29.12.2022

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

Die Anforderungen am Arbeitsmarkt ändern sich: Anstelle von Motorik sind nun Digitalisierungs- und Soft Skills gefragt. Um neue Fähigkeiten schnellstmöglich zu erlernen, hat die WKÖ Bildungsoffensive 2022 das Leuchtturmprojekt wîse up zur digitalen Aus- und Weiterbildung gelauncht.
/artikel/wise-up-das-digitale-leuchtturmprojekt-2022-der-wkoe-bildungsoffensive
Digitale, technische und soziale Kompetenzen sind in Zukunft noch gefragter. (c) Adobe Stock - A Stockphoto

Dass sich das Arbeiten und Lernen in naher Zukunft maßgeblich ändern wird, bestätigen Studien wie jene des McKinsey Institute: Automatisiertes Arbeiten wird zunehmen, digitalisierte Lern- und Arbeitsabläufe sind bereits die Norm. Welche Fähigkeiten am Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren besonders gefragt sein werden und wie sich die Bildungsoffensive der WKÖ bereits dieses Jahr darauf vorbereitet hat? Ein Überblick:

IT und Soft Skills gefragter denn je

Wirtschafts- und Digitalisierungskompetenzen sind am Arbeitsmarkt nicht nur gefragt, sondern gefordert, so die Studie „Skill Shift – Automation and the future of the workforce” des McKinsey Global Institute. Die Studienergebnisse: Manuelle und motorische Fähigkeiten rücken – abgesehen vom Gesundheits- und Pflegesektor – hinter den Vorhang, emotionale, soziale und technische Fähigkeiten ins Rampenlicht.

Vor allem Kenntnisse in der IT-Branche, wie Programmier- und Analysefähigkeiten, stellen künftig gefragte Kernkompetenzen dar. Trotz oder gerade wegen der steigenden Digitalisierung werden Sozialkompetenzen wie Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Verhandlungsgeschick und Führungsvermögen zu unabdingbaren Fähigkeiten erfolgreicher Wirtschaftstreibender. Angesichts des akuten Fachkräftemangels bleiben vielen Betrieben aber wenig Ressourcen zur Förderung und Entwicklung künftig gefragter Fachkompetenzen.

Personalmangel hemmt Innovation

Dass sich der Kompetenz- und Fachkräftemangel bereits auf die Personal- und Unternehmensstruktur hiesiger Betriebe auswirkt, betont Mariana Kühnel, stellvertretende Generalsekretärin der WKÖ: “Wir reden nicht mehr von Fachkräftemangel, sondern generell von Arbeitskräftemangel, der mittlerweile schon drei Viertel der Betriebe beschäftigt.” Derartige Entwicklungen bestätigt auch das Fachkräfte Radar der WKÖ, eine Analyse der Arbeits- und Fachkräftesituation in Österreich: Demnach spüren rund 73 Prozent der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel bereits im Betriebsalltag, wobei 63 Prozent der Befragten aufgrund dessen einen Umsatzrückgang beobachten.

Neben Umsatzeinbußen und Mehrarbeit spiegelt sich der Arbeitskräftemangel auch in der Innovationskraft betroffener Betriebe wider: Etwa der Hälfte der befragten Unternehmen stehen aufgrund des mangelnden Fachpersonals zu wenig Ressourcen zur Weiterentwicklung des Betriebskonzeptes zur Verfügung. Ähnliches gilt für Innovation, Nachhaltigkeit und Effizienzsteigerung: Personelle Ressourcenknappheit lässt auch Produktinnovationen stagnieren.

Innovation und Bildung digital fördern

Wie können hiesige Betriebe mangelnde Personalressourcen ausgleichen und fehlende Kernkompetenzen stärken, ohne strukturelle Veränderungen oder finanzielle Einbußen zu riskieren? Als Lösungsmöglichkeit haben die Wirtschaftskammern Österreich die Bildungsoffensive der WKÖ ins Leben gerufen. Das Ziel: Personalentwicklung sowie berufsbezogene Aus- und Weiterbildung zu fördern und damit alters- und branchenübergreifend digitalen Bildungszugang zu schaffen. Seit 2019 wurden bereits fünf Leuchtturm-Initiativen gemeinsam mit ergänzenden Maßnahmen gestartet. Eines davon ist die im Jänner 2022 gelaunchte digitale Aus- und Weiterbildungsplattform wîse up.

