26.04.2023

World Data Lab: Dieses Startup sagt dir, wann du stirbst

Das Wiener Startup World Data Lab will die großen Fragen der Zukunft mit Daten beantworten. Neben dem öffentlichen Sektor ist auch der private Sektor ein wichtiger Kundenstamm.
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World Data Lab
Das World Data Lab Team und seine Investoren. (c) Ines Strohmayer - (vorne sitzend): Christin ter Braak Forstinger (Chi Impact), Luis Simeos (World Data Lab), (stehend hinten) Michael Steiner (Sparring Capital). Wolfgang Fengler (World Data Lab)

Manchmal ist journalistische Recherche knallhart. So auch, wenn man sich mit dem Wiener Startup World Data Lab beschäftigt. Das Daten-Unternehmen berechnete demnach auf Basis der durchschnittlichen Lebenserwartung in Österreich und anderen Datensätzen meine Lebenserwartung auf 86,8 Jahren. Dabei wird das Startup erschreckend konkret und berechnet den Todestag für den 9. Februar 2085.

Abseits dieser unkonventionellen Berechnungen will das World Data Lab aber auch andere Fragen, wie, wo soll ein Unternehmen seinen nächsten Standort aufmachen oder wie viele Menschen gibt es auf der Welt und was bedeutet das für die Entwicklung der Klimakrise, beantworten.

WU setzte Startschuss für World Data Lab

Das 2016 in den USA gegründete World Data Lab entwickelt Datensätze und Tools, die in Echtzeit Armut, Hunger, Wasserknappheit, Geschlecht und Gesundheit verfolgen. In Kombination mit Modellierungsmodellen sollen die Datensätze des Startups konkrete Prognosen betreffend den großen Fragen der Zukunft liefern.

„Die Leute sind am Morgen mehr interessiert als am Gestern“, erklärt World-Data-Lab-CEO Wolfgang Fengler im brutkasten-Gespräch. Diese Neugierde will das Wiener Startup befriedigen, in dem es für Firmen und Einzelpersonen die unterschiedlichsten Daten zur Verfügung stellt.

Der Startschuss des Unternehmens entstand unter anderem durch eine Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität Wien. So hatte Fengler mit dem WU-Professor Jesus Crespo herausgefunden, dass man „auch langweilige demographische Daten spannend bearbeiten kann“. Daraus entstand unter anderem population.io.

Marktentwicklungen sollen besser vorhergesagt werden

Die Daten vom World Data Lab haben das Potential Aufschluss über Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Wohlstandsentwicklungen zu geben. Selbst Politik machen, will das Startup damit aber nicht. „Unser Hauptjob ist die richtigen Zahlen zu liefern – das auf unsere simplen mathematischen Modelle herunterzubrechen“, sagt Fengler.

Neben zentralen Erkenntnissen, die für die Politik von Interesse sind, will das World Data Lab auch einen Mehrwert für Unternehmen bieten. „Demographische und einkommensbasierte Daten können Firmen die Frage erleichtern, ob sie neben Tansania nun auch in Kenia investieren sollen“, meint Fengler. Zu den Kund:innen zählen Großkonzerne, wie unter anderem Colgate. Diese will das Startup dabei unterstützen, Märkte besser einschätzen zu können und zu sondieren.

Mit Investment plant man Expansion

Die Erhebung der Daten geht dabei Haus-intern von Statten, diese ist aber laut Fengler wissenschaftlich validiert. Dabei hilft dem Startup auch die interne Expertise. Fengler und sein Co-Founder haben in ihrer vorherigen Beschäftigung in der Weltbank intensiv mit Daten gearbeitet. Generell hat knapp die Hälfte des 40-köpfigen Teams Hintergrund im Daten-Bereich.

Datenschutz bleibt beim Startup ein hohes Gut. Fengler verspricht, dass man keinen Rückschluss auf personenbezogene Daten ziehen kann. Für Unternehmen sei dies ohnehin weniger interessant, vielmehr gehe es darum, Märkte zu ergründen und Geschehnisse vorherzusagen.

Nach einem kürzlich abgeschlossenen Series-A-Millionen-Investment plant das World Data Lab nun weiter zu wachsen und sowohl öffentliche als auch private Sektoren für ihr Produkt begeistern zu können. So plant das Unternehmen mit Sitz in Wien und weiteren Niederlassungen in Nairobi und Washington weitere Expansionsschritte zu tätigen. Das Startup setzt also auf Langlebigkeit, seine Lebenserwartung lässt sich jedenfalls nicht berechnen.

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© WeAreDevelopers

Bereits im Juli 2025 kündigte das WeAreDevelopers-Team, rund um Sead Ahmetović, Benjamin Ruschin und Thomas Pamminger ihre US-Premiere 2026 an. Nun hat das 2017 in Wien gegründete Unternehmen den Sprung über den Atlantik umgesetzt. Nach Event-Stationen in Österreich und Deutschland hielt das Wiener Startup, das eine globale Entwickler-Plattform betreibt, vom 23. bis 25. September 2026 seinen ersten World Congress im Silicon Valley ab.

KI im Produktivbetrieb

In Partnerschaft mit dem US-Softwareanbieter Docker versammelte die Veranstaltung mehr als 10.000 Developer, AI Builder und Führungskräfte im San José Convention Center. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI-gestützte Software den Schritt vom Prototyp in den Produktivbetrieb schafft.

„Zwei Jahre voller Demos und Pilotprojekte haben gezeigt, was möglich ist. Jetzt geht es darum, KI erfolgreich in die Systeme zu integrieren, auf die sich Unternehmen täglich verlassen. Das ist die eigentliche Aufgabe für die Branche“, sagt Sead Ahmetović, CEO und Co-Founder von WeAreDevelopers. „Genau deshalb bringen wir alle an einen Tisch.“

Docker-Präsident Mark Cavage stellte auf der Main Stage unter anderem die neuen Docker Cloud Sandboxes für die isolierte Ausführung von KI-Agenten vor. Zu den Speakern zählten Thomas Dohmke (Entire, ex-GitHub), Amjad Masad (Replit) sowie DOOM-Miterfinder John Romero.

Nächster Halt Indien

Mit dem Debüt in Nordamerika treibt das Unternehmen seine internationale Expansion voran. Den Jahresabschluss soll die WeAreDevelopers Conference India am 25. und 26. November in Bengaluru bilden.

„Softwareentwicklung mit KI braucht einen globalen Dialog. Und der muss auf technischer Ebene stattfinden: zwischen den Menschen, die die eigentliche Arbeit machen, und den Führungskräften, die über die Zukunft ihrer Unternehmen entscheiden“, betont Executive Chairman und Co-Founder Benjamin Ruschin zum Ausbau der internationalen Präsenz.

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