16.10.2025
PORTRÄT

Wiener Startup femergency will mit Perioden-Kit den Alltag für Frauen* erleichtern

Das Wiener Startup femergency möchte mit individuell zusammengestellten Kits die Periode angenehmer machen und Frauen* mental unterstützen. Brutkasten hat mit Gründerin Sissi Heinzl gesprochen – und ein Femergency-Kit getestet.
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Gründerin Sissi Heinzl. Foto: Femergency

Wärmeflasche auf dem Bauch, Blut in der Binde, Cravings nach etwas Süßem. Die Menstruation gehört zum Leben vieler Frauen* dazu. Sie kann schmerzhaft sein, Verstimmungen mit sich bringen oder einfach nur nervig sein. Und jede Periode, jeder Mensch ist anders. Genau deshalb bekommst du bei einer Bestellung bei femergency einen Fragenkatalog: Dort kannst du deine Beschwerden – von Durchfall bis Müdigkeit – angeben, deine Cravings eintragen oder weitere wichtige Infos teilen. Auch den gewünschten Lieferzeitraum wählst du selbst, damit dein Paket pünktlich zu deiner Periode bei dir ankommt.

Und wenn es dann soweit ist: Ein Klingeln an der Tür, ein femergency-Kit in der Hand. Zwei Riegel, ein Snack, Wärmepflaster, Muskelentspannungs-Duschgel und Kärtchen mit Infos rund um den Zyklus – so sieht es aus:

Individuell angepasster Femergency-Kit an die brutkasten Redaktion (bzw. an mich, die Redakteurin) geliefert. Femermengy-Kit „PLUS“ für 29,99 Euro.

Hintergründe der Gründerin

Sissi Heinzl wollte eigentlich nie ein Startup gründen oder selbstständig sein. Trotzdem geisterte ihr seit rund zehn Jahren eine Idee durch den Kopf: Ein Projekt, das menstruierenden Personen während ihrer Periode helfen soll.

Ursprünglich sollte es eine App werden, die anzeigt, ob sich in der Nähe jemand mit Periodenprodukten befindet – für den Fall, dass man unerwartet seine Tage bekommt und etwas benötigt. Doch die Idee ist am Business-Plan erstickt.

Während Heinzl immer wieder mit dem Gedanken spielte, ein Unternehmen zu gründen, arbeitete sie mehrere Jahre in der Personalabteilung von Puls 4, studierte nebenbei und schloss an der FH das Studium Film, TV und Medienproduktion ab. Aktuell ist sie noch beim Österreichischen Filminstitut angestellt.

Ab November will sie sich ganz auf femergency konzentrieren und hat dafür ihren Job gekündigt. „Meiner Meinung nach zu spät. Ich war finanziell noch ein bisschen zu risikoscheu und habe mich nicht getraut“, sagt die Gründerin.

Geschäftsmodell und Finanzierung

Seit dem 3. Oktober 2025 ist die Website online. Seither sind erste Einzelbestellungen eingegangen. Die Preise für die Einzel-Kits variieren je nach Größe von 17,99 bis 42,99 Euro. Mit einem monatlichen Abo werden die zusammengestellten Pakete mithilfe des ausgefüllten Fragebogens individuell angepasst und rechtzeitig zur Periode geliefert.

Außerdem hat femergency zwei Kooperationspartner: Selenacare (Periodenunterwäsche und Menstruationstassen) und HappyMona (Binden). Diese Produkte werden über die Website vertrieben, jedoch nicht aktiv beworben.

Bisher ist das Startup selbstfinanziert. Erst letzte Woche hat sich femergency beim i2b Businessplan Wettbewerb mitgemacht und hofft auf eine positive Rückmeldung. Andernfalls plant Heinzl, im kommenden Jahr eine Förderung bei der Wirtschaftsagentur für Lebensstandards zu beantragen.

Beteiligungen von Investor:innen schließt die Gründerin vorerst aus. Sie sehe dafür keinen Bedarf.
„Ich habe einfach die Sorge, dass hier zu viel in die wirtschaftliche Richtung mitgemischt wird. Mir ist es wirklich ein großes Anliegen, die Aufklärung rüberzubringen“, sagt Heinzl.

Ein Herzensprojekt

Bei Sissi Heinzl spürt man sofort, dass es ihr um mehr geht. Ihre Motivation und ihr Ehrgeiz sind greifbar. „Mein Ziel ist es, Aufklärung, Sichtbarkeit und Bewusstsein rund um die Menstruation zu schaffen“, sagt die Gründerin.

