07.04.2021

Wiener Startup Anyline angelt sich größten US-Reifenhändler als Kunden

Das Wiener Startup Anyline hat sich auf die automatische Erkennung analoger Texte spezialisiert und erobert damit nun den US-Markt.
/artikel/wiener-startup-anyline-reifenscanner
Der DOT-Scanner von Anyline im Einsatz © Anyline
Der DOT-Scanner von Anyline im Einsatz © Anyline

Hersteller, Größe, Produktionsdatum: Die DOT-Nummer enthält alle wesentlichen Metadaten eines Fahrzeugreifens. Allerdings: Sie ist direkt in die Flanke des Reifens einvulkanisiert und dementsprechend schwer maschinell lesbar. Dem Wiener Startup Anyline ist das erstmals in einer sehr praktischen Anwendung gelungen und das hat auch gleich den größten US-Reifenhändler aufmerksam gemacht. Das Software-Startup hat einen DOT-Scanner für mobile Geräte entwickelt, der zusammen mit einem Profiltiefenlesegerät von Zebra Technologies angeboten wird. Der Reifenhändler Discount Tire setzt die Lösung in rund 1.100 Filialen in den USA ein.

Bisher wurde dort der Code manuell abgelesen und auch die Profiltiefe an 12 Stellen des Reifens manuell gemessen. „Vom Einzelhandel über das Fuhrparkmanagement bis hin zur Logistik weiß jedes Unternehmen, dass Reifen handhabt, wie schwierig es ist, die DOT-Nummern von Reifen genau zu erfassen“, sagt Lukas Kinigadner, CEO und Mitgründer von Anyline. „Diese Innovation automatisiert den Prozess und ermöglicht es den Mitarbeitern, die Daten einfach in Echtzeit von den Reifen zu scannen.“

Textdaten in Echtzeit verarbeiten

Anyline wurde 2013 gegründet und sich auf die automatische Texterkennung spezialisiert. Mit der Software können andere Unternehmen Text-Scanner in ihre Apps oder mobilen Websites einbauen. Künstliche Intelligenz ermögliche die mobile Verarbeitung der Daten in Echtzeit, selbst wenn das Gerät offline ist. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie PepsiCo, Canon, Red Bull, aber auch Regierungen oder die UNO.

Der Reifenscanner erfasst derzeit die Reifenidentifikationsnummer (TIN) des US-Verkehrsministeriums (DOT) und ermöglicht so die automatische Bestimmung von Alter und Herstellungsort. Künftig soll die Software bei Discount Tire auch weitere Daten automatisiert auslesen – etwa auch die Nummerntafel des Fahrzeugs oder die Fahrzeugidentifikationsnummer FIN.

12 Mio. Dollar Investment für US-Expansion

Vor rund einem Jahr hat sich Anyline eine Finanzierung von 12 Millionen Dollar von internationalen Investoren gesichert, um damit die Expansion am US-Markt voranzutreiben. Damit die Erschließung neuer Märkte und Branchen auch in den USA gelingt, wurde im Zuge der Unternehmensentwicklung mit Anyline.Inc. eine eigene US-amerikanische Gesellschaft gegründet, die ihren Sitz in Boston hat.

Anyline-CEO Kinigadner im Interview

Anyline CEO Kinigadner zum Millionen-Investment

Alle Hintergründe des 12 Millionen US-Dollar Investment mit Anyline CEO Lukas Kinigadner.

Posted by DerBrutkasten on Wednesday, January 15, 2020
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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Sie machte Wien zum beliebten Standort für die EU-Niederlassungen internationaler Krypto-Unternehmen: die EU-Kryptoregulierung MiCAR. Denn die heimische Finanzmarktaufsicht FMA genießt den Ruf, bei der Erteilung der für das Krypto-Geschäft in der EU notwendigen MiCAR-Lizenz hart, aber fair zu sein.

FMA: „MiCAR auch im Enforcement angekommen“

Nach einigen Meldungen rund um die Erteilung solcher Lizenzen – und in einem Fall einer vorübergehenden Sanktionierung – in den vergangenen Monaten, erfolgte nun erstmals die Verhängung einer Strafe wegen eines MiCAR-Verstoßes durch die FMA. „Damit wird sichtbar, dass die MiCAR nicht mehr nur ein Konzessions- und Aufsichtsthema ist, sondern auch im Enforcement angekommen ist“, heißt es von der Behörde in einer Aussendung dazu.

Termin-Fehler und fehlende Telefonnummer und Mail-Adresse

Getroffen hat es ausgerechnet Österreichs Krypto-Regulatorik-Musterschüler Bitpanda. Konkret machte das Wiener Unicorn bei der Veröffentlichung eines Whitepapers im Zuge eines Token-Launchs im vergangenen Jahr einige Termin- bzw. Formfehler, wie aus der Bekanntmachung der FMA hervorgeht: Das Whitepaper hätte laut Regelwerk bis spätestens 20 Werktage vor Veröffentlichung an die FMA übermittelt werden müssen, was nicht passierte; eine Marketingmitteilung zum Whitepaper wurde unerlaubterweise bereits vor dessen Veröffentlichung verbreitet; und in einer weiteren Marketingmitteilung fehlten ein Disclaimer, eine Telefonnummer und eine Mail-Adresse.

„Unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben“

70.000 Euro Strafe wurden letztlich verhängt. Seitens Bitpanda stellt man auf brutkasten-Anfrage klar: „Alle von der FMA aufgezeigten Punkte wurden jeweils unmittelbar nach dem behördlichen Hinweis in Abstimmung mit der FMA behoben. Wir haben uns für eine rasche, einvernehmliche Beendigung des Verfahrens entschieden. Die Veröffentlichung erfolgte nach dem österreichischen MiCA-Vollzugsgesetz. Das Verfahren ist damit abgeschlossen.“

Zudem betont man beim Scaleup: „Kundengelder, die Sicherheit unserer Plattform oder die Integrität des Bitpanda-Ökosystems waren zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt. Aus den beanstandeten Punkten ist unseren Kundinnen und Kunden kein finanzieller Schaden entstanden.“

Analyse: Musterschüler als erster Bestrafter als falsches Signal

Das genau Bitpanda die erste Strafe auf MiCAR-Basis ausfasst, ist nachvollziehbar und könnte dennoch ein falsches Signal aussenden. Als größter heimischer Player, der in seinen Prozessen eng mit der FMA zusammenarbeitet, überrascht es nicht, dass gelegentlich Formfehler nicht nur passieren sondern auch unmittelbar bemerkt werden. Indessen sind einige große internationale Player weiterhin ohne MiCAR-Lizenz am heimischen Markt aktiv und entziehen sich erfolgreich der Strafverfolgung. Dass der Formfehler durch die FMA verfolgt wird ist korrekt und konsequent; dass ausgerechnet Bitpanda damit zum Exempel wird, wird den großen regulatorischen Themen am Krypto-Markt aber nicht gerecht.

In der Aussendung der FMA äußert man sich zu dieser Thematik indirekt und gewohnt sachlich: „Der Umstand, dass es sich um den ersten veröffentlichten MiCAR-Fall handelt, begründet für sich genommen keine Sonderstellung des betroffenen Unternehmens oder der festgestellten Verstöße.“

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