30.07.2025
LAUNCH VON AI EMPOWER

Womentor-CEO: “KI soll uns nicht überrollen, sondern empowernd und kritisch bleiben”

KI ist in aller Munde - aber wer bleibt auf der Strecke? Mit AI Empower hat Womentor eine neue Plattform gelauncht, die seit April dieses Jahres vor allem eines will: Inklusion. Im Interview erklärt Josefine Schulze, Managing Partnerin von Womentor, warum KI-Weiterbildung neu gedacht werden muss.
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Josefine Schulze, Managing Partnerin von Womentor | Foto: Womentor

Gerade jetzt könnte sie sich lohnen: Eine Weiterbildung im Bereich KI. Vor allem für diejenigen, die sich von der Flut an Informationen überwältigt fühlen.

Weiterbildungen sind aber mit Vorsicht zu genießen. Neue Wellen an KI-Innovation kommen rasch und unvorhersehbar, sodass Kurse nach ihrem Start schon inhaltlich veraltet sein könnten. Doch gar keinen Kurs zu machen ist auch keine Lösung – so wächst die Wissenskluft nämlich weiter.

Frauen nutzen KI um 50 Prozent weniger als Männer

Eine Studie von Statistik Austria zeigt: Nur 20,6 Prozent der Frauen in Österreich schätzen ihr Wissen über KI als hoch ein – bei Männern sind es 33 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Frauen überhaupt mit KI beschäftigen wollen, ist der Studie zufolge um 58 Prozent geringer als bei Männern. Außerdem nutzen Frauen KI-Tools um fast 50 Prozent weniger als Männer.

Das liege nicht an fehlendem Interesse, sondern an unseren aktuellen Strukturen, meint Josefine Schulze, Managing Partnerin des Social Businesses Womentor, mit Berufung auf Statistik Austria: Zugänge zu KI und Weiterbildungsmöglichkeiten seien aktuell nicht inklusiv gestaltet. Die Konsequenz: “Wer keinen Zugang zu KI hat, wird morgen auf dem Arbeitsmarkt und in unternehmerischen Kontexten abgehängt”, so Schulze.

„Ihre Perspektiven werden nicht mitgedacht“

Das habe gröbere gesellschaftliche Auswirkungen: “Wenn bestimmte Gruppen unserer Gesellschaft keine KI-Kompetenzen aufbauen, werden ihre Perspektiven schlicht nicht mitgedacht. Ihre Fragen und ihre Realitäten kommen im KI-Output nicht vor”, warnt die Managing Partnerin.

Inklusion ist also gefragt, ist Josefine Schulze überzeugt. Vor gut zwei Jahren, als die KI-Welle noch nicht lange über uns hereingebrochen ist, fragte sie sich, wer in unserem Arbeitsmarkt denn die besten Voraussetzungen hätte, die KI in den Arbeitsalltag zu integrieren. Bald war Schulze klar: Im KI-Kosmos geht man schneller unter, als es einem lieb ist.

Was wird aus Gender & Diversity?

Ein tiefer Dorn im Auge war ihr vor allem die fehlende Diversität, Gleichstellung und Vielfalt: “Was passiert mit Kreativschaffenden und Wissensarbeitenden? Und eine der wichtigsten Fragen: Wie inklusiv sind unsere Zugänge und Ansätze? Welche gesellschaftlichen Gruppen werden von diesem Wandel profitieren und welche werden systematisch benachteiligt?”, erinnert sich Schulze.

Beim Einsatz von KI im betriebswirtschaftlichen und technologischen Kontext geht es ja größtenteils um Effizienzsteigerung, um Kostensenkung, um das Besser- und Schneller-Werden. Selten wird aber über Inklusion und Teilhabe gesprochen.

Wie exklusiv ist KI?

Das will Schulze ändern. Deshalb hat sie AI Empower ins Leben gerufen. AI Empower soll Wissensvermittlung zu KI im Arbeitskontext mit Community Building verbinden, sagt Schulze.

Zunächst aber hat sie sich auf das Forschen fokussiert. Gefördert von der FFG-Förderung Impact Innovation durfte sie ein Jahr lang eine Problemanalyse in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Zielgruppen durchführen.

Im Zentrum standen dabei Menschen aus der Kreativwirtschaft, Wissensmitarbeiter:innen, Projektmanager:innen und Forschende. Nicht zuletzt spielten FLINTA*-Personen (Anm.: Das Akronym FLINTA* steht für Frauen, Lesben, Inter-, Nicht-binäre, Trans und Agender-Personen) und People of Color (POC) auch eine zentrale Rolle in ihrer Forschung.

