04.04.2019

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

In der Studie Deloitte Radar 2019 wird dem Wirtschaftsstandort Österreich ein im internationalen Vergleich mäßiges Zeugnis ausgestellt. Die größten Probleme sind demnach Kosten für Unternehmen, Bürokratie, der Fachkräftemangel und Defizite im Bildungsbereich.
/artikel/wirtschaftsstandort-oesterreich
Deloitte Radar 2019 - Wirtschaftsstandort Österreich
(c) Deloitte Österreich: Partnerin Barbara Edelmann, Partnerin Gundi Wentner und CEO Bernhard Gröhs bei der Präsentation des Deloitte Radar 2019
sponsored

„2018 haben wir als Ziel definiert, dass das Einfache geschafft werden muss. Das ist in vielen Bereichen gelungen. Aber jetzt geht es ans Eingemachte. 2019 muss das Komplexe geschafft werden“, sagt Deloitte Österreich-CEO Bernhard Gröhs. Er nimmt Bezug auf die Studie Deloitte Radar, die dieses Jahr zum sechsten Mal erschien. In dieser wird der Wirtschaftsstandort Österreich anhand von vier globalen Indizes im internationalen Vergleich beurteilt. Dazu gibt der Beratungsriese konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik.

+++ Gilbert Wondracek von Deloitte über den Cyber Security Report +++

Mäßige Platzierungen in globalen Rankings

In drei der vier einbezogenen Indizes, dem Global Competitiveness Index des WEF, dem World Competitiveness Index des IMD, dem Global Innovation Index von INSEAD, liegt Österreich global je um Rang 20. Einzig im World Happieness Report der UNO gelingt mit Platz 12 eine etwas bessere Platzierung. Im Europa-Vergleich verfehlt Österreich in zwei von vier einbezogenen Indizes die Top 10. „Länder, die mit Österreich durchaus vergleichbar sind, wie die skandinavischen Länder, die Schweiz und Irland schneiden im Ranking deutlich besser ab“, sagt Gröhs.

„Bewusstsein über die Wichtigkeit des Standorts gestiegen“

Dabei würden zugleich die Anforderungen an den Standort steigen. „Die Top-Liga der Standorte rückt immer näher zusammen. Die Welt professionalisiert sich. Früher war man mit rund 85 Prozent der möglichen Punkte in den Top 10. Heute sind es 94 Prozent“. Positiv hebt Gröhs hervor, dass in den vergangenen Jahren hierzulande auf breiter Ebene das Bewusstsein über die Wichtigkeit des Standorts gestiegen sei. Der aktuellen Bundesregierung stellt er, in Bezug auf das eingangs erwähnte „Einfache“, das geschafft worden sei, ein relativ positives Zeugnis aus.

Wirtschaftsstandort Österreich: „Als überreguliert wahrgenommen“

„Die Arbeitszeitflexibilisierung war gewiss ein Meilenstein“, sagt Gröhs. Die geplante Vereinfachung der Lohnverrechnung werde ein weiterer wichtiger Schritt sein. „Bei der Reform der Sozialversicherungsträger muss sich erst in der Umsetzung zeigen, inwiefern sie tatsächlich Verbesserungen bringt“. Generell gelte aber nach wie vor: „Österreich wird international als überreguliert wahrgenommen“.

Kosten für Unternehmen als altes „Sorgenkind“

Auch im Bereich Kosten für Unternehmen stehe der Wirtschaftsstandort Österreich nach wie vor nicht gut da, sagt Deloitte Partnerin Barbara Edelmann. „Das war von Anbeginn unser ‚Sorgenkind‘ im Deloitte Radar“. Zwar sei die Abgabenquote hierzulande zuletzt gesunken, Österreich liege im internationalen Vergleich aber weiterhin an der Spitze. „Der Faktor Arbeit ist sehr hoch belastet. Der Kostendruck auf die Unternehmer ist sehr stark“, sagt Edelmann. Das Ziel, die Abgabenquote auf 40 Prozent zu senken, sei daher sehr wichtig.

