17.11.2025
ZEITERSPARNIS

Zalando setzt auf Lösung von Linzer IT-Unternehmen MIC

Zalando setzt bei der Bewältigung seiner internationalen Zollprozesse auf das Linzer Software-Unternehmen MIC. Mit dessen KI-basierten Tarifierungstool automatisiert der E-Commerce-Riese nun die Einreihung von bis zu 540.000 Artikeln pro Monat und reduziert die Bearbeitungszeit damit laut Unternehmen um 71 Prozent.
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MIC, Zalando
© MIC - Rainer Roll, CCO und Mitglied der Geschäftsführung bei MIC.

Zalando bedient mehr als 51 Millionen Kunden mit einem Sortiment von mehr als 7.000 internationalen Marken. Bis zu 1,5 Millionen Ausfuhrpositionen werden von dem deutschen E-Commerce-Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin jeden Tag für den Export in Drittländer wie beispielsweise die Schweiz angemeldet. Diese internationalen Handelsaktivitäten sind mit großen Herausforderungen bei der Einhaltung der komplexen gesetzlichen Vorschriften wie der Zolltarifierung verbunden. Hier kommt das Linzer Unternehmen MIC (Managing International Customs and Trade Compliance) ins Spiel.

MIC mit KI-Tool

Der Hintergrund: Bei jedem einzelnen Artikel, der versendet wird, muss die korrekte Zolltarifnummer im Ausfuhr- sowie Einfuhrland zur Ermittlung der korrekten Zollabgaben zugeordnet werden. Dazu kommen noch diverse Überprüfungen für die Umsetzung der sich laufend ändernden handelspolitischen Maßnahmen.

Um den Automatisierungsgrad und die Effizienz seiner Zoll- und Complianceprozesse zu erhöhen, hat sich Zalando nun die Unterstützung von MIC geholt. Der international tätige Anbieter für globale Zoll-, Exportkontroll- und Softwarelösungen hat ein KI-basiertes Tool entwickelt, das bereits von Zalando in Echtbetrieb genommen wurde.

„Bearbeitungszeit um 71 Prozent reduziert“

„Zalando tarifiert jeden Monat bis zu 540.000 unterschiedliche Artikel. Jeder einzelne Artikel muss den gesetzlichen Zollvorgaben entsprechend im Zolltarif des jeweiligen Landes eingereiht werden. Vor der Einführung unseres Tools, dem sogenannten ‚AI-Classifier‘, war dies mit einem erheblichen manuellen Aufwand verbunden. Durch den Einsatz unserer KI-basierten Technologie konnte die Bearbeitungszeit für die Zolltarifierung bei Zalando um durchschnittlich 71 Prozent reduziert werden“, sagt Rainer Roll, CCO und Mitglied der Geschäftsführung bei MIC. Darüber hinaus könne damit bei Zalando das geplante Wachstum von bis zu 1,3 Millionen Artikeltarifierungen im Monat mit dem bestehenden Team bewältigt werden, so das Versprechen.

Die korrekte Einreihung in den länderspezifischen Zolltarif ist für jedes exportierende Unternehmen und damit vor allem auch im internationalen E-Commerce essenziell. Eine falsche Tarifierung führt zu Verzögerungen beim Versenden der Produkte, Geldstrafen und Compliance-Problemen. Das KI-Tool von MIC nutzt dabei Technologien aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und maschinellem Lernen, um den Automatisierungsgrad des Zolltarifierungsprozesses weiter zu erhöhen.

MIC sorgt für strategischen Vorteil

Dabei wird das KI-Modell nicht nur mit allgemein verfügbaren Informationen wie der harmonisierten Zolltarifnomenklatur und verbindlichen Zolltarifinformationen, sondern auch mit kundenindividuellen Daten unter Einsatz von „Natural Language Processing“ und „Computer Vision“ trainiert, um jeweils den bestpassenden Tarifcode vorzuschlagen. Dies gewährleiste Genauigkeit, Konformität und Effizienz bei der Zuordnung von Produkten zu den richtigen Zolltarifcodes und ermögliche es Zalando, die Effizienz seiner Exportabläufe zu verbessern, heißt es per Aussendung.

