23.05.2025
NACHHALTIGKEIT

Wiener Startup Revels: „Secondhand-Brautkleider müssen erste Wahl werden!“

Für den „schönsten Tag des Lebens“ werden gut und gerne oft mehrere Tausend Euro nur für das Kleid in die Hand genommen. Einmal getragen und im Schrank verstaut, wandern die tausende Euro schnell zum Fenster hinaus. Nicht nur ökologisch sondern auch wirtschaftlich nicht besonders nachhaltig – revels verspricht die Lösung für dieses Problem: Ein Online Marktplatz für getragene Brautmode.
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Stephanie Gruber hat ein Unternehmen für Secondhand-Mode gegründet - jetzt expandiert sie nach Deutschland. (c) Julia Tanzer / Storylines Photography
Stephanie Gruber hat ein Unternehmen für Secondhand-Mode gegründet - jetzt expandiert sie nach Deutschland. (c) Julia Tanzer / Storylines Photography /(c) Victoria Priessnitz via Unsplash

Das Geschäftsmodell: Eine klassische Peer-to-Peer-Online-Plattform, die Käuferinnen und Verkäuferinnen verbindet, wie Gründerin Stephanie Gruber im Gespräch mit brutkasten erzählt. Für jedes verkaufte Kleid nimmt revels einen Kommissionsbeitrag von fünf Prozent. „Damit machen wir keinen Gewinn. Ist aktuell aber bewusst so entschieden, um die Schwelle gering zu halten und Inventar aufzubauen. Konsumenten-Marktplätze gestalten sich hier sehr komplex. Es ist auch angedacht, ab einer gewissen Größe auf Listing-Gebühren umzusatteln – man bezahlt also dann bei Anzeigenerstellung. Das ist aber Zukunftsmusik“, so Gruber.

Ansonsten könne man sich die Plattform vorstellen wie jede andere Verkaufsplattform: revels stellt die Infrastruktur zur Verfügung und sichert die Kund:innen über Kaufschutz ab. Ebenso wird die Logistik – in Form von zur Verfügung gestellten Versandlabels – übernommen. Für alles andere sind die Käuferinnen und Verkäuferinnen selbst zuständig.

Etablierter Markt in Deutschland

Was ursprünglich als persönliche Lösung einer schwierigen Kleidersuche begann, ist nach dem Start des Startups 2024 ab sofort auch für künftige Bräute in Deutschland verfügbar. „Als junges Startup möchten wir uns nicht durch Landesgrenzen limitieren lassen. In Deutschland ist der Sekundär-Markt für Brautkleider um einiges etablierter als in Österreich, was es umso spannender macht“, so Gruber.

Für die Expansion nach Deutschland hat das bisher gebootstrappte Unternehmen sich für den Digital Check der WKO beworben. Bis jetzt sei aber nichts bestätigt, wie Gruber verrät. Der einzige externe Support, den die junge Unternehmerin bisher bekommen habe, ist das Impact Coaching der Wirtschaftsagentur Wien. Es sei weiterhin geplant, den Online-Shop beizubehalten und keinen fixen lokalen Shop zu eröffnen, so Gruber. „Wir kaufen außerdem auch weiterhin keine Ware an, weil das bei Brautmode einen extremen finanziellen Aufwand bedeuten würde und wir dann nicht so agil handeln könnten“.

Was allerdings für 2025 geplant ist: Eine Partnerschaft mit Offline-Stores, vor allem in Deutschland. So könne man das Inventar rasch vergrößern und darüber hinaus Offline-Secondhand-Brautläden ermöglichen – die ohnehin oft wenig Digitalwissen hätten, so Gruber. Man könne so das Inventar der Offline-Läden digitalisieren und somit einer größeren Zielgruppe zugänglich machen.

Zudem solle generell die UX und Funktionalitäten der Website weiter verbessert werden um so den Kund:innen das Konzept von Secondhand-Brautmode zugänglicher zu machen. So könne „eine echte und gleichwertige Alternative zum Kauf von primäre Ware geboten wird“, so Gruber, „denn „Second Hand soll die erste Wahl werden“.

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Das Fullstacks-Management vl.: Philipp Kainz, Sebastian Mangelkramer, Fabian Regitz und Philipp Schlaffer | (c) Fullstacks
Das Fullstacks-Management vl.: Philipp Kainz, Sebastian Mangelkramer, Fabian Regitz und Philipp Schlaffer | (c) Fullstacks

Die Rewe Group, die Neue Zürcher Zeitung, die ÖBB, Erste Digital, die Wirtschaftskammer, die Österreichische Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH, Admiral oder die niederösterreichische Landesregierung – die Liste namhafter Referenzkunden des 2021 in Wien gestarteten Platform-Engineering-Spezialisten Fullstacks ließe sich noch eine Zeit lang fortsetzen. Was sie alle gemeinsam haben: Sie arbeiten in regulatorisch anspruchsvollen Umfeldern.

