15.11.2017

Innovation Challenge: Salzburg AG testet Augmented Reality-System

Der Energiedienstleister Salzburg AG hat mit der Umsetzung von Projekten aus seinem Startup-Programm "Innovation Challenge" begonnen.
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(c) Salzburg AG: Leonhard Schitter, Vorstandssprecher der Salzburg AG und Mitarbeiter.

Nach dem Auswahl-Prozess beim zweiten Durchgang des Startup-Programms „Innovation Challenge“ geht es bei der Salzburg AG nun an die Umsetzung der Projekte. Nun wurde ein Pilotprojekt, bei dem ein Augmented Reality (AR)-System für Wartungsarbeiten genutzt wird, vorgestellt. „Mit der AR-Brille wird das reale Blickfeld durch die Einblendung virtueller Informationen ergänzt“, erklärt Leonhard Schitter, Vorstandssprecher der Salzburg AG. „Man taucht damit nicht komplett in eine virtuelle Welt ein, sondern notwendige Informationen und Unterlagen werden digitalisiert und in das Sichtfeld eingespielt. Damit haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle benötigten Informationen im Blickfeld und die Hände frei für ihre Arbeiten.“

+++ Live vom Innovation Camp Finale der Salzburg AG, mit dem CEO Dr. Leonhard Schitter +++

Virtuelles Tablet statt Zettel

Denn bislang hätten Mitarbeiter bei der Revision die durchgeführten Schritte auf einem Zettel notieren und dann im Computer eintragen müssen. Nun ginge das am virtuellen Tablet, das in der Brille eingeblendet wird, mit einer Handbewegung. „Es geht einfacher und schneller“, sagte Kraftwerksoperateur Constantin Naderer. Und nicht nur die Dokumentation sei mit der AR-Brille unkomplizierter. Mitarbeiter könnten sich über die Brille Detailpläne von Anlagenteilen, technische Informationen, Sicherheitshinweise, Unterlagen zu Aufgabenbeschreibungen oder Ersatzteillisten einblenden lassen. Zudem sei es möglich, Videos vorangegangener Instandhaltungen anzusehen und so mitzulernen.

(c) Salzburg AG: Die AR-Brille im Einsatz.

Sieben Pilotprojekte in Gang

Der Einsatz der AR-Brille ist eines von sieben Projekten, das im Zuge der Innovation Challenge entstanden ist. Insgesamt hatten sich beim aktuellen Programm 221 Startups aus 36 Ländern beworben. Dazu kamen 90 Projektvorschläge von Mitarbeitern des Energie-Dienstleisters. Neben der AR-Brille wird derzeit auch der Drohneneinsatz zur Leitungsüberprüfung einem Praxistest unterzogen. Mit einem englischen Startup wird die technische Weiterentwicklung von modernen Schwungradspeichern vorangetrieben, die helfen sollen, Verbrauchsspitzen auszugleichen und so das Stromnetz zu entlasten. Ein weiterer Pilot beschäftigt sich mit der Entwicklung einer Softwarelösung, die künftig die Einsatzfahrpläne, also den Betrieb der eigenen Speicherkraftwerke, automatisieren und damit verbessern soll.

WhatsApp-Service und Smart Home-Lösungen

Auch bei den Kunden-Touchpoints setzt ein Projekt an: Das Kundenservice der Salzburg AG ist als erster österreichischer Energieversorger via WhatsApp für Anfragen erreichbar. Dadurch soll die Bearbeitungsdauer und die Qualität der Erledigung von Kundenanfragen nochmals verbessert werden. Die zwei weiteren Projekte beschäftigen sich mit der Entwicklung von sogenannten Smart-Home-Systemen. Dabei wird der Fokus auf das Energiemanagement gelegt und Apps entwickelt, die den Stromverbrauch pro Haushaltsgerät auswertbar machen. (PA/red)

+++ Live vom Innovation Camp Finale der Salzburg AG, mit dem Head of Innovation Georg Baumgartner & Philippe Thiltges +++

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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