Folgt man den politischen Diskussionen, könnte man meinen, die Fronten bei der 4-Tage-Woche sind klar. Auf der einen Seite stehen die Sozialisten mit einer klassischen linken Forderung, auf der anderen Konservative und Liberale, die diese als utopischen Irrsinn ablehnen. Doch ganz so simpel ist es nicht. Tatsächlich ist die Gruppe der Unternehmer:innen, die zumeist politisch im konservativen oder liberalen Bereich zu verorten sind, in der Frage gespalten.
Stellenanzeigen mit Schlagwort 4-Tage-Woche seit 2019 mehr als versechsfacht
Das zeigt auch eine aktuelle statistische Auswertung der Personalmarktforschung Index Research, über die die deutsche Zeitung Welt berichtet. Zwar handelt es sich dabei um Zahlen für Deutschland, die Entwicklung dürfte in Österreich aber parallel verlaufen. Demnach hat sich die Anzahl an Stellenanzeigen mit dem Schlagwort 4-Tage-Woche seit 2019 mehr als versechsfacht.
Wurden 2019 noch 12.911 Anzeigen von insgesamt 2.301 Firmen mit dem Schlagwort geschaltet, warben zwischen Jänner und September 2023 bereits 85.703 Anzeigen von 13.171 Unternehmen mit der Vier-Tage-Woche. Im vierten Quartal dürfte also noch einiges dazukommen, wodurch sich der Faktor weiter erhöht. Untersucht wurden für die Auswertung 200 Printmedien, 275 Online-Medien, das Stellenportal der deutschen Bundesagentur für Arbeit sowie etwa 650.000 Firmenwebsites.
Teilweise Rebranding etablierter Schicht-Modelle
Ausgewertet wurden auch die Branchen der Unternehmen, von denen die Stellenanzeigen kamen. Ganz klar dominiert dort Bauwesen und Handwerk mit 30.303 Inseraten mit dem Schlagwort, gefolgt von technischen Berufen (20.503) sowie Tourismus und Gastgewerbe (13.971). Das legt auch nahe, dass von den Unternehmen mitunter seit langem etablierte Schicht-Arbeitsmodelle einfach als 4-Tage-Woche umgebrandet werden.
Der Zuwachs bei der Nutzung des Schlagworts steigerte sich in den vergangenen Jahren jedenfalls stetig. 2020 betrug er laut Auswertung noch 22 Prozent, 2021 waren es bereits 66 Prozent, im Vorjahr schließlich 106 Prozent. Dieses Jahr waren es in den ersten drei Quartalen 60 Prozent – der finale Wert dürfte also wieder etwas unter jenem des Vorjahrs landen.
Polytender: Die weltweit größte Ausschreibungsplattform soll aus Wien kommen
Die Run-Labs-Gründer Dima Rubanov und Matthias Neumayer, bekannt u. a. für den KI-Kindergeschichten-Generator Oscar Stories, bringen ein neues Produkt auf den Markt. Polytender soll Unternehmen die Suche nach staatlichen Ausschreibungen vereinfachen. Gelauncht wurde die Plattform im August.
Polytender: Die weltweit größte Ausschreibungsplattform soll aus Wien kommen
Die Run-Labs-Gründer Dima Rubanov und Matthias Neumayer, bekannt u. a. für den KI-Kindergeschichten-Generator Oscar Stories, bringen ein neues Produkt auf den Markt. Polytender soll Unternehmen die Suche nach staatlichen Ausschreibungen vereinfachen. Gelauncht wurde die Plattform im August.
Die beiden Polytender-Gründer Matthias Neumayer und Dima Rubanov | (c) Vlad Dobre
„Dream Big“ passt wohl auch zu Polytender. Die beiden Gründer Dima Rubanov und Matthias Neumayer haben sich zum Ziel gesetzt, sie zur größten Ausschreibungsplattform der Welt zu machen. Die beiden Wiener sehen großes ungenutztes Potential in öffentlichen Ausschreibungen. „Behörden vergeben in der EU jedes Jahr Aufträge im Wert von zwei Billionen Euro“, sagt Co-Founder Dima Rubanov im brutkasten-Gespräch.
Diese seien auf Hunderte Portale verteilt. Viele Unternehmen wüssten schlicht nicht, welche Aufträge sie gewinnen können, wodurch viele Ausschreibungen oftmals nur ein einziges Angebot hätten. Dabei sei die staatliche Beschaffung eine große Möglichkeit für Unternehmen. „SpaceX würde ohne die öffentliche Hand nicht existieren. Man vergisst oft, wie wichtig dieses Thema eigentlich ist“, sagt Rubanov. Ihre neue Plattform Polytender soll das nun ändern und die Suche nach öffentlichen Ausschreibungen erleichtern – in der gesamten EU.
