14.04.2025
DATENSICHERHEIT

Wiener Startup zeitkapsl: „Wir vertrauen den Tech-Giganten unsere persönlichen Erinnerungen nicht an”

Das Wiener Startup zeitkapsl hat eine zentrale Mission: es will den digitalen Fußabdruck so klein wie möglich halten. Wie das funktionieren soll, erklärt das Gründer-Duo Oliver Selinger und Peter Spieß-Knafl im Gespräch mit brutkasten.
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zeitkapsl-Team: Co-Founder Oliver Selinger (l.) und Co-Founder Peter Spieß-Knafl (m.) © zeitkapsl

Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Aus Bildern lassen sich eine Vielzahl an Informationen gewinnen. Große Tech-Unternehmen analysieren sie nach unterschiedlichsten Kriterien: Einkommen, religiöse oder politische Überzeugungen, potenzielle Kaufabsichten und viele weitere Merkmale werden erfasst.

„Wir betrachten mit Sorge, dass persönliche Daten in immer größerem Ausmaß von Tech-Konzernen, zu deren Vorteil, missbraucht werden, ohne dass wir es bemerken oder kontrollieren können“, sagen Oliver Selinger und Peter Spieß-Knafl. Um dieser Entwicklung nicht schutzlos ausgeliefert zu sein, gründeten sie im Mai 2023 gemeinsam zeitkapsl – eine datensensible Alternative zu Google Fotos, iCloud und ähnlichen Diensten.

zeitkapsl soll „digitalen Fußabdruck klein halten“

Datenschutz betrifft uns alle, dennoch setzen sich viele erst spät damit auseinander. So auch Co-Founder Selinger, dem die Bedeutung von Daten erst richtig bewusst wurde, als er Vater wurde. “Meine ganzen Familienfotos sagen so viel aus über das eigene Leben und man kann einfach so viele Informationen aus diesen Fotos auslesen. Die wollte ich einfach jetzt nicht mehr Google überlassen,” erzählt Selinger. “Ich will einfach den digitalen Fußabdruck von meinen Kindern klein halten”.

Sein Mitgründer Spieß-Knafl hingegen hatte sich schon länger intensiv mit dem Thema beschäftigt. Er beschreibt gegenüber brutkasten seine “starke Leidenschaft für Privatsphäre und Datenschutz. Ich habe nach einer alternativen Lösungen zu den großen Techkonzernen gesucht und dann ist irgendwann mal zeitkapsl entstanden”, sagt er. “Wir haben gesagt, es kann ja nicht sein, dass es da nichts Sinnvolles gibt und dann haben wir es einfach selber gemacht.” Rund eineinhalb Jahre arbeitete das Duo “mit harten Prototyping” an ihrer Idee, bis die Plattform schließlich im Dezember 2024 online ging. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Wien, ist aber durch die Herkunft der beiden Gründer eng mit Kärnten verbunden.

Keine Gefahr des Datenmissbrauchs

Bei zeitkapsl steht vor allem die Möglichkeit im Fokus, Fotos in der Cloud zu speichern. Wie man es von klassischen Cloud-Diensten kennt, werden Bilder und Videos automatisch in Originalqualität gesichert und geräteübergreifend synchronisiert. Der entscheidende Unterschied zu den großen Anbietern liegt jedoch in der Art der Datensicherung – insbesondere in der Verschlüsselung.

“Mit zeitkapsl schaffen wir einen sicheren und benutzerfreundlichen Raum im Internet”, in dem Daten gespeichert werden können, ohne die Gefahr des Datenmissbrauchs, erklärt Spieß-Knafl. “Wir glauben an das Recht auf Privatsphäre und digitale Selbstbestimmung und setzen uns dafür ein, diese Rechte zu schützen”.

„Made in Europe“ erlaubt Datensensibilität

Das Startup positioniert sich klar als “Made in Europe”. Dabei stammt nicht nur das gesamte Team aus Österreich – auch die Serverstandorte befinden sich innerhalb der EU. Laut den Gründern werden alle Daten bei Cloud-Anbietern in Deutschland gespeichert. “Wir schauen auch bei all unseren Zulieferern und Drittleistern und Dingen, die wir quasi outsourcen, dass das alles innerhalb der EU bleibt”, so Selinger. “Wir vertrauen den Tech-Giganten unsere persönlichen Erinnerungen nicht an, damit Privates auch privat bleibt”. Mit diesem Ansatz möchte das Startup das Bewusstsein für den Schutz persönlicher Daten in der digitalen Welt stärken.

