24.02.2021

Wowflow: 300.000 Euro für Wiener Startup von PropTech-Investoren

Mit seiner Software und App will Wowflow den Bereich Facility Management revolutionieren. Damit wurden inzwischen zahlreiche große Kunden aus dem Immobilien-Bereich gewonnen.
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Wowflow: Die Gründer Drazen Ivanis und Misha Voronko
(c) Wowflow: Die Gründer Drazen Ivanis und Misha Voronko

„Weil Trello sich nicht für Putzkräfte eignet“ – so erklärte Drazen Ivanis, Co-Founder und CEO des Wiener Startups Wowflow, gegenüber dem brutkasten knapp nach dem Launch 2019, wie er zu seiner Idee kam. Das Startup bietet mit seiner Software-App-Kombination eine Facility-Management-Lösung, die sowohl in der Organisation, als auch bei den Personen vor Ort, etwa Reinigungskräften, die Effizienz der Abläufe verbessern und lückenlose Dokumentation ermöglichen soll.

Wowflow: Starkes Wachstum in großem Markt

Inzwischen hat sich viel getan. Das Konzept ist voll aufgegangen und Wowflow hat zahlreiche große Kunden, darunter viele aus dem Immobilien- und Facility-Sektor, etwa Reiwag, aber zum Beispiel auch Forstinger. Allein 2020 verdreifachte das Unternehmen seinen Umsatz. Und der Markt, in dem in Europa rund 4,5 Prozent aller Beschäftigten tätig sind, hat noch riesiges Potenzial: In Europa werden mehr als 220 Milliarden Euro für das Facility Management ausgegeben, rund 30 Milliarden Euro kommen aus der DACH-Region. Dabei ist der Digitalisierungsgrad sehr gering – hier will das Wiener Startup eine Lücke füllen.

Um die Expansion im DACH-Raum voranzutreiben, holte sich Wowflow nun ein Seed-Investment über 300.000 Euro von mehreren Investoren, einige davon auf PropTech spezialisiert. Konkret dabei sind die Business Angels Markus Ertler (Business Angel des Jahres 2019), Florian Kasslatter (Markas Group und Mitglied von TBA Network), Wolfgang Berger (Mondi Group), Claudia Nagel (Mitgründerin KIWI KI) vom deutschen PropTech-Company Builder High Rise Ventures und Siim Teller (ex Skype) vom VC-Fonds Lemonade Stand.

Weitere Unterstützung durch Creative Impact Grant

Man werde die Mittel nutzen, um den Umsatz weiter zu steigern und das Produkt weiterzuentwickeln. Das soll das Zusammenspiel mit externen Dienstleistungen verbessern, ein Asset- und Equipment-Management ermöglichen und sich wiederholende Aufgaben wie Planung und Berichterstellung automatisieren. Zudem wird Wowflow auch vom Creative Impact Grant des aws unterstützt, um die sozialen Aspekte der Lösung zu stärken und wurde 2020 als beste virtuelle Teamwork-Lösung Österreichs ausgezeichnet.

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Das Gründerteam von vioom: Lucia Studer und Ronny Türtscher | (c) vioom

Wer auf dem Land lebt, kennt das Problem: Der nächste Bus fährt erst in zwei Stunden und ohne eigenes Auto wird selbst der Weg zum Arzt oder zum Einkaufen zur Herausforderung. Diese Erfahrungen hat auch das Gründerteam des Vorarlberger Startups vioom gemacht. Sie kommen aus dem Großen Walsertal, wo öffentliche Verkehrsverbindungen teilweise nur im Zwei-Stunden-Takt angeboten werden.

„Wir haben als Jugendliche immer Autos gestoppt“, erzählt Mitgründer und Co-CEO Ronny Türtscher. Aus Bedarfserhebungen zur Mobilität in der Region, die Türtscher selbst begleitete, entstand schließlich die Idee zu vioom.

Hinter dem Startup steht die im Februar 2026 gegründete VAREO Innovations GmbH mit Sitz in Ludesch. Als CEOs fungieren Ronny Türtscher und Lucia Studer. Das Gründerteam bringt nach eigenen Angaben gemeinsam mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung mit.

