31.03.2026
EUDI

Youniqx: Wiener Corporate Startup baut technische Infrastruktur der Digital Identity Wallet für Deutschland

Das Wiener Unternehmen Youniqx Identity, Tochter der Österreichischen Staatsdruckerei, hat mit Partnern eine europaweite Ausschreibung gewonnen und entwickelt die technische Infrastruktur für Deutschlands EU Digital Identity Wallet (EUDI). Ziel ist eine sichere, datenschutzkonforme Plattform, mit der Bürger:innen ab Ende 2026 ihre Identität EU-weit digital nachweisen können. Youniqx führt als Konsortialleiter den Aufbau der zentralen Architektur in Kooperation mit der deutschen Innovationsagentur Sprind.
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Youniqx
© Wilke - Das Youniqx-Team.

Begehrt wie ein Unicorn-Status: Aufträge der öffentlichen Hand sind schwer zu ergattern und laufen oftmals nach ähnlichem Muster ab. Das beste Angebot, das den Zuschlag erhält, ist meist auch das günstigste. Nicht so im Fall von Youniqx.

Youniqx gewinnt europaweite Ausschreibung

Die Tochter der Österreichischen Staatsdruckerei hat gemeinsam mit Partnern eine europaweite Ausschreibung gewonnen – bei der der Preis „nur“ eine 30 prozentige Gewichtung bei den Kriterien für den Zuschlag hatte – und wird nun die technische Infrastruktur für Deutschlands EU Digital Identity Wallet (EUDI) entwickeln.

Für CPO Sebastian Zehetbauer war es eine große Ehre den Auftrag zu erhalten: „Für uns als Unternehmen war klar, dass wir – durch unsere gesammelte Erfahrung sowie den Betrieb vieler interner Services ein besonders spannendes Angebot abgeben können“, sagt er. „Sie wollten einen Anbieter finden, der wirklich zu ihnen passt – der Preis war dabei nicht das ausschlaggebende Kriterium. Das ist uns zugutegekommen, vor allem durch die jahrelange Erfahrung, die wir in Österreich und Liechtenstein sammeln konnten.“

Preis und Referenzen

Zehetbauer weiß, dass eigentlich das billigste Angebot eines der maßgeblichen Kriterien ist; oft würde ein großer Anbieter eine derartige Ausschreibung gewinnen, der seine Mitarbeiter:innen schlicht im Ausland sitzen hat und preislich schwer zu schlagen sei. „Ein weiteres Thema sind Referenzen. Gerade im Startup-Bereich oder bei kleineren Unternehmen ist es schwierig, mit großen Referenzprojekten aufzuwarten. Das ist eine echte Challenge, weil man sich häufig etablierte Unternehmen mit viel Erfahrung wünscht und jungen Unternehmen dadurch kaum eine Chance gibt“, erklärt Zehetbauer weiter. „Referenzen und Preis spielen eine große Rolle – und genau das macht es für viele schwer.“

Drei Hebel für Ausschreibungen

Als Tipp für Gründer:innen und kleinere Unternehmungen, um eine Chance bei öffentlichen Ausschreibungen zu haben, rät der CPO daher dazu, sich drei Dinge bewusst zu machen. Ein großer Teil bleibe weiterhin natürlich der Preis, dann aber gelte die Qualität des Angebots als essentiell und auch die Mitarbeiter:innen – etwa über ihre CVs und individuelle Erfahrung – spielen ebenfalls eine gewichtige Rolle. „Über diese drei Hebel kann man durchaus auch Startups eine echte Chance geben.“

EUDI-Wallet

Die EUDI-Wallet, um die es hier geht, basiert auf einer EU-Verordnung (eIDAS 2.0), die vorschreibt, dass bis Ende 2026 eine solche Wallet allen EU-Bürger:innen zur Verfügung stehen muss. „Am Ende des Tages ist sie die digitale Identität für sämtliche digitale Prozesse, bei denen ich Nachweise erbringen muss – sei es beim Altersnachweis im Supermarkt oder bei KYC-Prozessen, etwa um ein Bankkonto zu eröffnen. Gleichzeitig ist sie auch eine europäische Antwort, um sich stärker von großen US-Unternehmen zu lösen – ein echtes Leuchtturmprojekt“, sagt Zehetbauer.

Und ergänzt: „Ich glaube, dass es enorm wichtig ist, dass wir in Europa eine souveräne, grenzüberschreitende Identitätslösung haben. In der Wallet kann ich künftig etwa meinen Lehrabschluss speichern, mein Alter nachweisen, mich bei Verkehrskontrollen identifizieren oder meinen Versicherungsstatus belegen – und das alles benutzerfreundlich. Der große Unterschied: Es gibt keine zentrale Stelle, sondern ein dezentrales System. Das heißt, ich kontrolliere selbst meine Daten und entscheide, wem ich was gebe – ein echtes Novum im Vergleich zu heutigen, eher zentralen ID-Systemen, wie man sie etwa von Plattformen wie Facebook kennt.“

Neue Business-Modelle?

In der Frage zu neu entstehenden Business-Modellen in diesem Bereich sieht Zehetbauer dieses Thema als zweischneidig an: Einerseits stünden Datenschutz und Datensparsamkeit klar im Vordergrund – ein Geschäftsmodell, das auf Identitätsdaten aufbaut, müsse daher gut durchdacht sein, damit keine zentrale Stelle nachvollziehen könne, wer wann wem welche Informationen zur Verfügung gestellt hat. „Andererseits gibt es sehr wohl Business Cases: Nachweise müssen ausgestellt werden, und auch deren Überprüfung spielt eine wichtige Rolle. Gerade im Zuge von KYC-Prozessen kann eine Wallet für mehr Sicherheit sorgen und diese schneller, besser und auch im Zusammenspiel mit KI zuverlässiger machen – und das darf und wird auch entsprechend etwas kosten“, sagt er.

