24.02.2026
QUANTENCOMPUTING

Zerothird, Erste Group und A1 starten Quantenpilotprojekt – zum Schutz von Kundendaten

Das Wiener Quanten-Startup zerothird – vormals Quantum Industries - A1 und die Erste Group starten eine Kooperation, um künftig den Schutz sensibler Kundendaten im "Post-Quanten-Zeitalter" zu gewährleisten. Und versuchen sich zudem an einem Weltrekord.
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zerothird -
© Erste Group/Marko Mestrovic/Renee del Missier - (v.l.) Alejandro Plater, A1 Group CEO, Peter Bosek, Erste Group CEO und Maurizio Poletto, Erste Group Chief Platform Officer und COO.

Das Wiener Startup zerothird entwickelt Verschlüsselungstechnologien, die auf Quantenkryptografie basieren. Denn Quantencomputing stellt eine große Gefahr für die Kommunikation dar – so könnten heutige Verschlüsselungssysteme potenziell in Sekunden von Quantencomputern geknackt werden.

zerothird mit eQKD

Für seine Lösung erhielt das Unternehmen im Juli 2025 ein zehn-Millionen-Dollar-Investment – brutkasten berichtete. Zerothird entwickelt eine proprietäre Quantum Key Distribution (eQKD)-Technologie, die auf dem Prinzip der Quantenverschränkung basiert. Laut dem Startup handelt es sich dabei um die weltweit fortschrittlichste Lösung für sichere Kommunikation, die sich insbesondere durch extrem hohe Schlüsselraten von der Konkurrenz abhebe, wie es im Vorjahr mitteilte.

Nun hat die Erste Group gemeinsam mit dem österreichischen Deeptech-Unternehmen und A1 ein Pilotprojekt in Wien gestartet, bei dem erstmals eine kommerzielle Quanten-Sicherheitslösung erfolgreich in die bestehende Glasfaser-Infrastruktur der Bank integriert wurde.

Quantensichere Lösungen

Die zugrundeliegende Technologie der verschränkungsbasierten Quantenverschlüsselung (entangled Quantum-Key-Distribution, eQKD) basiert auf Nobelpreis-prämierter Forschung aus Österreich (Anm.: von Anton Zeilinger). Damit möchte die Erste Group neue Maßstäbe für den künftigen Schutz sensibler Kundendaten im „Post-Quanten-Zeitalter“ setzen, wie es heißt. Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt in Wien plant die Bankengruppe, ihre internationale Bankeninfrastruktur in Zukunft schrittweise mit quantensicheren Lösungen aufzurüsten.

„Europa und Österreich sollten ihr Potenzial nicht unterschätzen. Gemeinsam mit A1 und zerothird zeigen wir, was erreicht werden kann. Wir bereiten unsere Infrastruktur für die Ära der Quantenkommunikation vor, eine Ära, in der klassische digitale Verschlüsselung keinen ausreichenden Schutz mehr bieten wird. Damit setzen wir führende österreichische Forschung in praktische und zukunftsorientierte Anwendung um“, sagt Peter Bosek, CEO der Erste Group.

Erste Group Top 20 im Quantum Index

Diese auf Verschränkung basierende Quantentechnologie positioniert das Institut laut dem Quantum Index unter den zwanzig weltweit führenden Finanzdienstleistern im Bereich der Quantentechnologie und unter den drei größten in der Europäischen Union.

„Vertrauen ist die stärkste Währung im Bankwesen. Da Quantentechnologien die Regeln der Cybersicherheit neu schreiben werden, handeln wir jetzt, indem wir quantensichere Kommunikation pilotieren und uns auf die Post-Quanten-Verschlüsselung vorbereiten. Unsere Mission ist klar: Wir schützen die Daten unserer Kundinnen und Kunden mit Sicherheitsmaßnahmen, die nicht nur für heute, sondern auch für die Zukunft ausgelegt sind“, erklärt Maurizio Poletto, COO & CPO der Erste Group.

