Plattform-Deal: wogibtswas.at wird gegen Anteile getauscht
Die Styria Media Group übergibt die Plattform wogibtswas.at an die deutsche Offerista und bekommt im Gegenzug 20 Prozent des Spezialisten für standortbasierte Digital-Werbung.
Die Konzepte des österreichischen Portals wogibtswas.at und der deutschen Offerista Gruppe sind sehr ähnlich, wenn auch nicht ganz gleich. Beide haben sich auf die standortbasierte Verbreitung digitaler Prospekte ihrer Kunden – Handelsunternehmen – spezialisiert. Während wogibtswas.at das über seine eigenen Kanäle, Plattform und App, macht, setzt Offerista neben der eigenen Plattform marktjagd.de auf zahlreiche Partner-Publisher. Die Zahlen: Der österreichische Anbieter hat im Land 65 Prozent Markenbekanntheit. Der deutsche Anbieter kommt in seinem Heimatmarkt auf eine Reichweite von etwa 50 Prozent. Die beiden Unternehmen kamen sich bislang nicht in die Quere – sie beackern den jeweils anderen Markt nicht. Nun geht das Corporate Startup wogibtswas.at von der Styria Gruppe in den Besitz der Offerista Gruppe über.
Dahinter steht ein Tauschhandel. Der bisherige wogibtswas-Eigentümer, die Styria Gruppe, erhält für die Plattform 20 Prozent der Offerista Gruppe. Durch die Übernahme entsteht der größte Digital-Prospekt-Anbieter im DACH-Raum. „Das Potenzial im digitalen Handelsmarketing ist groß, aber noch nicht alle Händler haben das für sich erkannt. Da ist es sinnvoll, als zwei so ähnliche Anbieter die Kräfte zu bündeln und den Markt gemeinsam aufzurollen. Offerista hat das Ziel, Einzelhändler an jeden digitalen Touchpoint mit ihrer Zielgruppe zu bringen. Das können wir mit wogibtswas.at nun auch in Österreich umsetzen“, kommentiert Offerista-Geschäftsführer Benjamin Thym in einer Aussendung.
Marke und Geschäftsführer bleiben, Konzept wird geändert
wogibtswas.at soll als eigenständige Marke und Gesellschaft erhalten bleiben. Auch personell scheint sich nichts zu ändern. Oliver Olschewski bleibt Geschäftsführer. Was jedoch angepasst werden soll, ist das Konzept. Auch beim österreichischen Portal will man künftig auf ein Netzwerk von Partner-Publishern setzen, um die Reichweite weiter zu steigern.
„Logischer Schritt“ in der Internationalisierungsstrategie
Beide Unternehmen sehen den Deal als Teil ihrer jeweiligen Internationalisierungsstrategie. Offerista hat im Vorjahr gemeinsam mit der Schweizer Post eine eigene Gesellschaft in der Schweiz gestartet. Der Schritt nach Österreich sei Teil einer langfristigen Strategie, heißt es seitens des Unternehmens. Michael Berger, Head of Styria Digital Marketplaces kommentiert: „Für die Styria Media Group ist dieser Deal nach dem erfolgreichen Marktaufbau von wogibtswas.at in Österreich der logische nächste Schritt, um nun auch im internationalen Kontext langfristig erfolgreich zu sein“.
„Software ist nicht tot“: Amodei, Benioff und Huang stellen neuestes Salesforce-Produkt „AIforce“ vor
Bei seiner Dreamforce-Eröffnungskeynote stellte Salesforce-CEO Marc Benioff AIforce vor und holte die CEOs von Anthropic und Nvidia auf die Bühne – inklusive Debatte über KI-Sicherheit und Europas Rückstand. Der brutkasten vor Ort.
„Software ist nicht tot“: Amodei, Benioff und Huang stellen neuestes Salesforce-Produkt „AIforce“ vor
Bei seiner Dreamforce-Eröffnungskeynote stellte Salesforce-CEO Marc Benioff AIforce vor und holte die CEOs von Anthropic und Nvidia auf die Bühne – inklusive Debatte über KI-Sicherheit und Europas Rückstand. Der brutkasten vor Ort.
Rund 45.000 Besucher:innen versammeln sich beim jährlichen Flaggschiff-Event des CRM-Riesen Salesforce rund um das Moscone Center in San Francisco. Höhepunkt ist die Eröffnungskeynote von CEO Marc Benioff: Wer einen Platz im größten Saal des Dreamforce-Areals ergattern will, muss bereits Stunden zuvor vor Ort sein.
Hawaiianische Rituale und ein Kurzauftritt von Grammy-Preisträgerin Gwen Stefani überbrücken die Wartezeit, ehe der Salesforce-Mitgründer eindrucksvoll inszeniert die Bühne betritt, um sich dem Leitthema der diesjährigen Konferenz zu widmen: der Transformation von Unternehmen durch autonome KI-Agenten.
Der Dreamforce-Haupteingang in San Francisco.
Anthropic- und Nvidia-CEO mit auf der Bühne
Den Auftakt zum dreitägigen Programm bestreitet Benioff nicht allein. An seiner Seite: Dario Amodei, Co-Founder und CEO von Anthropic, Jensen Huang, CEO von Nvidia, Siemens-CEO Roland Busch sowie mehrere Vertreter:innen aus dem eigenen Haus.
Die Auswahl ist alles andere als Zufall. Mit Claudeforce holt Salesforce seine Applikationen direkt in die Anthropic-Umgebung. Parallel dazu entsteht mit Nvidia das hauseigene Modell „Koa“, das auf Nvidias Nemotron-Architektur aufbaut und mit synthetischen Daten, die auf 27 Jahren Salesforce-CRM-Wissen basieren, trainiert wurde.