wîse up: Der „Leuchtturm“ für digitale Bildung

Das Leuchtturmprojekt wîse up hat die Bildungsoffensive der WKÖ dieses Jahr mit 900 Testuser:innen und über 80 Unternehmen aus verschiedenen Branchen auf den Markt gebracht. Betriebe jeder Größe, egal ob Ein-Personen-Unternehmen oder Großbetriebe, können die Plattform zunächst kostenlos testen und bei Interesse zur innerbetrieblichen Aus- und Weiterbildung nutzen. HR-Verantwortliche sowie Führungspersonen sollen dabei den Ausbildungsstand der Nutzer:innen datenschutzkonform im Blick behalten können.

Klemens Riegler-Picker und René Mähr, die CEOs von wîse up. (c) Oliver Jiszda

15.000 Kurse mit über 100 nutzenden Unternehmen

Seit Anfang November 2022 zählt wîse up über 15.000 Kurse und rund 100 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Nutzende Betriebe können mit wîse up betriebsspezifische Lerninhalte digitalisieren und ihr innerbetriebliches Wissensmanagement organisieren. wîse up eigne sich sowohl zur Einschulung neuer Mitarbeiter:innen, zur Kommunikation neuer Sicherheits- und Hygienestandards als auch zur Dokumentation innerbetrieblicher Best-Practice-Projekte sowie zur Förderung von Soft Skills. Nach erfolgreicher Absolvierung der vorgegebenen Lernpfade sei es zudem möglich, Zertifikate und Auszeichnungen zu erhalten.

LinkedIn Learning, Studyflix & Co.

Das Bildungsangebot umfasst Kurse von zertifizierten Bildungsanbietern wie LinkedIn Learning, bit media e-solutions und der Enterprise Training Center GmbH (ETC). Auch Inhalte von Content-Partnern können von Nutzer:innen auf der Plattform absolviert werden. Dazu zählen Studyflix, Brillux und Bildungsinhalte der WKÖ. Das Kursangebot umfasst Themen wie Betriebswirtschaft, Leadership, Persönlichkeitsentwicklung sowie Sicherheit und Gesundheit, die unter anderem in Form von Quizzes, Videos und Artikeln zur Verfügung stehen. wîse up sei sowohl am PC, Laptop, Tablet als auch über die App am Smartphone nutzbar. Einzelpersonen können ein Jahresabo erwerben, Unternehmen erhalten ab zwanzig Abos Staffelrabatte.

Stellvertretende WKÖ-Generalsekretärin Kühnel betont die universelle Einsetzbarkeit der Plattform: “Aus- und Weiterbildung wird für hiesige Betriebe noch mehr an Bedeutung gewinnen. Es gilt, bestehende Personalressourcen möglichst agil zu qualifizieren. Dadurch ergibt sich, speziell für digitale Plattform-Lösungen wie wîse up, großes Potenzial als einfacher und günstiger Einstieg in die digitale Aus-, Weiterbildung und Personalentwicklung.”

Innovation im Jahr 2023 besonders gefragt

Im Rahmen der WKÖ Bildungsoffensive hat sich wîse up für das kommende Jahr zum Ziel gesetzt, das Angebot der Bildungsplattform österreichweit bekannt und zugänglich zu machen. Damit soll ein substanzieller Mehrwert in der Mitarbeiter:innen-Qualifikation für Betriebe geschaffen werden, so Kühnel.

Inwiefern sich neben Innovation auch Integration und Inklusion in das Rahmenprogramm der WKÖ-Bildungsoffensive integrieren lässt, wird das Jahr 2023 zeigen. Immerhin weise jede:r vierte Österreicher:in Migrationshintergrund auf, wobei Selbiges, gemäß der letzten Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria, für rund 13 Prozent hiesiger Arbeitskräfte der Fall sei. 8,2 Prozent der Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund seien dabei selbständig tätig.

In puncto Innovation sieht auch der Startup Rat des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft akuten Handlungsbedarf: „Wir werden uns als Volkswirtschaft neu erfinden müssen, um in der aktuellen Situation wettbewerbsfähig bleiben zu können. Dafür braucht es eine breite Innovationskultur und deutlich bessere Rahmenbedingungen für Startups”, sagt Markus Raunig, Mitglied des Startup Rats, in einem öffentlichen Statement.