Startup-Studio „Run Labs“
Die Gründer sind in der Szene keine Unbekannten. Rubanov und Matthias Neumayer entwickelten in den letzten Jahren Produkte wie Oscar Stories, die kindgerechte KI Lora oder den Dokumente-Erklär-Chatbot FragDasPDF. Alles läuft unter dem Startup-Studio Run Labs zusammen.
SpaceX würde ohne die öffentliche Hand nicht existieren.
Dima Rubanov, Co-CEO von Run Labs
400 Unternehmen in zwei Monaten
Ihre neueste Plattform, Polytender, wurde im August gelauncht und soll seitdem über 400 registrierte Unternehmen auf der Plattform gewonnen haben. Einige davon sind laut den Geschäftsführern noch Pilotkunden, es gebe aber auch bereits um die dreißig reguläre Abnehmer wie Helferline oder AV-Professional.
„Polytender beschleunigt unseren Prozess in der Suche, Bewertung und Abwicklung von Ausschreibungen wesentlich. Die dadurch freigesetzten Ressourcen können optimal eingesetzt werden“, sagt David Knapp, CEO der AV-Professional GmbH.
Eine „signifikante Zeitersparnis“
Die erhöhte Geschwindigkeit sei einer der großen Benefits, die Polytender für Firmen aufweise. „Gerade bei der Suche bieten wir für Unternehmen eine signifikante Zeitersparnis. Das funktioniert schon über alle EU-Länder und ein paar weitere Länder hinweg“, erklärt Rubanov. Neben den 27 EU-Staaten operiert Polytender auch in den USA, der Schweiz, Norwegen und Großbritannien und bündle so über 300 Vergabeportale. Die Plattform vereinfacht es den Unternehmen, Ausschreibungen überhaupt zu finden und daran teilzunehmen. Alles mit KI-Unterstützung.
KI-nativ als Alleinstellungsmerkmal
Ein Matching-Algorithmus gleicht neue Ausschreibungen sprachübergreifend mit Suchprofilen ab. Noch im November soll es auch eine KI-Zusammenfassung und eine Bid-Einschätzung geben. „Wir werden dann KI-Agenten haben, die riesige Datenmengen durchforsten, zusammenfassen und für den User personalisiert aufbereiten. Dadurch muss man nicht 100 Seiten lesen, um zu wissen, ob man sich bewerben soll oder nicht“, erklärt Neumayer.
Das Besondere: Polytender funktioniert KI-nativ. Jede Ausschreibung lässt sich direkt aus KI-Assistenten wie Mistral, Claude, ChatGPT und Microsoft Copilot durchsuchen. Unternehmen können dadurch eigene Ausschreibungs-Agenten bauen und so passende Aufträge finden und bewerten.
„Wir sind der Meinung, dass in einer AI-Agent-Zukunft weniger Interfaces notwendig sein werden. Deshalb haben wir alle App-Funktionen auch für Agents zugänglich gemacht“, erklärt Neumayer und ergänzt: „Wir haben auch Kunden, die ihre eigenen internen Agents haben, die wiederum mit ihren eigenen Daten angereichert sind. Diese Daten können sie dann mit unseren Daten aus öffentlichen Ausschreibungen, aus Dokumenten etc. verbinden und in ihre eigenen Abläufe einbauen.“
Die europäische Lösung, Datenschutz etc.
Wichtig sei den beiden Wienern, die sich bereits seit ihrer Schulzeit kennen, eine europäische Lösung anzubieten. „Wer unsere LinkedIn-Aktivitäten kennt, weiß, dass wir sehr pro-europäisch denken und uns auch europäische Souveränität wichtig ist. Wir sind auch der Meinung, dass diesbezüglich gerade die öffentliche Beschaffung ein großer Hebel wäre, der underused ist“, sagt Neumayer.
Auch bezüglich Datenschutz haben Rubanov und Neumayer klare Vorstellungen. „Wir hosten alles auf Hetzner, einem Server in Deutschland. Unsere KI-Modelle laufen auf europäischer Infrastruktur. Wir passen sehr auf, dass kein Abfluss von Daten entstehen kann. Wir sind auch DSGVO-konform“, sagt Rubanov.
Die All-in-Tender-Lösung
Rubanov und Neumayer denken die Plattform bereits weiter. Sie wollen nämlich nicht nur die Abläufe auf der Bieterseite vereinfachen, sondern auch auf der Vergabeseite. „Unsere große Vision ist es, eine All-in-one-Tender-Plattform zu haben. Sie soll auf der Bieterseite die Suche nach Aufträgen und Unterlagenerstellung und auf der Auftraggeberseite die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen abdecken“, sagt Neumayer. Sie können sich auch vorstellen, Ausschreibungen von Unternehmen auf Polytender zu veröffentlichen, wobei der Fokus auf staatlichen Ausschreibungen liege. Diese „Vision“ wolle man noch im ersten Quartal 2027 umsetzen.
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