14.01.2026
WIRTSCHAFTSKAMMER

WKÖ: Martha Schultz bleibt Präsidentin

Nach dem Rückzug von Harald Mahrer übernimmt Martha Schultz das Amt der Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich endgültig – und zwar über die laufende Funktionsperiode hinaus bis 2030.
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Ein Portraitfoto
WKÖ-Präsidentin Martha Schultz (c) FIW/Barbara Nidetzky

Ursprünglich als Übergangslösung gedacht, ist die 62-jährige Tirolerin nun mit deutlicher Unterstützung im Präsidium in das Amt eingeführt worden.

Schultz forderte in der Vergangenheit, dass Funktionär:innen und Landesvertretungen bei modernisierenden Maßnahmen mitziehen, etwa bei der Straffung interner Strukturen, der Senkung von Beiträgen und dem Abbau von Doppelgleisigkeiten zwischen Bundes- und Landesebene, nun trifft ihr Reformversprechen auf wachsende Startup- und KMU-Erwartungen.

Ihr Reformanspruch kann als Signal in Richtung Gründerszene und KMU gelesen werden: Zahlreiche Unternehmer:innen haben in den vergangenen Wochen gefordert, dass die WKO struktureller, effizienter und serviceorientierter werden müsse, statt an einer alten Einheits- und Pflichtmitgliedschaftslogik festzuhalten.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Trotz der breiten Zustimmung unter Funktionär:innen steht Schultz vor einem substanziellen Glaubwürdigkeits-Test. Messbare Änderungen in Richtung Transparenz, verringerte Bürokratie und echte Dienstleistungsorientierung werden von Unternehmer:innen offen eingefordert.

Schultz selbst betont, sie wolle „eine Reform, keine Revolution“ – aber genau dieses „Wie“ wird entscheidend dafür sein, ob besonders junge und technologieorientierte Unternehmen der WKÖ als unfreiwillige Interessenvertretung Vertrauen schenken oder sich weiter davon distanzieren.

Profil von Martha Schultz

MARTHA THERESIA SCHULTZ

Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (bis 2030)


Alter: 62 Jahre (geboren am 20.09.1963)


Unternehmerischer Werdegang

  • Seit 1987: Geschäftsführerin der Schultz Gruppe
  • Seit 1999: Geschäftsführerin der Reisebüro Hochzillertal GmbH
  • Seit 2004: Geschäftsführerin der HS Holding / Schultz Gruppe

Ausbildung

  • 1978–1983: Höhere Lehranstalt für Tourismusberufe Schloss Klessheim
  • Schulbegleitende Praktika in Hotels und Reisebüros in Österreich
  • 1984: Einstieg in das elterliche Unternehmen
  • Weitere Praktika bei deutschen Reiseveranstaltern und Busunternehmen

Interessenvertretung – Österreich

  • Seit 2010: Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich
  • Seit 2015: Bundesvorsitzende Frau in der Wirtschaft (WKÖ)
  • Seit 2016: Vizepräsidentin des Österreichischen Wirtschaftsbundes
  • 2016–2021: Präsidentin des ibw – Österreichisches Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft
  • Funktionen in Fachgruppen, Regionalgremien und als Landesfunktionärin in Tirol

Interessenvertretung – Europa

  • Seit 2015: Vizepräsidentin von EUROCHAMBRES
  • 2017–2022: Vorsitzende des European Women Network von EUROCHAMBRES

Aufsichtsratsmandate und Beiräte

Mitglied in diversen Netzwerk- und Bildungsbeiräten

Aufsichtsrätin bei ASFINAG

Aufsichtsrätin bei Wiener Städtische Versicherung (Vienna Insurance Group)

Aufsichtsrätin bei der Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien AG

Präsidentin der Julius Raab Stiftung

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TikTok
Mit „Sell Across Europe" sollen heimische KMU künftig EU-weit verkaufen können | (c) AdobeStock

Nach Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Irland und Großbritannien folgt die nächste Ausbaustufe: Am 15. Juni geht TikTok Shop in Österreich, Belgien, den Niederlanden und Polen live. Bemerkenswert: In den Vorab-Berichten internationaler E-Commerce-Medien tauchte Österreich bislang gar nicht auf – die Branche hatte primär Polen, Benelux und Skandinavien als nächste Märkte erwartet.