Deloitte Partnerin Barbara Edelmann im aktuellen Video-Talk:

Studie Deloitte Radar Interview

Die Studie Deloitte Radar wurde heute präsentiert. Im Interview Barbara Edelmann, Partnerin bei Deloitte Österreich.

Gepostet von DerBrutkasten am Donnerstag, 4. April 2019

„Guter Zeitpunkt für Maßnahmen“

Weitere notwendige Maßnahmen seien die Abschaffung der kalten Progression – ein politischer Dauerbrenner, die Senkung der Körperschaftssteuer auf 19 Prozent – „die Eins am Anfang wäre ein wichtiges Signal nach außen“, so Edelmann – sowie eine Reform der Tarifstufen. „Österreich ist noch immer zu teuer. Die aktuelle Konjunktur-Lage ist ein guter Zeitpunkt, entsprechende Maßnahmen zu setzen. Aber dieses Zeitfenster wird sich schließen – das legen die Zahlen der OECD nahe“, sagt Edelmann.

Fehlende Anschlussfinanzierung

Im Bereich Digitalisierung & Innovation kommt der Wirtschaftsstandort Österreich deutlich besser weg. Die größten Pluspunkte seien dabei die hohe Forschungsquote und internationale Kooperationen, sagt Edelmann. Aufholbedarf gebe es dagegen im Bereich digitale Infrastruktur – Stichwort: Breitbandausbau – und beim Thema Anschlussfinanzierung für Startups. „Wir verlieren durch den Mangel an heimischem Risikokapital für spätere Phasen erfolgreiche Geschäftsmodelle ans Ausland“, sagt Edelmann. Das sei „doppelt“ bitter, zumal auch die starken öffentlichen Förderungen in der Frühphase so letztlich oftmals nicht dem Standort zugute kämen.

Schlechtes Zeugnis bei Fachkräften und Bildung

Den Abschluss der Präsentation des Deloitte Radar 2019 machte Deloitte Partnerin Gundi Wentner. In den von ihr behandelten Bereichen, Arbeitskräfte und Bildung, stellt sie der Politik ein mäßiges Zeugnis aus. In Sachen Arbeitsmigration sende man etwa „doppelte Botschaften“ aus. Bei weiblichen Fachkräften würden die Rahmenbedingungen zu massiven Karrierehindernissen führen. Im mit dem Fachkräfte-Thema verbundenen Bildungsbereich würde man derzeit „Antworten aus der Zeit von Maria-Theresia“ liefern. „Schulnoten in der ersten Klasse und das Festhalten am ‚Sitzenbleiben‘ lassen uns im internationalen Vergleich schlecht dastehen“, sagt Wentner.

Ganztagsschule als wichtigste anstehende Maßnahme

Dabei übt sie unter anderem auch Kritik am differenzierten Schulsystem. „Ist die soziale Trennung mit zehn Jahren zeitgemäß?“, fragt die Deloitte Partnerin. Die wichtigste anstehende Maßnahme im Bildungsbereich sei aber die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule. Diese würde sowohl die Chancengleichheit für Frauen, als auch jene für Migranten fördern. „Diese Dinge liegen seit Jahren am Tisch“, sagt Wentner.

⇒ Zur Studie

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
04.08.2026

WienIT: 500 Nutzer:innen für die konzernweite KI-Plattform

Vor eineinhalb Jahren nahm das bei der WienIT angesiedelte Competence Center KI der Wiener Stadtwerke-Gruppe seine Arbeit auf. Eine Zeit, die vor allem von Aufbauarbeit geprägt war. Im Zentrum steht heute weniger ein einzelner Vorzeige-Use-Case als eine Infrastruktur: eine zentrale KI-Plattform für den gesamten Konzern. Warum dabei bewusst auf Eigenentwicklung gesetzt wird und Startups bislang nicht unmittelbar beteiligt sind.
/artikel/wienit-500-nutzerinnen-fuer-die-konzernweite-ki-plattform
04.08.2026

