18.12.2025
FINANZIERUNG

Wood Space verdoppelt Umsatz und erhält 2,4 Mio. Euro aws Double Equity

Das niederösterreichische Unternehmen Wood Space will nach einem starken Geschäftsjahr 2025 seine Produktionskapazitäten deutlich ausbauen. Wie Wood Space in einer Pressemitteilung mitteilt, habe man im vergangenen Jahr den Umsatz gegenüber 2024 verdoppelt. Die bestehende Produktion sei mittlerweile vollständig ausgelastet, weshalb nun eine neue Entwicklungsphase eingeleitet werde.
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Wood Space baut weiter aus. (c) Wood Space

Das 2019 als Joint Venture des Corporate Venture Builders whataventure und der Südtiroler Rubner Gruppe aufgebaute Holzbauunternehmen Wood Space plant einen deutlichen Ausbau seiner Produktionskapazitäten. Initiiert wurde das Unternehmen im Umfeld von whataventure, dessen Gründer Stefan Perkmann Berger den Aufbau von Wood Space mitverantwortete. Seit Ende 2024 ist zudem der deutsche Private-Equity-Investor VTC an Wood Space beteiligt, der die weitere Unternehmensentwicklung begleiten soll.

Das Unternehmen, das von Beginn an mit industrieller Anbindung entwickelt wurde, reagiert nun auf eine vollständige Auslastung der bestehenden Fertigung sowie auf ein starkes Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2025. Wie aus einer aktuellen Aussendung hervorgeht, habe Wood Space den Umsatz im vergangenen Jahr gegenüber 2024 verdoppelt, obwohl sich die Bauwirtschaft insgesamt in einer angespannten Lage befinde. Die Nachfrage nach modularen, vorgefertigten Gebäudelösungen aus Massivholz sei weiterhin hoch, heißt es.

Produktionsstandort in Niederösterreich wird erweitert

Nun soll der Produktionsstandort in Hürm in Niederösterreich ausgebaut werden. Vorgesehen ist laut Unternehmen eine Vervierfachung der bestehenden Produktionsfläche. Ergänzend dazu plane Wood Space die Umstellung auf einen neu entwickelten, stärker industrialisierten Produktionsprozess. Damit wolle man künftig Gebäudeflächen von über 20.000 Quadratmetern pro Jahr realisieren können.

Nicht nur die physische Erweiterung, sondern vor allem die Prozessoptimierung stehe dabei im Mittelpunkt, so das Unternehmen. Ziel sei es, Durchlaufzeiten zu verkürzen und die Skalierbarkeit des Systems weiter zu erhöhen.

Finanzierung über aws Double Equity

Zur Finanzierung der nächsten Wachstumsphase greift Wood Space auf das aws-Double-Equity-Instrument zurück. Dabei handelt es sich um einen von der Austria Wirtschaftsservice zu 80 Prozent besicherten Kredit, dessen Höhe sich am in den Vorjahren eingebrachten Eigenkapital orientiert und mit maximal 2,5 Mio. Euro gedeckelt ist. Mit einem Volumen von 2,4 Mio. Euro schöpft Wood Space diesen Rahmen nahezu vollständig aus. Laut Aussendung sollen mit dem geplanten Wachstum in den kommenden drei Jahren bis zu 50 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Systembau aus Holz als Alternative zum konventionellen Bau

Der klassische Bausektor steht derzeit unter Druck, unter anderem durch steigende Kosten, Fachkräftemangel und hohe CO₂-Emissionen. Wood Space verweist in diesem Zusammenhang auf seinen Ansatz einer industrialisierten Systembauweise aus Massivholz. Durch Standardisierung und einen hohen Grad an Vorfertigung könnten Gebäude laut Unternehmen deutlich schneller errichtet werden als in konventioneller Bauweise. Zusätzlich wird auf die langfristige CO₂-Speicherwirkung von Holz verwiesen.

Fokus auf öffentliche und gewerbliche Bauten

Wood Space ist auf die Planung und Errichtung funktionaler Gebäude mit Flächen zwischen 300 und 5.000 Quadratmetern spezialisiert. Realisiert werden vor allem Kindergärten, Schulen, Bürogebäude sowie Unterkünfte und Wohnbauten. Zum Einsatz kommen vorgefertigte 3D- und 2D-Systemkomponenten aus Massivholz. 

Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 20 Mitarbeiter:innen. Nach eigenen Angaben wurden bislang mehr als 70 Projekte in Österreich, Deutschland und Italien umgesetzt.

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(v.l.n.r.) Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, CEO Lukas Püspök, Vorstandvorsitzende Erste Bank Gerda Holzinger-Burgstaller und EIB-Vizepräsident Karl Nehammer kamen zur Eröffnung des Super-Hybrid Projekts. (c) Maria Hollunder
(v.l.n.r.) Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, CEO Lukas Püspök, Vorstandvorsitzende Erste Bank Gerda Holzinger-Burgstaller und EIB-Vizepräsident Karl Nehammer kamen zur Eröffnung des Super-Hybrid Projekts. (c) PÜSPÖK/APA-Fotoservice/Maria Hollunder

Wer auf der Autobahn A4 von Parndorf in Richtung Nickelsdorf fährt, ist ringsum bereits von modernen Windkraftwerken umgeben. An einem windigen Tag wie heute laufen hier mehrere hundert Windräder gleichzeitig. Nach gut 20 Minuten Fahrt erreicht man Nickelsdorf; die rund 1.800 Seelengemeinde liegt direkt an der ungarischen Grenze.

In der Region der Parndorfer Platte erstrecken sich kilometerweit flache Feldlandschaften, wodurch hier die besten Voraussetzungen für Windkraft- und Photovoltaikanlagen herrschen. Unweit der „Pannonia Fields“, erstreckt sich das heute eröffnete Super-Hybrid-Kraftwerk der Energiefirma püspök auf einer Fläche von circa 65 Hektar.

