16.06.2023

Zur freihändigen PC-Nutzung: Zungen-Startup entwickelt „Maus für den Mund“

Das MouthPad von Augmental wandelt die Position und den Druck der Zunge von User:innen in Cursor-Aktionen um, indem es Signale mit Hilfe eines Lernalgorithmus in seinem Prozessor verarbeitet.
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(c) Augmental - Das MouthPad soll die Möglichkeiten der freihändigen Technologie-Nutzung erweitern.

Sie dient zum Sprechen, Schmecken und (meist) in kindlichen Bahnen dazu, den eigenen Unmut über etwas Ärgerliches kund zu tun. Die menschliche Zunge ist ein beweglicher Muskel, der mit vielen Nerven versorgt ist und in der Startup-Welt im Gegensatz zu dem Auge oder Ohr noch wenig Beachtung erhalten hat. Dies könnte sich nun mit Augmental und ihrem MouthPad ändern.

MouthPad soll Interaktion mit digitalen Geräten verbessern

Das aus dem MIT Media Lab hervorgegangene Hardware-Startup, das sich auf die Entwicklung von „human first experience“ konzentriert – die die alltägliche Interaktion mit digitalen Geräten und Schnittstellen verbessern – erfand das MouthPad als eine Art „Zungen-Maus“.

Menschen sollen hierbei Geräte allein durch die Bewegung ihrer Zunge steuern können. Augmental zielt damit darauf ab, die Grenzen des freihändigen Computings zu erweitern.

Eine intelligente intra-orale Schnittstelle wird dabei an den Mund des Benutzers angepasst und kann mit verschiedenen persönlichen Geräten verbunden werden.

Gleicher Zugang für alle Menschen

Die Eye-Tracking-Technologie, die „reine“ Sprachunterstützung und sogar lippengesteuerte Joysticks bieten zwar allen einen gewissen Freihandzugang zur digitalen Welt, aber die Nutzer seien oft frustriert, ermüdet oder hätten Schäden an ihren Zähnen. Es bestehe ein eindeutiger Bedarf an mehr technologischer Innovation im Hinblick darauf, wie User:innen aktuelle und künftige digitale Geräte ohne Hände steuern können – so die Einstellung des Entwicklerteams.

„Da unser Leben immer stärker mit der Technologie verwoben ist und sich die Welt von der physischen zur digitalen Welt ausweitet, ist es wichtiger denn je, sicherzustellen, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu Steuereingaben und neuen Schnittstellen haben“, erzählte Tomás Vega, Mitbegründer und Ingenieur bei Augmental bereits im April der Tech-Plattform MBF. „Die Interaktion mit diesen Systemen muss so gestaltet sein, dass sie der Art und Weise entspricht, wie Menschen wahrnehmen, verarbeiten und handeln.“

Bei ihrer Arbeit und geleitet von den Prinzipien eines universellen Designs und der Inklusivität hat Augmental ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm gestartet, das sich auf die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Handsteuerung konzentriert.

MouthPad auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität

Durch die Zusammenarbeit mit einer Gemeinschaft für Menschen mit körperlichen Behinderungen gewann Augmental viele Erkenntnisse, die in die Entwicklung des Geräts einflossen. Ziel ist es, das MouthPad so zu erweitern, dass es von einem möglichst breiten Publikum genutzt werden kann, und sodass Menschen alltägliche Aufgaben freihändig erledigen und die digitale Steuerung mit größerer Leichtigkeit und Unabhängigkeit genießen können.

„Universelles Design hat das Potenzial, den digitalen Zugang für alle zu erweitern, nicht nur für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Bei der Erforschung von Szenarien, in denen die Hände gebunden sind, und von Kontexten, in denen die Benutzer nur eine eingeschränkte Kontrolle über die Hände haben, haben wir eine In-Mouth-Plattform entwickelt, die eine bequeme Interaktion mit den Geräten von heute ermöglicht und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine Zukunft mit menschlicheren und weniger ablenkenden Heads-up-Displays schafft“, erklärt Co-Founder Corten Singer seine Vision. „Unsere Technologie sollte uns dort treffen, wo wir sind – nicht umgekehrt.“

„Der elfte Finger“

So geht’s: Das MouthPad ist derart konzipiert, sodass die Benutzer frei sprechen und gleichzeitig andere Aktionen ausführen können. Es ergänze alternative Technologien wie die Sprachsteuerung und ermögliche es Menschen, nahtlos zwischen zungengesteuerter Bildschirmnavigation und Sprache zu wechseln, ohne dass ein chirurgischer Eingriff erforderlich sei.

