29.02.2024

woom: Kinderfahrrad-Scaleup kehrt nach Wien zurück

2013 gründeten zwei Väter die Firma in einer Penzinger Garage. Nun zieht woom von Klosterneuburg in einen Neubau in Döbling.
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Rund 160 "woomster" sind am Montag in ihr neues Büro in Wien übersiedelt. (c) woom

Viel Holz, kräftige Farbtupfer und Räder aller Größen, die von den Decken baumeln: So präsentiert sich das neue Büro des erfolgreichen österreichischen Scaleups woom im 19. Wiener Gemeindebezirk. Zuvor war das Unternehmen in Klosterneuburg angesiedelt und auf zwei Standorte aufgeteilt, die aufgrund der wachsenden Mitarbeiter:innenzahl bereits aus allen Nähten zu platzen drohten: „In der Vergangenheit hatten wir halb so viele Tische wie Mitarbeiter. Jetzt haben wir alle woomster an einem Standort“, so CEO Paul Fattinger.

„Alles sportlich“ – auch Bürobezug

Erst am Montag haben die rund 160 Mitarbeiter:innen ihre neuen Arbeisplätze im vierstöckigen Neubau bezogen. Zwar sind noch einige Kisten nicht ausgepackt und Räume nicht fertig ausgestattet, trotzdem wurde heute Donnerstag der Standort bereits der Öffentlichkeit vorgestellt. „Bei uns ist eben alles sportlich“, so COO Johannes Kisslinger. Holz bildet die Kernstruktur des vierstöckigen Gebäudes, bei dessen Errichtung besonders auf Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit geachtet worden sei. Die Räume werden mit Solarenergie und Ökostrom versorgt, bei der Fassade wurden Nistplätze für Vögel und Fledermäuse berücksichtigt.

Gute Anbindung und gute Arbeitskräfte

Das Unternehmen habe lange nach einem passenden Standort gesucht. Als Mitgrund für die Rückkehr in die Stadt nennt Fattinger unter anderem auch die Menge an qualifizierten Mitarbeiter:innen: „Wir haben gemerkt, dass es einfacher ist, gute Mitarbeiter zu finden, wenn man einen Standort wie Wien hat. Wien ist ein Magnet für Talent.“ Darüber hinaus sei – ganz im Sinne des nachhaltigen Verkehrs – auch die günstige Anbindung zum Radverkehrsnetz zum Büro in der Muthgasse ein Argument gewesen. „Wir haben drei Radwege hierher. Oder wie wir sagen: alle Radwege führen zu woom“, so Fattinger. Außerdem geplant: eine Parkour-Anlange auf der öffentlichen Grünfläche hinter dem Gebäude, die Kinder mit ihren Rädern befahren können.

woom nun „endgültig aus Startup-Schuhen herausgewachsen“

Mit dem neuen Büro in Wien ist das Unternehmen wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Gegründet wurde woom als Startup von Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld, zwei Vätern, die auf die Bedürfnisse von Kindern angepasste Fahrräder gesucht haben – und sie schlussendlich selbst bauten. Von einem klassisches Startup in einer Wiener Garage ist woom mittlerweile zu einem führenden Player in der Kinderradherstellung geworden: In 30 Ländern werden die Räder mittlerweile verkauft, 2022 knackten sie die 100-Millionen-Umsatz-Marke – brutkasten berichtete. „woom ist nun endgültig aus den Startup-Schuhen herausgewachsen“, so CEO Paul Fattinger.

Nachfragetief als Durchschnaufpause

Nicht zuletzt sei auch die Größe, auf die das Scaleup in den letzten Jahren herangewachsen ist, ein Grund gewesen, den Standort nach Wien zu verlegen: „Je größer man wird, desto mehr entfernt man sich von den Kunden. Letztendlich geht es uns auch darum, dass unsere Mitarbeiter ihnen wieder näher kommen“, sagt Fattinger.

Wie viele andere Fahrrad-Unternehmen verzeichnete auch woom einen sprunghaften Nachfrageanstieg während der Pandemie. Viele Firmen, die entsprechend aufgestockt haben, schaffen es seit Abflauen der Pandemie kaum, ihre Überkapazitäten abzubauen. Da der Bedarf an Kinderfahrrädern konstanter ist als bei Erwachsenen, habe der Whiplash-Effekt voom vergleichsweise nicht so stark getroffen. „Trotzdem haben wir’s auch gespürt. Letztes Jahr war das erste Jahr, in dem wir nicht mehr gewachsen sind. Aber eine Wachstumspause ist auch mal gar nicht so schlecht zum Durchschnaufen“, so Fattinger. Erstmal müssen aber noch die Kisten ausgepackt werden.

