30.04.2025
PORTFOLIO

Wiener KI-Scaleup Anyline launcht neue Barcode-Scanner-Technologie

Anyline macht Handys zu Highspeed-Scannern: Barcode:AI liest mithilfe von KI und AR bis zu 25 Codes auf einmal.
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Anyline-Co-Founder und CEO Lukas Kinigadner | (c) Anyline GmbH
Anyline-Co-Founder und CEO Lukas Kinigadner | (c) Anyline GmbH

Mit Barcode:AI bringt das Wiener KI-Scaleup Anyline eine neue Scanner-Technologie auf den Markt. Die Software soll bis zu 25 Barcodes gleichzeitig erkennen, 33 Scans pro Sekunde verarbeiten und auch dort funktionieren, wo klassische Geräte versagen: bei schlechten Lichtverhältnissen, spiegelnden Oberflächen oder beschädigten Etiketten.

Möglich macht das ein KI-gestütztes System, ergänzt durch Augmented-Reality-Overlays, die Mitarbeiter:innen direkt am Bildschirm Anleitungen geben. Anyline will damit nicht weniger als die Industrie von teurer Spezialhardware auf smarte Handys umstellen. „Barcode:AI ist nicht einfach nur ein Upgrade – es ist das nächste Kapitel operativer Intelligenz“, sagt Lukas Kinigadner, Co-CEO von Anyline.

Barcode:AI bereits im Einsatz

Anyline, 2013 gegründet, wurde durch seine auf künstlicher Intelligenz basierende Optical-Character-Recognition-Technologie (OCR) bekannt. Diese Technologie ermöglicht es, Texte und Barcodes mit mobilen Geräten effizient zu erfassen. Ein prominentes Beispiel für ihren Einsatz: die mobile Datenerfassung bei den „Alles gurgelt“-PCR-Tests der Stadt Wien. Wichtigstes Geschäftsfeld des Scaleups ist allerdings die Auto-Industrie. Mit der Einführung von Barcode:AI erweitert Anyline nun sein Portfolio um eine KI-gestützte Barcode-Scanning-Lösung, die auf den bisherigen Erfolgen aufbaut.

Barcode:AI ist bereits im Einsatz – etwa bei Shopreme, einem österreichischen Anbieter smarter Self-Checkout-Systeme mit Kundschaft auf der ganzen Welt. Für reibungsloses Scannen per Smartphone braucht es Präzision, sagt Shopremes CCO Nico Müller: „Für Self-Scanning in großem Maßstab zählt vor allem eines: Genauigkeit.“ Anyline sieht darin erst den Anfang – Barcode:AI soll zum neuen Standard im KI-gestützten Handel werden.

Anyline setzt auf Wachstum

In der Vergangenheit konnte Anyline mehrere Finanzierungsrunden erfolgreich abschließen. Insgesamt 37 Millionen US-Dollar an Risikokapital sammelte das Startup für seine KI-Technologien seit der Gründung. Ein Strategiewechsel im Jahr 2023 ließ das Unternehmen zwar 25 Prozent der Belegschaft abbauen. Kurz darauf verkündete Anyline allerdings einen starken Umsatzwachstum. Erst vor einem Jahr stellte das Scaleup eine autonome Drohnen-Software vor.

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Dynatrace Engineering Headquarters in Linz © Dynatrace

Dynatrace wurde 2005 in Linz von Bernd Greifeneder, Sok-Kheng Taing und Hubert Gerstmayr gegründet und betreibt dort bis heute sein globales Engineering Headquarter. Nach dem ersten Exit an Compuware 2011 verlegte das Unternehmen seinen offiziellen Sitz in die USA, ging 2019 an die New Yorker Börse (NYSE: DT) und zählt mittlerweile zu den Weltmarktführern im Bereich KI-basierter Observability. Rund 28 Prozent der weltweit knapp 5.600 Mitarbeiter:innen arbeiten nach wie vor in Österreich, an Standorten in Linz, Wien, Graz, Klagenfurt, Hagenberg und Innsbruck.

