07.10.2020

Wo müssen Österreichs Startups besser werden, Florian Gschwandtner?

Bei den Digital Top50 Awards (DT50) wurden die besten Startups Europas ausgezeichnet. Österreicher suchte man dort vergebens. Jurymitglied Florian Gschwandtner erläutert, woran das liegt.
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Florian Gschwandtner
© Puls4/Gerry Frank - Florian Gschwandtner.

Ende September wurden bei den Digital Top50 Awards (DT50) von McKinsey & Company, Freshfields Bruckhaus Deringer, Google, 468 Capital und Hering Schuppener Consulting im Rahmen der Bits & Pretzels Networking Week die besten Startup-Gründungen Europas ausgezeichnet.

Mehr als 300 Unternehmen haben sich in vier Kategorien beworben. Und während sich deutsche ebenso wie schweizerische Unternehmen unter den Gewinnern fanden, ging Österreich leer aus. Warum? Diese Frage stellten wir Florian Gschwandtner, der als Jurymitglied bei den DT50 anwesend war.

Worum ging es bei DT50 und warum warst du dort? 

Wie der Name schon sagt, es geht um die digitalen Top-Startups in Europa und vor allem auch Deutschland. Durch meine Runtastic-Vergangenheit habe ich natürlich einen großen Deutschland Bezug, da ja sowohl Axel Springer bei uns an Board war als auch die Adidas Familie. Des Weiteren kenne ich ein paar der Organisatoren, und sie haben mich gefragt, ob ich nicht als Experte in der Jury mitmachen möchte und dann war das ganz klar für mich, dass ich hier dabei bin. 

Warum sind deiner Meinung nach keine Österreicher unter den Gewinnern? Wo müssen wir besser werden? 

Wir – Österreicher – müssen besser werden im Unternhemertum. Genauso sehe ich das aber auch in Deutschland und generell in Europa. Neben mehr Unternehmertum müssen wir aber auch größer denken lernen und vor allem sich auch trauen. Es ist sehr schade, dass nur ein Startup aus Österreich überhaupt mit dabei war und ich hoffe, dass wir hier in den nächsten Jahren etwas mehr Resonanz aus Österreich sehen. Ich werde mich auf alle Fälle auch in meinem Portfolio kümmern, dass hier ein bisschen mehr passiert 😉 

In welchen Bereichen können die Deutschen im Vergleich zu den Österreichern punkten? 

Ich glaube nicht, dass wir uns hier mit Deutschland vergleichen sollen und rausstreichen, wo wir punkten können. Es geht doch vielmehr um ein Miteinander hier in der DACH Region und in Europa. Wir müssen es schaffen, dass wir Technologie-Startups etablieren, welche quasi ein Ökosystem schaffen und durch die Geld wieder reinvestiert wird. Dazu braucht es wie oben schon dargestellt die Unternehmer, aber auch die Rahmenbedingungen, die aktuell alles andere als gründer- und investorenfreundlich sind. Hier müssen wir ansetzten und gemeinsam den Weg gehen. 

Disclaimer: Florian Gschwandtner ist über die 8eyes GmbH zu 2,6566 % an der Brutkasten Media GmbH beteiligt.

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David R. Prasser, Gründer von StartUs Insights, verkauft die Technologie seines Unternehmens an Sprouts.ai | (c) StartUs Insights

Das US-amerikanische KI-Unternehmen Sprouts.ai hat im August die Such- und Datentechnologie sowie das AI-IP des Wiener Unternehmens StartUs Insights übernommen. Das teilt StartUs Insights in einer Aussendung mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Auch Teile des Teams wechseln zu Sprouts.ai. Was mit der Gesellschaft selbst und den bestehenden Kunden der Plattform geschieht, geht aus der Aussendung nicht hervor.

Vom Startup-Netzwerk zur Datenplattform

StartUs Insights wurde 2016 von David R. Prasser in Wien gegründet. Prasser hatte zuvor mit StartUs ein Online-Netzwerk für Startups aufgebaut, das brutkasten bereits in den Anfangsjahren porträtiert hat. Aus dem Startup für die Vernetzung und Entdeckung junger Unternehmen entwickelte sich über die Jahre eine internationale Business- und Innovation-Intelligence-Plattform.