Voreingenommen und verzerrt

Gerade diese Zielgruppen sind ohnehin schon einem Ungleichgewicht an Daten ausgeliefert. Spiegelbildlich scheint dies auch bei KI der Fall zu sein. Aus mehreren Gründen, wie Schulze erläutert:

“Das Datenmaterial, mit dem die meisten Large Language Models (Anm. Sprachmodelle wie ChatGPT von OpenAI) gefüttert werden, ist bereits voreingenommen und verzerrt. Das liegt daran, dass unsere gesellschaftliche Wahrnehmung von Geschlecht, Vielfalt und Inklusion schon sehr biased ist. Da die KI von genau jener lernt, spiegelt sie bestehende gesellschaftliche Vorurteile wider.”

Erhöhter Druck und Data Gap

Der ohnehin schon existierende Data Gap wird repliziert, was erhöhten Druck auf unterrepräsentierte Gruppen ausübt. “Sehr oft fehlt es einfach an Wissen über KI, da die Technologie sehr neu ist. Und KI-fernen Gruppen fehlt der Zugang, um die nötigen Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Umgang mit KI zu entwickeln”, so die Managing Partnerin.

“Unter dem Dach von Womentor” und nach einjähriger Forschung kam es schließlich zum Launch von AI Empower. Womentor gilt dabei als “Nest” für die Entwicklung und als Rechtskonstrukt, meint Schulze. Die Plattform AI Empower positioniert sich als eigenständige Marke und fungiert als Lern- und Wissensplattform rund um das Spektrum der KI-Weiterbildung.

Lernplattform für alle

Grundsätzlich ist die Lernplattform für alle Personen offen, die sich rund um KI weiterbilden wollen. AI Empower zielt darauf ab, auch Gruppen zu erreichen, die klassisch nicht erreicht werden. Dazu zählen neben Personen in ländlichen Regionen auch Menschen mit Behinderung und jene, die nicht in KI-affinen Unternehmen arbeiten.

Die Plattform bündelt Kurse und Weiterbildungen rund um künstliche Intelligenz. Diese kommen entweder von der Dachorganisation Womentor oder von insgesamt elf externen Partnerorganisationen. Darunter finden sich Coachings, Online-Kurse, Labs, AI Mentoring und ein AI Knowledge Hub. Unabhängig von Kursformat und Kerninhalt steht die kritische Wissensvermittlung im Fokus der Plattform.

Knowledge-Tests prüfen KI-Wissensstand

“Die Kurse sind deshalb größtenteils live, da wir wollen, dass das Wissen, das zu diesem Zeitpunkt vermittelt wird, auch up-to-date ist”, erklärt Schulze.

Das Angebot klingt überwältigend. Ist es im Grunde genommen auch, denn es öffnet ein neues Spektrum an KI-Inhalten für Personen, die sich bislang eher am Rande der KI-Diskussionen befanden.

Doch auch dafür hat AI Empower einen Test entwickelt, um sich im KI-Kosmos zu orientieren: Um sicherzustellen, sich passendes Know-how auf dem richtigen Level anzueignen, bietet die Plattform AI Knowledge Tests. Nutzer:innen können damit ihr KI-Wissen testen und herausfinden, welche Serviceleistung zu ihnen passt.

KI soll kritisch bleiben

Doch dabei soll es nicht bleiben: AI Empower will weiter wachsen und sichtbar werden. Aktuell ist es an der Zeit, die Plattform weiter als MVP zu testen und neue Partnerschaften an Land zu ziehen. Auch markttechnisch hat man Einiges im Visier. Zur Zeit ist die Plattform im deutschsprachigen Raum verfügbar, nächstes Jahr soll sie auch darüber hinaus nutzbar werden.

Dank einer neuen Anschlussförderung von ProEuropeanValues können weitere Features ausgebaut werden, so die Gründerin. Damit soll die Community erweitert und die Reichweite der Plattform gesteigert werden.

Für Schulze steht neben all dem noch zu Entwickelnden aber die Förderung von Gleichberechtigung und kritischem Denken im Fokus: “Unser Ziel ist es, dass uns künstliche Intelligenz nicht überrollt, sondern dass wir diese Technologie steuern und in unsere Gesellschaftsstruktur einbetten, damit KI inklusiv, empowernd und kritisch bleibt.”

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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