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v. l. n. r. Stefan Kampusch (AURIMOD GmbH), Leonardo Peikoff (KPMG), Daniela Haunstein, Nikolaus Futter (beide invest.austria), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Christian Tauber (NEOALP), André Felker (backbone.one), Lea Krebs (fibionic GmbH), Michael Reip (openmaind) und Benjamin Behr (KPMG) | Foto beigestellt von KPMG

Der Austrian Tech Innovator wird von KPMG veranstaltet und soll österreichischen Startups und Scaleups eine Bühne vor Publikum aus Wirtschaft und Investor:innen bieten. Heuer ging der Sieg an die Aurimod GmbH. Das Unternehmen entwickelt ein tragbares Gerät zur Vagusnerv-Stimulation am Ohr, mit dem Schmerzen ohne Medikamente behandelt werden sollen.

„Unser Ziel ist, Betroffenen eine wirksame Ergänzung zu herkömmlichen Schmerzbehandlungen anzubieten. Mittels Vagusnerv-Stimulation am Ohr können Schmerzen wie beispielsweise chronische Rückenschmerzen, Migräne oder akute postoperative Schmerzen nachhaltig behandelt werden“, erklärt Stefan Kampusch, CEO von Aurimod.

Seit Herbst letzten Jahres tritt das Unternehmen unter einer Doppelspitze auf: Manuel Leal Garcia, seit Mitte 2024 Head of Business Development, wurde zum Chief Commercial Officer und Co-Geschäftsführer neben Kampusch bestellt. Er verantwortet Vertrieb, Marketing und das internationale Geschäft, mit Fokus auf Deutschland, die Schweiz, Großbritannien sowie weitere europäische und nordamerikanische Märkte.

Ticket für den Global Tech Innovator

Mit dem Sieg hat sich Aurimod auch die Teilnahme am Global Tech Innovator gesichert. Dort tritt das Unternehmen gegen die Gewinner:innen der anderen teilnehmenden Länder an. Das internationale Finale findet zum sechsten Mal im Rahmen des Web Summit in Lissabon statt.

„Sichtbarkeit, ein starkes Netzwerk, professionelle Begleitung und ein klarer Blick auf den Markt können den entscheidenden Unterschied machen, um als Startup auch globale Reichweite zu erlangen“, sagt Benjamin Behr, Director im Bereich Advisory bei KPMG und Host des Abends.

Neoalp, fibionic und openmaind unter den Finalisten

Neben Aurimod standen vier weitere Unternehmen im Finale. Drei davon sind brutkasten-Leser:innen bereits bekannt:

Das Wiener Startup Neoalp entwickelt eine vendor-neutrale Operations-Plattform für industrielle humanoide Robotik. Anfang des Jahres berichtete brutkasten, wie das Startup Semperit bei der Einführung humanoider Roboter in der Fertigung unterstützt, gemeinsam mit Projektpartner Cancom.

Das Tiroler Startup fibionic aus Götzens setzt mit seinem patentierten Verfahren „fibionic fiber placement“ auf bionisch inspirierten Leichtbau: Fasern werden gezielt entlang realer Lastpfade ausgerichtet, das Vorbild sind Strukturen wie die Flügel einer Libelle. Im März holte sich das 2021 gegründete DeepTech-Startup drei Millionen Euro, angeführt von Redstone und Euregio+.

Das Grazer Startup openmaind arbeitet an einer KI-basierten Intelligence-Layer für industrielle Robotikprozesse. Die Software vernetzt autonome Transportroboter unterschiedlicher Hersteller in Produktionshallen und lässt sich per natürlicher Sprache steuern. Im Herbst 2025 stieg KaPa Ventures mit einem mittleren sechsstelligen Betrag ein. Die Mitgründer Michael Reip und Christoph Zehentner hatten 2021 bereits ihr Unternehmen Incubed IT an Verizon verkauft.

Vierter Finalist war die backbone.one GmbH, die eine digitale Infrastruktur für erneuerbare Energie entwickelt und das Konzept „Energy-as-a-Currency“ verfolgt.

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