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© Alex Schwarz Photography – Das Innenleben eines eQKD-Gerätes von zerothird.

Zur Erklärung: Herkömmliche digitale Verschlüsselungsverfahren basieren auf mathematischen Problemen, die für heutige Computer schwer lösbar sind. Künftige Quantencomputer sollen sie jedoch binnen Sekunden lösen können.

„Quantenverschlüsselung als nächste Stufe digitaler Kommunikation erfordert eine Infrastruktur, die Resilienz und Zukunftsfähigkeit vereint. Bankenumgebungen zählen aufgrund ihrer Komplexität und kompromisslosen Sicherheitsvorgaben zu den anspruchsvollsten Anwendungsfeldern. Gemeinsam mit der Erste Group und zerothird legen wir den Grundstein für die nächste Generation vertrauenswürdiger Datenübertragung“, erklärt A1 Group CEO Alejandro Plater.

Weltrekordversuch

Zusätzlich wird im Rahmen des von zerothird geleiteten Projekts QUAPITAL, an dem sich auch die EU beteiligt, in Zusammenarbeit mit der Erste Group ein Weltrekord angestrebt: Das Ziel ist die Etablierung einer quantensicheren Verbindung zwischen den Finanzplätzen Wien und Frankfurt.

Aufgrund der physikalischen Signaldämpfung in Glasfasern gilt diese Distanz bisher als enorme Herausforderung für die Quantum-Key-Distribution (QKD). Mit der erfolgreichen Umsetzung wäre die Erste Group weltweiter Vorreiter bei der Überbrückung solch großer Distanzen in einem Quantennetzwerk, heißt es per Aussendung.

„Was wir hier realisieren, ist weit mehr als ein einzelnes Technologieprojekt – es ist ein strategischer Schritt hin zu echter digitaler Souveränität. Gemeinsam mit starken Partnern Erste Group und A1 bringen wir Quantenkryptographie aus der Spitzenforschung in den alltäglichen operativen Einsatz kritischer Infrastrukturen. Von Wien nach Frankfurt“, betont Felix Tiefenbacher, CEO von zerothird. „Unsere Technologie schafft eine zusätzliche, physikalisch basierte Sicherheitsebene, die auch künftigen Quantencomputern standhält. Damit beginnt eine neue Phase der Cybersecurity in pan-europäischen Netzen, wirtschaftlich tragfähig und technologisch führend aus Österreich heraus.“

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Manuel Prohaska ist Gründer von MPC² | (c) LA-Cinematics / MPC²

Es ist eines dieser Themen, mit denen sich Normalverbraucher:innen im Alltag zwar nicht beschäftigen, die aber letztlich indirekt alle betreffen: Korrosionsprüfung. Oder sehr vereinfacht gesagt: Rohre müssen leckagefrei sein und bleiben, vor allem dort, wo nicht nur sinnbildlich mit Hochdruck gearbeitet wird.

Doch die Überprüfung der Korrosionsbeständigkeit kritischer Komponenten bei bestehenden Anlagen ist mit dem derzeitigen Standard-Prozedere schwierig bis schlicht unmöglich. „Die regelmäßige Korrosionsprüfung ist in manchen Märkten und Anwendungen verpflichtend, kann jedoch verlässlich nur im Labor durchgeführt werden. Dazu müssen Bauteile ausgebaut werden, was teilweise einfach nicht möglich ist. Daher behilft man sich oft mit separaten ‚Qualifizierungsstücken‘, vor allem während der Fertigung der Komponenten. Und dann dauert die Überprüfung im Labor mindestens eine, oftmals bis zu sechs Wochen“, sagt Manuel Prohaska, Gründer des steirischen Startups MPC².