Personen- und Warentransporte gemeinsam organisieren

Vioom setzt auf sogenannte On-Demand-Mobilität: Fahrgäste können über eine App eine Strecke innerhalb eines festgelegten Gebiets buchen. Das System organisiert daraufhin ein verfügbares Shuttle. Anders als bei klassischen Anrufsammeltaxis sollen die Fahrzeuge zusätzlich regionale Waren transportieren. „Wir versuchen, die Ausnutzung so hoch wie möglich zu halten und diese Wege von A nach B mit mehreren Erlösströmen zu gestalten“, sagt Türtscher. So könnte ein Shuttle beispielsweise eine Gemüsekiste bei einem Bauernhof abholen, anschließend einen Fahrgast vom Bahnhof transportieren und die Ware danach bei einem Hotel abliefern.

Ziel ist es, Leerfahrten zu reduzieren und Fahrzeuge auch außerhalb der Stoßzeiten auszulasten. Gleichzeitig soll das Angebot bestehende Bus- und Bahnverbindungen ergänzen und insbesondere die sogenannte „First und Last Mile“, also den Weg zur beziehungsweise von der nächsten Haltestelle, abdecken. Durch die gemeinsame Nutzung der Fahrzeuge und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr sollen zudem CO₂-Emissionen reduziert werden. Die Regionen entscheiden dabei selbst, wann Personen- beziehungsweise Warentransporte angeboten werden. Die Durchführung übernehmen beispielsweise regionale Taxiunternehmen. Vioom selbst stellt keine Fahrzeuge oder Fahrpersonal bereit, sondern liefert die Software und begleitet die Umsetzung.

Wie sich die regionale Mobilität rechnen soll

Mit seinem Geschäftsmodell richtet sich vioom an Gemeinden und Regionen. Diese zahlen je nach Modell eine monatliche Gebühr für die Nutzung der Plattform. Zusätzlich erhält das Startup eine Vermittlungsprovision für jede gebuchte Fahrt. Die Fahrgäste und Unternehmen bezahlen für die jeweiligen Personen- oder Warentransporte. Diese Einnahmen fließen grundsätzlich an die Regionen selbst. Die Abrechnung erfolgt vollständig automatisiert über die Plattform.

Durch die Kombination von Personenbeförderung und Warenlogistik sollen die Fahrzeuge besser ausgelastet und zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Langfristig will vioom damit die Wirtschaftlichkeit regionaler Mobilitätsangebote verbessern und deren Abhängigkeit von öffentlichen Förderungen verringern.

Technologiepartnerschaft mit ioki

Für die technische Umsetzung arbeitet vioom mit dem Mobilitätstechnologie-Anbieter ioki zusammen. Das Unternehmen ist ursprünglich aus der Deutschen Bahn hervorgegangen und bietet Software für bedarfsgesteuerte Mobilitätsangebote an. Vioom nutzt Teile dieser Technologie und hat darauf aufbauend ein eigenes Logistikmodul entwickelt.

Die Partnerschaft soll auch die Skalierung erleichtern. Für jede Region wird zwar eine individuelle Mobilitätsanalyse durchgeführt, die anschließende Umsetzung erfolgt jedoch über eine standardisierte, anpassbare Plattform.

Eigenfinanziert und erste Pilotprojekte geplant

Bislang wurde vioom vollständig aus Eigenmitteln der CEOs finanziert, mit einem Stammkapital von 12.000 Euro. An der VAREO Innovations GmbH sind die LOONEY GmbH (gehört unter anderem Lucia Studer) mit 66,67 % und scale.out (gehört Ronny Türtscher) mit 33,33 % beteiligt. Für externe Investoren zeigt sich das Unternehmen grundsätzlich offen.

Die größte Herausforderung besteht laut Türtscher darin, erste Referenzprojekte umzusetzen und nachzuweisen, dass die Kombination aus Personen- und Warentransporten tatsächlich wirtschaftliche Vorteile bringt. „Viele Kunden fragen: Was habt ihr schon gemacht und was könnt ihr nachweisen?“, erzählt der Gründer.

Der erste Pilotbetrieb ist derzeit in Vorarlberg in Vorbereitung, ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest. Parallel führt vioom Gespräche mit zwei Landkreisen und einer Stadt in Deutschland. Bis Ende 2027 will das Startup drei bis fünf Regionen an die Plattform angebunden haben. Zusätzlich sollen weitere Partnerschaften und Anwendungen, etwa im Tourismus, entstehen.

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