19.09.2025
IMPACT

Wiener Social-Business-Venture-Builder „wirkt.“ stellt Weichen für Expansion nach Südosteuropa

Aus einer Initiative für Geflüchtete wurde ein Social Business Venture Builder: wirkt. hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Player der heimischen Impact-Szene entwickelt. Nun vollzieht das Team einen Führungswechsel – und bereitet die Expansion nach Südosteuropa vor.
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Julian Richter und Nina Poxleitner | (c) Marthe Lola Deutschmann

Als Nina Poxleitner, Julian Richter und Lisa-Maria Sommer-Fein 2016 mit More than One Perspective (MTOP) starteten, wollten sie Geflüchteten und Migrant:innen den Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt erleichtern (brutkasten berichtete). Über 600 Teilnehmende wurden seither begleitet, rund zwei Drittel fanden eine passende Beschäftigung. Doch schon bald war klar: Das Projekt war nur der Anfang. “Vor drei Jahren haben wir das Fundament für unsere neue Ausrichtung gelegt. Wir wurden zu einem Social-Business-Venture-Builder, weil wir fest daran glauben, dass es ein Mosaik an Lösungen braucht, um die großen Probleme unserer Zeit zu lösen”, sagt Nina Poxleitner.

Wirkung statt Exit

Damit versteht sich wirkt. zwar als Venture Builder – aber mit anderem Anspruch. „Unser Ziel ist nicht, große Exits hinzulegen, sondern Ventures zu starten, die Systeme zum Positiven hin verändern.“ Die Struktur folgt zwar der Logik klassischer Startup-Builder: viele Ideen testen, die wirksamsten skalieren. Doch anstelle finanzieller Renditen geht es um gesellschaftlichen Impact. „Das bedeutet für uns meistens nicht ein größtmögliches Unternehmenswachstum, sondern das Verstehen von Systemen und das Anknüpfen daran“, erklärt Poxleitner.

Dass dieser Ansatz trägt, zeigen die Ergebnisse: In den letzten drei Jahren hat wirkt. zwei neue Ventures gestartet. Der Umsatz habe sich verdoppelt, die Zahl der erreichten Menschen verfünffacht. 2024 waren es rund 1.600 Personen – von Lernbegleitung nach dem Prinzip „Pay what you can“ über Coachings für Lehrkräfte bis hin zu Interviewtrainings für Menschen mit Migrationshintergrund.

Julian Richter und Nina Poxleitner | (c) Marthe Lola Deutschmann

Neue Themenfelder und Finanzierung

Die Palette der Ventures wächst kontinuierlich. Neben MTOP, dem Learning Circle, LANA, und der Culture School entstanden etwa der Teacher Support, ein Coaching-Programm für Lehrkäfte, das auf wachsende Nachfrage stößt. Aktuelle wird die Rauszeit pilotiert, ein Mental-Health-Angebot für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern.

Parallel dazu wurde Teacher Support entwickelt, ein Coaching-Programm für Lehrkräfte, das auf wachsende Nachfrage stößt. „Wir haben gelernt, dass Venture Building Zeit braucht“, so Julian Richter. „Aber wenn man Systeme richtig versteht, können Social Businesses langfristig Wirkung entfalten.“

Finanziert wird wirkt. über einen hybriden Mix: Einnahmen entstehen aus Beratungs- und Innovationsprozessen, ergänzt durch Förderungen und private Geldgeber:innen. Dieses Querfinanzierungsmodell ermöglicht es, vor allem Zielgruppen zu erreichen, die sich die Angebote nicht leisten könnten.

Das Team | (c) Marthe Lola Deutschmann

Sichtbarkeit für Social Business

Parallel hat sich das Ökosystem für Social Business in Österreich weiterentwickelt. Mit Initiativen wie #mitSinn, die über 80 Vorschläge in das aktuelle Regierungsprogramm einbrachte, oder dem Austrian Social Enterprise Monitor steigt die Sichtbarkeit. Ein wichtiger Baustein ist auch das Label Verified Social Enterprise, das regelmäßig an Organisationen verliehen wird, die Wirkung vor Profit stellen.

Trotzdem bleibt viel Aufklärungsarbeit nötig. „Das Verständnis von Social Business ist noch nicht da, wo es sein sollte“, sagt Richter. „Es braucht viel Erklärungsarbeit – und es gibt oft Unverständnis für ein neues wirtschaftliches Handeln, das Geld nicht vor Wirkung stellt.“

Veränderung im Team und nächste Wachstumsschritte

Nach fast zehn Jahren gemeinsamer Arbeit zieht es Mitgründerin Lisa-Maria Sommer-Fein in eine neue Rolle – sie übernimmt die Geschäftsführung der Mega-Bildungsstiftung. Für Nina Poxleitner und Julian Richter bedeutet das, wirkt. künftig im Duo weiterzuführen. „Es ist für uns ein sehr schöner Moment, auf einer stabilen Basis aufzubauen und den nächsten Wachstumsschritt zu gehen“, sagt Poxleitner.

Dieser nächste Schritt führt über Österreich hinaus. „Wir sehen sehr stark den Bedarf in Süd- und Osteuropa, dass es mehr Social Businesses gibt“, erklärt Richter. In vielen Ländern gebe es ähnliche gesellschaftliche Herausforderungen, aber noch weniger Strukturen, um neue Lösungen systematisch umzusetzen. Deshalb will wirkt. in den kommenden Jahren erstmals international tätig werden.


