Bird: E-Scooter-Anbieter durch Fehlbuchungen von Insolvenz bedroht
Nach dem Rückzug aus Deutschland und weiteren Ländern gibt der US-Scooter-Anbieter Bird nun bekannt, dass seine Umsätze der letzten zwei Jahre durch Fehlbuchungen als zu hoch angegeben wurden. Ein Insolvenz-Antrag sei nicht auszuschließen.
Erst letzte Woche gab der US-E-Scooter-Anbieter Bird bekannt, dass er sich aus den drei Märkten Deutschland, Schweden und Norwegen zurückzieht. Auch das Angebot in mehreren Dutzend Märkten sollte reduziert werden. Mit diesen Maßnahmen sowie der erneuten Massenkündigung im Sommer dieses Jahres verfolgte Bird das Ziel, sich selbst zu erhalten.
Inzwischen gab der E-Scooter-Anbieter bekannt, dass er “möglicherweise bestimmte oder alle seine Aktivitäten reduzieren oder einstellen muss, um Kosten zu senken oder Insolvenz zu beantragen“. Grund dafür seien Fehlbuchungen aus unbezahlten Kundenfahrten, welche laut TechCrunch die Umsätze der letzten zwei Jahre als zu hoch belegt haben.
Falsche Finanzberichte wegen Fehlbuchungen
Betroffen von diesen Phantom-Einnahmen seien die Geschäftsberichte vom ersten Quartal 2020 bis zum zweiten Quartal 2022. Bird habe am Montag der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) mitgeteilt, den Finanzberichten aus der angegebenen Periode nicht mehr zu vertrauen.
Auch wenn Nutzer:innen nicht über ausreichendes Guthaben in der Bird-App verfügten, verbuchte der Anbieter fälschlicherweise diese Fahrten als Einnahmen. Das sei laut Ben Lu, Chief Financial Officer von Bird, darauf zurückzuführen, dass die IT-Systeme des Unternehmens nach Abschluss der Fahrten trotz fehlgeschlagener Zahlungen keine Störungen aufgezeigt haben. Diese Einnahmen „hätten nicht verbucht werden dürfen“, so das Unternehmen.
Bird baut interne Kontrollen aus
Nun werde Bird den Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2022 mit Verspätung einreichen, denn man versuche die Finanzberichte so schnell wie möglich zu korrigieren. Das wiederum benötige eine umfassende Überprüfung, so das Unternehmen.
„Das Management ist zu dem Entschluss gekommen, dass die Kontrollmechanismen und Verfahren für die Offenlegung des Unternehmens nicht mit ausreichender Sicherheit durchgeführt wurden. Es liegt eine wesentliche Lücke in den internen Kontrollen der Finanzberichterstattung vor. Diese führte dazu, dass nach Abschluss bestimmter Fahrten Einnahmen für nicht eingezogene Beträge verbucht wurden”, schrieb das Unternehmen in seiner Mitteilung. Zudem sei Bird bestrebt, diese Mängel so schnell wie möglich zu beheben, indem Kontrollen entwickelt und eingeführt werden.
re:Marc: Nachhaltiger Impact mit nachhaltigem Geschäftsmodell
Bei der Konferenz re:Marc, die dieses Jahr in Budapest stattfand, trafen sich einige der vielversprechendsten Social Entrepreneure aus Mittel- und Osteuropa. Sie zeigten einmal mehr, dass wirtschaftlicher Erfolg und tiefgreifender gesellschaftlicher Impact Hand in Hand gehen können.
re:Marc: Nachhaltiger Impact mit nachhaltigem Geschäftsmodell
Bei der Konferenz re:Marc, die dieses Jahr in Budapest stattfand, trafen sich einige der vielversprechendsten Social Entrepreneure aus Mittel- und Osteuropa. Sie zeigten einmal mehr, dass wirtschaftlicher Erfolg und tiefgreifender gesellschaftlicher Impact Hand in Hand gehen können.
Die re:Marc 2026 fand im Museum of Ethnography Budapest statt | (c) egressyorsifoto
„Ihr pitcht nicht um euer eigenes Überleben, ihr pitcht um unser Überleben als Gesellschaft.“ Mit diesen Worten richtet sich Uli Grabenwarter vom European Investment Fund in seiner Keynote bei der Konferenz re:Marc an das Publikum. Er bringt damit eine Kernbotschaft des Events auf den Punkt: Kreative Lösungen für marginalisierte Gruppen müssen in das Zentrum der Wirtschaft rücken.
