06.07.2022

WoodRocks: Wie ein Vorarlberger Startup mit Holzsystembau die Bauindustrie aufmischt

Das Bauunternehmen Rhomberg mit Hauptsitz in Bregenz möchte mit seinem neuen Corporate Startup WoodRocks in der Baubranche komplett neue Wege gehen und Holz im mehrgeschossigen Wohnbau zum Durchbruch verhelfen.
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WoodRocks
WoodRocks Geschäftsführer Matthias Frick | (c) WoodRocks

Die Bauindustrie ist ein wesentlicher Treiber des Klimawandels. 2020 gingen Schätzungen der UN zufolge weltweit rund 40 Prozent der energiebezogenen CO2-Emissionen sowie mehr als die Hälfte des Ressourcenverbrauchs auf die Baubranche zurück. Allein die Zementherstellung ist für rund sieben Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Zudem hat die Branche mit steigenden Rohstoffpreisen und einem Fehlen von Fachkräften zu kämpfen.

WoodRocks setzt auf Holzsystembau

Abhilfe möchte künftig das neue Corporate-Startup WoodRocks schaffen, das im Frühjahr 2020 vom Vorarlberger Bauunternehmen Rhomberg gemeinsam mit dem niederösterreichischen Tischlereibetrieb Schrenk gegründet wurde. Die Rhomberg Gruppe ist ein international agierendes Bauunternehmen mit langer Tradition. Die Gründung geht auf das Jahr 1886 zurück. Im Geschäftsjahr 2020/21 erwirtschafteten ca. 800 Mitarbeitende rund 345 Mio. Euro.

Wie WoodRocks CEO Matthias Frick erläutert, verfolgt das neue Startup, an dem die Rhomberg-Gruppe die Mehrheit hält, eine klare Vision: „Wir wollen mit WoodRocks künftig Materialen einsetzen, die auch zukunftsfähig sind.“

Wie der Name des Startup verrät, setzt WoodRocks dabei voll und ganz auf Holz. Doch nicht nur die Materialwahl soll künftig ein ressourcenschonendes Bauen ermöglichen. Mit einem ausgeklügelten Holzbausystem soll darüber hinaus auch die Zeit- und Kosteneffizienz gesteigert werden, um so leistbaren Wohnraum zu ermöglichen.

Kosteneffizientes Bauen durch Lean-Prinzip

Mit einem neuen Managementansatz erzielt das Startup laut eigenen Angaben bis zu 70 Prozent geringere Durchlaufzeiten in Produktion und beim Bauablauf. Ermöglicht wird dies durch eine maximale Vorfertigung und standardisierte Arbeitsschritte, die für eine Art Plug and Play auf der Baustelle sorgen. Zudem wird die Baulogistik und Montage durch Digitalisierung von Informationsflüssen optimiert. Frick beschreibt diese Methode auch als Lean-Prinzip, das Wertschöpfungsketten in der Industrie möglichst schlank gestaltet, Abläufe auf der Baustelle vereinfacht und schlussendlich die Kosten senkt.

Das Projekt in Dornbirn mit 21 Mikrowohnungen | (c) Rhomberg

Bereits erste Projekte umgesetzt

Wie Frick weiters ausführt, konnten bereits erste Projekte erfolgreich abgeschlossen werden. Dazu zählt beispielsweise eine Wohnhausanlage in Feldkirch mit 13 Wohnungen. Ein weiteres Projekt wurde Anfang 2022 in Dornbirn gestartet, wobei in einem Baukörper insgesamt 21 Mikrowohnungen errichtet werden. Zudem befinden sich weitere Projekte mit einem Planungsvolumen von über 70 Millionen Euro in der Pipeline.

Bereits im nächsten Jahr möchte WoodRocks in die Gewinnzone kommen und setzt dabei auf ein nachhaltiges Wachstum, das mit den Aufträgen der Firma mitwächst. Aktuell verfügt das Startup über einen Standort in Dornbirn sowie Wien und möchte zudem auch weitere Mitarbeiter:innen einstellen. Neben Vorarlberg, Wien und Niederösterreich zählt das Startup auch Süddeutschland zu seinen künftigen Fokusmärkten.