Dabei macht sich das MouthPad die angeborene Geschicklichkeit der Zunge zunutze, die von Augmental als „der elfte Finger“ bezeichnet wird. Das Gerät wandelt die Position und den Druck der Zunge der Benutzer:innen in Cursor-Aktionen um, indem es Signale durch einen maschinellen Lernalgorithmus in seinem Prozessor verarbeitet.

Die Befehle werden dann über Bluetooth an das angeschlossene Gerät gesendet und in Cursorbewegungen und Klicks übersetzt, sodass der Benutzer alles tun kann, vom einfachen Senden einer E-Mail oder Einschalten des Lichts bis hin zum Bearbeiten eines Fotos oder Spielen eines Videospiels.

MouthPad-Founder: „Alle Beschränkungen überwinden“

Jedes Gerät wird durch ein intraorales Scannen, das ein 3D-Modell des Mundes erstellt, vollständig an den Benutzer angepasst. Anhand dieses Modells wird ein individuelles Gerät entworfen und mit Zahnkunststoff gedruckt. Dieses passt sich an den Mund des Benutzers an und enthält eine flexible Leiterplatte mit Sensoren, einer Verarbeitungseinheit und einem Bluetooth-Funkgerät – alles in einem wasserdichten Gehäuse, das mit einer bestimmten Technik vor Speichel geschützt ist.

„Ich bin motiviert“, wird Vega abschließend bei MBF zitiert, „die menschlichen Fähigkeiten zu verbessern, und daran interessiert, die Technologie zu nutzen, um all die Beschränkungen zu überwinden, die durch die Art und Weise, wie wir geboren werden, entstehen.“

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Christoph Knogler führt Keba als CEO und steht gemeinsam mit A1-CEO Thomas Arnoldner der KI-Taskforce der Industriellenvereinigung vor. © Antje Wolm

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen„ erschienen

28 Standorte in 16 Ländern, drei Geschäftsbereiche von der Industrie- über die Handover- bis zur Energy-Automation, dazu seit Kurzem eine eigene KI-Einheit: Keba aus Linz baut Steuerungen für Maschinen und Anlagen und steckt über Trumpf mit einer Komponente in den Lithografiemaschinen von ASML. Christoph Knogler führt das Unternehmen als CEO und steht gemeinsam mit A1-CEO Thomas Arnoldner der KI-Taskforce der Industriellenvereinigung vor, die bis Sommer 2027 die AI Maturity der heimischen Industrie messen und steigern soll. Der erste Befund: Österreich liegt unter dem EU-Schnitt. Warum das ein Leadership-Thema ist und kein technologisches, wieso die Hyperscaler die europäische Industrie dringender brauchen als umgekehrt – und was Industrial Intelligence von einem Hype-Begriff unterscheidet.


Die österreichische Industrie liegt bei KI unter dem EU-Schnitt – das zeigt die McKinsey-Studie „State of AI in Austria 2025″, die im Rahmen der Taskforce entstanden ist, der du vorsitzt: ein AI-Quotient von 30 gegenüber 34 im EU-Schnitt. Wie kam es zu diesem Befund?

Ein wesentlicher Aspekt unserer KI-Taskforce ist, dass wir die AI Maturity unserer Mitglieder und so auch der gesamten österreichischen Industrie quantitativ messbar machen, mit je einem Assessment zu Beginn, zur Mitte und zum Ende der Laufzeit, pro bono begleitet von McKinsey. Mit dem ersten Assessment im vergangenen Jahr hat sich die Vermutung der Industriellenvereinigung bestätigt: Wir liegen in Österreich unter dem Niveau des EU-Durchschnitts und damit auch des weltweiten Durchschnitts. Das zweite Assessment wurde nun im Juli dieses Jahres abgeschlossen, die Veröffentlichung ist für Anfang Oktober geplant. Wir sind schon gespannt, ob wir das schaffen, was wir uns vorgenommen haben – nämlich eine konsequente Steigerung der AI Maturity der österreichischen Industrie.

