24.03.2026
AUSZEICHNUNG

Wiener Scaleup Flinn.ai gewinnt Microsoft-Award für MedTech-Lösung

Das Wiener KI-Scaleup Flinn.ai wurde gemeinsam mit dem deutschen Medizintechnikhersteller Erbe Elektromedizin mit dem Microsoft Intelligent Manufacturing Award (MIMA) 2026 in der Kategorie "Small and Medium Enterprise" (SME) ausgezeichnet.
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Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Gewürdigt wurde die Implementierung einer KI-gestützten Lösung zur Literaturauswertung, die im Rahmen des gemeinsamen Projekts „EvidenceStream“ entwickelt wurde. Ziel der Anwendung ist es, klinische Literaturprozesse zu automatisieren und effizienter zu gestalten.

Der Award wird von Microsoft in Kooperation mit Roland Berger vergeben und zeichnet Unternehmen aus, die digitale Technologien erfolgreich in industrielle Anwendungen überführen und damit messbare Fortschritte in der Wertschöpfung erzielen. Unter insgesamt 15 Finalisten überzeugte das Projekt insbesondere durch die Kombination aus regulatorischer Präzision, KI-Technologie und messbarem operativem Nutzen.

Automatisierte Literaturauswertung für MedTech

Die Plattform EvidenceStream ermöglicht die automatisierte Extraktion und Strukturierung klinischer Evidenz aus wissenschaftlicher Literatur. Damit adressiert sie laut Presseaussendung einen der aufwendigsten Prozesse im Bereich der Medizintechnik-Compliance.

Zum Einsatz kommen intelligente Screening- und Extraktionsagenten, die systematische und reproduzierbare Literaturrecherchen im Einklang mit regulatorischen Anforderungen – insbesondere der EU-Medizinprodukteverordnung – durchführen. Aktuell wird das System in mehr als 60 Produktgruppen eingesetzt.

Mit EvidenceStream zeige man, wie KI regulatorische Compliance von einem Kostenfaktor zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil machen kann, heißt es weiter in der Presseaussendung. “Durch die Verbindung von Automatisierung, Auditierbarkeit und wissenschaftlicher Integrität setzt die Plattform einen neuen Maßstab dafür, wie Medizintechnikunternehmen regulatorische Prozesse in einem zunehmend komplexen Umfeld skalieren können.”

Deutliche Effizienzgewinne dokumentiert

Nach Unternehmensangaben konnte die Literaturrecherchezeit pro Workflow von 88 auf 44 Stunden reduziert werden. Gleichzeitig wurden redundante Prozesse über 13 interne Abteilungen hinweg eliminiert. Im ersten Jahr verarbeitete das System mehr als 5.000 Abstract-Screenings und 97 Literaturrecherchen.

Der Return on Investment wird mit dem 8,7-Fachen angegeben, bei einer vollständigen Amortisation (Anm.: Deckung von Investitionskosten) innerhalb von 42 Tagen. Die Effizienzgewinne seien ohne Personalabbau realisiert worden; stattdessen seien Ressourcen verstärkt in wissenschaftliche Analysen und strategische Aufgaben geflossen.

„Wir hatten eine klare Vision für EvidenceStream: KI soll die repetitiven Aufgaben übernehmen, damit sich unser Medical-Affairs-Team auf wissenschaftliche Bewertung konzentrieren kann”, kommentiert Nermin Salkic, Global Medical Director der Erbe Group. “Das Ergebnis ist eine Plattform, die unsere Literaturrecherchezeit halbiert und gleichzeitig den Output um über 50 % gesteigert hat – bei voller Auditierbarkeit.“

Expertise vereint

Die Zusammenarbeit zwischen Erbe und Flinn soll zudem regulatorische Expertise mit KI-Entwicklung verbinden und ermöglichte so eine vergleichsweise rasche Umsetzung des Projekts.