Deine ungelesenen Artikel:
28.07.2026

KI in Afrika: Eigene Spielregeln statt Nachzügler-Markt

Datenströme, Trainingsarbeit und digitale Aufmerksamkeit flossen jahrelang selbstverständlich zu den großen Tech- und KI-Zentren in den USA und China. Europa diskutiert derweil Regulierung und Eigenständigkeit – und übersieht dabei einen Raum, in dem KI längst eigene Dynamiken entfaltet: Afrika. Abseits der bekannten Achsen entsteht dort kein reiner Nachzüglermarkt, sondern ein vielschichtiges KI-Ökosystem, das mit lokalen Lösungen, politischen Strategien und wachsender Infrastruktur – trotz bleibender Hürden – zunehmend eigene Spielregeln definiert.
/artikel/ki-in-afrika-eigene-spielregeln-statt-nachzuegler-markt
28.07.2026

KI in Afrika: Eigene Spielregeln statt Nachzügler-Markt

Datenströme, Trainingsarbeit und digitale Aufmerksamkeit flossen jahrelang selbstverständlich zu den großen Tech- und KI-Zentren in den USA und China. Europa diskutiert derweil Regulierung und Eigenständigkeit – und übersieht dabei einen Raum, in dem KI längst eigene Dynamiken entfaltet: Afrika. Abseits der bekannten Achsen entsteht dort kein reiner Nachzüglermarkt, sondern ein vielschichtiges KI-Ökosystem, das mit lokalen Lösungen, politischen Strategien und wachsender Infrastruktur – trotz bleibender Hürden – zunehmend eigene Spielregeln definiert.
/artikel/ki-in-afrika-eigene-spielregeln-statt-nachzuegler-markt
Bild KI-generiert

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Der Fokus im österreichischen KI-Diskurs ist meist auf die AI-Mächte in Übersee und im Osten beschränkt. Dabei wäre ein Blick zum Nachbarkontinent im Süden bemerkenswert und würde Möglichkeiten für die heimische Innovationsszene bieten.

Afrika ist gesamtkontinental schwer zu fassen, dennoch lässt sich festhalten: Die KI-Entwicklung befindet sich hier in einer Phase vergleichbar mit dem unerwarteten Boom der Telekommunikation und des mobilen Bezahlens in den frühen 2000er-Jahren.

Das ist auch die Analogie von Kwame Odame-Darkwah, Consultant des Distributed AI Research Institute (DAIR) und Fellow des International Strategy Forum (ISF), einer von Eric und Wendy Schmidt gegründeten globalen Fellowship an der Schnittstelle von Technologie, Geopolitik und Demokratie: „Ein bekanntes Beispiel aus der frühen Mobilfunkära zeigt, wie schwierig es ist, die Verbreitung neuer digitaler Infrastrukturen linear vorherzusagen. Anfang der 80er-Jahre wurde das Potenzial von Mobiltelefonie deutlich unterschätzt. Afrika wurde später zu einem der stärksten Gegenbeispiele zu solchen Annahmen; nicht, weil der Kontinent einfach bestehende Modelle kopierte, sondern weil mobile Netze, Mobile Money, digitale Durchdringung und finanzielle Inklusion eigene Leapfrogging-Dynamiken entwickelten. Beim Roll-out von KI sehen wir heute eine ähnliche Möglichkeit. Der Ausgangspunkt ist infrastrukturell herausfordernd, aber das Wachstum kann sehr schnell kommen, wenn die Technologie reale lokale Probleme löst“, sagt Odame-Darkwah.

Kwame Odame-Darkwah | Foto bereitgestellt

Afrika umfasst 55 Länder mit diversen Entwicklungsständen. Faktoren wie der Zugang zu Elektrizität beeinflussen Industrialisierung und Automatisierungsmöglichkeiten weiterhin. „Andererseits merkt man im Austausch mit Regierungsvertretern und Akteuren aus dem Privatsektor eine große Begeisterung. Diese wollen von bloßem Enthusiasmus zu konkretem Handeln übergehen“, so Odame-Darkwah.