Warum gibt es diesen Rückstand?

Es gibt ihn sicher auch, weil es uns als Industrie schon sehr gut gegangen ist und so der Veränderungsdruck in vielen Unternehmen nicht groß genug war, KI konsequent einzusetzen. Wir haben als Industrie den Startschuss verpasst. Es gibt aber auch in Österreich Frontrunner; in der Studie sieht man etwa die Telekommunikationsunternehmen vorne. Aber im produzierenden Bereich und im Maschinenbau waren wir überrascht, dass selbst hoch innovative Unternehmen bei der Nutzung von KI im internationalen Vergleich nicht vorne mit dabei sind. Wenn man genauer hineinschaut, ist es weniger ein technologisches Thema, sondern sehr oft ein Leadership-Thema: Dort, wo die strategische Aufmerksamkeit des C-Levels ist, fließt auch die Energie hin. KI war zu Beginn oft ein IT-Thema statt ein strategisches Positionierungsthema. Das hat sich im ersten Jahr unserer Taskforce aber massiv gedreht. Andritz hat beispielsweise aufgezeigt, wie KI die Automatisierung einer Anlage so weit optimiert, dass eine Art Dark Factory vorstellbar wird; Voestalpine hat anhand umgesetzter Use Cases gezeigt, wo ganz konkrete Einsparungseffekte gehoben wurden; und Miba hat gezeigt, wie KI als übergreifendes Thema in der Unternehmensgruppe verankert wurde.

© Antje Wolm

Regeln und Ausblick

Bremst der AI Act die Industrie?

Für Branchen, in denen der AI Act tatsächlich wie ein Korsett wirkt, kann er dazu führen, dass man im Sinne des Risikomanagements sehr zurückhaltend wird. Der Ruf nach Regulatory Sandboxes ist dort laut; ich denke beispielsweise an Life Sciences und an das Bankenwesen. Bei Produktionsunternehmen und im Maschinenbau – dazu zählen wir uns als Keba – gibt es diese Einschränkungen aus eigener Erfahrung weniger. Ich habe es bisher nicht so wahrgenommen, dass der AI Act ein wesentlicher Technologie-Showstopper wäre. Deswegen plädieren wir auf Selbstwirksamkeit: nicht die Rahmenbedingungen bekämpfen, sondern sich fragen, wie man innerhalb dieser vernünftig arbeitet. Aber viel wichtiger war: mit KI losstarten, es zum Leadership-Thema machen, sich um Daten und Legacy-Systeme im Unternehmen kümmern und vor allem die Menschen auf diese Innovationsreise mitnehmen.

Die Taskforce läuft bis Sommer 2027. Was kommt danach?

Anfang 2027 werden wir entscheiden: Braucht es weiterhin eine Taskforce für KI, die Eintrittsbarrieren abbauen und zur wertschöpfenden Nutzung anregen will? Oder braucht es dann ein anderes Format? Unabhängig vom Format ist für uns wichtig, dass die bisherigen Erkenntnisse und Best Practices weitergetragen werden; da spreche ich auch für meinen Co-Vorsitzenden Thomas Arnoldner. Dazu kommt, dass sich immer mehr kleinere Industrieunternehmen mit KI beschäftigen, für die so eine Plattform hilfreich sein kann.

Was Europa in der Hand hat

Blicken wir über Österreich hinaus: Europa habe das Rennen um generative KI verloren, heißt es. Bleibt Industrial Intelligence als zweite Chance?