Durch die eingesetzte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind die Daten während der gesamten Übertragung geschützt. So wird sichergestellt, dass weder Dienstleister noch Dritte, die theoretisch Zugriff auf die Übertragung haben könnten, die Inhalte einsehen können.

Geteilte Fotoalben

Die Plattform bietet darüber hinaus verschiedene KI-gestützte Funktionen. So lässt sich die eigene Fotogalerie nach bestimmten Merkmalen durchsuchen. Diese intelligenten Suchfunktionen basieren auf Künstlicher Intelligenz, die jedoch direkt auf dem Endgerät der Nutzer:innen ausgeführt wird – selbst zeitkapsl habe somit keinen Zugriff auf die entsprechenden Daten.

Ein weiteres Feature ist die Möglichkeit, Alben mit Freund:innen und Familie zu teilen. Über einen Link oder QR-Code können externe Personen ebenfalls Bilder hinzufügen. Das sei eine praktische Lösung etwa für Hochzeiten oder gemeinsame Urlaube, wie die Gründer erklären. In solchen Fällen zahlt ausschließlich die Person, der das Profil gehört.

Das Geschäftsmodell der B2C-Plattform basiert auf monatlichen oder jährlichen Abonnements, abhängig vom benötigten Speicherplatz und der Anzahl der Nutzer:innen. Der Fokus liegt dabei klar auf dem EU-Markt. Seit Ende März bewirbt das Unternehmen sein Produkt aktiv und konnte seither insgesamt 50 Kund:innen gewinnen. Die erste Aufmerksamkeit erhielt das Startup übrigens durch einen Post auf Reddit.

zeitkapsl verspricht niedrigen Ressourcenverbrauch

Die Gründer heben bei ihrer Idee immer wieder einen Punkt besonders hervor: Nachhaltigkeit. Die gesamte Serverinfrastruktur und der Hauptspeicher sind in Rechenzentren vom deutschen Anbieter Hetzner untergebracht, wie Spieß-Knafl erklärt. Diese Rechenzentren werden laut Betreiber vollständig mit erneuerbarer Wasserkraft betrieben.

Zudem werden aufwendige Rechenprozesse direkt auf dem Gerät der Nutzer:innen ausgeführt. Dadurch wird der Ressourcenverbrauch in der Cloud auf ein Minimum reduziert. “Wir haben relativ wenig Server, weil wir nicht so viel brauchen, weil bei uns die meiste Last am Gerät läuft”, so Spieß-Knafl.

Diverse Förderprogramme

Bislang ist das Startup vollständig bootstrapped. Für die Zukunft schließen die Gründer jedoch externe Finanzierungen nicht aus. “Vor allem, wenn es dann eben um die Internationalisierung geht und das wirklich jetzt marketingmäßig groß aufgeblasen werden muss”, sagt Selinger, könne man sich Investments gut vorstellen.

Zeitkapsl hat bereits mehrere Förderprogramme durchlaufen. Zunächst waren sie Teil des “Build! Programm Move”, anschließend folgte die Teilnahme am “AplusB”-Programm. “Alles, was durch Förderungen aktuell nicht absetzbar ist, finanzieren wir aus unserem Kundengeschäft raus”, erklären die Gründer. Aktuell besteht das Team neben den beiden Foundern aus einer angestellten Person sowie mehreren externen Entwickler:innen, die für die mobilen Anwendungen zuständig sind.

Neue KI-Funktionen

Zum Jahresende erwarten Nutzer:innen neue Funktionen, verraten die zeitkapsl-Gründer. Die KI-Features werden weiterentwickelt, sodass künftig eine gezielte Suche nach Personen oder Gesichtern innerhalb der Fotogalerie möglich sein wird. Zusätzlich soll ein “automatisches Moderieren von Content am Gerät” eingeführt werden. In der Anwendung bedeutet das zum Beispiel, dass im Urlaub automatisch Fotoalben erstellt werden können.