Für Zalando würde dies nicht nur eine Entlastung im operativen Geschäft bedeuten, sondern auch „einen strategischen Vorteil in der internationalen Logistik, der das Unternehmen schneller, präziser sowie skalierbarer macht und somit Wettbewerbsvorteile schafft“.

Über 1.000 Kunden in 55 Ländern mit 80 Mio. Euro Umsatz

MIC bedient aktuell mehr als 1.000 Kunden in 55 Ländern auf sechs Kontinenten. Die wichtigsten Kundengruppen sind die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Elektronik-, Textil-, Tabak-, Konsumgüter-, Chemie- und Pharmaindustrie sowie der E-Commerce.

Das Familienunternehmen mit Headquarter in Linz wurde 1988 gegründet. Rund 560 Mitarbeiter aus 45 verschiedenen Nationen, ein Großteil in Linz beschäftigt, erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von rund 80 Millionen Euro. Neben Linz, Wien und Salzburg ist MIC auch mit Standorten in Belgien, Deutschland, Schweiz, USA, Mexiko, Thailand sowie in Indien vertreten.

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Links Mitgründer von NXAI Sepp Hochreiter und Mitte rechts CEO von Neura Robotics David Reger | (c) Neura Robotics / NXAI

„Ein Roboter, der im Alltag und in der Industrie wirklich hilft, muss sich erinnern“, sagt David Reger, Gründer und CEO von Neura Robotics. Daher arbeitet sein Unternehmen mit dem Linzer Startup NXAI an der Merkfähigkeit von Robotern. „Gedächtnis und Erfahrungen sind die Voraussetzungen für Roboter, Aufgaben über viele Schritte zuverlässig zu lösen“, ergänzt Sepp Hochreiter, Gründer von NXAI.

Die Grundlage bietet Neura Robotics mit einem multimodalen Foundation-Modell, das Funktionen wie 3D-Sehen, Tastsinn und Audio mit einer Gedächtnisfunktion verbindet. Der Physical-AI-Stack von Neura Robotics wird mit einem xLSTM von NXAI, also einem künstlichen neuronalen Netz, verbunden. „xLSTM ist dafür gebaut, ist schnell, speichereffizient und kann den Zustand über lange Sequenzen halten“, sagt Hochreiter.

NXAI plant, ein eigenes Modell auf Basis der xLSTM-Architektur auf Neura Robotics‘ hauseigener Neuraverse-Plattform bereitzustellen. „Mit dem Neuraverse schaffen wir die Plattform, auf der auch andere starke KI-Ansätze ihren Weg in Roboter finden“, erklärt Reger.

Gesteigerte Effizienz

Ein Roboter arbeitet in Schleifen und verarbeitet permanent Wahrnehmungen, Entscheidungen und Handlungen. Laut Neura Robotics braucht er dafür Gedächtnis auf zwei Ebenen: das Arbeitsgedächtnis und das episodische Gedächtnis. Ein Roboter, der einen Prozess wiederholt ausgeführt hat, soll bei derselben Situation auf frühere Erfahrungen zurückgreifen können und so aus der Erfahrung handeln.

Die Roboter der Zukunft

Langfristig möchten die beiden Firmen, dass Roboter nicht nur einzelne Fähigkeiten ausführen, sondern über die Zeit Erfahrung aufbauen. Fähigkeiten, die Roboter aus der Interaktion mit der realen Welt lernen, sollen verbessert und auf andere Maschinen und Umgebungen übertragen werden.

From Science to Business

NXAI, gegründet vor drei Jahren, ist ein Deep-Tech-Unternehmen mit Sitz in Linz, das Lösungen für industrielle Anwendungen entwickelt. Die Firma versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie. So möchte sie die eigene KI-Forschung in marktreife Produkte überführen. Im Mittelpunkt der Forschung stehen xLSTM-Modelle in den Bereichen Time Series und Robotics.

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