07.04.2026
JUBILÄUM

Zwei Jahre Heizma: Fördercrash, Stellenabbau und trotzdem Umsatzverdreifachung

„In den schlimmsten Zeiten werden die besten Unternehmen gebaut", sagt Michael Kowatschew im Interview mit brutkasten. Der Co-Founder von Heizma zieht Bilanz nach zwei turbulenten Jahren.
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Heimzma
© Alissar Najjar - Alexander Valtingojer, Michael Kowatschew und Valentin Perkonigg von Heizma.

Wer im März 2024 ein Unternehmen gründet, das auf staatliche Förderungen angewiesen ist, und ein Jahr später erlebt, wie der Markt um 85 Prozent einbricht, hat zwei Möglichkeiten: aufgeben oder umbauen. Heizma hat sich für Letzteres entschieden. Der Weg dorthin war, wie Co-Founder Michael Kowatschew im Gespräch mit brutkasten offen zugibt, „die härteste Zeit in meinem unternehmerischen Leben.“

Zum zweijährigen Bestehen des Wiener Energy-Startups, das von Alexander Valtingojer, Kowatschew und Valentin Perkonigg gegründet wurde, lässt sich eines sagen: Die Zahlen erzählen eine Erfolgsgeschichte. Die Geschichte dahinter ist jedoch von vielen Ups and Downs geprägt.

Von der Wärmepumpe zum Energiekomplettanbieter

Heizma wurde im März 2024 gegründet und spezialisierte sich zunächst auf die Installation von Wärmepumpen (brutkasten berichtete). Damit wollte man Hausbesitzer:innen einen möglichst schnellen und einfachen Umstieg auf klimaneutrale Heizsysteme zu ermöglichen.

„Zuerst haben wir uns gedacht, wir verkaufen Wärmepumpen. Es wird schon nicht zu schwer sein“, sagt Kowatschew. „Das war sehr schwer.“ Dasselbe galt für den nächsten Schritt: Photovoltaik. Und für den übernächsten: smartes Energiemanagement. Man habe sich „wahnsinnig übernommen“, verrät er im Interview.

Heute ist Heizma kein reines Wärmepumpen-Startup mehr. Das Unternehmen setzt auf ein integriertes Komplettpaket: Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Stromspeicher, Wallbox und ein smartes Energiesteuerungssystem kommen aus einer Hand. Kowatschew beschreibt die aktuelle Position von Heizma wie folgt: „Wir sind der Ansprechpartner für alles rund um deine Energie, wenn du ein Haus hast.“

Neue Lösungen gefragt

Im Gründungsjahr verkaufte Heizma 500 Wärmepumpen und verzeichnete Aufträge mit einem Gesamtvolumen von rund zehn Millionen Euro (brutkasten berichtete). Das alles, wie Kowatschew betont, ohne externes Kapital.

Dann kam der Einschnitt. Mit der Regierungsbildung und dem deutlichen Sparkurs zu Beginn des Jahres 2025 fielen öffentliche Förderungen für Wärmepumpen weg, von denen Heizma profitiert hatte. Der Markt, so Kowatschew im Gespräch, brach um 85 Prozent ein – ein Schock, mit dem die Gründer nicht gerechnet hatten.

Die Reaktion war schnell: Man baute das Photovoltaikgeschäft von null auf. „Im Jänner angefangen, im März die erste Million Sales gemacht“, sagt Kowatschew im Interview. Zudem übernahm Heizma das insolvente Grazer Energiemanagement-Startup meo Energy (brutkasten berichtete). Damit wollte man sich als führender Komplettanbieter für die Elektrifizierung von Einfamilienhäusern in Österreich etablieren.

Bootstrapping, Investment und Stellenabbau

Bis April 2025 kam Heizma ohne externes Kapital aus. Erst dann holten sich die Gründer ein Investment von 2,5 Millionen Euro, um die Expansion zu beschleunigen (brutkasten berichtete). Das war für ein Unternehmen, das sich stets stolz auf seine Kapitaleffizienz berief, ein bewusster Schritt. „Ich würde niemals raisen, um zu raisen“, sagt Kowatschew. Man habe das Investment aufgenommen, weil der Markt es erforderte.

Nur wenige Monate nach der Finanzierungsrunde folgte dann eine Nachricht, die nach außen überraschte: Heizma trennte sich von 30 Prozent seiner Belegschaft. „Wir stellen weiterhin aktiv ein und begrüßen jeden Monat neue Mitarbeiter:innen bei Heizma – nur an anderen, für uns relevanteren Stellen“, erklärte Kowatschew damals (brutkasten berichtete). Parallel dazu wurde die dezentrale GmbH-Struktur in einer einzigen Heizma Installations GmbH zusammengeführt.

2026: Umsatz von 20 Mio. Euro geplant

Trotz allem zeigt die Umsatzkurve nach oben. Im Gründungsjahr über 3,5 Millionen Euro, 2025 gut über 10 Millionen. Eine Verdreifachung des Umsatzes im Jahr, welches er selbst als „schrecklich“ für den Markt bezeichnet. Für 2026 peilt Kowatschew „gut über 20 Millionen Euro“ an.