Ich habe dazu eine sehr klare Meinung: Die amerikanischen Unternehmen, die in diesem Rennen die Nase vorn haben, brauchen wertschöpfende Prozesse, um ihren eigenen Business Case abzusichern. Auch KI macht nur dann wirtschaftlich Sinn, wenn man sie verkaufen kann. Schaut man sich Europa an – 450 Millionen Konsumenten, eine sehr starke Industrie, im DACH-Raum besonders stark –, dann sind wir der Enabler für die Business Cases der Hyperscaler. Deswegen werden wir auch stark umworben, von genau diesen global denkenden Unternehmen. Sie brauchen dringend Anwendungsfälle für ihre KI-Modelle am Shopfloor, damit der Value Stream entsteht, der die Mega-Investitionen rechtfertigt. Bleibt der aus, wird man die laufenden Infrastruktur-Investitionen über eine kleinere Menge an Anwendern verteilen, was Tokenpreise in die Höhe treiben wird und die Anwendung somit unattraktiver macht. Auf Basis dieser Logik dürfen und müssen wir als europäische Industrie schon selbstbewusst sein.

Also ist das Rennen nicht verloren?

Was für ein Rennen? Wir müssen als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig sein, um Wertschöpfung zu generieren und unsere Sozialsysteme am Laufen zu halten. Da haben wir noch gar nichts verloren. Verlieren ist gar keine Option! Ich frage mich oft, was aus unserem Selbstbewusstsein in Europa geworden ist. Das sehe ich viel optimistischer, und Industrial Intelligence ist das Schlagwort. Aber dann kommt natürlich die Folgefrage: Wie geht es uns mit den eigenen KI-Unternehmen, mit der Infrastruktur, mit den eigenen europäischen Modellen? Da stehen wir, wie generell im Thema Software, nicht besonders gut da. Es braucht jemanden, der investiert, und jemanden, der das dann auch nutzt, bevorzugt gegenüber Infrastruktur, die vielleicht günstiger ist und anfangs mehr kann. Damit das gelingt, braucht es wohl fast so etwas wie einen Orchestrator im europäischen KI-Konzert. Klug wäre ein progressiver Impuls der EU, aber nicht als weiterer Zwang, sondern indem die Nutzung europäischer Infrastruktur, beispielsweise für die öffentliche Beschaffung, besonders attraktiv wird. Ohne einen Masterplan wird das aber schwierig; die Hyperscaler sind bestens positioniert, brauchen die europäischen Kunden und werden nicht tatenlos zusehen, wie sich Europa plötzlich verselbstständigt.

Wo hängt umgekehrt die Welt an Europa?

Wir reden viel über die Abhängigkeit von den USA, China bzw. Asien. Wir reden leider ganz wenig darüber, dass diese Regionen genauso von uns abhängig sind. Bestes KI-Beispiel: ASML. Das niederländische Unternehmen hat das Herstellen von Mikroelektronik mit einem speziellen Lithografieprozess perfektioniert, im Zusammenspiel mit zwei weiteren europäischen Playern, Trumpf und Zeiss. Wir sind als Keba stolz, dass wir für Trumpf eine Subkomponente dieser faszinierenden Maschinen beisteuern dürfen. Ohne diese gäbe es keinen KI-Chip, keine Hochleistungs-GPUs. Was wir oft nicht am Radar haben: dass wir als europäische Hightech-Unternehmen mit unseren Technologien vieles möglich machen. Allerdings finden dann die Produktion und die Wertschöpfung leider zu oft in anderen Ländern statt.

Keba ist auch Teil der Initiative Digitale Souveränität. Was heißt Souveränität für ein Unternehmen mit 28 Standorten in 16 Ländern?

Für mich war letztes Jahr in Alpbach Hermann Hauser besonders inspirierend. Er hat die digitale Souveränität mit einer Zwiebel verglichen: Die globalen Tech-Giganten sind weltweit fest in Unternehmen und Prozessen verankert; es ist unrealistisch und naiv, sie komplett aus der Gleichung zu nehmen. Und sie sind für die äußere Zwiebelschicht auch in Ordnung. Doch je näher wir ins Innere der Zwiebel vorstoßen – und das können für jedes Unternehmen andere kritische Prozesse sein –, desto stärker muss man sich bei der aktuellen geopolitischen Lage fragen, in welcher Abhängigkeit man tatsächlich steht. Wir schauen uns unsere Prozesslandschaft an und entscheiden Fall für Fall. ERP zum Beispiel wandert in die Cloud, und da stellt man sich natürlich die Frage, auf welcher Infrastruktur Kernprozesse laufen sollen. Für unser Produktportfolio haben wir entschieden, weitestgehend agnostisch ins Rennen zu gehen, also technologisch offen zu bleiben und je nach Markt und Bedarf die passende Lösung zu wählen. Keba braucht auch Antworten für unsere amerikanischen und asiatischen Kunden.

