02.05.2025
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Wiener KI-Startup-Founder: „Der österreichische Markt ist schizophren“

Das 2022 gegründete Startup BReact entwickelt maßgeschneiderte KI-Lösungen, die Unternehmen dabei unterstützen sollen, Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten. Das Unternehmen war bisher gebootstrapped und will jetzt Investoren an Land ziehen.
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Die Co-Founder Raphael Fakhir und Nemanja Klincov. (c) BReact
Die Co-Founder Raphael Fakhir und Nemanja Klincov. (c) BReact

BReact hat bereits ein großes Projekt mit Verbund: „Das ist eines unserer Vorzeigeprojekte, auf das wir auch sehr stolz sind“, sagt Nemanja Klincov, einer der Gründer von BReact. Zudem gebe es noch einige weitere kleinere Projekte. Die Kund:innen zahlen bei BReact nicht für die Entwicklung des Use Cases, sondern für die Implementierung. „Wir bauen sozusagen Bausteine, die wir individuell zusammenlegen. Aber die Bausteine können wir für jeden Kunden auf unterschiedliche Art zusammenbauen“, erklärt Klincov. Für jene Firmen, die eine eigene IT-Abteilung haben, gibt es sogar die Möglichkeit über die neue Website selbst einen Service zu implementieren.

Suche nach Investoren

Das Unternehmen ist bisher vollständig bootstrap-finanziert und konnte über die Kunden bereits einen Umsatz von 250.000 Euro generieren. Für die Gründer Nemanja Klincov und Raphael Fakhir war jetzt die Wahl: „Entweder wir wachsen organisch langsam mit dem österreichischen Markt mit – was absolut okay ist. Oder wir sagen: Go big or go home! Und versuchen Investoren an Bord zu holen, damit sich unser Produkt jetzt schnell entwickeln kann“, erklärt Klinkov.

Die beiden Co-Founder haben sich demnach für die zweite Variante entschieden. Das Ziel ist jetzt, mehrere große Investoren zu finden: „Wir haben auch bereits drei potenzielle Investoren, also drei Letter of Intents, die wir bis jetzt aber noch zurückgehalten haben“, so Klincov. Bis Ende Juni soll die Finanzierungsrunde abgeschlossen sein. „Wenn wir bis dahin niemanden fix haben, dann lassen wirs“. Die Interessenten seien aber sogar von selbst auf die Gründer zugekommen, erzählt Klincov weiter: „Wir sind da wirklich sehr stolz drauf, weil wir haben kein Vitamin B, wir haben das wirklich alles zu 100 Prozent selber gemacht. Also wir hatten auch keinen Fuß drin, wir haben unsere alten Jobs gekündigt und sind einfach voll eingestiegen und arbeiten Vollgas dran“.

„Alle Probleme die wir hatten, haben sich gelöst“

Die größte Hürde bei der Skalierung des Projekts, so Klincov, ist die österreichische Marktsituation. „Österreich hat einen schizophrenen Markt: Die Leute wollen alle Vorteile von KI, aber sie wollen nicht die Kontrolle abgeben“. Um dem entgegen zu wirken, wollen die beiden Gründer möglichst alle Termine persönlich machen, um Vertrauen zu schaffen. Aus technischer Sicht sieht Klincov kein Problem – denn alle Probleme, die sich im Laufe der Jahre ergeben haben, konnten sie entweder selbst lösen oder sie wurden innerhalb drei Monate vom Markt gelöst.

Nicht mit dem Markt mithalten zu können, ist jedenfalls keine Sorge der beiden Gründer: Die meisten KI-Unternehmen würden sich auf einfache Lösungen wie Chatbots oder ähnliches spezialisieren. Dadurch, dass das gesamte Baustein-System selbst entwickelt wurde, punktet BReact jedenfalls schon mit Individualität.

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Das Bitpanda Headquarter in Wien © Bitpanda

Einen Vorgeschmack auf den nun veröffentlichten Jahresabschluss 2025 gab Bitpanda gleichsam vorauseilend bereits im März dieses Jahres – brutkasten berichtete. In den damals präsentierten Zahlen war nicht nur von einer Umsatzsteigerung die Rede, sondern auch von einem Sinken des „bereinigten EBITDA“ um 75 Prozent. Dieses sei von 52 Millionen Euro auf 13 Millionen Euro gefallen, hieß es vom Wiener Unicorn. Begründet wurde das mit „gezielten Investitionen“. Das Ergebnis unterm Strich ließ man im März aber aus.

