26.03.2025
TRANSPORTMITTEL

Wiener Startup Motic entwickelt Lastenrad mit LKW-Aufbautechnologie

Ganz ohne Führerschein mit einem Mini-LKW durch die Stadt fahren: Motic hat dafür ein elektrisches Lastenrad entwickelt. Bald will das Startup in Serienproduktion gehen.
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WKW-Spartenobmann Davor Sertic auf dem Cargobeast mit den drei Motic-Gründern Clemens Hainberger, Fabio Wiesinger und Semir Berger (v.l.n.r.)
WKW-Spartenobmann Davor Sertic auf dem Cargobeast mit den drei Motic-Gründern Clemens Hainberger, Fabio Wiesinger und Semir Berger (v.l.n.r.) | Foto: WKW / Max Slovencik

Wer in einer Stadt umweltfreundlich und schnell unterwegs sein möchte, entscheidet sich oft für das Fahrrad. Aber was, wenn auch größere Gegenstände transportiert werden müssen? Auf dem Gepäckträger hat kaum etwas Platz – und auch die meisten Lastenräder sind schnell vollgeladen.

Um dieses Problem zu lösen, hat das Wiener Startup Motic das Cargobeast entwickelt, ein elektrisches Lastenrad mit 500 Kilogramm Nutzlast und bis zu drei Kubikmetern Ladevolumen. Das Innovative: Es kombiniert Automobil- mit Lastenradtechnologie.

Motic will in Serienproduktion gehen

Das Unternehmen gründeten Clemens Hainberger, Fabio Wiesinger und Semir Berger im Jänner 2023. Die Idee stammt aus ihrer Diplomarbeit. „Wir haben sechs Jahre Entwicklung in unser Lastenrad gesteckt. Wir haben ein gänzlich neues Fahrzeugkonzept aufgestellt“, sagt Hainberger. Für den Prozess erhielt Motic das Gründungsstipendium der Wirtschaftsagentur Wien, außerdem arbeitete das Startup mit dem Logistics-Innovation-Hub Thinkport Vienna zusammen.

Im September 2024 präsentierte das Team den ersten Prototypen des Cargobeasts – einem Gefährt mit vier Rädern. Das günstigste Modell kostet auf der Homepage aktuell 17.500 Euro. Die maximale Reichweite einer teureren Version liegt bei 100 Kilometern. Erwerben können das Lastenrad bislang aber nur einige Pilotkund:innen. „Wir arbeiten mit ihnen gemeinsam noch an den letzten Feinschliffen“, sagt Hainberger. Für 2026 plant das Startup, in Serienproduktion zu gehen.

Zu beladen wie ein LKW

Weil Motic für das Cargobeast LKW-Aufbautechnologie verwendet, können verschiedene Aufsätze verwendet werden – beispielsweise ein Kühlaufbau. „Außerdem ist unser Lastenrad absenkbar und man kann so Rollcontainer oder eine ganze Europalette verladen“, erklärt Hainberger.

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kalkül
© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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