18.11.2021

Krypto-Steuer: Die wichtigsten Fragen und Antworten für Anleger:innen

Die Bundesregierung will die Besteuerung von Krypto-Assets ändern. Ein erster Gesetzesentwurf ist derzeit in Begutachtung. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten dazu zusammengefasst.
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Dieser Beitrag ist ein journalistischer Artikel und stellt keine Steuerberatung dar. Er kann keine Beratung durch eine/n professionelle/n Steuerberater ersetzen. Alle Informationen wurden sorgfältig recherchiert, der brutkasten übernimmt jedoch keine Gewähr für ihre Richtigkeit.

Die Versteuerung von Kryptowährungen in Österreich soll sich ändern. Ist das schon fix?

Ziemlich. Der Ministerrat hat am 6. Oktober einen entsprechenden Beschluss gefasst. Am 8. November hat das Finanzministerium dann einen ersten Entwurf für das Gesetz veröffentlicht. Das ist aber eben vorerst nur ein Entwurf – bis 6. Dezember läuft jetzt die Begutachtungsphase, in der Organisationen, Institutionen und auch Privatpersonen Stellungnahmen dazu einreichen können.

Das heißt, mit 6. Dezember wird der Entwurf zum Gesetz?

Nein. Derzeit handelt es sich nur um einen Ministerialentwurf. Nach Ende der Begutachtungsphase kann das Ministerium Änderungen vornehmen, muss es aber nicht.

In weiterer Folge kann die Bundesregierung den Entwurf als Regierungsvorlage in den Nationalrat einbringen. Dort wird er dem zuständigen Ausschuss zugewiesen, in dem eine Vorberatung des Gesetzesvorschlages erfolgt und es ebenfalls noch zu Änderungen kommen kann. Dann berichtet der Ausschuss an das Plenum, es gibt eine Debatte und schließlich eine Abstimmung.

Bei einem positiven Beschluss könnte die zweite Parlamentskammer, der Bundesrat, das Inkrafttreten zumindest noch verzögern. Jedenfalls aber muss der Bundespräsident den Gesetzesbeschluss beurkunden und mit seiner Unterschrift bestätigen, dass das Gesetz korrekt zustanden gekommen ist. In den meisten Fällen ist dies Formsache. Sobald das Gesetz dann im Bundesgesetzblatt kundgemacht ist, kann es in Kraft treten – entweder am Tag nach der Kundmachung oder eben an dem Tag, der im Gesetz dafür vorgesehen ist.

Was sind denn überhaupt die wichtigsten Eckpunkte des Entwurfs und was soll sich für Anleger:innen ändern?

Kursgewinne aus dem Verkauf mit Krypto-Assets sind derzeit steuerfrei, sofern man diese über ein Jahr lang gehalten hatte. Bei einer kürzeren Haltedauer wird Einkommenssteuer fällig. Deren Höhe hängt von der jeweiligen Tarifstufe ab, die sich wiederum nach dem Jahreseinkommen der jeweiligen Person richtet – also nicht nur den Einkünften aus Krypto-Assets oder anderen Kapitalanlangen, sondern beispielsweise auch Arbeitseinkommen. Bis zu 11.000 Euro im Jahr sind derzeit völlig steuerfrei. Der maximale Steuersatz beträgt 55 Prozent, dieser kommt aber erst bei einem Jahreseinkommen von 1 Mio. Euro zur Anwendung. Für die meisten Anleger:innen dürfte der Steuersatz zwischen 35 und 48 Prozent liegen.

Künftig sollen mit dem Verkauf von Krypto-Assets erzielte Kursgewinne unabhängig von der Haltedauer unter die Kapitalertragssteuer von 27,5 Prozent fallen. Doch der Entwurf enthält noch weitere Punkte: So werden etwa Trades, die ausschließlich zwischen Kryptowährungen – ohne Umweg über Fiat-Währungen – stattfinden, in Zukunft steuerfrei. Verkauft man beispielsweise Bitcoin für Ether, fällt dadurch keine Steuer an. Darüber hinaus sieht der Entwurf unter anderem auch vor, dass inländische Finanzdienstleister die Kapitalertragssteuer direkt für ihre Kundinnen und Kunden an das Finanzamt abführen sollen.

Was heißt das in der Praxis? Wenn ich Bitcoin im Wert von 1.000 Euro kaufe und später für 2.000 Euro wieder verkaufe, wie viel Steuer bezahle ich nach der neuen Regelung?

