16.09.2025
INSOLVENZ

Wiener Startup Organic Tools insolvent – Zukunft der „Obstraupe“ noch offen

Das Wiener Startup Organic Tools muss Insolvenz anmelden. Eine Sanierung sei zwar nicht geplant - doch ganz vorbei scheint es auch nicht zu sein.
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Gründer von Organic Tools (l.n.r.): David Brunmayr, Lukas Griesbacher, Stefan Bermadinger. | © Patrick Tafner

„Wir haben unser Bestes gegeben. Doch heute müssen wir Abschied nehmen: Die Organic Tools GmbH ist zahlungsunfähig“, teilte das Unternehmen kürzlich in einem öffentlichen Statement mit. Am Handelsgericht Wien habe man Insolvenz angemeldet, die Firma muss den Betrieb einstellen.

Über sieben Jahre lang arbeiteten die oberösterreichischen Gründer Lukas Griesbacher, Stefan Bermadinger und David Brunmayr an ihrem Startup. Bekanntheit erlangte Organic Tools 2018 durch einen Auftritt in der TV-Sendung “2 Minuten 2 Millionen” mit ihrem Produkt Obstraupe (brutkasten berichtete). Das Erntegerät sollte Landwirten ermöglichen, Obst fünf- bis zehnmal schneller zu sammeln – ressourcenschonend, mit weniger Lebensmittelverlusten und höherer Wertschöpfung für Betriebe. Nach eigenen Angaben erzielte das Unternehmen seit seiner Gründung rund vier Millionen Euro Umsatz, zuletzt mit einem Rekordergebnis von einer Million Euro im vergangenen Jahr.

1.700 Obstraupen weltweit verkauft

Trotz dieser Erfolge konnte Organic Tools nicht dauerhaft Fuß fassen. „Wir 3 Gründer trauern, dass etwas Schönes und Besonderes zu Ende geht. Gleichzeitig sind wir dankbar für die aufrichtigen Begegnungen, euer Vertrauen und die tatkräftige Unterstützung auf dieser Reise. Und wir sind auch ein Stück erleichtert, dass jetzt Klarheit da ist – und wieder Neues möglich wird“, heißt es weiter in der Stellungnahme.

Insgesamt wurden laut Presseaussendung 1.700 Obstraupen weltweit verkauft – „von Japan bis in die USA“. Ein zweites Projekt, der Traktrak, ein modularer E-Geräteträger für den Vielfaltsgemüsebau, erreichte die Marktreife jedoch nicht. Der Grund für die Insolvenz: ein gescheiterter Expansionskurs, hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung, Verzögerungen bei neuen Produkten und Schwierigkeiten auf internationalen Märkten. „Gespräche mit potentiellen Investoren haben sich zerschlagen und eine Sanierung wird nicht angestrebt“, so das Unternehmen.

„Die Entscheidung ist uns alles andere als leicht gefallen“, erklären die Gründer. „Umso wichtiger ist es uns, dass zumindest die Obstraupe nicht vom Markt verschwindet, sondern weiterhin Höfe, Streuobstwiesen und die bäuerliche Kulturlandschaft stärkt.“

Obstraupe soll „dauerhaft in bäuerliche Hände“ übergehen

Tatsächlich könnte das Produkt eine Zukunft haben: Die Innovationsgenossenschaft LandAufbau eG hat angekündigt, die Obstraupe aus der Konkursmasse übernehmen zu wollen, um sie „dauerhaft in bäuerliche Hände“ zu legen. „Gemeinsam gestalten wir die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft und ein wichtiger Bestandteil dieser Zukunft sind die richtigen Werkzeuge – die Obstraupe passt da perfekt und die Nachfrage ist ungebrochen“, sagt Josef Rohregger, Initiator der Genossenschaft.

Um den Kauf zu ermöglichen, läuft derzeit eine Crowdfunding-Kampagne. Über Vorbestellungen soll die Finanzierung für eine Fortführung der Produktion gesichert werden. „Wir sind überzeugt, dass die Rettung der Obstraupe mehr ist als die Sicherung eines Produkts – es ist ein Symbol für bäuerliche Innovationskraft und für die Zukunft einer Landwirtschaft in bäuerlicher Hand“, betont Mitgründer David Brunmayr.

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Florian Prucker und Erik Podzuweit teilen sich die Rolle des CEOs bei Scalable Capital © Scalable/Fabian Zapatka
Florian Prucker und Erik Podzuweit teilen sich die Rolle des CEOs bei Scalable Capital © Scalable/Fabian Zapatka

Die Münchner Bank Scalable Capital ist seit heute in Wien mit einer Bankniederlassung vertreten. Anleger:innen in Österreich profitieren damit laut dem Fintech von einer steuereinfachen, automatischen Abführung der Kapitalertragsteuer. Die KESt werde direkt an der Quelle ermittelt, einbehalten und an das Finanzamt weitergeleitet. Ein lokales Team in Wien solle die österreichische Bankniederlassung verstärken.

„Wir positionieren uns an der Spitze dieses Wandels“

„Wir sehen auch in Österreich eine massiv wachsende Nachfrage nach einem diversifizierten und langfristigen Vermögensaufbau. Mit der Eröffnung unserer Bankniederlassung und dem Start der Steuereinfachheit positionieren wir uns an der Spitze dieses Wandels“, erklärt Florian Müllner, Leiter der österreichischen Bankniederlassung von Scalable Capital.

2014 gegründet, mehr als 800 Mitarbeitende

Scalable Capital, vor zwölf Jahren in München gegründet, ist mit heute neben Bayerns Hauptstadt in Berlin, Wien und Mailand tätig. Das Fintech startete mit dem Ziel, „Zugang zum Kapitalmarkt durch smarte Technologien, einfache Bedienbarkeit und niedrige Kosten zu ermöglichen“, wie es von Scalable Capital heißt. Mittlerweile hätten über eine Million Kund:innen über 60 Milliarden Euro auf der Plattform investiert, über 800 Personen seien beschäftigt. An der Spitze stehen die beiden CEOs Florian Prucker und Erik Podzuweit, die an einer „neuen Generation von Finanzservices“ arbeiten.

Agentic Investing und Zukunftsdepots

Die Münchner Bank biete seit Ende August dieses Jahres Agentic Investing mit allen gängigen KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Grok an. Scalable Capital habe damit „als erste Bank in Europa seine Plattform für alle gängigen KI-Assistenten (..) geöffnet“. Kund:innen können mittels der KI neben Trading und dem Setzen von Preis-Alerts u. a. auch nach Aktien, Derivaten und Echtzeitkursen suchen. Der KI-Chatbot „Insights“ biete zudem Antworten zu Märkten, Strategien oder zur Nutzung des Brokers.

Das von der österreichischen Bundesregierung angedachte Zukunftsdepot unterstützt das Fintech. Scalable Capital möchte den Bogen zur kapitalmarktbasierten, privaten Altersvorsorge ab der Geburt schlagen. „Wir begrüßen die Initiative der Bundesregierung zur Einführung eines Zukunftsdepots. Sobald der Gesetzgeber den notwendigen Rahmen geschaffen hat, plant Scalable Capital Zukunftsdepots anzubietenˮ, sagt Müllner.

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