26.02.2025
SNACKNX

Wiener Snack-Startup erhält sechsstelliges Investment – Ex-Kelly-CEO an Bord

Das Wiener Startup SnackNX sichert sich ein mittleres sechsstelliges Investment, um seine Plattform für herzhafte Protein-Snacks zu starten.
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Helmut Franceschini, CEO und Gründer von SnackNX © SnackNX

Während es mittlerweile eine große Auswahl an süßen Protein-Riegeln gibt, fehlen oft salzige Alternativen. Laut dem Gründer von SnackNX sind herzhafte Protein-Riegel im Food-Markt kaum zu finden – eine Lücke, die das Wiener Startup nun schließen will.

Dafür erhält SnackNX rund um CEO und Gründer Helmut Franceschini nun ein mittleres sechsstelliges Investment. „Das zeigt, dass Investoren an unser Konzept glauben“, sagt Franceschini im Gespräch mit brutkasten. Zu den Investor:innen zählt die Rizzi Group aus Latsch, ein international tätiges Unternehmen mit Fokus auf Bio-Obst und -Gemüse. Außerdem mit an Bord ist Wolfgang Hötschl, ehemaliger CEO der bekannten Intersnack-Group Kelly, sowie seine Frau Maria Hötschl.

Launch des ersten Produkts auf SnackNX

Nach zwei Jahren Entwicklung bringt SnackNX vorige Woche sein erstes Produkt auf den Markt: die „Fredz Veggie Twins“ – ein herzhafter Protein-Snack auf Gemüsebasis, der laut Unternehmen „gesund, sättigend und ohne zugesetzten Zucker“ sein soll.

„Unsere Snacks liefern pflanzliche Proteine für Energie, Ballaststoffe gegen den Hunger – und das alles komplett vegan, mit minimalem Zuckergehalt, der rein aus dem Gemüse stammt“, so Franceschini. Die Fredz-Snacks sollen zudem hochwertige Zutaten und wertvolle Nährstoffe enthalten. Die erste Sorte Basilikum-Tomate ist bereits im Online-Shop verfügbar. Als nächstes sind die Geschmacksrichtungen Karotte-Ingwer und Rote Bete-Paprika geplant.

Besonderheit: Konsistenz des Protein-Riegels

Die Entwicklung der Rezeptur stellte eine besondere Herausforderung dar, erzählt der Gründer. „Ein völlig neues Produkt bedeutet auch neue Herstellungsprozesse, die erst einmal funktionieren müssen.“ Die nächste große Hürde für das Jungunternehmen sei nun, das Produkt erfolgreich am Markt zu etablieren.

Ein weiteres Problem war die Konsistenz des Riegels, da der fehlende Zuckergehalt auch eine Fettbasis ersetzt. Das führe dazu, dass der Riegel bröckelig wird, erklärt der Gründer. Mit der richtigen Rührgeschwindigkeit und ausgewählten Zutaten konnte von SnackNX jedoch eine riegelähnliche Konsistenz entwickeln. „Dafür haben wir jetzt eineinhalb Jahre lang mit einem Produzenten in Deutschland daran getüftelt“, sagt Franceschini gegenüber brutkasten.

Die Verpackung und das Etikett werden von der Sozialgenossenschaft GWB in Bozen gefertigt – „Ein kleiner, aber wertvoller USP, der uns besonders am Herzen liegt“. Denn die Produkte seien „nicht nur nachhaltig in der Ernährung, sondern auch sozial nachhaltig“, so Franceschini.

Ehemaliger Kelly-CEO mit an Bord

Das Startup steckt noch in den Anfängen: Erst im April vergangenen Jahres wurde es von CEO Helmut Franceschini offiziell gegründet. Wie er im Gespräch mit brutkasten verrät, hat er bereits vor der Gründung und während der Produktoptimierung die Zusage der Investor:innen erhalten. Aktuell besteht SnackNX aus insgesamt drei internen Teammitgliedern.

Bei der Suche nach potenziellen Investor:innen wurde Franceschini in seinem eigenen Bekanntenkreis fündig. Den ehemaligen Kelly-CEO Wolfgang Hötschl lernte er während seines Studiums kennen. „Wir haben da mal über einen salzigen Riegel geredet. Das habe ich dann im Hinterkopf behalten und ihn dann nach 15 Jahren wieder angerufen und habe gesagt, ja, wir haben es jetzt probiert.“ Nachdem Hötschl den Prototypen verkostet hatte, war er sofort dabei, erzählt Franceschini. Die Investor:innen „unterstützen uns auch tatkräftig im Advisory Board und helfen uns viel Lehrgeld und leere Kilometer zu sparen“.

Ausweitung des Sortiments geplant

Derzeit arbeitet das Startup daran, neue Protein-Riegel-Sorten zu entwickeln. Nicht nur weitere Geschmacksrichtungen des Fredz-Snacks sind geplant, sondern auch komplett neue Produkte. So will SnackNX künftig sein Sortiment laufend erweitern. „Unser Ziel ist ganz klar: Nummer eins für Protein-Snacks auf Gemüsebasis werden – über alle Vertriebswege hinweg“, sagt der Gründer. In knapp zwei Jahren soll der Online-Shop bereits etabliert sein. Außerdem soll SnackNX bis dahin in den wichtigsten Lebensmitteleinzelhandel (LEH) im DACH-Raum vertreten sein.

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Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

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