Zur Eröffnung, bei der brutkasten vor Ort war, fanden sich neben püspök-CEO Lukas Püspök auch Ex-Kanzler Karl Nehammer, Vizepräsident der EIB, sowie Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank, auf dem Gelände ein. Die finanzielle Unterstützung beider Institute machte die Umsetzung dieses Großprojekts erst möglich.

Über 65 Hektar erstreckt sich das Areal rund um das Super-Hybrid-Kraftwerk. (c) PÜSPÖK/APA-Fotoservice/Maria Hollunder

Erneuerbare Energie rund um die Uhr

Die Kombination aus Windkraft, Photovoltaik und einem Großbatteriespeicher ermöglicht eine Stromerzeugung rund um die Uhr und schafft ein hohes Maße an Wetterunabhängigkeit. Während die Windkraft vor allem in den Wintermonaten liefert, laufen die PV-Anlagen im Sommer auf Hochbetrieb. Da im Tagesverlauf mit erneuerbaren Energien jedoch nicht durchgehend Strom produziert werden kann, stellt der Großbatteriespeicher laut püspök den zentralen Faktor dar, um die Energie zur richtigen Zeit zu sichern.

„Mit dem Batteriespeicher speichern wir den sauberen, heimischen Strom untertags und haben ihn am Abend auch zur Verfügung. Das ist Super-Hybrid, das senkt Kosten, das stabilisiert das Netz und es macht erneuerbare Energie konstant verfügbar“, erklärt Lukas Püspök das Projekt.

Die Zuschaltung des Speichers ist noch im Juni geplant, die offizielle Inbetriebnahme wird im Juli erfolgen. Neben Nickelsdorf sollen noch an fünf weiteren Standorten in der Gegend Super-Hybrid-Projekte entstehen. Gesamt sollen sie eine Leistung von 271 Megawattpeak erreichen.

Hunderte Schafe unter Photovoltaik-Anlagen

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist das Konzept der Agri-Photovoltaik, bei dem die landwirtschaftliche Nutzung direkt in das Kombinationskraftwerk integriert wird. Derzeit beweiden 120 Schafe und 90 Lämmer die Flächen unter den PV-Anlagen. Durch diese Doppelnutzung wird dieselbe Fläche sowohl für landwirtschaftliche Erträge als auch für die Gewinnung erneuerbarer Energie verwendet.

Raphael Dugmanits, Projektleiter bei püspök, unterstreicht den ökologischen Ansatz: „Wir wollten nicht ein normales Photovoltaik-Kraftwerk hinstellen, sondern wir wollten dezidiert die Agri-Photovoltaik machen. Die Themen Naturschutzgedanken und Biodiversität sind für uns wichtige Punkte.“

Doppelte Flächennutzung durch die Schafe und PV-Anlagen. (c) brutkasten/Hannah Fasching

EIB mit 57 Mio. Euro beteiligt

Die Europäische Investitionsbank stellte für die Errichtung des Super-Hybrid-Energieprojekts 57 Millionen Euro zur Verfügung. Damit beläuft sich das gesamte EIB-Engagement bei Projekten von püspök mittlerweile auf 200 Millionen Euro. Die EIB-Gruppe fungiert als Finanzierungsarm der EU und zählt zu den weltweit größten multilateralen Entwicklungsbanken.

Allein im Jahr 2025 wurden vonseiten der EIB 100 Milliarden Euro an neuen Finanzierungen für insgesamt 870 Projekte zugesagt, wobei Klima und Umwelt sowie technologische Innovationen zu den Kernbereichen gehören.

Auch die Erste Bank ist maßgeblich an der Finanzierung beteiligt. Vorstandsvorsitzende Gerda Holzinger-Burgstaller betont: „Dieses Projekt zeigt, wie die Energiewende hierzulande konkret umgesetzt werden kann.“

EIB-Vizepräsident Karl Nehammer und CEO Lukas Püspök vor den Großbatteriespeichern in Nickelsdorf. (c) PÜSPÖK/APA-Fotoservice/Maria Hollunder

Für die Energieunabhängigkeit Europas

Das Projekt läuft unter dem europäischen Programm REPowerEU welches darauf abzielt, Europas Abhängigkeit von Öl und Gas nachhaltig zu beenden.

„Worum geht’s immer am Ende des Tages? Um wirtschaftliche Stärke, Versorgungssicherheit, eben nicht nur für Österreich, sondern im großen Kontext gedacht für die Europäische Union. Der Ausbau erneuerbarer Energien und moderner Speichertechnologien ist entscheidend für Europas Wettbewerbsfähigkeit, Energiesicherheit und Klimaziele“, betont Nehammer bei der Eröffnung.

Climate-Tech-Startups gefragt

Obwohl Großprojekte wie diese Kraftwerksanlage laut Lukas Püspök seltener direkt von Climate-Tech-Startups realisiert werden, spielen junge Technologieunternehmen im Hintergrund eine entscheidende Rolle, um solche Vorhaben überhaupt erst „zum Laufen zu bringen“.

Als Paradebeispiel nennt er die Vermarktung und Steuerung des Systems: „Das beste Beispiel ist, dass die Vermarktung dieses Batteriespeichers von einem bekannten österreichischen Climate-Tech-Unternehmen, nämlich von enspired gemacht wird. Bei allem, was rundherum an Services und technologischen Dienstleistungen bei solchen Projekten passiert, da ist die Startup-Szene jetzt gefragt.“

Mehr zu den Chancen von Climate-Tech-Startups erzählte Lukas Püspök im brutkasten-Interview.

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