19.04.2023

Wunderkern: Startup macht Marillenkerne zu Schoko-Creme

Alte Obstkerne zu neuen Gerichten machen? Das ist das Ziel von Wunderkern - hinter dem das niederösterreichische Startup Kern Tec steht. Unter den Produkten befinden sich Öle, Schokolade und Drinks.
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Das junge Team von Wunderkern rettet seit 2022 Obstkerne und zaubert daraus viele verschiedene Lebensmittel.

Das niederösterreichische Startup Wunderkern (Kern Tec) setzt voll auf Kernkraft. Mit Atomenergie hat das Unternehmen aber nichts am Hut. Stattdessen geht es darum, Ausschuss bei der Obsternte effizient zu nutzen.

Bauer brachte Gründer auf die Idee

Das Startup stellt aus alten Marillen-, Kirsch- und Zwetschenkernen Öle, Drinks und Aufstriche her. Hinzu kommt auch eine Schoko-Creme, die zu 45 Prozent aus alten Marillenkernen sowie aus Zucker, Sonnenblumenöl, Kakaobutter Kakaopulver und Bourbon-Vanille besteht.

Auf ihre Geschäftsidee stieß Wunderkern mehr durch Zufall. Das Gründerteam von Wunderkern setzte es sich als Ziel, Obstkerne zu „retten“. Bei einem Gespräch mit einem Obstbauer in der Wachau haben sie vom Problem erfahren, dass massenhaft Kerne übrig bleiben, die einfach ungenutzt im Abfall landen.

Der Bauer erklärte den Gründern, dass in den Kernen wertvolle Samen stecken, die wie Mandeln sind: geschmacklich top, voller wichtiger Proteine und gesunder Fettsäuren. Die Großmütter der Gründer kannten das Potential von Kernen, die als Basis für „großartige Gerichte“ herhalten könnten, so das Wunderkern-Team.

Wunderkern rettete Millionen Kerne

Besonders der Kern-Drink, ein Milchersatz-Produkt, ist ein echter Verkaufsschlager. “Die Nachfrage war so groß, wir kamen mit der Produktion gar nicht mehr hinterher. Das verlief zwar nicht wie geplant, aber umso schöner ist es, dass sich so viele Menschen für unsere Milchalternative begeistern können”, so Wunderkern-Gründer Fichtinger.

Gemeinsam mit den Supermarktketten Billa und Billa Plus hat Wunderkern bereits über 2,3 Millionen Marillenkerne vor der Verschwendung gerettet.

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kalkül
© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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