12.02.2024

Nach achtstelligem Investment 2022: Berlin-Tochter von Wiener Scaleup Zizoo insolvent

Zuletzt machte das Yacht-Vermittlungs-Scaleup Zizoo bereits mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung Schlagzeilen.
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Zizoo insolvent
(c) Layton Diament via Unsplash

Lange Zeit sah es nach einer typischen Scaleup-Erfolgsgeschichte aus: 2015 in Wien gestartet bezeichnete sich Zizoo schon seit Jahren als weltweit führende Bootsvermietungsplattform. Mit insgesamt 30 Millionen US-Dollar in das Unternehmen investiertem Kapital – zuletzt gab es 2022 eine achtstellige Finanzierungsrunde – unterstrich das Scaleup diesen Anspruch.

Jährlich würden Milliardenbeträge über die Plattform laufen, hieß es anlässlich des letzten großen Investments. Dazu wurden große Expansionspläne kommuniziert. Doch wie es nun aussieht, lief es bei Zizoo zumindest zuletzt finanziell nicht so gut, wie behauptet.

Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Zizoo-Chefin

Aktualisierung (November 2025)

Anna Banicevic hat gegenüber brutkasten mitteilen lassen, dass gegen sie keine straf- oder zivilrechtlichen Verfahren eingeleitet wurden. Das Insolvenzverfahren von Zizoo wurde abgeschlossen, und Frau Banicevic wurde nicht persönlich haftbar gemacht.

Seinen formellen Sitz hat Zizoo nach wie vor in Wien. Operativ arbeitet das Scaleup aber schon seit Jahren von Berlin aus. Dort gerieten das Unternehmen und Gründerin und CEO Anna Banicevic kürzlich auch ins Visier der Justiz. So ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen die Geschäftsführerin wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung. Der konkrete Vorwurf auf Basis der Aussagen zahlreicher Kund:innen: Das Unternehmen habe seit mehr als sechs Monaten Nutzer:innen, die bereits die Anzahlung geleistet hatten, nicht an Charterflotten weitergleitet. Sprich: Diese bekamen keine Leistung für ihr Geld. In Österreich wurde Zizoo zudem von zumindest einem Kunden privat geklagt.

Insolvenzverfahren über Berlin-Tochter eröffnet

Es liegt also der Verdacht nahe, dass das Scaleup zahlungsunfähig ist. Entsprechend eröffnete das Amtsgericht Charlottenburg vergangene Woche ein vorläufiges Insolvenzverfahren gegen die Zizooboats GmbH in Berlin, wie zuerst das Magazin yacht.de berichtete. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter soll nun das Vermögen sichern und kann dazu unter anderem auch Bankguthaben einziehen. Über die österreichische Muttergesellschaft von Zizoo wurde bislang kein Insolvenzverfahren eröffnet, das ist jedoch angesichts der Umstände absehbar. Laut Kurier gibt es bereits einen entsprechenden Antrag.

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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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