OpenAI und Anthropic in Afrika

Auf staatlicher Ebene entstehen Partnerschaften mit lokalen wie internationalen Unternehmen. OpenAI etwa hat eine starke Präsenz bei afrikanischen Regierungen und bietet Zugangsstufen wie „Lower-Cost-Access“ für Studierende in Schwellenländern. Anthropic arbeitet mit der Regierung von Ruanda zusammen, um KI-Systeme in das Bildungssystem zu integrieren.

„Eine übergreifende kontinentale KI-Strategie wird von der Afrikanischen Union vorangetrieben, die mit der ‚Agenda 2063‘ verknüpft ist“, erklärt Odame-Darkwah. Diese Strategie zielt auf Wohlstand, Einheit und nachhaltiges Wachstum bis 2063. „Auch im Privatsektor entstehen zunehmend sogenannte Talent-Hubs.“

Afrika zwischen individuellem Handeln und Kontinental-Agenda

Während Europa auf eine einheitliche Herangehensweise setzt, kristallisiert sich in Afrika eine Mischform heraus: eine kontinentale Strategie als Rahmen, ergänzt durch nationale Ansätze. „Ein weiteres Beispiel ist der südafrikanische Entwurf einer nationalen KI-Policy, der auf mehr als drei Jahren gesellschaftlicher Konsultation basiert“, erklärt Odame-Darkwah. „Er steht im Einklang mit der Strategie der Afrikanischen Union, ist aber zugleich auf die spezifischen Bedürfnisse Südafrikas zugeschnitten. Auch Ghana hat inzwischen seine nationale KI-Strategie vorgestellt.“

Zentrales Thema ist die Datensouveränität. Afrikanische Datensätze sind in globalen KI-Modellen unterrepräsentiert; gleichzeitig wollen Regierungen Ausbeutung verhindern. „Afrikanische Regierungen machen nun Souveränitätsansprüche geltend, indem sie Gesetze erlassen, die sicherstellen, dass einheimische Datensätze nicht ausgebeutet werden. Sie verlangen beispielsweise, dass Daten von lokalen Bankkunden auch in Rechenzentren innerhalb des Landes verbleiben“, so Odame-Darkwah.

Wunsch nach Unabhängigkeit

Initiativen wie die „Africa’s AI Factory“ des Telekom-Milliardärs Strive Masiyiwa zielen auf lokale Rechenzentren und GPU-Infrastruktur. Auch Startups mischen mit: Terra aus Nigeria baut eine KI-gestützte nationale Verteidigungsinfrastruktur auf und konnte prominente Backer aus dem Silicon Valley gewinnen.

Die im Juli 2024 verabschiedete „Continental Artificial Intelligence Strategy“ der Afrikanischen Union sowie ergänzende Initiativen positionieren KI gezielt als Treiber sozioökonomischen Fortschritts: durch massive Investitionen, lokale Expertise, digitale Infrastruktur und afrikanische Datensätze – um technologische Abhängigkeiten zu vermeiden und ethisch fundierte Governance-Strukturen zu etablieren.

60-Milliarden-AI-Fonds

Verstärkt wird dies durch die „Africa Declaration on Artificial Intelligence“ und einen geplanten Africa AI Fund von rund 60 Milliarden US-Dollar, die explizit das Leitprinzip „KI mit Afrika, durch Afrika und für Afrika“ verfolgen, wie Carnegie Europe im September 2025 beschrieb. Laut dem „Daily Africa AI Intelligence Report“ von April 2026 ergänzt das Africa AI Policy Lab diesen Ansatz, indem es eine „Dekolonisierung der KI“ vorantreibt und kontextspezifische, auf afrikanischen Werten wie Ubuntu basierende Regulierungsmodelle entwickelt.

Codeswitching

Doch wo liegen die größten Hebel im Alltag? Unter anderem in der Sprache: Viele Menschen wachsen zweisprachig auf und wechseln fließend zwischen Amtssprache (Englisch, Französisch) und lokaler Sprache – eine Art „Codeswitching“.