Und dieses Zykluswissen möchte sie für alle zugänglich machen: „Auch für nicht menstruierende Menschen, denn es betrifft uns alle, auch wenn man selbst nicht direkt betroffen ist.“

Bisher hat Heinzl noch keine Expert:innen herangezogen, sondern sich ihr Wissen über den Zyklus durch Eigenrecherche angeeignet. Ihre Care-Pakete sollen auch kein Ersatz für medizinische Beratung sein, sondern eine mentale Unterstützung. „Jede Person soll sich einfach gesehen, verstanden und versorgt fühlen“, sagt sie.

Zukunft von femergency

Anfang nächsten Jahres möchte das Startup das Produktangebot auf Frauen* in der Menopause und im Wochenbett ausweiten – und sie ebenfalls mit den Kits unterstützen. Die Gründerin will femergency perspektivisch weiterentwickeln, etwa mit einem Zyklus-Retreat. Ideen hat Heinzl genug: „Die werden mir nicht ausgehen“, sagt sie.

Sobald die finanziellen Mittel vorhanden sind, möchte sie ein Team aufbauen. Aktuell arbeitet eine Mitarbeiterin ehrenamtlich im Hintergrund mit. Auch eine Expansion in den DACH-Raum ist geplant. Wann das genau passieren kann, steht jedoch noch nicht fest. Die langfristige Vision? „Im Endeffekt wünsche ich mir eine Gesellschaft, in der Zykluswissen zum Allgemeinwissen gehört.“

Anmerkung der Redaktion: Die Schreibweise Frauen* bezieht sich auf alle menstruierenden Personen, unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität.

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Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger

Bei Energie und bei Verteidigung hat Europa spät und teuer gelernt, was strategische Abhängigkeit kostet. Im Digitalen – bei Betriebssystemen, Cloud und Künstlicher Intelligenz – ist die Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen Anbietern mindestens genauso groß. Genau dort will eine neue Allianz heimischer Leitbetriebe gegensteuern.

Getragen wird die „Initiative Digitale Souveränität“ von A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, Keba Group, Spar ICS, Umdasch Group und der Vienna Insurance Group – sieben Unternehmen aus sieben Branchen. Gemeinsam wollen sie Initiativen und Pilotprojekte vorantreiben, um den Digitalstandort Österreich und Europa zu stärken, mit besonderem Fokus auf den Schutz kritischer Infrastruktur.

Die Stoßrichtung ist dabei ausdrücklich keine defensive. „Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen — besonders bei kritischen Daten“, sagte A1-Deputy-CEO Thomas Arnoldner. Souveränität sei kein Schutzwall, sondern ein Sprungbrett – und man müsse sie aufbauen, bevor man sie brauche.

Vorschlag: ein Gütesiegel für die öffentliche Beschaffung

Der konkreteste Vorschlag steht im Positionspapier selbst: ein „Gütesiegel für Souveränität“ für die öffentliche Beschaffung. Es soll verlässliche Qualitätsstandards im Cloud-Bereich sichtbar machen, Transparenz schaffen und sogenanntem „Sovereign-Washing“ vorbeugen – also dem bloßen Etikett „souverän“ ohne echte Substanz. Zugleich soll digitale Souveränität in den Bewertungskriterien öffentlicher Vergaben verankert werden; für besonders sensible Daten aus Verwaltung, Gesundheit oder Bildung schlägt die Initiative europäische beziehungsweise österreichische „Souveränitätszonen“ vor.

Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger

Keba-CEO Christoph Knogler führte den Gedanken bei der Pressekonferenz aus Industriesicht aus: Ein solches Siegel müsse nachvollziehbar ausweisen, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden, wer die Infrastruktur betreibt und in welchem Rechtsraum das geschieht. Berücksichtige die öffentliche Hand Souveränität bei ihren Vergaben, sei das kein bürokratisches Zusatzmerkmal, sondern ein Qualitätskriterium. Zusätzlich warb Knogler dafür, nicht jede Anwendung in der Cloud zu betreiben: On-Device- und On-Edge-KI könnten sensible Daten direkt an Gerät oder Maschine verarbeiten.

Hinter der Debatte steht ein juristischer Kern. Auf Nachfrage aus dem Publikum verwiesen die Initiatoren auf den US Cloud Act als zentrales Problem bei der Frage, welchem Rechtsraum in Europa verarbeitete Daten unterliegen. Fertige Kriterien für das Gütesiegel gebe es noch nicht – die Arbeit laufe auf europäischer wie nationaler Ebene.

Anexia-CEO Alexander Windbichler brachte einen regulatorischen Vergleich ins Spiel: Wie einst im Telekom- und Energiemarkt die Netze geöffnet wurden, ohne Produkte vorzuschreiben, könnte im Cloud-Bereich eine klare Trennung zwischen Software und Betrieb – samt offener Schnittstellen – für fairen Wettbewerb sorgen.

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