Im Zentrum stand zunehmend die eigene Technologie: Systeme, die große Mengen unstrukturierter Unternehmens- und Technologiedaten erfassen, strukturieren und durchsuchbar machen, darunter KI-basierte Informationsextraktion und Natural-Language-Search. Nach eigenen Angaben handelt es sich um das weltweit umfangreichste Tool zur Suche und Identifikation von Firmen, Technologien und Markttrends. Vor allem in den vergangenen Jahren setzte das Unternehmen Large Language Models und KI-basierte Datenverarbeitung ein, um Informationen aus unstrukturierten Quellen für Recherche und Innovation Intelligence nutzbar zu machen.

Unter Prassers Führung wuchs StartUs Insights auf über 50 Mitarbeiter:innen, 20 davon arbeiteten zuletzt im Technologie- und Datenbereich. Das Unternehmen betreute mehr als 1.500 internationale Kunden mit seiner Discovery-Plattform (SaaS) und unterstützte rund 2.000 Innovations-, Scouting- und Research-Projekte. Zu den Unternehmen, mit denen StartUs Insights zusammenarbeitete, zählen unter anderem Roche, Siemens, Samsung, Shell und Mitsubishi. Ein Großteil der Erkenntnisse zu Startups, neuen Technologien und Branchentrends wurde wöchentlich auf dem eigenen Unternehmensblog veröffentlicht, der zuletzt über 200.000 Leser:innen pro Monat erreichte.

Was Sprouts.ai mit der Technologie vorhat

Sprouts.ai entwickelt eine KI-basierte Go-to-Market-Plattform für Enterprise-Kunden. Im Zentrum stehen Datenintelligenz und autonome Agents entlang des Sales-Funnels. Die Lösung lässt sich unter anderem in Salesforce und Microsoft Dynamics integrieren und arbeitet auch mit KI-Umgebungen wie Copilot und Claude. Das 2023 von Karan Chaudhry, Kapil Chaudhry und Avinash Nagla gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Palo Alto.

Mit der übernommenen Technologie und den Daten will Sprouts.ai seine AI-ready Datensätze und seine semantische Suche erweitern. „Die Technologie, die Daten und das Team von StartUs Insights passen sehr gut zu unserer Mission, AI-ready Datensätze und die weltweit führende semantische Suchmaschine für Enterprise-GTM zu entwickeln“, sagt Karan Chaudhry, Co-Founder und CEO von Sprouts.ai.

Prasser gründet Tilly & Elliot

„Dass die von uns aufgebaute Technologie jetzt bei einem AI-Unternehmen weiterentwickelt wird, ist für mich ein sehr guter Abschluss dieses Kapitels“, sagt Prasser. „Gleichzeitig interessieren mich heute mehr denn je die Fragen: was passiert, wenn immer leistungsfähigere AI-Systeme auf Unternehmen, Geschäftsmodelle und ganze Branchen treffen und wie man diese Entwicklung strategisch nutzt, statt ihr nur hinterherzulaufen.“

Der Gründer bleibt den Themen Künstliche Intelligenz, neue Technologien und Innovation treu. Aktuell unterstützt er Unternehmen und Startups bei der AI-Produktentwicklung sowie bei Fragestellungen rund um Daten, Technologie und datengetriebene Geschäftsmodelle. Seine Investment- und Advisory-Aktivitäten bündelt er in der neu gegründeten Tilly & Elliot GmbH. „Neben tatkräftiger Unterstützung für Startups und Scaleups rund um AI, Physical AI und datengetriebene Geschäftsmodelle wird Tilly & Elliot ausgewählte Startups in der Frühphase auch mit Kapital unterstützen“, heißt es in der Aussendung.

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Wo müssen Österreichs Startups besser werden, Florian Gschwandtner?

  • Ende September wurden bei den Digital Top50 Awards (DT50) von McKinsey & Company, Freshfields Bruckhaus Deringer, Google, 468 Capital und Hering Schuppener Consulting im Rahmen der Bits & Pretzels Networking Week die besten Startup-Gründungen Europas ausgezeichnet.
  • Mehr als 300 Unternehmen haben sich in vier Kategorien beworben.
  • Und während sich deutsche ebenso wie schweizerische Unternehmen unter den Gewinnern fanden, ging Österreich leer aus.
  • Warum? Diese Frage stellten wir Florian Gschwandtner, der als Jurymitglied bei den DT50 anwesend war.

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