Laut TikTok nutzen über 2,7 Millionen Menschen in Österreich die Plattform monatlich. Sie sollen künftig direkt in der App über Shoppable Videos, Live-Shopping-Formate und einen eigenen Shop-Tab einkaufen können, ohne TikTok zu verlassen. Für österreichische Unternehmen öffnet sich die Registrierung bereits zwei Wochen früher, am 1. Juni.

Was den österreichischen Markt aus TikTok-Sicht auszeichne?

„Wir expandieren schrittweise. Dieses Jahr ist der richtige Zeitpunkt für Österreich“, erklärt Ningxin Wu, die TikTok Shop in Österreich, den Niederlanden, Belgien und Polen verantwortet. Man wolle „Learnings aus Deutschland, Italien und anderen Märkten direkt einsetzen“.

Was den österreichischen Markt aus TikTok-Sicht auszeichne? Wu nennt drei Punkte: digital affine Kund:innen, eine Vorliebe für lokale und hochwertige Produkte – ein Muster, das man auch in Deutschland beobachtet habe – und Live-Shopping bzw. -Selling, das in dieser Form bisher keinen breiten Player in Österreich habe.

Ein österreichisches Scaleup als Anker

Zum Start setzt TikTok auf ein Einladungsmodell. Als einziger österreichischer Launch-Partner ist das Wiener Scaleup Neoh unter den ersten Marken – bekannt für zuckerreduzierte Riegel und Süßwaren-Innovationen. Das 2016 gegründete Unternehmen hat seine Discovery-E-Commerce-Strategie zuvor bereits in Deutschland erfolgreich erprobt.

„TikTok Shop ist für uns mehr als ein neuer Kanal – es ist eine andere Art zu verkaufen“, sagt Lisa Krapinger-Rüther, SVP Digital bei Neoh. „Das Einkaufserlebnis entsteht direkt im Content, organisch und authentisch. Wir haben in Deutschland gesehen, wie gut das funktioniert: Produkte, die sich über echte Community-Empfehlungen verkaufen, ohne sich wie klassische Werbung anzufühlen.“

Neben Neoh werden zum Start unter anderem deutsche Marken wie Hitschies, Judith Williams, More Nutrition und Svenja Walberg auf dem österreichischen Markt verfügbar sein. Der Roll-out ist schrittweise geplant, User:innen sollen mehr und mehr Marken und Produkte finden können.

„Sell Across Europe“: Die Chance für heimische KMU

Strategisch relevant für die heimische Startup- und KMU-Landschaft dürfte vor allem die Funktion „Sell Across Europe“ werden, die kurz nach dem Launch freigeschaltet wird: Mit einer einzigen Registrierung können Händler:innen in alle EU-Märkte verkaufen, in denen TikTok Shop verfügbar ist. Produktbeschreibungen lassen sich pro Markt lokalisieren, der Versand erfolgt direkt oder über TikTok-Logistikpartner.

„Österreichische Mittelständler haben durch TikTok Shop jetzt eine Plattform, ihre Produkte europaweit zu verkaufen“, sagt Wu. Lokale Produkte – sie nennt Ski-Sportartikel und Delikatessen – seien bisher häufig nur im Inland entdeckbar gewesen.

Eine Größenordnung liefert Christian Blum, Communications Lead bei TikTok Shop: Nach einem Jahr TikTok Shop in Deutschland habe man laut NielsenIQ 15 Prozent Penetration bei den Online-Shopper:innen erreicht. EU-weit – ohne UK – verzeichne man laut Unternehmensangaben dreistelliges Wachstum beim täglichen Umsatzvolumen seit dem Launch, mit über 100.000 lokalen Verkäufer:innen.

Die Temu-Frage: Wie grenzt man sich ab?

Während TikTok Shop wirbt, geraten Plattformen wie Temu und Shein wegen Billigimporten und Produktsicherheit zunehmend unter Druck. Wie grenzt sich TikTok ab? Wu verweist auf “Discovery-E-Commerce” als neue Art des Online-Shoppings, das vorläufige Einladungsmodell und generell eine strenge Listing Policy auf TikTok Shop, die EU-Compliance-Anforderungen wie der seit Dezember 2024 geltenden General Product Safety Regulation (GPSR) entsprechen müsse.

Konkrete Zahl: Laut TikTok seien 2025 weltweit 700 Millionen Produkte präventiv geblockt worden, bevor sie überhaupt gelistet werden konnten. Zusätzlich verifiziere man Identität, Mehrwertsteuernummer und Bankdaten der Händler:innen; neue Verkäufer:innen durchlaufen eine Probezeit.

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