In dem Fall wäre ein Gewinn von 1.000 Euro erzielt worden, für den gemäß der Neuregelung 27,5 Prozent Kapitalertragssteuer fällig würden. Konkret müsste man also 275 Euro Steuern zahlen und es blieben 725 Euro an reinem Gewinn für die Anlegerin oder den Anleger.

Ab wann soll das Gesetz in Kraft treten?

Laut Entwurf am 1. März 2022.

Das heißt, das Gesetz gilt erst für Krypto-Assets, die ich nach dem 1. März 2022 kaufe?

Nein, denn der Entwurf sieht vor, dass das Gesetz rückwirkend auf alle Käufe nach dem 28. Februar 2021 angewendet wird.

Das heißt, die Steuer fällt auch für Krypto-Assets an, die ich bereits besitze, sofern ich sie nach dem 28. Februar 2021 gekauft habe?

Hier gilt Folgendes: „Sämtliche Krypto-Assets, die nach dem 28. Februar 2021 angeschafft wurden, unterliegen bei Veräußerung (Trades zwischen Krypto-Assets, Tausch in Fiat-Geld und gegen Waren/Dienstleistungen“ bis inklusive 28. Februar 2022 noch den Bestimmungen der Einkünfte aus Spekulationsgeschäften“, schreiben Christian Oberkleiner und Christoph Rommer von der Steuerberatung TPA in einer Einschätzung. Das heißt konkret: Diese Verkäufe würden noch unter die alte Regelung fallen, wonach Gewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei sind.

Die Sache hat jedoch einen Haken: Da mit 1. März 2022 eben die Neuregelung in Kraft tritt, kann für diese Assets die einjährige Spekulationsfrist nicht mehr ablaufen. Daher hat man im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder man verkauft vor dem 1. März 2022, dann fallen die erzielten Kursgewinne unter die Einkommenssteuer. Für die meisten Anleger:innen dürfte hier ein Steuersatz zwischen 35 und 48 Prozent fällt werden. Die andere Möglichkeit ist es, nach dem 1. März 2022 zu verkaufen. Dann werden 27,5 Prozent Kapitalertragssteuer fällig.

Aber was ist mit Krypto-Assets, die ich vor dem 28. Februar 2021 gekauft habe – beispielsweise mit 2017 gekauften Bitcoin?

Diese zählen als Altbestand, die neue Regelung ist für sie also nicht anzuwenden. Wer beispielsweise 2016 Bitcoin oder Ether gekauft hat, muss seine Gewinne beim Verkauf nicht versteuern – unabhängig davon, ob vor oder nach dem 1. März 2022 verkauft wird: „Die Veräußerung von Krypto-Assets, für welche die 1-jährige Spekulationsfrist zum 1. März 2022 bereits abgelaufen ist oder sein wird, können somit auch zukünftig steuerfrei veräußert werden, schreiben die TPA-Experten. Ein „Notverkauf“ sei also nicht nötig.

Allerdings gibt eines zu beachten: „Werden diese Krypto-Assets dann steuerfrei gegen andere Krypto-Assets getauscht, fallen die neu erhaltenen Krypto-Assets in das neue Besteuerungsregime“. Mit anderern Worten: Diese werden bei einem Verkauf in Euro – oder eine andere Fiatwährung – steuerpflichtig.

Aber grundsätzlich ist es künftig steuerfrei, Kryptowährungen in andere Kryptowährungen zu tauschen?

Ja, der aktuelle Entwurf sieht dies explizit so vor. Steuer auf Gewinne fällt erst wieder an, wenn man zurück in Fiat-Geld, also etwa in Euro, wechselt. Expert:innen bewerten dies als einen der großen Pluspunkte der Reform.

Was sieht es mit Staking-Einkünften aus – sieht der Entwurf dazu ebenfalls etwas vor? 

Staking-Einkünfte sollen dem aktuellen Entwurf zufolge steuerfrei bleiben, solange man die dabei erhaltenen Anteile an Krypto-Assets nicht in Fiatgeld umtauscht. Werden sie dann aber verkauft, müssen bei der Berechnung des Gewinns die Anschaffungskosten mit 0 angesetzt werden. Der Betrag, um den man die Staking-Rewards verkauft, wird also vollständig mit 27,5 Prozent versteuert. Das Finanzministerium selbst hat dazu folgendes Beispiel veröffentlicht:

Beispiel: A erzielt durch „Staking“ Kryptowährungsanteile, die am 1.4.2022 zufließen (Wert zum Zuflusszeitpunkt: 100). Es verkauft diese Kryptowährung am 5.7.2024 um 500. Die Steuerpflicht entsteht erst im Verkaufszeitpunkt. Der Veräußerungsgewinn beträgt durch den Ansatz der Anschaffungskosten in Höhe von Null 500, wodurch es zu einer Steuerpflicht in Höhe von 137,5 (27,5% von 500) kommt.

