen Pressetermin mit A1 und dessen Cloud-Tochter Exoscale. Mit einer gemeinsamen Plattform, die IBM watsonx auf A1 Exoscale bringt, will man Unternehmenskunden gemeinsam eine sichere und digital souveräne Lösung bieten.

„Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur“

Denn Schatten-KI, also die Nutzung privater bzw. vom Unternehmen nicht genehmigter KI-Anwendungen durch Mitarbeiter:innen, sei ein echtes Sicherheitsrisiko, betont Martin Resel, stv. Vorstandsvorsitzender von A1 und CCO Enterprise. „Unternehmen können es sich nicht leisten, KI nicht zu nutzen. Da geht es um Wettbewerbsfähigkeit. Alles muss effizienter werden, etwa auch in der Verwaltung. Wenn man dann aber Daten global findet, die eigentlich nicht global gespeichert werden sollten, ist das ein Problem“, sagt Resel.

Für viele A1-Unternehmenskunden und auch für A1 selbst sei das besonders relevant. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur. Viele hochsensible Daten laufen auf unseren Netzen. Wir haben nicht nur Unternehmen aller Größen als Kunden, sondern zum Beispiel auch Ministerien“, sagt der A1-CCO. Gerade in der aktuellen geopolitischen Situation müssten sich Österreich und ganz Europa daher souverän aufstellen.

Orchestrierte KI-Agenten mit klaren Regeln und voller Transparenz

Und wie macht das die gemeinsame Plattform? „Ich bin mir bewusst, dass ich Repräsentant eines amerikanischen Unternehmens bin“, räumt Marco Porak ein. IBM habe aber nach nicht weniger als 98 Jahren am österreichischen Markt ein anderes Standing, als etwa die US-Hyperscaler. Warum? „IBM hat seit jeher das Prinzip, dass Kundendaten Kundendaten sind und die Architektur vom Kunden bestimmt wird“, so Porak. Und: „Globale Innovation und lokale Kontrolle widersprechen einander nicht.“ Genau so sei es auch bei watsonx. Kunden können dort entscheiden, welche KI-Modelle genutzt werden und wo die Daten liegen. Die Bandbreite geht dabei von lokal gehosteten On-Premise-Lösungen über europäische bzw. Open-Source-Modelle auf europäischen Servern bis zu Frontier-Modellen in Datencentern der US-Hyperscaler.

Konkret greift das System auf eine Vielzahl an Large Language Models (LLMs) und Agentic-Modelle zurück und orchestriert KI-Agenten, um Tasks zu erfüllen. Die dazugehörige Governance-Plattform ermöglicht nicht nur das Festlegen der Regeln dafür, sondern bietet auch jederzeit komplette Transparenz, um jeden Arbeitsschritt und die dafür genutzten Modelle nachvollziehen zu können. Für Martin Resel ist dabei ebenfalls klar: „Dass alles, was aus Asien oder Amerika kommt böse ist, sehen wir nicht so. Wichtig ist die Wahlfreiheit.“ Die Plattform sei daher offen für sämtliche Modelle.

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Je nach Usecase und dem damit verbundenen Sicherheits-Level der Daten seien unterschiedliche LLMs und Speicherorte sinnvoll. „Wir folgen einer sehr strikten Datenklassifizierung – selber und auch für unsere Kunden“, sagt Resel. Nach dieser erfolge die Entscheidung, welche Modelle genutzt werden können. Gleichzeitig optimiere die Plattform durch die passende Modell-Auswahl auch den Token-Verbrauch. „Das kann sonst bekanntlich schnell teuer werden“, sagt der A1-CCO.

A1 bietet seinen Enterprise-Kunden nicht nur Zugang zur Plattform, sondern auch begleitende Services, um diese aufzusetzen. Mit den europäischen Datencentern der Tochter Exoscale kommt noch das Angebot der souveränen Cloud im eigenen Land hinzu.

Wie watsonx für A1 und seine Kunden konkret funktioniert, zeigt Exoscale-KI-Experte Christos Kapodistrias beim Pressetermin vor. In seinem Beispiel arbeiteten nicht weniger als 14 KI-Agenten orchestriert zusammen, um eine optimale Vorbereitung auf ein Kundengespräch zu erstellen. „Diesen Usecase nutzen wir auch selber“, erklärt der Experte und zeigt die verschiedenen Sicherheits- und Kontrollmechanismen ebenso wie die Nachvollziehbarkeit über die Governance-Plattform. Marco Porak merkt dazu an: „Man sieht, es gibt mehrere Checkpoints im Prozess, der ‚Human in the Loop‘ bleibt erhalten.“ Denn es gehe eben darum, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

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