10.04.2026
STIMMEN AUS DER SZENE

Wofür nutzt du im Arbeitsalltag KI und wofür bewusst nicht?

Wie prägt künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag von Innovator:innen? Wir haben bei Personen des österreichischen Innovations-Ecosystems nachgefragt, wofür sie KI nutzen – und wo sie bewusst darauf verzichten.
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Stimmen aus der Szene zur KI-Nutzung.

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von März 2026 “Kraftakt” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Katharina Schneider | Investorin und CEO von Permedio

© Permedio

Ich nutze KI täglich fürs Brainstorming, für Strukturierungen und bessere Formulierungen. Auch bei Permedio arbeiten wir mit KI – so können wir immer schneller und besser auf Kundenwünsche und Anforderungen eingehen.

In der Mitarbeiterführung und bei Gesprächen mit Partnern, Lieferanten und dem Team verlasse ich mich bewusst auf den persönlichen Austausch und Emotionen. Gerade heute ist für mich der persönliche Kontakt wichtiger denn je; und KI hilft mir, mir dafür mehr Zeit freizuschaufeln.

Lukas Steiner | Co-Founder und CEO von Talentir

© brutkasten

Wo es geht, nutze ich KI. Die Anwendungsbereiche steigen tagtäglich, und es ist krass, wie viel Zeit und Geld man so im Aufbau eines Unternehmens sparen kann. Zur Erstellung von Content benutze ich sie bewusst nicht – tatsächlich habe ich eine gewisse Aversion und kognitive Dissonanz entwickelt, wenn ich auf „AI-Slop“ stoße – besonders auf LinkedIn bekomme ich da Gänsehaut.

Franziska Walde | Co-Founder und Managing Director von refinq

© Niko Havranek

Unser Tech-Team co-codet schon länger mit KI. Darüber hinaus nutzen wir sie täglich für Research, Call Summaries und Editing. Den echten Impact sehen wir aber im Go-to-Market: Content, Outreach, Key Accounts identifizieren. Wir automatisieren gerade Workflows, um mit weniger Aufwand präziser zu skalieren. Der Prozess ist wie das Erlernen einer neuen Sprache – Satzbau, Logik, Agents verketten.

Wofür nicht? Um Qualität zu garantieren – das kann nur, wer den Kontext wirklich kennt.

Russell Perry | Co-Founder von Perivallon Technologies

© brutkasten

Seit Beginn meiner Karriere beschäftige ich mich mit KI. Heute setze ich sie täglich ein: für strukturierte Recherche, als Sparringspartner für neue Produktideen und zur schnellen Erstellung von Prototypen. Was früher Wochen gedauert hat, ist heute in wenigen Stunden möglich. Ich kann mich sehr schnell in neue Fachgebiete einarbeiten; es macht einfach viel Spaß. Aber eine Frage bleibt: Wann löst KI das PowerPoint-Folienmaster-Dilemma?

Sarah Eschenbacher | AI Research Engineer bei Fraunhofer Austria

© brutkasten

KI ist für mich ein ständiger Begleiter geworden – nicht nur beim Coding, wo ich inzwischen eher in natürlicher Sprache denke und als aktiver Reviewer agiere, während Konzeption und Architektur meist bei mir bleiben, sondern auch bei Recherchen, Texten oder als Sparringspartner bei strategischen Überlegungen.

Eine echte Grenze ziehe ich eigentlich nur bei sensiblen Daten; es sei denn, ich kann auf eine lokale Lösung zurückgreifen.

Walter Kreisel | Gründer von neoom

© Nadine Studeny

Die Frage wirkt fast wie aus 2024! Spaß beiseite: Ich nutze KI heute in allen Bereichen, um auf Basis massiver Datenmengen schnellere, fundiertere Entscheidungen zu treffen. Überall dort, wo Prozesse klar definiert sind, delegiere ich Aufgaben konsequent an automatisierte Agenten.

Wofür ich KI nicht nutze? Für echte menschliche Empathie und den Aufbau tiefer, vertrauensvoller Beziehungen – das bleibt Kern meiner Arbeit, die ich auch liebe!


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Deepentix
© tecnet equity - (v.l.) Investor Kambis Kohansal Vajargah, Endri Deliu, Morteza Amini und Altan Nar (alle Deepentix) sowie Peter Buchinger (tecnet equity).

