08.07.2021

Insolvenzrechtsreform beschlossen: Das sind die Eckpunkte

Im Hintergrund der aktuellen Insolvenzrechtsreform steht eine EU-Richtlinie. Im Kern steht eine Neuregelung für raschere Entschuldung.
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In der Nationalratssitzung am 7. Juli wurde die Insolvenzrechtsreform beschlossen
In der Nationalratssitzung am 7. Juli wurde die Insolvenzrechtsreform beschlossen | © Parlamentsdirektion / Thomas Topf
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Den Regierungsentwurf dazu gab es bereits im Februar – der brutkasten berichtete damals – nun wurde sie im Nationalrat beschlossen: eine Insolvenzrechtsreform. Mit dieser wird eine EU-Richtlinie umgesetzt. Im Wesentlichen umfasst sie zwei große Neuerungen: die Einführung eines auf drei Jahre Entschuldungsdauer verkürzten Abschöpfungsverfahrens, zusätzlich zum derzeit fünfjährigen, sowie die neue Option eines „präventiven Restrukturierungsverfahrens“ – quasi eines Sanierungsverfahrens noch vor Eintreten einer tatsächlichen Zahlungsunfähigkeit.

Verkürzte Entschuldungsdauer auch bei Privat-Insolvenzen – aber nur bis 2026

Die verkürzte Entschuldungsdauer geht mit einem höheren Redlichkeitsmaßstab einher. Die Option gibt es nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatinsolvenzen – bei zweiteren aber vorerst nur fünf Jahre lang als Corona-Maßnahme. Die Grünen hatten sich dem Vernehmen nach, wie auch die SPÖ, für eine dauerhafte Verkürzung auch bei Privatpersonen ausgesprochen. Es dürfte sich bei der befristeten Regelung also um einen Kompromiss mit dem türkisen Koaltitionspartner handeln, der in der Argumentation neben dem Schuldner- auch den Gläubigerschutz ins Treffen führt.

Herzstück des nun beschlossenen gerichtlichen, vorinsolvenzlichen Restrukturierungsverfahrens ist ein Restrukturierungsplan mit Restrukturierungsmaßnahmen, vor allem eine Kürzung von Gläubigerforderungen. Welche Gläubiger in den Plan einbezogen werden, liegt am Schuldner. Im Rahmen des Verfahrens wird dann über den Plan abgestimmt.

Zwei NEOS-Abänderungsanträge zur Insolvenzrechtsreform

Kritik an Details der neuen Regelungen gab es von den NEOS. Justiz-Sprecher Johannes Margreiter stellte zwei Abänderungsanträge. So wünscht er sich die Möglichkeit eines Restrukturierungsverfahrens noch früher, als nun beschlossen. Die Hürde für eine Restrukturierungsvereinbarung sei mit mindestens 75 Prozent der Gesamtsumme der Forderungen in jeder Gläubigerklasse zu hoch angesetzt, meinte Margreiter in der Nationalratssitzung. Sie sollte im NEOS-Antrag mit mindestens 50 Prozent der Kapitalmehrheit festgelegt werden. Zudem befürchtet der Abgeordnete, dass das Gesetz auf eine Abschwächung der Zugangsvoraussetzungen zum Rekursgericht hinauslaufe und forderte im zweiten Abänderungsantrag, dass die fachlich kompetente Unterstützung durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt im Rechtsmittelverfahren aufrecht bleibt. Für beide Anträge gab es keine Mehrheit.

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Dominik Meisinger

Der Fintech-Boom in Zahlen: Fast täglich eine Runde im dreistelligen Millionenbereich

Im zweiten Quartal 2021 ist mit 30,8 Mrd. US-Dollar so viel Venture Capital in Fintechs geflossen wie nie zuvor in einem Vierteljahr. Vier der fünf größten Investments gingen an europäische Unternehmen.
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Fintech Mollie
Mollie liegt auf Platz 2 der größten Fintech-Finanzierungsrunden im zweiten Quartal 2021. | Foto: Mollie

Klarna, Mollie, Trade Republic – und viele andere. Man konnte in den vergangenen Wochen und Monaten fast das Gefühl bekommen, dass nahezu jeden Tag ein Fintech eine riesige Finanzierungsrunde verkündet hat. Eine neue Studie von CBInsights zeigt nun: Genauso war es tatsächlich.

Im zweiten Quartal 2021 gab es laut den Zahlen weltweit 88 Venture-Capital-Finanzierungsrunden von Fintechs, die sich im dreistelligen US-Dollar-Millionenbereich bewegten – und April, Mai und Juni haben bekanntlich kombiniert 91 Tage. Auch was die insgesamt aufgenomme Summe angeht, erreichten die VC-Investments in Fintechs im abgelaufenen Quartal einen Rekordwert.

