03.10.2025
ONLINE-KUNSTHANDEL

Wiener Startup ArtReThought startet Plattform für digitalen Kunsthandel

Das Wiener Startup ArtReThought will mit einer kuratierten Online-Plattform für zeitgenössische Kunst die digitale Lücke im Kunsthandel schließen – mit einem Fokus auf leistbare Werke, junge Künstler:innen und Pop-up-Ausstellungen als Brücke zur analogen Welt.
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Gründer und CEO Valentin Krenkel, Foto. ArtReThought

Erste Wohnung, leere Wände und der Wunsch, dem neuen Zuhause mit einem Kunstwerk Charakter zu verleihen. Nur: Wie kommt man zu Kunst? Das fragte sich Gründer und CEO Valentin Krenkel als junger Student. Und zwar auch „für einen erschwinglichen Preis“, wie Krenkel im brutkasten-Gespräch sagt.

In einer Kulturhauptstadt wie Wien stellen sich vermutlich nicht viele Kulturinteressierte diese Frage. Immerhin gibt es zusätzlich zu den herkömmlichen, kommerziellen Galerien zwischen 80 und 100 sogenannte Off-Spaces – das heißt unabhängige, nicht auf Gewinn ausgerichtete Galerien, die vor allem junger und zeitgenössischer Kunst Raum geben. Außerdem existieren diverse Kunst- und Kulturvereine wie die Semmelweisklinik, das Otto-Wagner-Areal oder der Althangrund. Wenn man aber von der charmanten analogen Welt in die digitale möchte, gibt es mittlerweile auch einige Optionen – zum Beispiel Artplattform, Kunstmatrix oder nun auch ArtReThought.

Alleinstellungsmerkmal

Im Vergleich zu herkömmlichen, kommerziellen Galerien nennt Valentin Krenkel den Vorteil, nicht auf einen Raum oder Öffnungszeiten angewiesen zu sein. Man könne sich 24/7 digital aus jedem Ort bedienen. Außerdem sei es für Künstler:innen günstiger.

ArtReThought beansprucht, abhängig vom monatlichen Abo-Modell, einen Anteil am Verkaufspreis: bei zehn Euro sind es 30 Prozent, bei 20 Euro 25 Prozent und bei 30 Euro 20 Prozent. Zum Vergleich: Klassische Galerien verlangen typischerweise 40 bis 70 Prozent, bei den eingangs erwähnten nicht kommerziellen Off-Spaces geht dagegen 100 Prozent des Verkaufspreisen an die Künstler:innen.

„Natürlich ist uns bewusst, dass es bereits große Online-Galerien gibt, die auch sehr erfolgreich sind. Sobald aber eine Online-Galerie viel zu groß wird, dann merkt man sehr oft, dass potenzielle Käufer:innen und Sammler:innen sich verloren sehen, weil es wieder ein enormes Überangebot gibt. Deswegen bewegen wir uns auch nur in der zeitgenössischen Schiene und bieten nicht alle Epochen an.“, sagt Krenkel im Interview mit brutkasten.

Hintergründe des Gründers

Sein Konzept: Junge, zeitgenössische, moderne Kunst zu einem erschwinglichen Preis. Was für Krenkel „junge, zeitgenössische Kunst“ heißt? „Für mich soll moderne Kunst den Zeitgeist treffen. Ich will mich gar nicht auf eine Epoche festlegen, einfach zeitgenössisch, in die Richtung Contemporary Art, 20. Jahrhundert aufwärts“, sagt er.

Der Gründer hatte bisher beruflich nichts mit Kunst- und Kultur zu tun, ist aber privat „kulturaffin“. Er hat Jus und General Management studiert. Als Gründer hat er beispielsweise das Unternehmen FasTest mitaufgebaut, das das erste private Corona-Testzentrum in Österreich betrieben hat und bis zu 250 Mitarbeiter:innen beschäftigte. Danach folgten mehrere Stationen: von der eigenen IT-Firma über die Rechtsanwaltskanzlei Herbst Kinsky bis hin zu invest.austria, wo er weiterhin als Deputy Managing Director agiert.

Finanzierung

Wie aber werden Künstler:innen oder Galerien auf der Plattform gelistet? Sowohl Künstler:innen als auch Galerien müssen sich bewerben und werden von einem Kurationsteam ausgewählt, das im Hintergrund arbeitet. Wer genau die Kurator:innen sind, möchte Krenkel noch nicht kommunizieren.

Ansonsten wurde das Startup bislang aus Eigenkapital finanziert. Krenkel zeigt sich jedoch offen für Business Angels und überlegt auch, Förderungen zu beantragen.

Aktuell sind 15 Künstler:innen mit ihren Werken auf der Plattform vertreten.
Im Jänner dieses Jahres gründete Krenkel die ART Connect GmbH, im März ging die Website online. Seither konnten 14 Prozent der angebotenen Kunstwerke verkauft werden. Aktuell sind 66 Werke auf der Plattform gelistet.

Von der digitalen in die analoge Welt

Am heutigen 3. Oktober findet die erste Vernissage von ArtReThought im Palais Festetics im 9. Bezirk statt. Das Pop-up-Format soll die „digitale Präsenz mit realer Begegnung“ verbinden. Der heutige Abend ist exklusiv für geladene Gäste, der morgige Tag, der 4. Oktober, ist für alle Besucher:innen kostenfrei.

Geplant sind solche Pop-up-Ausstellungen zweimal jährlich. In den nächsten Jahren möchte sich ArtReTought als Online-Plattform im DACH-Raum etablieren.

Die Vision für die nächsten fünf Jahre: „Eine Anlaufstelle für Künstler:innen, für Galeristen und für Kunstinteressierte. Egal, ob sie sich um ein erschwingliches Kunstwerk als erstes Kunstwerk in ihre neue Wohnung hängen wollen, oder ob, sie etablierte Sammlerinnen sind, die nach etwas ganz Speziellem suchen.“, sagt Krenkel.

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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
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„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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