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Alexander Pöllmann, Director IT & Digital bei der Viessmann Generations Group, und Michael Maier, Director Austria von iteratec (v.l.) | (c) iteratec / beigestellt

Es war eine der bemerkenswertesten Transformationen der deutschen Industrie: 2023 verkaufte Viessmann sein Kerngeschäft, die Klimasparte Viessmann Climate Solutions, für zwölf Milliarden Euro an den US-Konzern Carrier (brutkasten berichtete). Seit Anfang 2024 agiert das Familienunternehmen als Unternehmensgruppe, die aus Deutschland ein globales industrielles Beteiligungsportfolio steuert. Und dieses Kernteam soll nun KI-nativ werden: Gemeinsam mit dem Technologieunternehmen iteratec baut Viessmann ein Multi-Agenten-System, das die Mitarbeiter:innen zu “Buildern von Agenten” verändert.

Vom Heizungsbauer zum langfristigen Unternehmensentwickler  

Das reinvestierte Kapital floss vor allem in industrielle Mittelständler mit Fokus auf nachhaltige Energietransformation: von Grid-Infrastruktur über Fernwärme- und Kühlungslösungen bis zu Kühlhäusern. Dazu zählt etwa die isoplus-Gruppe, ein Hersteller von Nah- und Fernwärmeleitungen mit großen Standorten in Österreich. Über Minderheitsbeteiligungen ist Viessmann außerdem unter anderem an Encavis sowie am Software-Unternehmen AMCS beteiligt, das Emissionen in der Recycling- und Abfallwirtschaft reduzieren soll. 

Beim Thema KI unterscheidet Pöllmann klar zwischen zwei Ebenen: „Wenn wir auf unsere Partner schauen, ist der Kerntreiber klassischerweise Effizienz, also Use Cases entlang der Wertschöpfungskette, um Top- oder Bottom-Line-Potenziale einzusammeln. Auf Ebene des Viessmann-Teams schauen wir viel stärker auf Effektivität: Wie können wir noch bessere Investmententscheidungen treffen und unsere zentrale Entscheidungsqualität maßgeblich erhöhen?“ 

Deal-Screening statt Deal-Sourcing 

Genau das sei allerdings die schwierigere Disziplin, so Pöllmann: „Effizienz-Use-Cases sind aus unserer Sicht häufig leichter, als die Qualität zu erhöhen. KI tendiert in ihrer ursprünglichsten Natur dazu, lieber zu halluzinieren und ungenau zu sein, als eine sehr klare Antwort auf die Frage zu geben: Sollte ich dieses Investment tätigen oder lieber nicht? Welche Risiken habe ich noch nicht gesehen?“ Dies bedingt vor allem den ganzen Kontext einer Transaktion zu kennen. 

Konkret setzt das Multi-Agenten-System deshalb dort an, wo Präzision zählt: beim Screening. Es gehe nicht darum, Deals zu sourcen, betont Pöllmann, sondern den Prozess „Ist ein Deal für uns wirklich relevant?“ deutlich zu verkürzen. Ein Letter of Intent könne so viel schneller analysiert und daraus ein Investmentmemo gebaut werden, angereichert mit weiteren Quellen. 