Was Industrial Intelligence wirklich heißt

Industrial Intelligence steht inzwischen in jedem Wirtschaftsprogramm, vom Bund bis zur Stadt. Was ist damit gemeint?

Ja, das stimmt, Industrial Intelligence ist momentan in aller Munde, sogar im Wirtschaftsprogramm der Stadt Linz. Ich glaube, dass es jetzt etwas braucht, das den Begriff einordenbar macht, denn er darf nicht der nächste Hype-Begriff werden. Industrial Intelligence heißt ja nicht einfach, dass die Industrie irgendwo KI anwendet – es geht darum, mit KI Industriestandards zu erfüllen. Das bedeutet, hochverlässliche, wiederholbare Prozesse zu schaffen, in denen die KI nicht einfach „irgendetwas” tut, sondern kontrolliert in einem definierten Rahmen Arbeitsschritte besser, sicherer, schneller, günstiger oder einfach anders ermöglicht, als das bisher mit normalen Rechnern möglich war. In einer industriellen Produktion muss ein Prozess auch beim tausendsten Durchlauf noch stabil, sicher und reproduzierbar funktionieren. Genau dieser Anspruch unterscheidet Industrial Intelligence von vielen anderen KI-Anwendungen, bei denen ein gewisser Spielraum in den Ergebnissen eher akzeptabel ist.

. © Antje Wolm

Viele KI-Projekte, auch von Startups, sterben nicht am Algorithmus, sondern beim Produktionsleiter. Warum?

Weil man mit Daten, die gerade verfügbar sind oder gemacht werden, schnell einmal etwas bauen kann. Wenn man aber nachhaltig in die wertschöpfenden Prozesse hineinwill, dann wird das kein Produktionsleiter zulassen, solange nicht klar ist, dass es verlässlich funktioniert. Wenn ich KI so baue, dass sie mit verlässlich verfügbaren Daten arbeitet, also mit Daten, die im System entstehen oder zugeliefert werden, und daraus ein konkreter Nutzen erzeugt wird, etwa ein effizienteres Produktionssystem oder ein besserer Qualitätsprozess, dann habe ich verstanden, was die Industrie braucht. Heute werden für nette Prototypen oft eigens Daten zusammengestellt, die im späteren Betrieb so nicht zur Verfügung stehen. Das Verständnis dafür, wie die Industrie tickt, differenziert einen Industrial-AI-Anbieter von einem regulären IT-Unternehmen. In der Industrie braucht es wahre Domänenexpertise, sonst ist man in Prozessen nicht anknüpfungsfähig und kann KI nur zum Drüberstreuen verwenden. Und das mag kein Produktionsleiter.

Wo ist KI bei Keba bereits im laufenden Betrieb im Einsatz?

Beispielsweise in der Elektronikfertigung, das heißt, in der Bestückung von Leiterplatten zu Flachbaugruppen. Wir prüfen dort seit vielen Jahren jedes einzelne Produkt am Ende der Linie mittels AOI, also Automated Optical Inspection, und gleichen es mit einem definierten Sollbild ab. Das war früher ein statischer Prozess: War die Toleranz eng eingestellt, wurde alles aussortiert, was auch nur ein bisschen anders als das Sollbild aussah, und ein Mensch musste sich die Baugruppe noch einmal genauer ansehen. Das System hat dabei nicht dazugelernt. Heute lernt unser System über Machine Learning laufend dazu. Seit wir vor eineinhalb Jahren gestartet haben, sparen wir uns mittlerweile bis zu 70 Prozent unserer Qualitätsaufwendungen in diesem Prozess. Hätten wir aber niemanden gehabt, der zwischen unserem Produktionsleiter – hochkompetent in der Produktion, aber eben kein KI- oder IT-Experte – und unserem IT-Team übersetzt hätte, dann hätte die Produktion wohl gesagt: Lasst uns mit diesem Thema besser in Frieden. Ich bin stolz, dass wir diese Übersetzer- und Katalysator-Expertise im eigenen Unternehmen aufgebaut haben. Das macht vieles leichter; und schneller.