Dass das möglich war, führt er auf eine klare Haltung zurück: „In den besten Zeiten werden die schlechtesten Unternehmen gebaut, in den schlimmsten Zeiten werden die besten Unternehmen gebaut.“

Heizma-Komplettangebot

Für 2026 hat Heizma gemeinsam mit dem neuen strategischen Partner Viessmann das Ziel ausgegeben, mehr als 1.000 Häuser zu elektrifizieren (brutkasten berichtete). Neben dem klassischen Installations- und Verkaufsgeschäft baut das Unternehmen zunehmend auf wiederkehrende Umsätze: Wartung, Servicing und Energiemanagement sollen das Modell langfristig stabilisieren.

Mittelfristig arbeitet Heizma daran, die „Elektrifizierung ins Abo zu geben“. Somit sollen Hausbesitzer:innen statt Gas- und Stromrechnung Wärmepumpe, PV-Anlage und dynamischen Stromtarif in einem monatlichen Paket erhalten und so von Tag eins sparen können (brutkasten berichtete). Ob die Gründer in weiteren zwei Jahren noch aktiv an Heizma weiterarbeiten? Kowatschew antwortet ohne Zögern: „Definitiv.“

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Die Adspresso-Geschäftsführer (v.r.) Daniel Muftić und Marcus Schnellinger © Adspresso

Rund 30 Stunden aktive Arbeitszeit fallen laut Adspresso bei der Besetzung einer offenen Stelle an. Diesen Aufwand will das Welser Startup auf unter eineinhalb Stunden senken, also um 95 Prozent. Erreichen wollen die Gründer Daniel Muftić und Marcus Schnellinger das mit TalentBlend, einer KI-Plattform für die Fachkräftegewinnung. Ein erstes Modul ist nun als Prototyp bei einem Testkunden im Einsatz.

Vom Agenturgeschäft zur Software

Hinter TalentBlend steht ein Verfahren, das Adspresso bisher als Agenturleistung manuell umsetzt. Unternehmen werben dabei Fachkräfte über Active Sourcing, Werbeanzeigen auf Meta, TikTok, Google und LinkedIn sowie ein kurzes Bewerbungs-Quiz an. Telefonisch werden die Kandidat:innen anschließend vorqualifiziert. Angesprochen werden sollen vor allem wechselbereite Fachkräfte, die nicht aktiv auf Jobbörsen suchen. Als Zielgruppe nennt Adspresso Industrie und Mittelstand. Ihr Know-how bringen Muftić und Schnellinger aus früheren Marketing- und Recruiting-Jobs bei Resch&Frisch und BRP-Rotax mit.

Ein Modul live, zwei in Entwicklung

Die Software besteht aus drei Bausteinen. Am weitesten ist die sogenannte „Creative Engine“. Sie soll aus der Stellenausschreibung sowie Foto- und Videomaterial des Betriebs automatisiert die Werbemittel einer Kampagne erstellen, inklusive CI-Vorgaben und arbeitsrechtlichen Anforderungen. „Was früher Tage an Abstimmung und Gestaltung gebraucht hat, entsteht heute aus Stellenausschreibung und Bildmaterial in einem automatisierten Ablauf“, sagt Schnellinger. Beim Testkunden, einem Industriebetrieb, verkürzt sich die Kampagnenerstellung laut Adspresso bisher um rund 40 Prozent.

Ein zweites Modul, eine Voice AI, soll innerhalb einer Minute nach Bewerbungseingang ein strukturiertes Erstgespräch führen. Fragen zu Alter, Herkunft oder Gesundheit sollen dabei technisch ausgeschlossen sein. Ein erster Prototyp konnte die Vorqualifizierung laut dem Unternehmen jedoch noch nicht verlässlich übernehmen. „Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir noch einmal in die Grundlagenarbeit gehen müssen“, so Schnellinger. Ebenfalls in Entwicklung ist ein Dashboard, das Kandidat:innen nach Qualifikation aufbereiten soll.

Niedriger sechsstelliger Betrag gesucht

Finanziert wurden die bisherigen Prototypen aus dem laufenden Agenturgeschäft. Dessen Monatsumsatz liegt laut Adspresso bei rund 25.000 Euro. Für die weitere Entwicklung, insbesondere der Voice AI, benötigt das Startup nun zusätzliche Mittel. Kalkuliert wird mit einer niedrigen sechsstelligen Summe, Gespräche mit Förderstellen und Kapitalgebern laufen nach Angaben der Gründer bereits. Langfristig soll TalentBlend zu einem eigenständigen SaaS-Produkt werden, das Betriebe selbst bedienen können. Einen Termin für den Marktstart nennt Adspresso noch nicht, dieser hänge vom Verlauf der Finanzierung ab.

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