09.05.2018

„Kein Sanierungsplan“: Wiener Startup Rublys meldet Insolvenz an

Das Wiener Gutschein-Startup Rublys musste Insolvenz anmelden und sperrt endgültig zu. Der Brutkasten bekam dazu ein Statement von Geschäftsführer Stefan Roggatz.
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Rublys Insolvenz
© rublys: Die Founder von rublys haben selbst bereits

Eine ganze Reihe bekannter Investoren, hatte das Wiener Startup Rublys an Bord, dass über seine App Marketing in Form von virtuellen Gutschein-Rubbellosen anbietet. Über die Show 2 Minuten 2 Millionen wurden Michael Altrichter und startup300 als große Kapitalgeber gewonnen. Auf der langen Liste steht aber etwa auch Hansi Hansmann. Wie nun bekannt wurde, meldete das Startup Insolvenz an. Das gesamte Team habe gemeinsam mit Michael Altrichter und startup300 bis zuletzt gekämpft, schreibt Geschäftsführer Stefan Roggatz in einem Statement, das dem Brutkasten vorliegt. „Leider hat sich das Marktumfeld weiterhin als schwierig erwiesen“.

+++ Archiv: Rublys in Techstars METRO Accelerator +++

„Geschäftsmodell nicht stark genug“

Roggatz war nach „negativem Geschäftsverlauf“ im Jahr 2016 zunächst als Sanierer und später als Geschäftsführer eingesetzt worden. „Wir konnten die Rublys umstrukturieren sowie die Kosten massiv und nachhaltig reduzieren. Wir haben die Rublys vertrieblich neu aufgestellt und den Marktapproach angepasst und uns wieder auf den Kern von Rublys, der spielerischen Interaktion mit Brands, fokussiert“, schreibt er. Doch das reichte nicht. „Die Umsätze waren sehr volatil, sehr erfreulichen Sales-Abschlüssen folgten wieder Flauten. Insgesamt hat sich das Geschäftsmodell als nicht stark genug herausgestellt, um am Markt nachhaltig erfolgreich zu sein. Daraufhin haben sich alle Gesellschafter dazu entschlossen, die Gesellschaft nicht mehr weiter zu finanzieren und Insolvenz anzumelden“, schreibt Roggatz weiter.

Kein Sanierungsplan für Rublys

Es gebe keinen erneuten Sanierungsplan und die Gesellschaft werde durch den Masseverwalter geschlossen und abgewickelt. „Die Assets werden durch den Masseverwalter und meiner Unterstützung verwertet, hier liegen bereits Anfragen von Interessenten vor. Die Investoren unterstützen die Mitarbeiter bei der Suche nach einer neuen Anstellung“, sagt der Geschäftsführer. Die Gründer (im Bild) waren sukzessive ausgestiegen und Anfang 2017 hatten sich die letzten beiden Gründer aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Erst kürzlich hatte das Wiener Startup Zoomsquare – ebenfalls nach Pivot und Geschäftsführer-Wechsel, Insolvenz angemeldet.

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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019
Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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