Die Steuerberaterin Natalie Enzinger hat in der Vorwoche gegenüber dem brutkasten darauf hingewiesen, dass dies dem aktuellen Entwurf zufolge jedoch nicht gelten würde, wenn man aktiv einen Node zu Blockerstellung betreibt. Dann würde man bereits zum Zeitpunkt des Zuflusses der Rewards besteuert – ebenso beim Mining.

Auch bei Einkünften aus der Überlassung von Kryptowährungen („Lending“) komme es zu einer Steuerpflicht unabhängig davon, ob die Einkünfte in Kryptowährung oder in Fiatgeld ausbezahlt werden. „Hier stellt sich die Frage, ob diese unterschiedliche Behandlung zwischen Mining, Staking und Lending gerechtfertigt ist. Da muss man meines Erachtens noch einmal nachfassen“, sagte Enzinger gegenüber dem brutkasten.

Wie aber wird Lending konkret besteuert?

Die Überlassung von Krypto-Assets an andere Marktteilnehmer, sei es Privatpersonen oder Unternehmen, soll dem Entwurf zufolge vom „besonderer Steuersatz“, also den 27,5 Prozent, ausgenommen sein, wie die Experten von TPA in ihrer Stellungnahme schreiben. Dies beziehe sich sowohl auf Lending als auch auf „Pool-Staking“. In beiden Fällen komme damit weiterhin die Einkommenssteuer zur Anwendung.

Was ist mit anderen Anlageformen aus dem Bereich Decentralized Finance (DeFi) – beispielsweise mit Liquidity Mining oder Yield Farming?

Beides wird weder im Gesetzesentwurf noch in den erläuterenden Bemerkungen erwähnt. Es wäre „wünschenwert, wenn dazu noch Aussagen seitens des Gesetzgebers getroffen werden“, schreiben die TPA-Experten Oberkleiner und Rommer.

Wenn Krypto-Assets künftig wie Aktien besteuert werden, heißt das dann auch, dass ich Verluste aus Aktien mit Gewinnen aus Kryptowährungen gegenrechnen kann und umgekehrt?

Ja. Wenn der Entwurf in Kraft tritt, können ab 1. März 2022 alle Einkünfte aus Kapitalvermögen, die dem sogenannten besonderen Steuersatz – eben den 27,5 Prozent – unterliegen, gegengerechnet werden – unabhängig davon, ob es sich um Krypto-Assets, Aktien oder andere Wertpapiere handelt.

Schon bisher war es so, dass man Gewinne, die man mit einer Aktie erzielt hat, mit Verlusten, die man im selben Kalenderjahr mit einer anderen Aktie eingefahren hat, gegenrechnen und somit die Steuerlast senken konnte. Mit der Neuregelung wird dies nun auch auf Krypto-Assets ausgeweitet.

Dies könnte dann beispielsweise so aussehen: Verkauft man eine Tesla-Aktie mit einem Gewinn von 1.000 Euro, wird darauf grundsätzlich Kapitalertragssteuer in der Höhe von 27,5 Prozent fällig – also 275 Euro. Hat man im selben Jahr einen Verlust mit Floki Inu ebenfalls in der Höhe von 1.000 Euro erzielt, ergibt sich daraus nun eine Gutschrift von ebenfalls 275 Euro. Durch den Verlustausgleich würde in diesem Fall keine Kapitalertragssteuer fällig.

Der Entwurf sieht auch eine automatische Abfuhrpflicht der Kapitalertragssteuer für inländische Finanzdienstleister vor. Was würde das für mich als Anleger:in bedeuten?

Tatsächlich sieht der Entwurf vor, dass inländische Finanzdienstleister wie beispielsweise Bitpanda oder Coinfinity künftig die Kapitalertragssteuer für ihre Kund:innen automatisch ans Finanzamt abführen müssen – wie es derzeit beispielsweise bei inländischen Brokern etwa für Aktien oder ETFs der Fall ist. Künftig soll dies auch für Krypto-Assets gelten.

