nuffinz: Vorarlberger Startup mit „Free your balls!“-Hose auf Kickstarter
Die in grellen Farben gestreiften Hosen des Vorarlberger Startups nuffinz sind dazu gedacht, nach dem Sport und ohne Unterhose darunter getragen zu werden. Dazu gibt es ein fragwürdiges Werbesujet. Kickstarter-Ziel: 5000 Euro.
Storytelling ist ja ein beliebter Ansatz im Startup-Marketing. So erzählt auch Andreas Gähwiler, Gründer des Bregenzer Mode-Startups nuffinz seine Geschichte. Und die geht ungefähr so: Es war auf einem Kitesurftrip in Spanien, wo der Gründer die eine Hose fand, die er so gerne nach dem Sport anhatte. Also nicht während des Sports, sondern eben nachher. Und zwar ohne Unterhose darunter, weil’s gemütlicher ist. Und irgendwann war die dann verschlissen. Dann versuchte er, sie nachzubauen – sogar besser. Jetzt ist er damit auf Kickstarter.
Werbung zwischen Hodenfreiheit und Strand-Exhibitionismus
Gähwiler legt Wert darauf, dass man unter seinen Hosen keine Unterwäsche trägt/ tragen muss/ tragen will. Der Name nuffinz leite sich ab von „nuffin underneath“. Eines der Mottos des Labels: „Free your balls!“. Ob das bedeutet, dass nuffinz prinzipiell nicht für Frauen gedacht sind, ist der Redaktion nicht bekannt. Für Frauen abschreckend könnte eventuell ein Werbesujet sein, das einen Mann zeigt, der am Strand vor einer Frau die Hose runterzieht (Ja, tatsächlich, siehe Bild unten). Wenn diese Werbestrategie in Zeiten von #metoo mal nicht in die Hose geht… Daneben gibt sich die Werbekampagne mit viel Schmäh – etwa einem Running Gag zum „bionischen Design“, das Waschbären, Zebras und Tiger zum Vorbild habe.
Das nuffinz-Werbesujet:
(c) nuffinz
Drei Farben oder „nuffin“
Aber zurück zum Produkt: „Funktionale Shorts für während des Sports gibt es viele, keine Frage. Tausende, um genau zu sein. Aber eine super-comfy Hose für nach dem Sport gibt es so gut wie keine“, lässt sich der Gründer in einer Aussendung zitieren. Und was sagt er noch über sein Produkt? „Die Shorts sind simpel – ohne großen Schnick-Schnack oder Schi-Schi. Sie sind funktional, aber in erster Linie einfach super comfy und stylish“. Die „After-Sport-Hose“ ist noch bis Ende April auf Kickstarter erhältlich. Das bodenständige Finanzierungsziel von 5000 Euro liegt bereits relativ nahe. Derzeit sind die gestreiften Shorts in drei verschiedenen Farben für 49 Euro erhältlich. Unterstützer, denen das zu viel ist, oder die es lieber mit Unterwäsche halten, können auch „nuffin“ für fünf Euro erwerben – ein Mensch hat sich dafür bereits gefunden.
Fünf Jahre Polestar in Österreich: Warum die schwedische Marke nicht laut sein muss, um gehört zu werden
Drei weiße Polestar vor der schwedischen Botschaft in Wien-Alsergrund, drinnen die schwedische Fahne: Polestar Österreich hat sein fünfjähriges Bestehen im Schwedenhaus gefeiert. Managing Director Matthias Schabetsberger erklärte im Gespräch mit brutkasten, warum sich die Marke als Challenger der Autoindustrie versteht, was skandinavischer Minimalismus mit “Quiet Luxury” zu tun hat und wie Polestar mit Startups zusammenarbeitet.
Fünf Jahre Polestar in Österreich: Warum die schwedische Marke nicht laut sein muss, um gehört zu werden
Drei weiße Polestar vor der schwedischen Botschaft in Wien-Alsergrund, drinnen die schwedische Fahne: Polestar Österreich hat sein fünfjähriges Bestehen im Schwedenhaus gefeiert. Managing Director Matthias Schabetsberger erklärte im Gespräch mit brutkasten, warum sich die Marke als Challenger der Autoindustrie versteht, was skandinavischer Minimalismus mit “Quiet Luxury” zu tun hat und wie Polestar mit Startups zusammenarbeitet.
Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.
Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.
Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.
“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”
Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.
Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.
Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens
Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”
Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.
Von drei auf 13 Standorte
Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.
Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.
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