Korrosionsprüfung direkt vor Ort in Stunden statt Wochen

Mit dem patentierten System „Corrosion Ray“ arbeiten er und sein Team an einer Lösung. „Wir versuchen, die Korrosionsprüfung zu revolutionieren, indem wir sie zum Kunden bringen, anstatt der Kunde die Proben zu uns ins Labor“, sagt Prohaska. Mit dem mobilen Gerät lassen sich Rohre und insbesondere deren Schweißnähte ohne Beschädigung direkt vor Ort prüfen. „Wir nutzen dazu elektrochemische Methoden und liefern Ergebnisse, die qualitativ und vor allem quantitativ Laborergebnissen entsprechen“, so der Gründer.

Nicht nur die Überprüfungszeit lasse sich damit von Wochen auf Stunden reduzieren. „Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen. Wir sparen mit der Methode im Vergleich zur konventionellen Auslagerungsprüfung 99 Prozent der Energie, brauchen kaum Chemikalien und deutlich weniger Wasser“, sagt Prohaska. Für Kunden sei aber der finanzielle Aspekt am entscheidendsten. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“.

„Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit“

Prohaska weiß sehr genau, wovon er spricht. In seinen früheren beruflichen Stationen baute der studierte Werkstoff- und Korrosionswissenschaftler nicht nur genau die fachliche Expertise auf, die er jetzt mit MPC² umsetzt. Als Geschäftsführer von Betrieben mit mehreren Hundert Mitarbeiter:innen lernte er auch die betriebswirtschaftliche Seite genau kennen.

(c) LA-Cinematics / MPC²

Aktuell befindet sich „Corrosion Ray“ aber noch im fortgeschrittenen Prototypen-Stadium. Die Technologie dahinter nicht: Schon jetzt setzen mehrere Stahlkonzerne, Komponenten-Hersteller und Chemie-Riesen, die auch die Zielgruppe für das neue System sind, auf die bestehenden Korrosionsprüfungs-Angebote von MPC² – teilweise mit sechsstelligen Auftragseingängen. „Wir haben einen speziellen Prüfstand, mit dem wir unsere Methode auch mit konventionellen Korrosionsprüfungen vergleichen. Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit, als mit den alten Methoden, die lange dauern und gleichzeitig relativ ungenau sind“, so Prohaska.

Mit Predictive Maintenance auf den Weltmarkt

Momentan ist das Angebot mit diesem Prüfstand noch der lukrativste Geschäftsbereich des Unternehmens. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. Bis 2035 will MPC² auf 60 Millionen Euro Jahresumsatz anwachsen. Davon soll „Corrosion Ray“ laut Plan 65 bis 70 Prozent bringen. Technologisch soll dann der Bereich Predictive Maintenance im Zentrum stehen. „Wir können Kunden schon jetzt sehr genau sagen, wo es in ein paar Jahren Probleme beim Material geben wird. Mit den Daten, die wir jetzt dazu sammeln, wollen wir diese Lebensdauer-Vorhersage mit Hilfe von KI künftig noch deutlich präziser machen“, erklärt Prohaska.

Um diese Ziele umzusetzen, will das vierköpfige Team in einem ersten Schritt 600.000 Euro Investment-Kapital aufnehmen, mit dem die Kleinserienfertigung von „Corrosion Ray“ aufgebaut werden soll. „Wir halten schon jetzt Ausschau nach strategischen Investoren. Noch wichtiger werden die, wenn es in einigen Jahren an die große Produktion geht“, sagt der Gründer. Dann sei auch eine größere Kapitalrunde geplant.

aws als größter Fördergeber – „sonst wären wir nicht so weit gekommen“

Bislang finanziert sich das Unternehmen aus den eigenen Umsätzen und aus Förderungen. Dank der hohen Auftragseingänge werden kommendes Jahr die Unternehmenseinnahmen erstmals den Förderbetrag übersteigen. Dennoch sei man noch auf die Fördergelder angewiesen. „Den mit Abstand größten Anteil beim Fördervolumen hatten die Programme aws Preseed und aws Seedfinancing – Deep Tech“, erzählt Prohaska. „Das war extrem wichtig, sonst wären wir nicht so weit gekommen.“ Dabei betont der Gründer auch das Service: „Wenn man etwas gebraucht hat, waren sie immer da.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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