11.06.2025
EXPANSION

Wiener Startup Wocodea digitalisiert Mundpropaganda

Ob ein Produkt oder ein Geschäft Erfolg hat oder nicht, hängt oft davon ab, wie es über Mundpropaganda verbreitet wird. Das Wiener Startup Wocodea hat mit seiner Empfehlungsplattform ein Tool ins Leben gerufen, mit dem diese Mundpropaganda nicht mehr mündlich bleibt, sondern messbar – aber trotzdem persönlich - wird.
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Die beiden Wocodea-Gründer Markus Nagl und Paula Czeczil. Copyright: Wocodea
Die beiden Wocodea-Gründer Markus Nagl und Paula Czeczil. Copyright: Wocodea

Das 2020 gegründete Wiener Startup Wocodea setzt auf digitales Marketing – allerdings gezielt auf persönliche Empfehlungen gerichtet und systematisch eingesetzt. Was Booking.com für Hotels ist, soll Wocodea für Vertriebsteams werden und überträgt somit ein bewährtes Plattformprinzip auf den Empfehlungsprozess. „Statt auf Algorithmen oder Paid Ads setzt Wocodea auf echte Nähe. Denn Empfehlungen entstehen dort, wo Menschen einander vertrauen – unter Kolleg:innen, Kund:innen, im Freundes- und Familienkreis“, so Co-Foundern Paula Czezil.

Authenzität wichtiger denn je

Für unterschiedliche Bedürfnisse gibt es unterschiedliche Abomodelle der Software. Ein-Personenunternehmen, also beispielsweise Kreativschaffende oder Personen im Gesundheitssystem würden besonders von der Software profitieren. Für KMUs und für Konzerne gibt es aber genauso ein Abomodell, das dann jeweils mehr Optionen bietet.

Seit kurzem bietet Wocodea zusätzlich ein integriertes Monitoring Tool an, mit dem mehr Transparenz in den gesamten Empfehlungsprozess geboten werden soll. Dadurch könne ein detaillierter Einblick in die Customer Journey gewährt werden.

Expansion nach Deutschland

Laut Studien führe jede dritte persönliche Empfehlung zu einer konkreten Handlung und sei daher bis zu 5.000 mal wirkungsvoller als klassische Werbung, heißt es vom Unternehmen. Deshalb sei Wocodea gerade in Zeiten, in denen automatisierte Kommunikation rasant zunimmt, ein wichtiges Tool für authentisches Feedback. „Dass unsere Lösung so stark angenommen wird, zeigt, wie groß der Bedarf an einem messbaren, persönlichen Vertriebskanal ist“, so Czezil.

Bereits über 1.000 Personen in ganz Österreich nutzen bereits Wocodea – seit 2025 ist die Software jetzt auch in Deutschland verfügbar.

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Die Aitiologic-Gründer (vlnr.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic
Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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