Vom Startup zur Keba Digital

Wann war KI bei Keba erstmals Thema?

Das ist schon lange her. Bereits Anfang der 90er-Jahre haben wir drei wissenschaftliche Kollegen in Hagenberg beschäftigt, die das Thema neuronale Netze für unsere Industriesteuerungen einsetzen wollten. Nach zwei Jahren haben wir es damals allerdings wieder beendet. In der Theorie war damals schon viel möglich, aber die Rechnerleistung war noch viel zu gering. Wir waren viel zu früh.

Der zweite Impuls kam vor rund neun Jahren von meinem Vorgänger, dem damaligen CEO Gerhard Luftensteiner: Wäre es nicht sinnvoll, Machine-Learning-Technologie direkt in unseren Steuerungen Cloud-unabhängig „on device” laufen zu lassen? Daraus ist unser erstes KI-Produkt entstanden, eine „On-Device-AI”-Erweiterung für unsere Industriesteuerungen; kurz darauf unser zweites KI-Produkt namens Kebob, ein KI-basiertes Überwachungs- und Assistenzsystem für Bankfoyers. Als dann der ChatGPT-Hype kam, war KI bei uns offen gesagt gar nichts besonders Aufregendes. Wir haben eher gesagt: Das ist jetzt das nächste Level.

Ihr habt mit Keba Digital eine eigene Einheit gegründet und dafür ein Linzer KI-Startup übernommen. Wie kam es dazu?

Was wir in allen unseren Business Units sehen, in der Industrial Automation, in der Handover Automation und auch in der Energy Automation, ist, dass der große technologische Differenzierungsfaktor zunehmend in der Software liegt. Deshalb war es der nächste logische Schritt, unsere jahrzehntelang aufgebaute Softwarekompetenz mit unserer über Jahre aufgebauten und mit dem Startup-Zukauf 7LYTIX verstärkten KI-Expertise zu verbinden und das Ergebnis im Rahmen eines neuen digitalen Businessmodells unter dem Titel Keba Digital auf den Markt zu bringen. Für Keba Digital haben wir Leute mit Erfahrung in softwarebasierten Geschäftsmodellen ins Unternehmen geholt, Positionierung und Strategie gemeinsam erarbeitet und sind nun mitten in der Umsetzung.

Und wohin soll sie?

Sie wird solide auf drei Säulen stehen: Nach innen als unternehmenseigenes KI-Kompetenzcenter für Keba-Produkte und -Prozesse, mit dem Anspruch „Keba als erster Industriekunde”. Das bringt Erfahrung und Glaubwürdigkeit. Nach außen gehen wir als zweite Säule mit industrieller KI in Branchen, die wir als Keba schon kennen, wo wir bereits Domänenwissen haben; oder auch in neue, wo wir mit KI einen Mehrwert generieren werden. Die dritte Säule ist eine KI-Plattform, mit der wir die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, also HMI, ganz neu denken, hardwareunabhängig und somit hochskalierbar.

Es war vom ersten Tag an klar, dass hier etwas entsteht, das auch die drei angestammten Geschäftsbereiche nutzen können; und daher ist das in Bezug auf Industrial AI auch so authentisch: Wenn ich zu einem Industriekunden gehe und der fragt mich: „Was habt ihr denn selbst im Qualitätswesen gemacht?”, dann kann ich sagen: „Bei unserem Shopfloor laufen seit 18 Monaten KI-Modelle operativ.” So positionieren wir uns mit Keba Digital als erfahrener industrieller KI-Partner.


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AI Summaries

Zur freihändigen PC-Nutzung: Zungen-Startup entwickelt „Maus für den Mund“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Der Artikel beschreibt die Entwicklung einer neuartigen Technologie, die es Menschen mit eingeschränkter Handsteuerung ermöglicht, digitale Geräte mit größerer Leichtigkeit und Unabhängigkeit zu steuern. Das Startup Augmental hat sich dabei speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit körperlichen Behinderungen konzentriert und an einem „MouthPad“ gearbeitet, einer Art „Zungen-Maus“, die durch die Bewegung der Zunge gesteuert werden kann. Damit zielt Augmental darauf ab, die Grenzen des freihändigen Computings zu erweitern und den digitalen Zugang allen Menschen zu ermöglichen. Die Technologie hat somit das Potenzial, gesellschaftliche Barrieren zu reduzieren und die Inklusivität zu fördern.