Odame-Darkwah dazu: „Der gemeinsame Nenner ist der Zugang zu KI-Modellen in lokaler Sprache, die den Kontext nicht nur auf Englisch oder Französisch, sondern in den indigenen Sprachen des Kontinents verstehen. Wenn man KI-Agenten hat, die darauf trainiert sind, Menschen etwa über WhatsApp in einer lokalen Sprache zu antworten, kann man seine Dienstleistungen massiv ausbauen.“

Emerging Markets im Fokus

Deepali Nangia, Speedinvest-Partner Emerging Markets Fintech und „EIF Empowering Equity“-Mentor, wuchs in Indien auf und kennt die Dynamik von Schwellenmärkten. Sie baut den Bereich Emerging Markets bei Speedinvest auf, mit Fokus auf Afrika.

Deepali Nangia | Foto bereitgestellt

Die afrikanischen Portfoliounternehmen setzen laut ihr verstärkt KI ein – für Kreditwürdigkeitsprüfungen, Forderungsmanagement, Automatisierung. „Zum Beispiel nutzt unser Portfoliounternehmen Leta, eine Logistiksoftware-Firma in Kenia, KI zur Optimierung von Fahrzeugauslastung und Fahrereinsatz und trainiert seine Modelle anschließend anhand von Dispatcher-Feedback weiter“, erklärt Nangia. „Außerdem wird KI eingesetzt, um Bestellungen für Lieferungen, die per E-Mail oder in anderen Formaten eingehen, in Echtzeit zu erfassen, wodurch die manuelle Eingabe reduziert wird.“

Zu wenig grundlegende KI-Technologie

Agnes Aistleitner Kisuule indes ging 2019 nach Uganda. Sie bemerkte Fintech-Aktivität, aber zu wenig Early-Stage-Kapital. Mit Selma Ribica gründete sie 2022 First Circle Capital. Unterstützt wurde sie u. a. von Michael Ströck (Calm/Storm Ventures), PSPDFKit-Gründer Peter Steinberger, Hermann Futter und Oskar Obereder.

„Wenn man heute auf afrikanische Märkte blickt, zeigen sich spannende Entwicklungen vor allem in Ländern wie Südafrika, Ägypten und Marokko sowie punktuell in Subsahara-Afrika“, sagt sie. „Allerdings gibt es insgesamt noch zu wenig Aktivitäten und vor allem deutlich weniger Kapital als in Europa. Was derzeit aufgebaut wird, ist häufig weniger fundamental; viele Startups arbeiten eher mit sogenannten ‚LLM Wrappers‘ – also Anwendungen auf bestehenden Modellen – statt an grundlegender KI-Technologie.“

Regulierung sei oft schwach oder schwer umzusetzen. „Ein wichtiger Grund ist, dass es oft an technischem Wissen und Kapazitäten fehlt. KI spielt in politischen Diskussionen noch keine große Rolle und Regeln werden deshalb häufig nicht durchgesetzt. Oft wird KI einfach laufen gelassen.“ Es gebe Ausnahmen, etwa Kenia, wo ein Datenerfassungsprojekt zum Schutz von Identitäten gestoppt wurde. „Aus afrikanischer Sicht wirkt Europa teilweise überreguliert, während KI in Afrika eher als Chance gesehen wird, besonders wegen der jungen Bevölkerung.“

Kleiner Markt, globales Mindset

Aistleitner Kisuule weiter: „Vor allem im Fintech-Bereich gibt es Investitionen; andere Bereiche sind weniger entwickelt. KI-Tools wie Claude können lokalen Startups helfen, weil die Kosten sinken und der Einstieg leichter wird. Auch Chinas Einfluss wächst, obwohl chinesische KI wegen Sprachproblemen noch weniger genutzt wird. Die Konkurrenz zwischen China und den USA ist aber deutlich spürbar.“

Agnes Aistleitner Kisuule | (c) First Circle Capital

Nangia ergänzt: „In der Regel muss Regulierung mit der Innovation Schritt halten, denn Unternehmer warten auf niemanden. Eine leichte Regulierung ist kurzfristig hilfreich, um schnell zu entwickeln und zu iterieren.“ Langfristig brauche es Compliance, Leitplanken und Datenschutz – auch für Folgefinanzierungen. „Einige afrikanische Märkte arbeiten deshalb derzeit an KI-Gesetzen und -Rahmenwerken, darunter Kenia, Ruanda, Ägypten, Nigeria und andere.“

Es bestehe digitale Abhängigkeit; lokale Infrastruktur und stabile Energieversorgung seien nötig. „Rechenzentrum-Infrastrukturen sind kapitalintensiv und müssen finanziert werden. Hinzu kommt die Koordination über verschiedene Rechtsräume hinweg sowie die Sicherstellung hochwertiger, strukturierter Daten für das Training von Modellen. Veränderungen kommen – aber angesichts des Umfangs und der erforderlichen Investitionen wird es Zeit brauchen, diese digitale Abhängigkeit zu reduzieren“, so Nangia.