Insgesamt haben Fintech-Startups und -Scaleups den Zahlen von CBInsights zufolge 30,8 Mrd. US-Dollar aufgenommen, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem bereits starken ersten Quartal 2021. Im ersten Halbjahr 2021 alleine ist bereits mehr Geld in Fintechs geflossen als im gesamten Vorjahr – und zwar um 24 Prozent. 2020 hatten Fintechs in 2.138 Deals weltweit 43,8 Mrd. Dollar aufgenommen. In den ersten sechs Monaten 2021 gab es trotz der deutlich höheren Gesamtsumme nur 1.303 Deals. Die Deals sind also größer geworden.

Grafik: © CBInsights

Die 88 Runden im dreistelligen Dollar-Millionenbereich machten 70 Prozent des gesamten Fintech-Fundings im zweiten Quartal aus. Die durchschnittliche Größe einer Fintech-Finanzierungsrunde erhöhte sich von 37 Mio. Dollar im ersten Quartal auf 47 Mio. Dollar im zweiten. Im ersten Quartal 2021 hatte es 60 Fintech-Runden mit einem Funding von 100 Mio. Dollar oder mehr gegeben. Im gesamten Jahr 2020 waren es laut den Zahlen von CBInsights 106 gewesen.

Grafik: © CBInsights

4 europäische Fintechs unter den Top 5

Interessant auch: Europäische Fintechs nehmen dabei Spitzenpositionen ein. Der größte Fintech-Deal weltweit war die Mitte Mai kommunizierte 900 Mio. US-Dollar schwere Series-C-Runde des deutschen Neobrokers Trade Republic. Dahinter folgt mit Mollie ebenfalls ein europäisches Unternehmen. Der niederländische Zahlungsdienstleister hat Ende Juni in einer Series-C-Runde 800 Mio. Dollar aufgenommen.

Platz drei der größten Fintech-Runden im zweiten Quartal geht dann an die brasilianische Neobank Nubank, die ebenfalls im Juni ein Investment in der Höhe von 750 Mio. Dollar geholt hat. Doch schon auf den Plätzen vier und fünf folgen mit dem deutschen Insurtech wefox und dem schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna wieder Fintechs aus Europa. Von wefox wurden in einer Series-C-Runde 650 Mio. Dollar aufgenommen, von Klarna 639 Mio. Dollar.

Trotz dieser Spitzenpositionen blieb Nordamerika insgesamt aber deutlich vorne: Knapp 16,6 Mrd. Dollar an Venture Capital gingen im zweiten Quartal an Fintechs aus den USA oder Kanada. Europa liegt mit 7,3 Mrd. auf Platz 2. Dahinter folgt Asien mit 4,1 Mrd. und Südamerika mit 2,5 Mrd. Dollar. Gleichzeitig war Südamerika der Kontinent mit dem stärksten Wachstum: Im Vergleich zum Vorquartal verzeichnete das Funding südamerikanischer Fintechs ein Plus von 153 Prozent – was natürlich auch an der erwähnten 760 Mio. Dollar schweren Runde von Nubank lag.

Weltweit 19 Fintech-Börsengänge

Auch Börsengänge von VC-gestützten Fintechs erreichten im zweiten Quartal einen Höchststand. CB Insights hat 19 gezählt. Berücksichtigt sind dabei allerdings nicht nur abgeschlossene, sondern auch angekündigte Börsengänge – etwa über Special Purpose Acquisition Companies (SPACs). Den Sprung aufs Börsenparkett wagten im zweiten Quartal etwa an der Nasdaq die Kryptobörse Coinbase und der Zahlungsabwickler Marqeta sowie in London das auf Geldtransfers spezialisierte Fintech Wise, früher bekannt als TransferWise.

Im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) nennt CBInsights die Übernahme von Tink durch Visa als Highlight. Das schwedische Open-Banking-Unternehmen war dem US-Kreditkartenriesen 1,8 Mrd. Euro (2,2 Mrd. US-Dollar) wert.

Boom hält auch im dritten Quartal an

Ein Ende des Fintech-Booms ist noch nicht in Sicht: Im derzeit laufenden dritten Quartal gab es bereits ein weiteres Mega-Investment: Revolut nahm in einer Series-E-Runde 800 Mio. US-Dollar auf. Und auch die von den beiden Österreichern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründete Neobank N26 soll sich in Gesprächen über eine weitere Finanzierungsrunde befinden. Einem Bericht von Bloomberg zufolge sollen auch hier mehre hundert Millionen Dollar aufgenommen werden. Kritische Stimmen hinsichtlich solcher Bewertungen gibt es allerdings weiterhin genug.

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