Ein grenzüberschreitendes Ökosystem
Die re:Marc ist der Höhepunkt des „Marc Impact Programme“, einer gemeinsamen Initiative von ERSTE Stiftung, ERSTE Social Finance Holding, IFUA Nonprofit Partner und SIMPACT. Die Partner riefen dieses internationale Programm ins Leben, um wirkungsorientierte Unternehmen zu unterstützen. Radován Jelasity, CEO der Erste Bank Hungary, vergleicht in seiner Eröffnungs-Keynote die Kernidee mit jener der Erste Bank selbst und gibt den Teilnehmer:innen mit: „Glaub an dich, denn am Ende gewinnt immer das Gute!“
Und Ana Cretu, Director Social Impact Investment der ERSTE Stiftung, stellt klar: „Das Programm wurde designt, um von einer Gemeinschaft getragen zu werden, nicht nur von einer kleinen Gruppe von Leuten.“ Sie betont eine zentrale Überzeugung der Initiator:innen: „High-Impact-Entrepreneure sind entscheidend für resiliente Gesellschaften.“
Radován Jelasity, CEO der Erste Bank Hungary, auf der Bühne bei der re:Marc 2026 | (c) egressyorsifoto
Marc startete 2024 und begleitet Gründer:innen aus mittlerweile sechs Ländern langfristig. Radka Novotná, COO des tschechischen Social Startups Nepanikař, gibt im Gespräch mit brutkasten einen konkreten Einblick: „Das Programm hat uns die Augen geöffnet. Als NGO haben wir oft die Einstellung, mit so wenig Geld wie möglich auszukommen. Die Mentorinnen und Mentoren haben uns beigebracht, dass es in Ordnung ist, nach Geld zu fragen, weil es für einen wirklich guten Zweck ist.“
Der Pitch um den größten Impact
Das Event in Budapest bringe diese internationale Community zusammen. Zwölf Startups aus Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Tschechien traten dabei auch in drei Runden beim Pitch-Wettbewerb gegeneinander an. Sie zeigten eine enorme Bandbreite an Lösungen. Die Ideen reichten von Drohnen, die Samenbomben zur Wiederaufforstung abwerfen, über mobile Konzertbühnen in Lastenfahrrädern bis hin zu leistbaren Recyclingmaschinen für Plastikmüll aus dem Meer. Die Teams pitchten um Preisgelder von bis zu 20.000 Euro.
Andrew Gray von Tilia Impact Ventures (am Mikrofon) war eines der Jury-Mitglieder | (c) egressyorsifoto
Entscheidend war dabei aber nicht nur der Impact selbst, sondern auch die Frage nach einem tragfähigen und nachhaltigen Geschäftsmodell, das diesen Impact finanzieren kann. Entsprechend genau fragte die Jury nach. Jury-Mitglied Andrew Gray von Tilia Impact Ventures erklärt im brutkasten-Gespräch: „Wir sehen uns an, welche Startups den größtmöglichen Impact für so viele Menschen wie möglich erzielen. Wer wird das Preisgeld nutzen, um den tiefgreifendsten sozialen Impact in der sinnvollsten Weise zu generieren?“
Die Sieger der re:Marc 2026
Letztlich musste sich die Jury für die Gewinner der drei Hauptpreise entscheiden. Neben diesen wurden noch mehrere Zusatzpreise vergeben. Diese drei Startups überzeugten die Jury besonders:
Grand Impact Award: Nepanikař
Den „Grand Impact Award“ und damit den Hauptpreis von 20.000 Euro holte sich das tschechische Social Startup Nepanikař – zu Deutsch: “Keine Panik!” Die gleichnamige App bietet psychologische Hilfe und Suizidprävention. Sie verzeichnet täglich rund 500 Nutzer:innen und unterstützt diese auch gezielt in akuten psychischen Krisensituationen. „Wir wollen das Preisgeld nutzen, um die App mit Smartwatches und Ringen zu verbinden und so Krisen besser vorherzusagen“, schildert Radka Novotná ihre Pläne. Das Geld fließt parallel in die Übersetzung der App in vier weitere Sprachen.
Nepanikař rund um Radka Novotná (2.v.r.) holte sich den Grand Imppact Award | (c) egressyorsifoto
Innovation Champion Award: Origin BCI
Der „Innovation Champion Award“ im Wert von 15.000 Euro ging nach Rumänien an Origin BCI. Das Team rund um Gründer und CEO David-Alexandru Popescu entwickelt bionische Handprothesen, die leistbar und leicht zu warten sind. Im Interview verrät Popescu den nächsten Schritt: „Die gewonnenen 15.000 Euro werden dazu beitragen, unser finales, konformes Produkt zu bauen – mit zugelassenen Materialien und Elektronik für Medizinprodukte.“
Origin BCI rund um David-Alexandru Popescu (2.v.l.) erhielt den Innovation Champion Award | (c) egressyorsifoto
Scalable Champion Award: TalentsLounge
Den „Scalable Champion Award“ sicherte sich Anna Gawin mit der österreichischen Plattform TalentsLounge (DaVinciLab). Die Plattform befähigt Lehrkräfte, Künstliche Intelligenz und Zukunftskompetenzen zu unterrichten. Gawin hat ein klares Ziel für die 15.000 Euro Preisgeld: „Wir werden unsere Plattform ins Polnische und Ungarische übersetzen und erste Pilotprojekte mit rund 500 Schülerinnen und Schülern an polnischen und ungarischen Schulen in Wien umsetzen.“
TalentsLounge rund um Anna Gawin holte sich den Scalable Champion Award | (c) egressyorsifoto
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