Folgen für Österreich

Mit all diesen unterschiedlichen Entwicklungen im afrikanischen KI-Sektor im Hinterkopf stellt sich die Frage, was das für die österreichische Innovationsszene bedeutet und welche Chancen sich für die heimische Startup-Welt erschließen lassen.

Odame-Darkwah sieht klare Ansatzpunkte: „Es gibt das Gesundheitswesen, die Bildung, die Landwirtschaft – das sind die Kerndienstleistungen, auf die jeder Bürger angewiesen ist. Die Bereitstellung dieser Dienste über mobile Netzwerke ist eine großartige Möglichkeit für Zusammenarbeit. Generell gibt es in fast allen afrikanischen Branchen die Chance, Werte zu schaffen. Man trifft auf Regierungen, die so viel wie möglich digitalisieren wollen, und auf eine digital sehr versierte Bevölkerung.“

Der Bericht „Global VCs Entering African AI Markets“ von „aireports.africa“ (Juni 2025) zeigt einen deutlichen Aufschwung: Obwohl diese Summe nur ein Prozent der globalen KI-Investitionen 2022/23 war, flossen rund 641 Millionen US-Dollar in über 100 Deals. Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, Microsoft, Google und IBM steigen verstärkt ein. Im Zentrum: Fintech, Agtech, Healthtech. Dabei bleiben jedoch strukturelle Hürden bestehen, etwa der Frühphasen-Fokus, fehlende Cloud-Infrastruktur, und eine unklare Regulierung; zudem gehen nur rund zwei Prozent des Kapitals an von Frauen geführte Startups.

Afrika unter prüfenden Blicken

Nangia verweist an dieser Stelle auf Unternehmen wie Moove, LemFi oder Taptap Send, die weit über Afrika hinaus skalieren. „Manche unserer europäischen Portfolio-Unternehmen prüfen Afrika als potenziellen Wachstumsmarkt. Wir erwarten, dass sich dieser Trend verstärkt, da Schwellenmärkte nicht länger ignoriert werden können. Es gibt noch andere Wege der Zusammenarbeit mit Europa jenseits von Kapital: Wir bringen jahrelanges Skalierungs-Know-how und Erfahrung ein und unterstützen Gründer sowie Fonds.“ Mit dem Micro GP Summit in Wien bringt Speedinvest etwa Erst- und Zweitfondsmanager weltweit zusammen.

Afrika blickt auf große Märkte, aber …

Für Aistleitner Kisuule hingegen können kleinere europäische Märkte wie Österreich in Afrika perspektivisch tatsächlich eine wichtige Rolle spielen; aktuell sei diese aber noch begrenzt, warnt sie. Hohe Markteintrittskosten, begrenzte Rechenkapazitäten in vielen afrikanischen Märkten sowie die noch frühe Entwicklungsphase zahlreicher Ökosysteme stellen heute zentrale Herausforderungen dar.

„In den nächsten zehn Jahren könnte sich dies allerdings ändern“, sagt sie. Südafrika sei weit entwickelt, besonders in Healthtech. Fintech bleibe der spannendste Sektor. Chancen für österreichische Startups sieht sie bei Prozessautomatisierung, Analytics und Enabler-Technologien.

„Die Regulierung wird sich kurzfristig nicht grundlegend verändern, während die Dynamik auf der Innovationsseite hoch ist“, fasst Aistleitner Kisuule zusammen. „Insgesamt ist es aber noch ‚too soon to say‘, wie sich das Kräfteverhältnis langfristig entwickeln wird. Zugespitzt gesagt spricht aktuell vieles dafür, stärker auf die Innovationsgeschwindigkeit afrikanischer Märkte zu setzen als auf europäische Regulierungskompetenz.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wîse up: Das digitale Leuchtturmprojekt 2022 der WKÖ-Bildungsoffensive