Der nun vorliegende Jahresabschluss – wohlgemerkt jener der operativen Bitpanda GmbH mit Sitz in Wien und nicht der übergeordneten AG mit Sitz in der Schweiz – bringt nun Licht ins Dunkel. Und die damit veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung zeichnet ein noch deutlich drastischeres Bild als die im März kommunizierten „bereinigten“ Zahlen. Nach fast 62 Millionen Euro Nettogewinn im Jahr 2024 standen demnach vergangenes Jahr rund 14 Millionen Euro Verlust zu Buche.

„Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert“

Auf brutkasten-Anfrage kommentiert Bitpanda kurz und knapp mit der aus dem Frühjahr bekannten Argumentation:

Das Jahr 2025 war für die Bitpanda GmbH ein Jahr strategischer Wachstumsinvestitionen. Gleichzeitig hat sich unser Kerngeschäft stark entwickelt, was sich in einer deutlichen Steigerung unserer Umsatzerlöse zeigt.

Wir haben bewusst in unsere Expansion und den weiteren Ausbau der Marke Bitpanda investiert. Diese Investitionen waren Teil unserer langfristigen Wachstumsstrategie und spiegeln sich erwartungsgemäß im Jahresergebnis wider.

Die Aussagen zum Umsatz lassen sich dabei so auch im nun vorgelegten Bericht ablesen: Tatsächlich stieg der ausgewiesene Umsatz von 2024 auf 2025 von 7,19 Milliarden Euro auf 7,72 Milliarden Euro. Der Anstieg fällt bereinigt sogar noch größer aus: 2024 waren noch rund 613 Millionen Euro aus Krypto-Verkäufen auf externen Börsen in den Umsatzerlösen enthalten, die seit 2025 saldiert im Materialaufwand ausgewiesen werden. Bei diesen Umsatzzahlen handelt es sich wohlgemerkt um den gesamten Verkaufserlös über die Plattform. Bitpanda gab bereits im März den auf Basis der Margen berechneten, deutlich kleineren „bereinigten Umsatz“ aus: Dieser stieg von 321 auf 371 Millionen Euro. Mit Abstand größter Umsatztreiber war laut Jahresabschluss das Kerngeschäft als Broker.

Deutlich höhere Marketingausgaben, Personalkosten sinken trotz Aufstockung

Auch die Aussage, die sich auf den Nettoverlust von immerhin rund 14 Millionen Euro bezieht, deckt sich prinzipiell mit den Zahlen im Jahresabschluss. Tatsächlich stieg der Marketingaufwand um rund 56 Prozent auf fast 107 Millionen Euro. Auch die Beratungskosten legten von knapp 14 Millionen auf rund 22 Millionen Euro zu. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl (FTE) wuchs zwar von 486 auf 555. Jedoch interessant dabei: Der Personalaufwand ging trotz der Aufstockung leicht zurück, von 78,6 auf 75,1 Millionen Euro. Gestiegen ist hingegen der Aufwand für Mitarbeiterüberlassung, von 5,4 auf 8,1 Millionen Euro.

Dass man (wohl dennoch nicht ganz beabsichtigt) recht deutlich in die roten Zahlen rutschte, hängt aber auch mit Faktoren zusammen, die im offiziellen Bitpanda-Statement unerwähnt bleiben. Operativ blieb Bitpanda 2025 noch knapp im Plus: Der Betriebserfolg lag bei 4,1 Millionen Euro, nach 80 Millionen Euro im Vorjahr. Ins Minus drehte das Ergebnis erst durch das Finanzergebnis von minus 18,3 Millionen Euro. Dahinter stehen Abschreibungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen in Höhe von 14,4 Millionen Euro sowie ein Zinsaufwand von 4,9 Millionen Euro, nach nur 0,2 Millionen Euro im Jahr 2024. Zu Buche stehen außerdem teilweise gestiegene Handelsverluste und ein deutlich höheres Minus in der Intercompany-Verrechnung, das von 13 auf knapp 36 Millionen Euro anwuchs.

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