Ein weiteres geplantes Feature ist die Möglichkeit, GPS-Koordinaten direkt in konkrete Orte oder Bezirke umzuwandeln – ganz ohne den Einsatz externer Dienste. “Soweit ich weiß, ist das ein absolut neues Feature, das kein anderer Konkurrent von uns besitzt”, sagt Selinger.

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AustrianStartups
© AustrianStartups - Michael Kowatschew und Nina Hödlmayr.

Nach vier Jahren Arbeit im AustrianStartups-Vorstand übergibt Nina Hödlmayr ihre Rolle an Michael Kowatschew, Co-Founder von Heizma. Nach diesem Wechsel gehören dem Vorstand Markus Raunig, Stephanie Cox, Bernhard Niesner, Kilian Kaminski, Anna Pölzl und Kowatschew an.

„Fällt mir nicht leicht“

„Ich freue mich, dass Misha (Anm.: Michael Kowatschew) meine Rolle im Vorstand übernimmt. Ich kenne ihn seit einigen Jahren als klugen, ambitionierten Gründer mit Integrität und der Fähigkeit, andere zu inspirieren. Er bringt genau die Perspektive mit, die AustrianStartups braucht, um Gründer auch weiterhin bestmöglich zu unterstützen“, sagt Hödlmayr. „Ich war bei AustrianStartups mit ganzem Herzen dabei, und ich hoffe, das war für alle spürbar. Diese Arbeit loszulassen, fällt mir nicht leicht. Gleichzeitig glaube ich daran, dass Organisationen sich weiterentwickeln und es manchmal richtig ist, einen Schritt zurückzutreten und Platz zu machen. Mein Engagement für Gründer werde ich auch weiterhin durch Investments und Mentoring fortsetzen.“

Hödlmayr war seit Mai 2022 Teil des Vorstands, Mentorin beim Entrepreneurial Leadership Program, Jurorin bei der Youth Entrepreneurship Week und Stifterin der Stiftung Unternehmerische Zukunft, deren Gründung sie bei einem Vorstands-Offsite mit anstieß.

„Ohne Nina wäre AustrianStartups nicht da, wo wir heute sind. Sie hat unsere Professionalisierung entscheidend vorangetrieben und war sich nie zu schade, selbst anzupacken – ob als unermüdliche Mentorin in unseren Bildungsprogrammen oder als Co-Gründerin der Stiftung Unternehmerische Zukunft. Ein großes Danke an Nina für ihren herausragenden Einsatz für AustrianStartups – auch ohne Vorstandsrolle bleibt sie uns als großartiges Vorbild für die nächsten Gründer erhalten“, sagt Raunig, Vorsitzender des Vorstands.

Und er ergänzt: „Misha ist ein Vollblutunternehmer, der selbst schon durch alle Höhen und Tiefen gegangen ist. Durch seine Arbeit bei der Sigma Squared Society bringt er wertvolle Erfahrung im Aufbau internationaler Gründer mit. Wir freuen uns sehr, dass er mit an Bord kommt und gemeinsam mit uns daran arbeiten wird, dass in Österreich wieder mehr Zukunft gebaut wird.“

Unternehmertum positiver wahrnehmen

Kowatschew möchte mit seiner Rolle im Vorstand dazu beitragen, dass mehr junge Menschen den Mut haben, zu gründen, und das Bild von Unternehmertum in Österreich positiver wahrgenommen wird: „Ich möchte mehr Brücken zwischen den besten Leuten aus unterschiedlichen Gründungsphasen bauen, von Early Stage über Scaleup und Exit bis zum Mittelstand. In der Verbindung talentierter und inspirierender Menschen aus unterschiedlichen unternehmerischen Phasen steckt viel Magie“, sagt er.

Sein Debüt in seiner neuen Rolle gibt Michael Kowatschew am 15. Oktober 2026 beim AustrianStartups Summit in der Ottakringer Brauerei in Wien. Dort wird er über seine persönliche Gründerstory sprechen.

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