30.05.2022

Höhle der Löwen: Finale mit Duftnote und smarten Tischen

Im Staffelfinale der Höhle der Löwen gab es einen duftenden Rockstar, interaktive Gastro-Tische und smarte Springseile.
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Höhle der Löwen, Knights Fragrances
RTL/Bernd-Michael Maurer - Axel Rudi Pell präsentierte mit "Knights Fragrances" ein Parfum für Rocker.

Den Anfang im Staffelfinale machte das Startup Everjump. Hierbei handelt es sich um ein Springseil von Moritz Lienert und Julian Fuchs.

„Seilspringen macht nicht nur auf dem Schulhof Spaß. Wer schon mal einem Boxer bei seinem Training zugeschaut hat, der weiß, dass es dazu Kraft, Koordination und Ausdauer benötigt. Seilspringen ist eines der effektivsten Workouts überhaupt. Eine kurze Seilspring-Session ist deutlich intensiver als Fahrradfahren, Schwimmen oder Joggen. Außerdem ist man unabhängig von einem Fitnessstudio, viel Equipment oder der aktuellen Wetterlage“, erklärten die beiden Founder ihre Liebe zum Seil.

Hard- und Softwareseil in der Höhle der Löwen

Das Springseil-System von Everjump ist eine Kombination aus Hardware und Software. Es gibt sechs verschiedene Seile mit unterschiedlichen Gewichten von 65 bis 810 Gramm. Je nach Trainingsziel, etwa Kraft oder Ausdauer, wählt der Nutzer das Seil aus, das durch ein Clip-System ausgetauscht werden kann.

Höhle der Löwen, Everjump
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Julian Fuchs (l.) und Moritz Lienert mit „Everjump“ einem smarten Springseil.

Herzstück ihrer Innovation sind die Griffe: Der integrierte Sensor erfasst Daten wie die Anzahl der Seilumdrehungen, Herzfrequenz oder horizontale und vertikale Bewegungen und überträgt sie in Echtzeit in die dazugehörige App. So kann ein personalisierter Trainingsplan für den Nutzer oder die Nutzerin entwickelt werden und die Workouts in der App würden dadurch an den Trainingsfortschritt angepasst. Die Forderung für das smarte Springseil: 200.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile an.

Nachdem sich Nico Rosberg als Sprungkaninchen versucht hatte, gab es bei den Löwen Zweifel an den Umsatzplänen der Gründer. Von zwei auf acht Millionen Euro wäre laut Georg Kofler zu „überambitioniert“. Der Südtiroler bot dennoch 200.000 Euro für 25,1 Prozent.

Die Founder kehrten mit einer „300.000 Euro für 15 Prozent“-Offerte zurück. Das war dem Löwen zu viel. Kein Deal für Everjump.

Stallzaubers Zauberstab als Reitlehrer

Es folgte Alexandra Knabbe in der Höhle der Löwen. Die Pferdeliebhaberin erklärte: „Den Moment, das erste Mal bewusst auf einem Pferd zu sitzen, habe ich nie vergessen, das hat mich einfach in den Bann gezogen.“

Mit Pferden aufgewachsen, arbeitet die Norddeutsche seit vielen Jahren als Ausbilderin von Reiter:innen und Pferden auf dem Gestüt ihrer Familie. Einer der Kommunikationswege zwischen Reiter und Pferd sind die Zügel, wie sie weiß, doch durch falsche oder zerrende Bewegungen können dem Tier unbedacht Schmerzen zugefügt werden.

Höhle der Löwen, Stallzaubers Zauberstab
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Alexandra Knabbe (r.) aus Loxstedt präsentiert mit Stallzaubers Zauberstab eine Trainingshilfe für Reiter.

Um das zu verhindern, hat Knabbe an einem Hilfsmittel getüftelt und herausgekommen ist Stallzaubers Zauberstab. Jener vermittelt dem Reitenden eine bessere Balance und Einfühlungsvermögen in die Bewegung des Pferdes. So geht’s: Der Reiter oder die Reiterin hält den Zauberstab bei aufgenommen Zügeln zwischen den Händen und dank des in der Mitte liegenden Herzens wird angezeigt, ob die Zügelführung mittig über dem Pferd stattfindet oder ob er diese korrigieren muss. Er wiegt 14 Gramm und für die Handhabung findet der Daumen der Reiter:innen in den Vertiefungen links und rechts seinen Platz. Für Vertriebs- und Marketingmaßnahmen benötigte Knabbe 50.000 Euro und bot 25 Prozent ihrer Firmenanteile.

Nach dem Pitch gab es viel Lob für die Gründerin, besonders der Tierschutzgedanke wurde hoch geschätzt. Dann kamen vier Absagen, aber auch ein Angebot von Ralf Dümmel: 50.000 Euro für 33 Prozent Beteiligung. Deal für Stallzaubers Zauberstab.

Lampix macht jede Oberfläche interaktiv

Es folgten Mihai Dumitrescu, Julian Meier und Siwanand Misara auf der Höhle der Löwen-Bühne. Das Gründerteam von Lampix hat eine Technologie entwickelt, die jede beliebige Oberfläche in eine smarte, interaktive Oberfläche umwandeln kann.