Dass das Viessmann-Team das System selbst baut, statt auf eine Fertiglösung zu setzen, ist für Pöllmann eine Grundsatzentscheidung: „Wir wollen die Governance in der eigenen Hand haben, aber auch den Prozess, wie wir zu Entscheidungen kommen.“ Fertige KI-Finanzlösungen von der Stange würden der Organisation wenig bringen: „Das ist zwar alles nett und funktioniert auch schnell, aber nicht in der Qualität, wie wir sie erwarten.“ 

Jede:r Mitarbeiter:in wird zum „Builder“ 

Der vielleicht radikalste Teil des Ansatzes: Alle Mitarbeiter:innen der Viessmann Generations Group sollen befähigt werden, selbst KI-Agenten zu bauen. Der Prozess dahinter ist mehrstufig: Ein Intake-Agent nimmt die Idee auf und schärft sie, ein Specification-Agent zieht anschließend das nötige Fachwissen aus den Mitarbeiter:innen heraus und gibt erst ab einem bestimmten Confidence Score grünes Licht. Danach erstellt ein weiterer Agent, der sogenannte Agent-Builder, den fertigen KI-Kollegen. 

Gestartet wurde Ende Jänner mit einem „Hypersprint“, die ersten Prozessagenten gingen im Frühjahr live. „Es ist schon verrückt, was wir in der Zeit entwickelt haben“, sagt Pöllmann. Die größte Herausforderung sei dabei nicht die Technologie: „Die Herausforderung ist wirklich, das Wissen der Kolleg:innen “freizulegen” und die Leute, die verantwortlich sind, in die Verantwortung zu bekommen. So können wir dann gemeinsam den Input, den wir brauchen, identifizieren, um daraus vernünftige Agenten mit hoher Output-Qualität zu bauen.“ 

„Die Rolle des Menschen in der KI-Transformation wird maßgeblich“ 

Bei aller Automatisierung bleibt die Verantwortung beim Menschen, stellt Pöllmann klar: „Am Ende braucht es immer einen Verantwortlichen, und das kann nicht die Maschine sein. Dadurch wird vor allem die Rolle des Menschen in der KI-Transformation maßgeblich gestärkt.“ Wer einen Agenten verantwortet, müsse dessen Ergebnisse kontrollieren, ihn testen und etwa bei der Abkündigung eines KI-Modells nachjustieren. „Damit bekommt jeder in gewisser Weise eine Führungsaufgabe“, so Pöllmann. 

Um den Rollenwandel greifbar zu machen, ließ Viessmann die Mitarbeiter:innen ein eigenes „Role Canvas“ ausfüllen: Was bleibt an Verantwortung beim Menschen, wenn KI-Agenten übernehmen? Das habe viel Verständnis für die Transformation geschaffen, auch bei jenen, deren Berufsbild sich am stärksten verändert. Denn das klassische Profil eines Investmentbankers werde sich fundamental drehen, so Pöllmann. Die Betroffenen hätten das Thema allerdings „sehr gut aufgeschnappt und zeigen große Begeisterung dafür“. 

iteratec: „Die Unschärfe reduzieren“ 

Auf der Umsetzungsseite steht mit iteratec ein Software-Dienstleister, der seit 30 Jahren Individualsoftware entwickelt und sich zunehmend auf KI-Transformation fokussiert. „Unser eigenes Geschäft ändert sich aktuell selbst radikal aufgrund von KI“, sagt Michael Maier, Director Austria von iteratec. Das Unternehmen setzt Multi-Agenten-Projekte unter anderem bei Banken um und hat mit dem Recycling-Konzern Ragn-Sells ein neues Recyclingverfahren auf Basis KI-gestützter Materialanalysen entwickelt. Das Viessmann-Projekt sei „mitunter eines der spannendsten, das wir gerade machen dürfen“, so Maier: „Das nimmt sicher eine Vorreiterrolle ein.“ 

Die Kunst liege darin, schnell voranzukommen und trotzdem verlässliche Resultate zu liefern: „Du musst die Unschärfe so weit reduzieren, dass du dort, wo es wichtig ist, belastbare Ergebnisse hast, mit denen du arbeiten kannst“, sagt Maier. Viessmann kam über einen klassischen Anbieterauswahlprozess zu iteratec. Ausschlaggebend sei das Team gewesen, so Pöllmann: „Ein sehr professionell aufgestelltes Team mit High-End-AI-Capabilities. Die Entwickler sind fast AI-native unterwegs.” 

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