„Unser Ansatz ist klar, dass wir immer compliant und secure by design sind“, sagt Sebastian Mangelkramer im Gespräch mit brutkasten. Er hat Fullstacks gemeinsam mit Philipp Kainz gegründet, später kamen Philipp Schlaffer und Fabian Regitz ins C-Level und als Anteilseigner dazu und bauten Standorte in der Schweiz und Deutschland auf. „Wir haben unser Ökosystem sukzessive erweitert, damit wir unserem Namen gerecht werden. Fullstacks bedeutet top-down alles von der Enterprise-Architektur über Softwaremodernisierung, Platform Ops, Architektur, Planung, Inbetriebnahme und letztlich Managed Services“, erklärt der Gründer.

Digitale Souveränität „bereits Teil des Gründungsimpulses“

Dabei setzt der IT-Dienstleister auch auf eines der ganz großen aktuellen Themen: Digitale Souveränität. „Souveränität und Offenheit waren bereits Teil unseres Gründungsimpulses. Wir hatten damals sogar Angst, zu spät dran zu sein. Aber es stellte sich heraus: Wir haben genau das richtige Timing erwischt. Jetzt, wo die Nachfrage richtig hoch ist, können wir liefern und trauen uns auch dicke Dinger zu.“

Mehr als 14 Mio. Euro Umsatz im Vorjahr

Heute hat der Platform-Engineering-Spezialist knapp unter 60 Mitarbeiter:innen und verdoppelte ihren Umsatz im Vergleich von 2024 zu 2025 auf mehr als 14 Millionen Euro – „bei 20 Prozent Umsatzrendite“, wie Mangelkramer betont. In den schwarzen Zahlen ist Fullstacks aber nicht erst seit Kurzem. „Wir mussten von Tag eins rentabel sein. Das ging gar nicht anders. Wenn wir nicht rentabel gewesen wären, dann wäre unser Kühlschrank leer gewesen“, erzählt der Gründer.

Sebastian Mangelkramer ist Co-Founder und CEO von Fullstacks | (c) Fullstacks

Und bis heute ist das Unternehmen komplett eigenfinanziert. „Wir haben uns am Anfang 100.000 Euro von einem engen Freund privat geliehen. Das war aber eigentlich nur notwendig, um Sicherheit zu haben, um einen Knoten im Kopf aufzulösen. Wir haben das Geld nie angerührt, weil wir immer so viel Respekt davor hatten“, so Mangelkramer. Das Geld für die Eintragung der GmbH habe er sich von seinem Vater geliehen.

„Wir brauchen Leute, die zupacken, die eine ‚Whatever it takes‘-Mentalität haben“

Und schon im ersten Geschäftsjahr schrieb Fullstacks 900.000 Euro Umsatz – zu zweit mit Co-Founder Philipp Kainz. Dann holte man den ersten Mitarbeiter an Bord; später Philipp Schlaffer und Fabian Regitz als Geschäftspartner. Seitdem wuchs das Team konstant. Doch Mangelkramer betont: „Es darf und kann nicht jeder zu uns. Wir brauchen Leute, die zupacken, die eine ‚Whatever it takes‘-Mentalität haben, die unternehmerisch denken und einfach Bock haben.“

Diese Autonomie ermögliche es Fullstacks auch, trotz Wachstums ein „Speedboat“ zu bleiben. „Unsere Leute müssen selbst entscheiden. Wir übertragen Verantwortung und fordern sie auch ein. So bleibt man schnell und effizient“, sagt der Gründer. Doch er räumt ein: „Auch wir als Unternehmer dahinter sind greifbar. Man kann uns ‚beim Krawattl packen‘, wenn irgendwas nicht funktioniert.“ Letztlich sei es dennoch das Ziel, „sich überflüssig zu machen“. Und das funktioniere bereits gut: „Philipp und ich können mehrere Wochen gleichzeitig auf Urlaub gehen und der Laden läuft.“

Ziel: „ein signifikanter europäischer Player zu sein“

Doch das ist freilich nicht das einzige Ziel. Denn mit dem, was bereits erreicht wurde, will sich Mangelkramer noch lange nicht zufrieden geben. „Ich denke in Unternehmensphasen. Phase eins waren Fundament und Identität. Das haben wir gut erreicht. Jetzt sind wir in der zweiten Phase: Skalierung und Differenzierung.“ Hier wolle man in den kommenden Jahren noch auf 100 bis 150 Mitarbeiter:innen anwachsen, die Premium-Brand ausbauen und das laufende Geschäft mit Managed Services festigen.

Die dritte Phase schließlich betitelt Mangelkramer mit „Expansion und Nachhaltigkeit“. „Das heißt, nachhaltige Profitabilität, ein selbsttragendes Leadership-System und – vielleicht nach den Sternen gegriffen – aber ein signifikanter europäischer Player zu sein“, so der Gründer. Und wie kommt man dorthin? „Man muss immer kritisch sein, immer am Ball bleiben. Permanente Veränderung und Anpassungen sind der Kern.“

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