Allerdings noch nicht mit 1. März 2022 – der Entwurf sieht hier eine längere Übergangsfrist vor. Die Verpflichtung soll nämlich erst für Kapitalerträge schlagend werden, die nach dem 31. Dezember 2022 anfallen. Für das Jahr 2022 können dem Entwurf zufolge die betroffenen Unternehmen die Kapitalertragssteuer auf freiwilliger Basis einbehalten.

Sowohl Bitpanda als auch Coinfinity haben sich gegenüber dem brutkasten kritisch zu dieser Abfuhrpflicht geäußert, auch einige Expert:innen kritisierten den Punkt. Eines der Probleme dabei: Die Finanzdienstleister können nur wissen, zu welchen Einstandskurs ein Asset gekauft wurde, dass tatsächlich auf ihrer eigenen Plattform erworben wurde. Hat aber jemand beispielsweise auf Binance gekauft und verkauft auf Bitpanda, muss die Person die Einstandskosten selbst angeben – was mit bürokratischem und organisatorischen Mehraufwand verbunden ist, der aber eben nur österreichische Anbieter betreffen würde.

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

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26.11.2021

Crypto Weekly #34: Es geht weiter abwärts – aber wie lange noch?

Diese Woche: Bitcoin ist erstmals seit Mitte Oktober unter die Marke von 55.000 Dollar gefallen. Der Broker eToro schränkt den Handel mit Cardano in den USA ein. Indien plant ein Krypto-Verbot - oder doch nicht? El Salvador will eine "Bitcoin City" bauen. Eine 555-Mio.-Dollar-Runde von MoonPay und ein neuer B2B-Kunde mit 5,5 Mio. Usern bei Bitpanda.
/crypto-weekly-34/
Bitcoin
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Im brutkasten Crypto Weekly, das hier per Mail abonniert werden kann, blicken wir jeden Freitag auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück. Die 34. Ausgabe starten wir auch dieses Mal wieder mit einem Blick auf die…

…die Kurstafel:

Name Kurs 7-Tages-Performance
Bitcoin BTC 54.500 Dollar -6%
Ethereum ETH 4.050 Dollar -4 %
Binance Coin BNB 586 Dollar +1 %
Solana SOL 190 Dollar -9 %
Cardano ADA 1,55 Dollar -17 %
XRP XRP 0,94 Dollar -13 %
Polkadot DOT 36 Dollar -15 %
Dogecoin DOGE 0,21 Dollar -14 %
Terra LUNA 41 Dollar -5 %
Uniswap UNI 19 Dollar -9 %
Alle Daten sind von coinmarketcap.com und am Stand vom späten Freitagnachmittag/Kursveränderungen gegenüber späten Freitagnachmittag der Vorwoche

Zunächst unspekakuläre Woche endet mit Abverkauf

Nach der schwachen Vorwoche am gesamten Kryptomarkt entwickelten sich die Kurse diese Woche uneinheitlich. Kommen wir zunächst zu Bitcoin: Vergangene Woche rasselte der Kurs deutlich unter die 60.000-Dollar-Marke bis auf etwas über 55.000 Dollar. In der neuen Woche bewegte sich der Kurs dann zunächst unspektakulär in eben dieser Range zwischen 55.000 und 60.000 Dollar. Bis Freitag. Da ging es dann deutlich nach unten und Bitcoin rutschte erstmals seit Mitte Oktober unter 55.000 Dollar.

Auch alle übrigen großen Coins verzeichneten deutliche Verluste. Und, um etwas präziser zu sein: Nicht nur die, sondern auch praktisch alle übrigen Assetklassen. Die wichtigsten internationalen Aktienindizes lagen zwischen zwei und vier Prozent im Minus. Hintergrund: Das Auftauchen einer neuen Variante des Coronavirus sorgte an den Finanzmärkten für Unsicherheit. Die Befürchtung ist, dass die neue Variante ansteckender sein könnte als die bisher kursierende Delta-Variante – und womöglich auch resistenter gegenüber den aktuellen Impfstoffen. Würde sich dies bestätigten, könnten die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft enorm sein.