Aufgrund der technischen Rahmenbedingungen würden zudem künftig viele Use Cases entstehen, die man sich heute noch gar nicht vorstellen kann. Denkbar sei etwa, sich auf einer Konferenz oder bei einer Behörde im Ausland einfach digital auszuweisen oder Dokumente wie Sterbeurkunden direkt in der Wallet auszustellen. Auch Prozesse wie das Auflösen von Bankkonten könnten dadurch deutlich einfacher werden – alles in allem insgesamt eine „massive bürokratische Erleichterung“, wie der ehemalige Innovation Engineer der Österreichischen Staatsdruckerei meint.

Youniqx-CPO: „Basis muss verlässlich sein“

Die größten technischen Herausforderungen bei dieser europaweit interoperablen digitalen Identität liegen für Youniqx darin, Sicherheit und Datenschutz zu gewährleisten und in diesem Kontext auch die Benutzerführung und Usability als inklusive Lösung für alle bereitzustellen.

„Auch die Protokolle sind klar spezifiziert und standardisiert“, so Zehetbauer weiter. „In Interoperabilitätstests, an denen wir teilnehmen, zeigt sich, dass aktuell rund zwei Drittel aller Transaktionen sicher funktionieren. Für den täglichen Einsatz müssen wir jedoch in Richtung 90 bis 95 Prozent kommen – das ist entscheidend. Wichtig ist dabei: Es muss funktionieren. Es muss zu Beginn noch nicht alles können, aber die Basis muss verlässlich sein.“

Private Use Cases aufbauen

Zu den nächsten Schritten von Youniqx gehört es künftig, neben bestehenden Kund:innen auch weitere Ausschreibungen anzugehen und gleichzeitig bestehende Kundschaft dabei zu unterstützen, „wallet-fit“ zu werden.

„Gleichzeitig sehen wir für uns im B2B-Markt ein spannendes zweites Standbein. Als Tochter der Österreichischen Staatsdruckerei liegt unser Fokus traditionell stark auf dem Government-Kundensegment und auf Lösungen für Staaten – als Hochsicherheitsdienstleister“, sagt Zehetbauer. „Aber wir sehen großes Potential in der digitalen Transformation im privaten Sektor: Die Wallet wird zwar von der öffentlichen Verwaltung zur Verfügung gestellt, aber auf dieser Identity-Infrastruktur lassen sich auch zahlreiche private Use Cases aufbauen.“

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(c) Adobe Stock - kwarkot

Obwohl es keine 2.000 Einwohner:innen hat, ist das burgenländische Dorf Nickelsdorf durchaus bekannt: erstens aus dem bundesweiten Verkehrsfunk wegen des Grenzübergangs zu Ungarn, zweitens für das jährlich stattfindende größte Rock-Festival Österreichs, Nova Rock. Und noch bei einem dritten Thema schlägt der Ort immer wieder medial auf: Energie – brutkasten berichtete erst kürzlich über das von püspök eröffnete zweitgrößtes „Super-Hybrid-Kraftwerk“ Europas.

Ähnliche Dimension wie Kronstorf

Und es dürfte mit eben diesem dritten Thema zusammenhängen, dass nun noch ein viertes hinzuzukommen scheint: Wie das Nachrichtenmagazin profil zuerst berichtete, scheint in Nickelsdorf ein Rechenzentrum in ähnlicher Dimension wie der umstrittene Google-Bau im oberösterreichischen Kronstorf geplant zu sein. Dafür sei kürzlich eine Fläche mit „41 bis 50 Hektar“ im Besitz der Wirtschaftsagentur Burgenland umgewidmet worden.

Bürgermeister: „Ich renne der Information schon sehr lange nach“

Während sich die Wirtschaftsagentur selbst bei Medienanfragen bislang ausweichend äußert, berichten mehrere Medien mit Bezug auf eine Anfrage der Austria Presseagentur (APA) über ein relativ unmissverständliches Statement aus der Gemeinde: Bürgermeister Gerhard Zapfl gab demnach an, „über ein mögliches Datencenter informiert worden“ zu sein. Viel mehr habe er aber nicht erfahren: „Ich renne der Information schon sehr lange nach“, so der Bürgermeister gegenüber der APA. Näheres werde er aber erst bei einem Termin Mitte August erfahren, berichtet ORF Burgenland.

„Mehrere Anfragen für Hyperscaler“

Die Flächen rund um Nickelsdorf zählen zu den Windkraft- und Photovoltaik-Hotspots Österreichs – nicht erst durch das neue „Super-Hybrid-Kraftwerk“. Auch Pläne zum Ausbau von Hochspannungsleitung und Umspannwerk gebe es bereits, heißt es bei profil. Entsprechend sind gute Voraussetzungen für ein sehr energieintensives Datencenter gegeben. Wer hinter den Plänen steckt? Es gebe „mehrere Anfragen für Hyperscaler“, heißt es dazu von Netz Burgenland gegenüber der APA. Auch bei der Wirtschaftsagentur Burgenland ist von „mehreren Anfragen für verschiedene Projekte“ die Rede.

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