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Junior Developer
(c) True Agency via Unsplash

„Wer glaubt, mit Künstlicher Intelligenz ließen sich Einstiegspositionen einfach streichen, verwechselt das Werkzeug mit der Person, die es sinnvoll einsetzt“, warnt André Holhozinskyj, CEO der europäischen Cloudflight Group. Die Warnung des Branchenexperten stützt sich auf eine aktuelle Befragung, die das Unternehmen durchgeführt hat. Unter den 1.119 Teilnehmenden – mehrheitlich Studierende und Berufseinsteiger:innen aus Deutschland, Österreich und Rumänien – zeigt sich eine weite Verbreitung, aber auch eine spürbare Reglementierung von KI-Tools im Arbeitsalltag.

Während 99 Prozent der befragten Nachwuchskräfte angeben, KI-Werkzeuge regelmäßig zu nutzen, stoßen sie in der Praxis häufig an organisatorische Grenzen. Rund zwei Drittel der Befragten berichten von Einschränkungen bei der Nutzung, die überwiegend organisatorischer Natur sind. Als Haupthindernis nennen 46 Prozent regulatorische Vorgaben wie Richtlinien von Schulen, Universitäten oder Unternehmen. Weit dahinter folgen Kosten und Lizenzgebühren mit 24 Prozent sowie ethische, rechtliche und datenschutzrechtliche Bedenken mit 23 Prozent. Mangelndes Interesse spielt mit nur zwei Prozent praktisch keine Rolle.

Risiko durch Schatten-IT und Compliance-Verstöße

Die restriktive Haltung in vielen Organisationen birgt nach Einschätzung der Studienautor:innen jedoch Risiken: Wird die Nutzung im Unternehmen untersagt oder komplett eingeschränkt, weichen Mitarbeiter:innen häufig auf private Geräte und nicht freigegebene Consumer-Tools aus – ohne Wissen oder Zustimmung der IT-Abteilung.

Gernot Molin, CTO der Cloudflight Group, warnt vor den unmittelbaren Gefahren für die Datensicherheit: „Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude sind nicht für Unternehmenssicherheit oder Compliance konzipiert, sondern für einfachen Zugang, und das schafft unmittelbare Risiken.“ So könnten etwa proprietäre Algorithmen durch das Einfügen von Code-Schnipseln abfließen, oder Entwickler:innen könnten unbeabsichtigt Kundendaten bei der Analyse von Log-Dateien offenlegen. Unternehmen, die an Richtlinien wie DSGVO, HIPAA oder SOC 2 gebunden sind, riskieren laut Molin bei der Verwendung nicht autorisierter Dienste empfindliche Verstöße. Er plädiert daher für eine kontrollierte Freigabe von KI-Werkzeugen, die direkt in bestehende Entwicklungsumgebungen integriert und durch Sicherheitskontrollen sowie Audit-Trails abgesichert sind.

Vielseitige Nutzung abseits von reinem Code

Die Befragung räumt zudem mit dem Vorurteil auf, KI diene primär dem Schreiben von neuem Programmcode. Der Einsatz zur reinen Code-Generierung liegt bei 18 Prozent und ist damit fast gleichauf mit dem Debugging und Code-Reviews (19 Prozent), administrativen und organisatorischen Aufgaben wie Recherche (19 Prozent) sowie der Code-Optimierung (17 Prozent). Dokumentation (12 Prozent) und Testautomatisierung (10 Prozent) folgen mit etwas Abstand.

Den größten Nutzen sehen die Befragten in der Entlastung bei Routinearbeiten. Fast jede:r Zweite (48 Prozent) nutzt KI vor allem zur Bewältigung repetitiver, zeitaufwändiger Aufgaben wie dem Erstellen von Boilerplate-Code oder dem automatisierten Organisieren von Daten. Ziel sei es, so heißt es aus den offenen Antworten der Teilnehmenden, sich dank der KI auf die interessanten Teile der Arbeit konzentrieren zu können. Zudem schätzen 42 Prozent die Tools als eine Art rund um die Uhr verfügbaren Tutor, der komplexe Konzepte erklären kann. Dieser Effekt könnte nach Einschätzung der Studienautoren vor allem in Regionen mit schwächerer Bildungsinfrastruktur den Zugang zu hochwertiger Programmierausbildung demokratisieren.

Zukunftssorgen und die Rolle der Nachwuchskräfte

Trotz der intensiven Nutzung blickt die junge Generation keineswegs sorgenfrei in die Zukunft. Lediglich 12 Prozent der Befragten geben an, keinerlei Sorge hinsichtlich der Auswirkungen von KI auf ihre eigene Karriere zu haben. Die überwiegende Mehrheit von 88 Prozent äußert leichte bis extreme Besorgnis. Neben der allgemeinen Karriereentwicklung sorgt sich ein Teil der Entwickler:innen auch um den eigenen Lernfortschritt: Es besteht die Befürchtung, durch eine zu starke Abhängigkeit von der KI das eigene Weiterkommen zu bremsen und durch die automatisierten Lösungen „dümmer“ zu werden. Viele wünschen sich daher Erklärungen anstelle von fertigen Antworten.

Für Cloudflight-CEO Holhozinskyj zeigt die Untersuchung, dass Unternehmen umdenken müssen. Künstliche Intelligenz müsse wie eine „virtuelle Mitarbeiterin“ verstanden werden, die ein geregeltes Onboarding benötigt. Wer Juniorstellen aus Gründen der kurzfristigen Kostenersparnis streicht, begehe laut Holhozinskyj einen strategischen Fehler: „Urteilsvermögen entsteht nicht am Reißbrett, sondern über Jahre praktischer Erfahrung, auch aus eigenen Fehlern, und genau diese Erfahrung bauen Unternehmen gerade systematisch ab, wenn sie ihre Juniorstellen kürzen.“ Langfristig drohe den Unternehmen dadurch der Verlust der „Senior-Kompetenz von morgen“ an die Konkurrenz, was sich schnell zum mittelfristigen Wettbewerbsnachteil entwickeln könne.

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