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Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Im Artikel geht es um die erstmalige Entwicklung einer „Maus für den Mund“ namens MouthPad, die es ermöglicht, digitale Geräte allein durch die Bewegung der Zunge zu steuern. Das Startup Augmental hat sich auf die Entwicklung von Interaktionen mit digitalen Schnittstellen konzentriert und will mit dem Produkt die Grenzen des freihändigen Computings erweitern. Durch die Zusammenarbeit mit einer Gemeinschaft für Menschen mit körperlichen Behinderungen wurden Erkenntnisse in die Entwicklung des Geräts integriert und Ziel ist es, das MouthPad für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Das Potenzial dieser Erfindung klingt erfolgversprechend für Menschen mit eingeschränkter Handsteuerung und könnte zu einem Durchbruch in der Technologie führen.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Als Innovationsmanager:in ist es wichtig, sich mit den neuesten Technologien und Trends auseinanderzusetzen, um Innovationen voranzutreiben. Der MouthPad von Augmental ist ein Beispiel für eine neuartige Technologie, die es Menschen ermöglicht, digitale Geräte allein durch die Bewegung ihrer Zunge zu steuern. Diese Art der freihändigen Computernutzung kann die Interaktion mit digitalen Geräten ermöglichen, ohne dass Hände erforderlich sind. Die Technologie ist insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Handsteuerung von großer Bedeutung und kann als Grundlage für weitere Innovationen und Entwicklungen in diesem Bereich dienen.

Zur freihändigen PC-Nutzung: Zungen-Startup entwickelt „Maus für den Mund“

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Als Investor:in sollten Sie sich für innovative Startups interessieren, die Lösungen für alltägliche Probleme anbieten. Augmental hat mit dem MouthPad eine intelligente intra-orale Schnittstelle entwickelt, die die Grenzen des freihändigen Computings erweitert und allen Menschen gleichen Zugang zu digitalen Geräten und Schnittstellen ermöglicht. Das Unternehmen setzt dabei auf ein universelles Design und ist bestrebt, Menschen mit eingeschränkter Handsteuerung einzubeziehen. Mit diesem Ansatz hat Augmental das Potenzial, ein breites Publikum anzusprechen und ein bedeutender Akteur in der tech-industry zu werden.

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Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Die Entwicklung des MouthPads durch das Startup Augmental verdeutlicht die zunehmende Bedeutung von technologischer Innovation im Hinblick auf eine inklusive und barrierefrei zugängliche digitale Welt, in der Menschen mit verschiedenen Einschränkungen gleichberechtigt agieren können. Als Politiker:in ist es wichtig, sich für die Förderung von Innovationen einzusetzen, die die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in unserer digitalen Gesellschaft verbessern.

Zur freihändigen PC-Nutzung: Zungen-Startup entwickelt „Maus für den Mund“

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Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Das Startup Augmental hat eine Zungen-Maus namens MouthPad entwickelt, die es Menschen ermöglicht, digitale Geräte freihändig zu bedienen. Durch die Zusammenarbeit mit einer Community für Menschen mit körperlichen Behinderungen hat Augmental das Gerät entwickelt, um eine größere Benutzergruppe zu erreichen und ihnen eine unabhängige, komfortable Nutzung zu ermöglichen. Das Startup konzentriert sich auch darauf, eine universelle Gestaltung und Inklusivität bei der Entwicklung digitaler Interfaces zu fördern. Letztendlich ermöglicht das MouthPad eine angenehme Interaktion mit digitalen Geräten, indem es die angeborene Geschicklichkeit der Zunge nutzt.

Zur freihändigen PC-Nutzung: Zungen-Startup entwickelt „Maus für den Mund“

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Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

  • Tomás Vega
  • Corten Singer

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AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

  • Augmental
  • MIT Media Lab

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