26.01.2021

Impfstoff per Drohne: Deutsches Startup „Wingcopter“ erhält 18 Millionen Euro Investment

In einer Series-A-Finanzierungsrunde konnte sich das hessische Startup "Wingcopter" ein Investment in der Höhe von rund 18 Millionen Euro sichern. Wingcopter produziert Drohnen, die unter anderem zur Verteilung von COVID-19-Impfstoffen in abgelegenen Regionen eingesetzt werden können.
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Wingcopter
Das Gründertrio Jonathan Hesselbarth, Tom Plümmer und Ansgar Kadura | (c) Wingcopter

Das im hessischen Weiterstadt angesiedelte Startup Wingcopter hat sich auf die Entwicklung und den Betrieb von unbemannten Lieferdrohnen spezialisiert. Zum Einsatz kommen die Drohnen im kommerziellen und humanitären Bereich.

Die drei Gründer Jonathan Hesselbarth, Tom Plümmer und Ansgar Kadura konnten in der Vergangenheit die Einsatzfähigkeit der Drohnen bereits unter Beweis stellen. Im Rahmen eines Partnerschaftsprojekts mit der UNICEF kam die Drohne bei Impfstofflieferungen in Vanuatu zum Einsatz. Der Inselstaat liegt im Südpazifik zwischen den Fiji-Inseln und Neukaledonien – unser deutsches Startup-Magazin StartingUP berichtete über das Projekt und die Gründergeschichte von Wingcopter.

18 Millionen Euro Investment

In einer Serie-A-Finanzierungrunde konnte sich das Startup nun ein Investment in der Höhe von rund 18 Millionen Euro sichern. In einem Blogpost des Startups heißt es, dass mit dem frischen Kapital die führende Position im Bereich der drohnengestützten Logistik ausgebaut werden soll. Ein spezieller Fokus soll unter anderem auf Anwendungen im Gesundheitswesen gelegt werden, darunter die Verteilung von COVID-19-Impfstoffen.

Die Finanzierungsrunde wird vom Uber-Geldgeber Xplorer Capital und dem hessischen Wachstumsfonds Futury Regio Growth Fund angeführt.

Die Drohnen sollen künftig Impfstoffe in abgelegene Regionen liefern | (c) Wingcopter

Kapital für Wingcopter Serienproduktion

Am Standort in Hessen wird das aktuelle Modell, der Wingcopter 178 Heavy Lift, produziert. Dieser kann Entfernungen von bis zu 120 Kilometern zurücklegen. Das Besondere: Der Wingcopter kann entweder ein Paket über einen Windenmechanismus präzise absetzen, oder am Zielort landen und mit neuer Nutzlast zum Ausgangsort zurückkehren.

Mit dem Kapital möchte das Startup auch die teilautomatisierten Serienproduktion des Wingcopters am Hauptsitz in Weiterstadt finanzieren. Aktuell arbeiten dort mehr als 100 Mitarbeiter auf rund 7200 Quadratmetern. Die Entwicklung eines neuen Modells und die Eröffnung eines weiteren Standortes in den USA sind in Planung. Darüber hinaus steht die Zertifizierung für kommerzielle Drohnenlieferungen in den USA auf der Agenda.

COVID-19-Response-Projekt in Malawi

In Malawi hat Wingcopter kürzlich ein COVID-19-Response-Projekt mit dem Namen „Drone + Data Aid“ gestartet. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sollen so vor Ort die Lieferketten im Gesundheitswesen verbessert werden.

Im Rahmen dieses Vorhabens hat Wingcopter eine Partnerschaft mit der African Drone and Data Academy von UNICEF geschlossen, um Jugendliche vor Ort im Umgang mit Drohnen zu schulen – von der Missionsplanung bis hin zur Steuerung von Liefer- und Vermessungsflügen.


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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019
Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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