„Ich habe kein einziges autonomes Fahrzeug in Europa gesehen“
Geografisch spielt sich Dreamforce zwar in den Vereinigten Staaten ab, dennoch nimmt Europas Position im globalen KI-Wettlauf breiten Raum in Benioffs Eröffnungskeynote ein. Das Bild, das der Salesforce-Mitgründer zeichnet, fällt ernüchternd aus: „Ich war einige Monate in Europa und habe kein einziges autonomes Fahrzeug gesehen“, berichtet der CEO, als Sinnbild für die ungleiche globale Verteilung und die zögerliche Nutzung von KI-Technologien.
„Die Tür ist offen, aber noch nicht jeder ist hindurchgegangen“, führt Benioff aus. Kund:innen, so seine Einschätzung, seien teilweise noch in einer alten Welt verhaftet und hätten die unternehmerische Transformation durch KI noch nicht vollzogen. Genau hier will Salesforce ansetzen, um die Adoption zu beschleunigen.
AIforce vorgestellt
AIforce soll die Arbeitsweise von Unternehmen transformieren.
Konkret wird dieser Anspruch bei der zentralen Produktankündigung, die Benioff im Rahmen seiner Keynote als „die aufregendste in der Geschichte von Salesforce“ bezeichnet: Mit AIforce möchte das Unternehmen Daten, Workflows, Geschäftslogik und Governance direkt in Arbeitsumgebungen wie Slack, Claude oder Salesforce Lightning bringen, ohne dass Nutzer:innen Salesforce selbst öffnen müssen. „KI führt zu einer Revolution der Benutzeroberflächen“, so Benioff laut offizieller Ankündigung. Dabei betont Salesforce von Beginn an, dass das System auf Zero Data Retention setzt. „Deine Daten sind deine Daten“, versichert der CEO mehrfach.
Technisch stützt sich AIforce auf drei bestehende Bausteine: Data 360 liefert den einheitlichen Datenkontext, Customer 360 die Anwendungs- und semantische Intelligenz, Agentforce die digitale Belegschaft aus KI-Agenten. Zum Start zählen dazu Claudeforce, Slackforce und Agentforce Coworker.
Amodei plädiert für Industriestandards
Die Partnerschaftsmarke Claudeforce ist seit August 2026 bekannt; Amodeis Anwesenheit unterstreicht dennoch das Gewicht der Partnerschaft. Auf Benioffs Frage, was ihn zuletzt am meisten überrascht habe, antwortet Amodei: „Das Tempo, nicht nur auf technologischer, sondern auch auf wirtschaftlicher Seite. Ich war schlicht überrascht, dass eine solche Geschwindigkeit in der Geschäftswelt überhaupt möglich ist.“
Auf Benioffs Frage, wie er die „Pacing“-Debatte und den aktuellen Stand der Sicherheit einschätze, antwortet Amodei mit einem Drei-Stufen-Plan, den er wenige Tage zuvor in seinem Essay „We Must Pace the Frontier“ veröffentlicht hatte: zunächst die eigenen Praktiken prüfen und in Transparenz investieren, dann gemeinsame Industriestandards erarbeiten, schließlich eine internationale Abstimmung anstoßen. Umgesetzt sei bislang erst der erste Schritt. Begleitet von drei Sicherheitskräften verlässt Amodei den Saal umgehend nach seinem kurzen Auftritt.
Huang sieht Verantwortung bei den Entwickler:innen
Salesforce-CEO Marc Benioff und Nvidia-CEO Jensen Huang bei der Eröffnungs-Keynote.
Während Amodei bei Sicherheitsfragen einen bedachten, koordinierten Kurs einfordert, vertritt Nvidia-CEO Jensen Huang eine andere Linie: „Sicherheit hat oberste Priorität, in vielerlei Hinsicht ist sie die wichtigste Aufgabe. Allerdings ist Sicherheit zugleich ein Ingenieursproblem“, ein komplexes Rechensystem wie jedes andere, das sich technisch beherrschen lasse. Sein Rezept: zunächst sichere Testumgebungen schaffen, in denen sich Systeme prüfen lassen, und Produkte erst freigeben, wenn man von deren Sicherheit überzeugt ist. Regulatorische Eingriffe des Staates lehnt er ab.
Die Devise laute stattdessen, Innovationen so rasch wie möglich voranzutreiben, ohne Sicherheit zu opfern: „Laufen Sie so schnell Sie können, doch sobald Sie das Gefühl haben, […] das Produkt werde nicht sicher sein, legen Sie eine Pause ein“, so der Nvidia-Chef. Tempo und Sicherheit seien für ihn kein Widerspruch, sondern gleichzeitig erreichbar. Ob sich Unternehmen im permanenten Wettlauf um Marktanteile tatsächlich so diszipliniert selbst bremsen, wie Huang es beschreibt, bleibt allerdings offen.
Das Mantra: „Software ist nicht tot“
Wie ein roter Faden zog sich zudem das Gegennarrativ zur „SaaSpocalypse“ durch den Vormittag. Huang bezeichnete die These vom Ende der Software als „kompletten Unsinn“, Benioff präzisierte: „Software ist nicht tot. Es ist das Ende jener Software, die Menschen die ganze Arbeit machen lässt.“ Ob sich diese Neuerfindung tatsächlich so reibungslos vollzieht, wie auf der Bühne suggeriert, wird sich außerhalb des Moscone Centers erst noch zeigen müssen.
Transparenzhinweis: Die Reise- und Aufenthaltskosten zur Dreamforce wurden von Salesforce übernommen. Auswahl und Bewertung der Themen erfolgten unabhängig davon.
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