Das NÖ-Startup Deepentix hat eine Enterprise-KI-Plattform entwickelt, die Unternehmen dabei unterstützen soll, aus Dokumenten wie Studien, Patenten oder internen Berichten einen sogenannten Wissensgraphen aufzubauen – ein Netzwerk aus Fakten und ihren Beziehungen. Dadurch lassen sich Antworten einer Künstlichen Intelligenz bis zum exakten Satz im Ursprungsdokument zurückverfolgen. Gerade in stark regulierten Branchen sei dies entscheidend, weil Aussagen jederzeit belegt und geprüft werden müssen.

Deepentix: Unternehmensdaten in Graphen überführen

Zielgruppe sind etwa Unternehmen in Branchen wie Pharma, Medizintechnik, Versicherungen oder Banken, die täglich mit großen Mengen an Studien, Patenten, Normen und internen Berichten arbeiten. Klassische generative KI liefere dazu zwar schnelle Antworten, könne deren Herkunft jedoch oft nicht lückenlos belegen. Genau hier möchte Deepentix ansetzen und unstrukturierte Unternehmensdaten in einen Wissensgraphen überführen – im Sinn einer nachvollziehbaren Wissensbasis für KI-Anwendungen.

„Wenn Mitarbeitende einer KI blind vertrauen müssen, weil sie deren Antworten nicht überprüfen können, ist das gerade in sensiblen Bereichen ein echtes Risiko. Genau dieses Vertrauensproblem lösen wir, indem wir jede Antwort bis zu ihrem Ursprung im Dokument sichtbar machen“, erklärt Morteza Amini, Mitgründer und CEO von Deepentix.

Mehrere Sprachmodelle

Der Aufbau von Wissensgraphen erfolge Deepentix nach häufig im Rahmen aufwendiger Beratungsprojekte oder über standardisierte Lösungen, die sich nur begrenzt auf einzelne Fachbereiche zuschneiden lassen. Bei Unternehmen, die ihre sensiblen Daten selbst kontrollieren und gleichzeitig präzise Ergebnisse benötigen, stoße dieser Ansatz oft an seine Grenzen. Aus diesem Grund entwickelte das Startup kein Beratungsprojekt für einzelne Kunden, sondern ein Werkzeug, mit dem Unternehmen Wissensgraphen selbst erstellen, betreiben und an ihre Anforderungen anpassen können.

Dabei setzt die Plattform nicht auf ein einziges großes KI-Modell aus der Cloud, sondern auf mehrere kleine, spezialisierte Sprachmodelle, die gezielt auf einzelne Fachbereiche wie Pharma oder Banken trainiert werden. Dadurch sollen die Ergebnisse präziser werden, während die Modelle bei Bedarf direkt auf den eigenen Servern der Unternehmen betrieben werden können.

Dafür gab es nun eine Pre-Seed-Finanzierung in sechsstelliger Höhe, an der sich tecnet equity, der internationale Frühphaseninvestor Rockstart sowie der Business Angel Kambis Kohansal Vajargah beteiligt haben. Das frische Kapital soll vor allem in Forschung und Entwicklung sowie in den Ausbau erster Pilotprojekte in regulierten Branchen fließen.

Deepentix baut Wissensnetz

„Wir verstehen uns nicht als Berater, die für einzelne Kunden ein Wissensnetz bauen, sondern als Technologieanbieter, der Unternehmen die volle Kontrolle über ihre eigenen Daten und Modelle gibt“, so Amini weiter. „Mit tecnet equity, Rockstart und Business Angel Kambis Kohansal Vajargah haben wir Partner an Bord, die den Weg von Deep-Tech-Startups aus erster Hand kennen. Das gibt uns nicht nur Kapital, sondern auch Zugang zu Netzwerk und Erfahrung, um in dieser Phase die richtigen Schritte zu setzen.“

Peter Buchinger, Investment Associate bei tecnet equity, ergänzt: „Uns hat neben der Technologie vor allem das stark aufgestellte Gründerteam von Deepentix überzeugt. Die Kombination aus wissenschaftlichem Hintergrund und Erfahrung in internationalen Unternehmen war ausschlaggebend, in dieser frühen Phase zu investieren.“

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