Bestehend aus einem Projektor, einer Kamera und einem Computermodul erkennt das „erste intelligente Self-Ordering-System“, wenn sich Restaurantbesucher:innen an den Tisch setzen. Der Projektor projiziert eine virtuelle Speisekarte auf den Tisch, über die die Gäste per Touch direkt und kontaktlos bestellen können.

Lumpix
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – .: Mihai Dumitrescu, Julian Meier und Siwanand Misara entwickelten mit Lampix einen interaktiven Oberflächenprojektor.

Lampix soll sogar erkennen, ob Gläser oder Teller leer sind und bietet automatisiert Nachbestellungen an. Für die Weiterentwicklung ihres Produkts sowie Vertriebs- und Marketingaktivitäten benötigte das Gründer-Trio 250.000 Euro und bot dafür zehn Prozent ihrer Firmenanteile an.

Nach dem Pitch zeigten sich manche Löwen als Investor:innen der alten Schule. Sie präferierten einen klassischen Restaurantbesuch mit Speisekarte in der Hand sowie Austausch mit der Bedienung. Und konnten sich mit der Idee des Kasseler Startups nicht anfreunden.

Die Gründer argumentierten die neue Technologie als Marketing-Instrument für Gastro-Besitzer, mit denen man Kunden anlocken könne. Dagmar Wöhrl stimmte der Idee der Erlebnis-Gastronomie zu und bot 250.000 Euro für 25 Prozent. Deal für Lampix.

Knights Fragrances: Ein Duft für Rocker

Als Nächstes gab es Heavy-Metal in der Höhle der Löwen. Axel Rudi Pell präsentierte der Profi-Musiker, der seit über 30 Jahren auf den internationalen Musikbühnen herum tourt, seine eigene kreierte Parfüm-Linie Knights Fragrances.

„Viele Stars wie Celine Dion, Justin Bieber, Lady Gaga und auch Rammstein bringen ihre eigenen Düfte auf den Markt. Es gibt aber keine richtige Rock’n’Roll-Linie”, erklärte Pell. Doch statt mit einem Parfümeur zusammenzuarbeiten, hat den Gründer der Ehrgeiz gepackt.

Knights Fragrances
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Axel Rudi Pell hat den Löwen mit Knights Fragrances ein Parfum für Rocker mitgebracht.

„Ich habe monatelang recherchiert, die verschiedenen Duft-Ingredienzien kennengelernt, in meinem Arbeitszimmer zuhause die Prototypen entwickelt und so meine eigenen Parfüms komponiert“, sagte er im Studio.

Sowohl das Branding als auch die Düfte sind an der Fantasy bzw. Mittelalter-Thematik angelehnt. Die Linie umfasst aktuell die sieben Düfte „Noble Forest“, „Shine”, „Castle Haze”, „Vanoir”, „Mirage”, Earth Woods” und „Lady D’Arc“. Um diese auf den Markt zu bringen, benötigte Axel 50.000 Euro und bot satte 35 Prozent seiner Firmenanteile an.

Nach den Duftproben gab es nette Worte für den rockigen Gründer, aber auch die Sorge, dass man noch sehr viel Kapital investieren müsse, um die Marke bekannt zu machen. Kein Deal für Knights Fragrances.

Rollyz Berlin: Mobility in der Tasche

Das Finale der Höhle der Löwen gebührte Geza Lakatos und Jan Nordhoff. Beide präsentieren mit Rollyz Berlin (später in Rollyzberg umbenannt) den Löwen eine Mobilitäts- und Transportlösung. Als Designer ist Lakatos beruflich viel unterwegs und musste dadurch oft umziehen.

Da er aber kein Auto besitzt, ließ er vieles mit der Bahn transportieren. Herkömmliche Transportmittel wie Rollbretter, Rollwägen oder Sackkarren würden viel Platz einnehmen, den viele Haushalte nicht haben. Da kam dem Gründer die Vision.

Höhle der Löwen, Rollzys
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Geza Lakatos (l.) und Jan Nordhoff mit ihrer Sackkarre für die Hosentasche Rollyz.

„Ich werde die Sackkarre für die Hosentasche entwerfen“, sprach er und entwickelter Rollyz Berlin mittels eines 3D-Druckers: Ein Notfall-Paket- und Möbel-Rollensystem, welches mobil und universell einsetzbar sei.

Biobasierter Kunststoff

Die Transportrollen lassen sich auf verschiedene Weise befestigen: durch Klebepads, die rückstandfrei wieder ablösbar sind, mit Spanngurten oder sie lassen sich anschrauben. Die Rollyz sind vorerst in einer Ausführung in zwei Farben erhältlich. Sie bestehen größtenteils aus biobasiertem Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke und Essig. Noch werden sie aufwendig mit einem 3D-Drucker produziert. Mit einem Investment könnten die Gründer auf Massenproduktion umstellen. Der Preis dafür: 125.000 Euro für 15 Prozent.

Die Löwen fanden die Idee nett, sahen aber keinen Investment-Case darin. Anders Ralf Dümmel, der meinte, es gebe noch viel zu tun. Er forderte für 125.000 Euro gesamt 33 Prozent: 25 Prozent gleich, plus weitere acht, wenn er das Produkt in 10.000 Filialen gebracht habe. Deal für Rollyz Berlin.

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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