16.10.2017

Kapsch Factory1: Wie mit Big Data die Zukunft vorausgesagt wird

Das niederländische Startup Fileradar arbeitet im Accelerator Factory1 gemeinsam mit Kapsch an einem Verkehrs-Vorhersagesystem. Ein erstes gemeinsames Projekt wird in Madrid umgesetzt.
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(c) Kapsch: Das Fileradar-Team (l.) Mit Kapsch-Lead-Mentor Benoit Robinet (r.)
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Viele Menschen haben es im Laufe der Geschichte versucht – manche erfolgreicher, manche weniger erfolgreich: Die Zukunft vorhersehen. Dieser alte Traum kann nun dank der technischen Entwicklung in Erfüllung gehen. Während man sich in alten Zeiten auf göttliche Eingebung, Glaskugeln und dergleichen verließ, baut das niederländische Startup Fileradar im Accelerator-Programm Kapsch Factory1 auf Big Data und Machine Learning. Das Ziel ist dann auch etwas bescheidener (und realistischer), als jenes von Nostradamus und Co: 10 bis 15 Minuten im Voraus will Fileradar die Verkehrssituation vorhersagen.

+++ Kapsch: Hinter den Kulissen von Factory1 +++

Nicht nur reine Verkehrsdaten…

“Wir verwenden sowohl Daten über die aktuelle Verkehrssituation als auch große Datensets zum gegebenen Straßenzug aus der Vergangenheit. Über einen Machine Learning-Ansatz sagt unser System dann die wahrscheinlichste Verkehrsentwicklung voraus”, erklärt Fileradar-Co-Founder Frank Zuurbier. Project Engineer Peter Biczók ergänzt: “Was uns von anderen unterscheidet ist, sind die Daten, die wir nutzen.” Denn man verwende bei Fileradar nicht nur direkte Verkehrsdaten, sondern Informationen über unterschiedlichste Parameter, die auf den Verkehr Einfluss haben. So fließen etwa auch Wetterdaten, Informationen über größere Events in der Gegend und Berichte über Unfälle in die Analyse.

… auch Tweets fließen in die Analyse

Eine wichtige Rolle spielen dabei Social Media. “Dass es irgendwo einen Verkehrsunfall gab, wird oft schneller getwittert, als es bei den Verkehrsbehörden landet”, erklärt Biczók. Dabei kombiniere immer eine ganze Reihe von Daten, um Fehlinformationen zu eliminieren: “Ein einzelner Tweet ist ebenso unzuverlässig, wie die Daten eines einzelnen Verkehrssensors.” Generell erwarte man aber auch keine gezielt gestreuten Fehlinformationen im Verkehrsbereich. Vorsicht sei jedenfalls geboten: “Wir hatten einmal einen Tweet über einen ‚Unfall‘, bei dem das falsche Papierformat gewählt wurde, nämlich A4”, erzählt Zuurbier. Das System wertete dies als Hinweis zu einem Verkehrsunfall auf der Autobahn A4.

Mit Kapsch zu neuen Märkten

In der Heimat, den Niederlanden, hat das Unternehmen, das vor sieben Jahren an der Universität Delft gegründet wurde, bereits eine Kooperation mit der Verkehrsbehörde und ist in mehreren Städten aktiv. Über die Zusammenarbeit mit Kapsch soll nun ein größerer Markt erschlossen werden. “Wir dachten uns, wir können es nicht stemmen, einfach loszuziehen und weltweit bei jeder Verkehrsbehörde anzuklopfen, ob sie an unserem Produkt interessiert sind. Wir sollten einen Partner finden, der diese Kontakte bereits hat und diese Märkte bereits abdeckt”, erzählt Zuurbier. Die Ausschreibung der Kapsch Factory1 hätte sich dabei perfekt ergeben.

„Fügt sich perfekt in unser Kerngeschäft“

“Was Fileradar macht, fügt sich wirklich perfekt in unser Kerngeschäft”, ergänzt Eric Karl Diethelm von Kapsch TrafficCom, der im Accelerator als Mentor für das Startup fungiert. “Ein tieferes Verständnis für die vorhandenen Daten zu erlangen und immer mehr aus ihnen herauszuholen ist eines unserer wichtigsten Ziele”, sagt er. Konkret haben Fileradar und Kapsch im Rahmen der Factory1 ein gemeinsames Projekt in Spaniens Hauptstadt Madrid. Das System wird dort für einen etwa fünf Kilometer langen Straßenzug mit 15 Kreuzungen implementiert, den Kapsch bereits seit längerem betreut.