Für die Finanzmärkte heißt dies zunächst: Risiko runterfahren. Und neben Aktien betrifft dies natürlich auch den Kryptomarkt. Sowohl Bitcoin als auch andere Krypto-Assets werden weiterhin als Risk-Assets gehandelt, die in starken Zeiten überdurchschnittlich nachgefragt werden. In Phasen hoher Unsicherheit werden sie jedoch schneller abverkauft. Das Muster, dass schwache Aktienmärkte auch den Kryptomarkt nach unten ziehen, haben wir unter anderem im Juli gesehen, als Bitcoin unter 30.000 Dollar fiel, oder auch im September, als die mögliche Pleite des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande Trader verunsicherte. Bitcoin fällt in diesen Situation üblicherweise etwas weniger stark als die übrigen Coins, aber deutlicher als die Aktienmärkte. Dieses Bild bestätigte sich auch am heutigen Freitag wieder einmal.

Was aber tun in einer solchen Situation? In den meisten Fällen ist es ratsam, abzuwarten, bis sich der Staub gelegt hat. Man denke nur zurück an die Phase, als das Coronavirus Anfang 2020 in China ins Bewusstsein der Finanzmärkte rückte. Über Wochen schwankten die Märkte dabei zwischen Panik und „So schlimm wird das nicht“. Bis in den März hinein verbrannten sich Trader die Finger, weil die Kurse dann eben doch noch keinen Boden gefunden hatten. Natürlich ist das ein Extrembeispiel und in vielen Fällen haben die Kurse auch überreagiert auf Ereignisse, die sich im Nachhinein als wenig dramatisch erwiesen haben. Wer aber glaubt, kurz nach dem Auftreten einer neuer Virus-Variante deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft seriös einschätzen zu können, sollte sich fragen: Liegen mir dazu wirklich genug Informationen vor und habe ich die Kompetenz, diese richtig zu beurteilen – oder bewege ich mich damit eher im Bereich der Overconfidence?

ADA leidet unter eToro-Handelseinschränkung am US-Markt

Aber verlassen wir einmal die Makroebene. Besonders schwach verlief die Woche für ADA, den Cardano-Token. Hintergrund dabei: Der Broker eToro hatte angekündigt, den Handel am US-Markt mit ADA ab 26. Dezember einstellen zu wollen. Zunächst geht es dabei nur um den Einkauf, bestehende Positionen können weiter geschlossen werden. Staking ist ebenfalls betroffen und soll mit dem Jahreswechsel eingestellt werden. Gleiches gilt für Tron (TRX). eToro verweist in einer Presseaussendung etwas kryptisch auf „geschäftsbezogene Überlegungen im sich entwickelnden regulatorischen Umfeld“.

Glaubt man Cardano-Gründer Charles Hoskinson, weiß er selbst nicht, worum es dabei konkret geht: Cadarno habe keine Vorladungen erhalten, nichts von Regulierungsbehörden, keine Klagsdrohungen – deshalb sei man von der Ankündung überrumpelt geworden. Auch von eToro habe man keine Hinweise erhalten, sagte Hoskinson in einem auf Twitter veröffentlichten Video. Die Einschränkungen bei eToro wären für sich genommen nicht per se tragisch – aber natürlich stellen sich viele nun die Frage: Weiß der Broker da mehr? Kommen größere Probleme auf Cardano zu?

Indien verbietet Kryptowährungen… oder?

Dass China Kryptowährungen verbietet, wurde seit der Entstehung von Bitcoin so häufig berichtet, dass es schon zum Meme geworden ist. Für Unruhe am Markt sorgt es dennoch immer wieder – so auch diesen Sommer, als die Behörden in mehreren chinesischen Provinzen gegen Bitcoin-Mining vorgegangen sind, oder im Herbst, als Chinas Zentralbank weitere Maßnahmen gegen Krypto-Trading ankündigt hatte. Während Chinas Krypto-Verbote also ein wiederkehrender Klassiker sind, fällt Indien noch nicht ganz in dieselbe Kategorie. Allerdings hat es auch hier immer wieder ähnliche Meldungen gegeben.

Und auch diese Woche kam eine dazu: Die Regierung von Premierminister Narendra Modi bereitet demnach einen Gesetzensentwurf vor, der „alle privaten Kryptowährungen“ verbieten soll. Gleichzeitig soll die rechtliche Grundlage für eine von der indischen Zentralbank herausgegebene Digitalwährung geschaffen werden. Tatsächlich liegt der Gesetzensentwurf schon seit Jänner vor. In den nächsten Tagen soll er nun aber beschlossen werden.