Nun erweitert der Konzern sein Portfolio per Zukauf: Wie Dynatrace heute bekanntgab, hat man eine definitive Vereinbarung zur Übernahme des AI-Observability-Spezialisten Arize unterzeichnet.

915 Millionen Dollar Bewertung

Dynatrace bewertet Arize mit insgesamt 915 Millionen Dollar. Der Großteil davon, rund 815 Millionen, wird in bar bezahlt, den Rest erhalten Arize-Mitarbeiter:innen in Form von Ersatz-Aktienprogrammen, sobald sie zu Dynatrace wechseln, heißt es in der Aussendung. Finanzieren will Dynatrace den Kauf aus eigenen Mitteln oder über die bestehende Kreditlinie, frisches Fremdkapital ist dafür nicht nötig.

Laut Unternehmensangaben soll der Deal noch im laufenden oder im frühen dritten Quartal des Geschäftsjahres abgeschlossen werden, vorausgesetzt die zuständigen Behörden stimmen zu.

Finanziell dürfte sich der Zukauf zunächst gemischt auswirken: Er soll das Wachstum der wiederkehrenden Umsätze (ARR) um rund 200 Basispunkte, also 2 Prozentpunkte, beschleunigen, gleichzeitig aber die Non-GAAP-Operating-Marge im Geschäftsjahr 2027 um etwa 175 Basispunkte (1,75 Prozentpunkte) drücken. Kurz gesagt: Arize soll das Umsatzwachstum ankurbeln, geht kurzfristig aber auf Kosten der Profitabilität, ein bei Übernahmen wachstumsstarker, aber margenschwächerer Startups übliches Muster.

Was Arize baut und wie es zu Dynatrace passt

Arize, ansässig in San Francisco, hat sich auf die Bewertung der Ergebnisse von KI-Modellen und -Agents spezialisiert: Die Plattform erkennt etwa Halluzinationen, misst die Qualität von KI-Ausgaben und überwacht laufend, ob Sprachmodelle und Agents wie vorgesehen funktionieren. Arize Co-Founder Jason Lopatecki erklärt: „Wir haben Arize gegründet, weil KI-Teams eine Möglichkeit brauchten zu wissen, ob ihre Agenten tatsächlich richtig arbeiten und nicht nur laufen.“

Für Dynatrace schließt die Übernahme eine Lücke: Bislang überwachen viele Unternehmen die Qualität ihrer KI-Anwendungen, etwa ob ein Chatbot korrekt antwortet, getrennt von der klassischen IT-Infrastruktur wie Serverlast oder Anwendungsleistung. Fällt dann ein Kund:innen-Prozess aus, lässt sich oft nur schwer feststellen, ob die Ursache im KI-Modell, im Prompt oder in der darunterliegenden Infrastruktur liegt. Mit Arize will Dynatrace beide Ebenen – KI-Bewertung und klassische Observability – in einem durchgängigen System zusammenführen.

Arize-Gründer:innen wechseln zu Dynatrace

Die beiden Arize-Gründer:innen Jason Lopatecki und Aparna Dhinakaran wechseln mit Abschluss der Transaktion zu Dynatrace, heißt es in der Aussendung. Lopatecki bleibt Leiter des Arize-Teams und berichtet künftig direkt an Dynatrace-CEO Rick McConnell.

„Die Übernahme von Arize stärkt unsere Führungsposition im Bereich AI-Observability, beschleunigt unsere Roadmap und erweitert unsere Reichweite in der Entwickler:innen-Community“, wird McConnell in der Aussendung zitiert.

Der Markt für AI-Observability soll laut Dynatrace bis 2030 auf über 10 Milliarden Dollar wachsen. Im Mai hatte das Unternehmen die 2-Milliarden-Dollar-ARR-Marke geknackt.

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