„Die Verkehrsvorhersage ist kein Selbstzweck. Sie nutzt nur dann etwas, wenn man etwas aus den Ergebnissen macht“

Evaluierung führt zu konkreten Vorschlägen

“Wir haben dort zunächst sechs Monate lang Verkehrsdaten gesammelt. Seit September sind wir mit unserem System live”, erzählt Zuurbier. Im nächsten Schritt werde man die Performance in dieser ersten Phase evaluieren. “Das Schöne daran, wenn man 10-Minuten-Voraussagen macht ist, dass man zehn Minuten später weiß, ob man richtig gelegen ist”, sagt Biczók dazu. Doch man verfolge bereits weitere Ziele in Madrid. “Die Verkehrsvorhersage ist kein Selbstzweck. Sie nutzt nur dann etwas, wenn man etwas aus den Ergebnissen macht”, sagt Zuurbier. In diesem Fall wolle man etwa nachher Vorschläge liefern können, die Ampelschaltung effizienter zu gestalten.

„Blicken auf eine sehr reichhaltige Daten-Zukunft“

Außerdem wolle man das Konzept mit den gewonnenen Daten und der weiteren Verbesserung des Machine Learning Systems immer schneller auf neue Orte ausweiten können. “Früher wurden Verkehrsmodelle manuell erstellt. Für so einen Straßenzug wie in Madrid hätte das etwa ein halbes Jahr lang gedauert. Wir sind jetzt bald soweit, dass wir das in unter einer Woche automatisiert machen können”, sagt Biczók. Wichtig sei es nun auch, das System auf Orte ausweiten zu können, die über keine so gute Datenlage verfügten. Auch an der stärkeren Integration von Daten, die von Fahrzeugen selber kommen, arbeite man bereits intensiv, so habe man etwa eine Kooperation mit dem Navigationssystem-Hersteller Tom Tom. “Wir blicken auf eine sehr reichhaltige Daten-Zukunft. Und wir sind dafür bereit”, sagt Zuurbier.

+++ Kapsch Factory1: Wenn Autos andere Fahrzeuge vor Gefahren warnen +++

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Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Von der Innovation zur Skalierung und von der Skalierung zu einem stärkeren Europa“ mit diesem einen Satz könne man das große Ziel für den europäischen Energiesektor zusammenfassen, sagt VERBUND-X-Geschäftsführer Franz Zöchbauer in seinen einführenden Worten zum VERBUND Venture Day 2026, der erstmals beim neuen Energy-Launchpad-Partner WU Wien stattfand. „Wir haben die Lösungen, aber es dauert zu lange, bis sie am Markt sind. Wir müssen skalieren, aber kein Player kann das alleine. Es braucht ein Ökosystem und hier zählen die Menschen“, so Zöchbauer.

Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Die Zusammenarbeit im Ökosystem als Motto beim VERBUND Venture Day ist nicht neu, der Diskurs, in den das Motto dieses Jahr eingebettet ist, durchaus: Auch hier dominiert das große Thema europäische Souveränität. Der Titel des diesjährigen Events lautet „Scaling Beyond Borders“.

10,25 Billionen Euro für die Energiewende

Zöchbauer drückt die Ambition hinter der eingeforderten Skalierung in Zahlen aus: Es brauche Schätzungen zufolge 10,25 Billionen Euro, um das Energiesystem Europas bis 2040 zu transformieren. „Das ist 70 mal das Volumen des Marshallplans oder das Volumen von 25 Jahren globale VC-Investments“, so der VERBUND-X-Geschäftsführer. Es handle sich also um eine epochale Investment-Chance. Doch er erinnert: „Zahlen ändern die Welt nicht. Menschen tun es.“

Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Dabei sei die Energiewende keineswegs nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, betont VERBUND-COO Achim Kaspar in einer Panel-Diskussion unter dem Titel „Owning the Future“: „Wir sind an einem Wendepunkt. Man liest jeden Tag von Problemen beim Transport fossiler Energieträger. Wir müssen auf erneuerbare umsteigen.“ Für VERBUND sei dabei schon lange klar: „Wir wollen nicht das nächste Kodak werden.“