Markus Enderle, Chief Scientific & Medical Officer und Vorstandsmitglied der Erbe Group, kommentiert: „Flinn hat von Anfang an verstanden, dass es uns nicht um Automatisierung um der Automatisierung willen ging, sondern um den Aufbau eines Systems, dem unsere Expertinnen und Experten vertrauen. Die Kombination aus ihrer KI-Expertise und unserer regulatorischen Erfahrung hat EvidenceStream möglich gemacht – von der Vertragsunterzeichnung bis zum Produktiveinsatz in nur acht Monaten. Diese Geschwindigkeit, gepaart mit messbaren Ergebnissen, ist der Grund, warum wir diese Partnerschaft langfristig sehen.“

Erst kürzlich erhielt Flinn ein Investment von 20 Millionen US-Dollar, um seine Software entlang des gesamten Produktlebenszyklus von Medizin- und Pharmaprodukten auszubauen (brutkasten berichtete).

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REEDuce-Gründerin Birgit van Duyvenbode (Mitte) bei der Eröffnung der neuen Schilf-Lärmschutzwand | (c) Strabag

An der A1 Westautobahn bei Völlerndorf nahe St. Pölten geht eine neue Lärmschutzanlage in Betrieb. Statt auf herkömmliche Materialien wie Beton oder Aluminium setzt diese auf Schilf, Thermoholz und Lehm. Dahinter steckt das Wiener Startup REEDuce rund um Gründerin und CEO Birgit van Duyvenbode. Gemeinsam mit der Asfinag und dem Baukonzern Strabag wurde die Technologie nun auf einem rund einen Kilometer langen Autobahnabschnitt umgesetzt.

REEDuce-Geschäftsführerin Birgit van Duyvenbode, Infrastrukturminister Peter Hanke und ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl bei der Präsentation der neuen Schilf-Lärmschutzwand an der A1.

4.000 Schilfbündel für einen Kilometer Lärmschutz

Die Anlage entstand im Zuge der Sanierung der A1 zwischen St. Pölten und Völlerndorf. Auf einer Fläche von rund 2.690 Quadratmetern wurden Lärmschutzelemente mit einem Rahmen aus thermisch behandeltem Holz, einer Lehmfüllung und beidseitiger Schilfabdeckung verbaut.

Das verwendete Schilf stammt aus dem Raum Neusiedler See. Für den rund einen Kilometer langen Abschnitt wurden insgesamt 4.000 Schilfbündel benötigt. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der gesamten österreichischen Schilfernte. Die Nutzung des Rohstoffs soll gleichzeitig zur Pflege des Ökosystems am Neusiedler See beitragen.

Anders als konventionelle Lärmschutzwände soll die Konstruktion nach Angaben von REEDuce vollständig kreislauffähig sein. Zugleich soll sie dieselben technischen Anforderungen hinsichtlich Lärmschutz und Haltbarkeit erfüllen, wie herkömmliche Systeme.

„Mit dem ersten Autobahn-Kilometer unserer Lärmschutzwand aus Schilf, Thermoholz und Lehm erreichen wir einen wichtigen Meilenstein“, sagt Gründerin van Duyvenbode. Die Technologie zeige, dass Lärmschutz und Umweltschutz gemeinsam funktionieren können.

Von der Idee des Vaters zum Startup

Der Ursprung der Idee reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Damals entwickelte das Sägewerk von van Duyvenbodes Vater im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts eine ökologische Lärmschutzwand, die an der A22 bei Langenzersdorf errichtet wurde. Die Gründerin griff die Idee später auf und entwickelte die Technologie unter dem Namen REEDuce weiter.

Bereits Anfang 2022 berichtete brutkasten über das Startup. 2023 wurde REEDuce bei der #glaubandich Challenge zum „Startup des Jahres“ gekürt. Im selben Jahr folgte ein erstes Pilotprojekt mit der Asfinag: An der S33 bei Herzogenburg wurde eine 16 Meter lange Testwand errichtet, um die Technologie unter realen Bedingungen zu erproben.

Mit der neuen Anlage an der A1 kommt die weiterentwickelte Technologie nun in deutlich größerem Umfang zum Einsatz. Für die Asfinag ist das Projekt zugleich eine Möglichkeit, weitere Erfahrungen mit der Bauweise aus regionalen Naturmaterialien zu sammeln.

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