WienIT: 500 Nutzer:innen für die konzernweite KI-Plattform

Vor eineinhalb Jahren nahm das bei der WienIT angesiedelte Competence Center KI der Wiener Stadtwerke-Gruppe seine Arbeit auf. Eine Zeit, die vor allem von Aufbauarbeit geprägt war. Im Zentrum steht heute weniger ein einzelner Vorzeige-Use-Case als eine Infrastruktur: eine zentrale KI-Plattform für den gesamten Konzern. Warum dabei bewusst auf Eigenentwicklung gesetzt wird und Startups bislang nicht unmittelbar beteiligt sind.
/artikel/wienit-500-nutzerinnen-fuer-die-konzernweite-ki-plattform
Larisa Stanescu (l.) vom Competence Center KI der Wiener Stadtwerke-Gruppe und Product Owner Jonathan Mayer | (c) WienIT

Im August 2025 zog die WienIT in einem eigenen Beitrag eine erste Zwischenbilanz des Competence Center KI. Der Bogen spannte sich damals vom Wissensmanagement-Tool bis zur KI-gestützten Lösung für Förderanträge.

Ein Jahr später hat sich der Schwerpunkt verschoben. In den Vordergrund gerückt ist eine zentrale KI-Plattform, die allen Mitarbeitenden der Wiener Stadtwerke-Gruppe Zugang zu KI-Werkzeugen geben soll. Sie ist produktiv, und seit dem Rollout wurden nach Angaben des Unternehmens rund 500 Nutzer:innen gewonnen.

„Die vergangenen eineinhalb Jahre waren vor allem von Aufbauarbeit geprägt“, sagt Jonathan Mayer, Product Owner der KI-Plattform. Das größte Vorhaben sei die Entwicklung eben dieser Plattform gewesen, mit dem Ziel, einen „einfachen, sicheren und vertrauenswürdigen Zugang zu KI-Technologien“ zu ermöglichen.

Larisa Stanescu, die das Competence Center leitet, wertet die Zahl als Bestätigung: Die Entwicklung zeige, dass der Bedarf an KI-Werkzeugen im Arbeitsalltag groß sei und kontinuierlich wachse. Entscheidend sei dabei, dass die Plattform einen sicheren und unternehmenskonformen Zugang biete.

Vom Freitextfeld bis zur Bestellprognose

Inhaltlich sieht das Competence Center einen großen Bedarf im Wissensmanagement. Informationen würden immer umfangreicher und verteilter, KI könne relevantes Wissen schneller auffindbar machen.

Daneben kommt KI zur Datenanalyse zum Einsatz, etwa bei der Auswertung offener Antworten aus Mitarbeiter- und Kundenbefragungen. Freitextdaten enthielten oft wertvolle Erkenntnisse, deren manuelle Analyse aber sehr zeitaufwendig sei, so Mayer.

Stanescu betont, dass klassische Data-Science- und Machine-Learning-Ansätze darüber nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Aktuell arbeite man an mehreren Use Cases in der Logistik, bei denen historische Daten genutzt werden, um Bestellmengen und Bestellzeitpunkte präziser zu prognostizieren.

Larisa Stanescu vom Competence Center KI | (c) WienIT

Digitale Souveränität als Leitprinzip

Die Frage nach Modellen und Infrastruktur ist für das Competence Center mehr als eine technische. „Digitale Souveränität ist für uns ein strategisches Leitprinzip“, sagt Mayer. Ziel sei es, die Kontrolle über die eigenen Daten und deren Verarbeitung zu behalten und gleichzeitig die Vorteile moderner Cloud- und KI-Technologien nutzen zu können.

Der Weg dorthin wird als pragmatisch beschrieben: Abhängig von den Anforderungen eines Use Cases und der Sensibilität der Daten wird entschieden, welche Infrastruktur und welche Technologien zum Einsatz kommen.

Konkret wird es beim nächsten Release der Plattform. Dann sollen Nutzer:innen zwischen verschiedenen Modellen selbst auswählen können, etwa europäischen Modellen oder Thinking-Modellen. Parallel dazu soll Model Routing implementiert werden, das automatisch das passende Modell für die jeweilige Fragestellung auswählt.