Selbst wenn man beiseite lässt, ob ein solches Verbot überhaupt umgesetzt werden könnte, sind derzeit noch zahlreiche weitere Fragen offen, wie weitreichend die Einschränkungen tatsächlich sein werden – nicht zuletzt ist noch unklar, auf welche Assets sich die Definition „private Kryptowährungen“ überhaupt bezieht. „Ich glaube nicht, dass es zu einem pauschalen Verbot von Krypto-Assets kommen wird“, sagte etwa Nischal Shetty, CEO der indischen Kryptobörse WazirX. Sicherheit hinsichtlich der rechtlichen Einstufung von Krypto-Assets sei aber wichtig.

El Salvador plant Bau von Bitcoin City

In die ganz andere Richtung geht es regulatorisch bekanntlich in El Salvador. Seit 7. September ist Bitcoin dort offizielles Zahlungsmittel – neben dem US-Dollar. Am vergangenen Wochenende folgte nun die nächste größere Ankündigung: Präsident Nayib Bukele präsentierte Pläne für eine „Bitcoin City“, deren Bau über die Augabe von Bitcoin-Anleihen finanziert werden soll. In der Stadt sollen außer einer Mehrwertssteuer keine weiteren Steuern eingehoben werden. Entstehen soll sie in der Region La Union im Osten des Landes. Die Stadt soll geothermische Energie aus einem nahegelegenen Vulkan verwenden, kündigte Bukele weiter an.

Die Anleihen sollen bereits ab 2022 ausgegeben werden, gestartet werden soll mit einer zehnjährigen Anleihe mit einem Emissionsvolumen von 1 Mrd. Dollar, die einen Zinssatz von 6,5 Prozent vorsieht. Die Hälfte des aufgenommenen Geldes sollen in den Aufbau der Stadt fließen, die andere Hälfte in Bitcoin investiert werden. Unterstützt wird El Salvador bei der Emission vom Blockchain-Anbieter Blockstream und der Kryptobörse Bitfinex.

Die Bitcoin City war übrigens auch Thema eines brutkasten Talks. Bei diesem waren Anita Posch und Johannes Grill direkt aus El Zonte in El Salvador zugeschaltet. Mit dabei auch war Matthias Reder von Coinfinity, der erst vor wenigen Tagen ebenfalls aus dem lateinamerikanischen Land zurückgekehrt ist. Die Nachlese zum Talk gibt’s hier, das Video in voller Länge ist in dem Artikel ebenfalls eingebunden.

555 Mio. für Krypto-Payment-Scaleup MoonPay

Kommen wir zu den Unternehmensnachrichten. Auch diese Woche gab es wieder eine größere Finanzierungsrunde im Krypto-Bereich: Der Payment-Anbieter MoonPay hat am Montag eine 555 Mio. US-Dollar schwere Series-A-Runde kommuniziert. Angeführt wurde sie von Tiger Global und Coatue. Die Bewertung in der Runde lag bei 3,4 Mrd. US-Dollar.

MoonPay hat nach eigenen Angaben mehr als 250 Partner in 160 Ländern und erreicht damit insgesamt sieben Millionen Endkunden. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2019 sind demnach Transaktionen im Volumen von 2 Mrd. US-Dollar abgewickelt worden. Mit dem nun aufgenommenen Kapital will das Unternehmen nun seine Expansion vorantreiben und das Team ausweiten.

Französische „Superapp“ Lydia neuer Bitpanda-Kunde

Bitpanda hat diese Woche einen neuen großen B2B-Kunden für seine „White Label“-Lösung präsentiert: Das französische Fintech Lydia, das sich als „Superapp“ für mobile Finanzdienstleistungen versteht und über 5,5 Mio. Kundinnen und Kunden hat. Die können nun künftig auch Kryptowährungen und andere digitale Assets handeln – die Infrastruktur liefert Bitpanda. Das Service wird vollständig in die App integriert, Transaktionen werden über Bitpanda ausgeführt.

Die im Frühsommer präsentierte „White Label“-Lösung ermöglicht es Banken und Fintechs, mittels Programmierschnittstelle (API) die auf der Bitpanda-Handelsplattform verfügbaren digitalen Assets im Erscheinungsbild der eigenen Marke an die eigenen Kunden anzubieten. Im Oktober war mit dem italienischen Open-Finance-Fintech Fabrick erstmals ein Partner bekannt geworden. Mehr zu Kooperation mit Lydia gibt’s in unserem Artikel.


Hier geht’s zu allen Folgen des brutkasten Crypto Weekly


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