12.05.2021

Dieser Coin wird seit drei Tagen gehandelt – und ist 40 Mrd. Dollar wert

Der Token mit dem Namen Internet Computer startete erst am Montag - und gehört schon jetzt zu den zehn größten Kryptowährungen der Welt.
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Dfinity-Gründer Dominic Williams
Dfinity-Gründer Dominic Williams | Foto: Dfinity

Erst drei Tage handelbar und trotzdem 40 Mrd. US-Dollar wert – das ist der Token Internet Computer (ICP). Damit platzierte er sich direkt in den Top 10 der größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung. Aktuell liegt er am achten Platz – und damit vor etablierten Projekten wie Polkadot, Chainlink oder Uniswap.

Am ersten Handelstag schoss der Kurs zwischenzeitlich sogar auf 750 Dollar – was eine Marktkapitalisierung von über 90 Mrd. Dollar bedeutete. Er fiel dann aber rasch auf 428 Dollar zurück. Auch am zweiten und dritten Handelstag war der Kurs äußerst volatil. Am Mittwochvormittag stand er zuletzt bei 348 Dollar und lag zum Vortag damit 22 Prozent im Minus.

Projekt sieht sich auf Ebene mit Bitcoin und Ethereum

Hinter dem ICP-Token steht die Dfinity-Stiftung mit Sitz in Zug in der Schweiz. Der Name des Tokens lässt es schon vermuten: Gründer Dominic Williams hat große Ambitionen. Im Pitch Deck des Projekts nennt er es tatsächlich als die dritte große Innovation in dem Blockchain-Bereich – nach Bitcoin, mit dem Kryptowährungen erfunden worden seien, und Ethereum, das Smart Contracts ermöglich hätte.

Auch das Internet-Computer-Protokoll ermöglicht Smart Contracts – hier heißen sie „Canister“. Man könne eine unbegrenzte Anzahl solcher Canister abwickeln – unabhängig von der Kapazität direkt auf der Blockchain. Dies ermögliche dezentrale Anwendungen, die skalieren, heißt es im Pitch Deck. Anwendungsbereiche für den „Internet Computer“ gibt es nach Ansicht von Dfinity weitreichende: Von tokenisierten Internet-Dienstleistungen über dezentale Finanzanwendungen (DeFI) bis hin zu Unternehmensystemen und Websites.

Analyst: Ziele „extrem ambitioniert“

Das ambitionierte Ziel: Das Internet-Computer-Protokoll soll die wichtigste Plattform für Softwareentwicklung werden – und, um nur ein Beispiel zu nennen, dezentrale Alternativen zu den großen Social-Media-Plattformen ermöglichen. In weniger als 20 Jahren sollen nicht nur dezentrale Finanzanwendungen, sondern sämtliche Systeme und Dienstleistungen am „Internet Computer“ und dessen öffentlicher Blockchain laufen, sagte Dfinity-Gründer Williams im Vorfeld des Token-Launchs in einem Interview mit Decrypt.

Trotz der guten finanziellen und personellen Ausstattung des Projekts seien die genannten Ziele „extrem ambitioniert“, schreibt der Blockchain-Analyst Mati Greenspan von Quantum Economic in seinem Newsletter. „Ähnlich wie Cardano ohne Adaption in der wirklichen Welt kürzlich in die Höhe geschossen ist, scheint es nun auch bei ICP zu passieren, nur weit schneller“. Den Grund sei wahrscheinlich, dass der Token nahtlos auf mehreren großen Plattformen wie Binance, Coinbase Pro und Huobi gestartet sei. „Es kommt selten vor, dass neue Projekte so schnell auf den Top-Kryptobörsen gelistet werden“, schreibt Greenspan.

Weiterer Ethereum-Konkurrent

Letztlich reiht sich das Projekt reiht unter die Ethereum-Konkurrenten wie etwa Polkadot, Cardano, Solana oder auch der Binance Smart Chain ein. „Wie ich das sehe, soll ICP alles sein, was Ethereum ist, aber es soll mit der Geschwindigkeit des Internets funktionieren,“ führt Greenspan weiter aus. Trotzdem habe das Team immer wieder gesagt, sich eben nicht als Ethereum-Konkurrent zu sehen. „Ich weiß nicht, wie das zusammenpasst“, schreibt der Analyst.

Ethereum selbst befindet sich in einem größeren Umbruch. Im Juli soll beispielsweise das Ethereum Improvement Proposal (EIP) 1559 implementiert werden, das unter anderem mehr Klarheit für Nutzer bei den Transaktionsgebühren bringen soll. Die deutlich weitreichendere Veränderung soll dann im nächsten Jahr mit dem Update auf Ethereum 2.0 folgen, im Zuge dessen vom energieintensiven Proof-of-Work-Mechanismus auf einen Proof-of-Stake-Ansatz umgestellt werden soll. Die Erfolgsaussichten der Konkurrenten werden auch davon abhängigen, wie es Ethereum gelingen wird, aktuelle Probleme – etwa im Bereich Skalierung – zu lösen. Im DeFi-Bereich laufen derzeit noch die allermeisten Anwendungen auf der Ethereum-Blockchain.

Nur geringer Anteile der gesamten ICP-Token aktuell im Umlauf

Die hohe Volatilität des ICP-Tokens ist aber nicht nur auf die unsicheren Erfolgsaussichten des Projekts zurückzuführen, sondern hat auch technische Gründe: „Im Fall von ICP ist nur eine kleine Menge der gesamten Coins liquide. Daher hat die Nachfrage nach den Token, die sich im Umlauf befinden, einen übergroßen Einfluss auf den Preis“, sagte Greenspan an anderer Stelle gegenüber Decrypt.


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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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