„Es laufen mehrere Energiewenden parallel“

Diese europäische Sicht auf die Energiewende setzt Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council, im Panel und bei ihrer Keynote in die globale Perspektive: „Es laufen mehrere Energiewenden parallel. In Europa geht es um den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Im nahen Osten etwa geht es um Technologien, um den CO2-Ausstoß auch mit fossilen Energieträgern auf Null zu bringen.“

Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Bei der Souveränität gehe es letztlich um die Möglichkeit, sich seine Abhängigkeiten auszusuchen, „nicht um teuren Isolationismus“, meint Wilkinson. Was ihr insgesamt fehle, sei eine kollektive Vision für eine bessere Zukunft. „Wir haben klare Ziele bei der CO2-Reduktion, aber keine gemeinsame positive Perspektive. Wir haben die Energiewende zwar an die Wall Street gebracht, aber nicht auf die Hauptstraße, wo die Menschen sind.“

Konsequenter Fokus auf die Kund:innen

Darum, wie die Transformation direkt zu den Menschen gebracht werden kann, ging es in einem Talk von VERBUND-CEO Michael Strugl und Greg Jackson, Gründer von Octopus Energy. Strugl sieht das britischen Unternehmen dabei als Vorbild: „Octopus ist ein echter Champion, wenn es um Kundenservice geht.“ Als er Jackson zum ersten Mal nach dessen Geschäftsmodell gefragt habe, sei die Antwort denkbar simpel gewesen: „Ich will den Kunden weniger verrechnen.“ Dieser konsequente Fokus auf die Kund:innen sei der Schlüssel, sagt Strugl.

Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Viele Energieunternehmen würden Kund:innen bisher nur als reine Abnehmer verstehen, meint Jackson. Octopus setze stattdessen auf radikale Vereinfachung und digitale Flexibilität: „Statt schwer lesbarer, regulierter PDFs nutzen wir einfache E-Mails, auf die man direkt antworten kann.“ Diese Kundennähe gepaart mit intelligenter Steuerung – etwa beim Laden von Elektrofahrzeugen – sei der Treiber für das rasante Wachstum des Unternehmens. Für Strugl ist das eine klare Orientierung für die gesamte Branche: „Innovatoren und Disruptoren helfen uns dabei, das gesamte System in ein erneuerbares, dezentrales und digitalisiertes Energiesystem zu verwandeln.“

Tragende Rolle für Gründer:innen – Unis entscheidend

Es sind also nicht nur Politiker:innen und Verantwortliche in Energiekonzernen, sondern auch Gründer:innen, die bei der Energiewende eine tragende Rollen spielen. Hier wiederum sind die Universitäten entscheidende Akteure, wie Franz Zöchbauer am Panel gemeinsam mit WU-Wien-Rektor Rupert Sausgruber und TU-Wien-Rektor Jens Schneider erläutert. „Es gibt im Energiesektor so viel Potenzial, aber man braucht nicht nur viel Geld sondern auch die Ideen“, bringt es Schneider auf den Punkt.

Jens Schneider (l.) und Rubert Sausgruber (r.) | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“

Dass natürlich auch die Politik ihren Beitrag leisten muss, um die Skalierung über die Grenzen hinaus zu ermöglichen, erörtert Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in ihrer Keynote. Man müsse die Herausforderung angehen, Startups in Europa zu halten. „Wir haben starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“, sagt Zehetner und spricht nicht nur das bekannte Thema Wachstumskapital, sondern unter anderem auch die Ausgründungsbedingungen für universitäre Spinoffs an.

Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Als konkrete Maßnahmen – teils auf europäischer, teils auf nationaler Ebene – nennt die Staatssekretärin etwa den European Scaleup Fund und den heimischen Dachfonds und die Notwendigkeiten, die europäische Kapitalmarktunion zu stärken und die Mitarbeiter:innenbeteiligung auch durch steuerliche Anreize weiter zu verbessern. Denn letztlich sei das Ziel – ganz getreu dem Motto des Venture Days – klar: „Erfinde dein Produkt hier, bau dein Unternehmen hier und skaliere hier, aber verkaufe dein Produkt in die ganze Welt.“

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