Warum Startups bislang nicht unmittelbar beteiligt sind

Bemerkenswert für ein Innovationsthema dieser Größenordnung: Startups sind bislang nicht unmittelbar beteiligt. „Aktuell arbeiten wir in unseren KI-Projekten nicht unmittelbar mit Startups zusammen“, sagt Stanescu. Den Wiener Stadtwerken sei der interne Knowhow-Aufbau besonders wichtig, weshalb auch im Hinblick auf digitale Souveränität stark auf Eigenentwicklungen gesetzt werde.

Eine grundsätzliche Absage ist das nicht. Entscheidend sei, ob eine Lösung konkreten Mehrwert biete und sich in die Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und Integration einfüge. Künftige Kooperationen schließe man keineswegs aus, so Stanescu: Gerade im dynamischen KI-Markt könnten Partnerschaften mit innovativen Unternehmen eine interessante Ergänzung zu etablierten Technologieanbietern sein.

Jonathan Mayer, Product Owner der KI-Plattform von WienIT | (c) WienIT

Keine hochsensiblen Daten, On-Premises als Option

Auf technischer Ebene arbeitet das Competence Center mit klaren Datenklassifizierungen. Derzeit werden auf der Plattform keine hochsensiblen Daten verarbeitet. In Pilotprojekten wird evaluiert, wie künftig auch sensiblere Anwendungsfälle umgesetzt werden können, etwa durch On-Premises-Modelle, bei denen Daten die eigene Infrastruktur nicht verlassen.

Unabhängig von der Technologie gelte ein Grundsatz, sagt Mayer: KI unterstütze Menschen bei ihrer Arbeit, ersetze aber nicht die menschliche Verantwortung. Bei wichtigen Entscheidungen bleibe die finale Bewertung und Freigabe stets in menschlicher Hand.

Begleitet wird der Rollout von einem Change- und Enablement-Ansatz. Jede neue Nutzerin und jeder neue Nutzer der Plattform erhält ein strukturiertes Onboarding zu den Regeln im Umgang mit KI, dazu kommen Informationsveranstaltungen, Schulungen und eine Community für den Erfahrungsaustausch.

„Welches Problem lösen wir?“

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der vergangenen Monate formuliert Stanescu grundsätzlich: KI sei kein reines IT-Thema, technologische Exzellenz allein reiche nicht aus. Erfolgreiche Projekte entstünden dort, wo Fachbereiche, IT, Informationssicherheit, Datenschutz und Change Management früh eingebunden werden. Die Abstimmung dieser Anforderungen brauche oft mehr Zeit als die technische Umsetzung selbst.

Der Erfolg von KI-Anwendungen hänge zudem wesentlich stärker von Akzeptanz, Vertrauen und nutzbaren Anwendungsfällen ab als von der Leistungsfähigkeit einzelner Modelle. Statt „Welches Modell ist das beste?“ solle man fragen: „Welches Problem lösen wir für unsere Kolleginnen und Kollegen?“

Agentische KI und ein Hackathon

In den kommenden Monaten liegt der Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung der Plattform. Der Zugang zu KI soll weiter vereinfacht, zusätzliche Anwendungsfälle sollen erschlossen werden.

Parallel beschäftigt sich das Competence Center mit agentischer KI. Das Competence Center für Intelligent Process Automation pilotiert erste agentische Fähigkeiten innerhalb der Wiener Stadtwerke-Gruppe. Evaluiert wird, wie KI künftig nicht nur Informationen bereitstellen, sondern komplexere Aufgaben und Prozessschritte eigenständig unterstützen kann.

Um die Innovationskraft im Konzern zu stärken, ist außerdem ein KI-Hackathon geplant, bei dem Mitarbeitende eigene Ideen umsetzen können.

Langfristig sieht das Competence Center seine Rolle nicht darin, einzelne Lösungen bereitzustellen, sondern nachhaltige KI-Kompetenz im gesamten Konzern aufzubauen. Der größte Hebel liege nicht in einzelnen Tools, sondern in den Menschen, die diese Technologien sinnvoll einsetzen.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Wirtschaftsstandort Österreich: Das sind die größten Painpoints