10.10.2025
HR-PLATTFORM

Wiener HR-Startup crewhub verspricht eine transparente Plattform für Aushilfen

Mit der Plattform crewhub möchte das HR-Startup die Arbeitskräfteüberlassung für Unternehmen wie auch Arbeitnehmer:innen transparenter und einfacher machen. So soll die Zusammenarbeit fairer gestaltet werden.
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Chris Newman (CEO), Petra Scheuer (COO). Foto: crewhub

Viele Studierende verdienen sich während des Semesters etwas dazu – als Hostess, im Service oder als Stagehand. Wer keine familiäre Finanzierung hat, landet früher oder später auf Plattformen oder bei Agenturen, deren Prozesse oft intransparent sind. Manchmal passt alles: Bezahlung, Absprachen, Trinkgeld. Manchmal nicht. Und der Weg zur Arbeiterkammer lohnt sich für 100 Euro Streitwert selten.

Auch für Unternehmen ist der kurzfristige Einsatz von Aushilfen oft mühsam: unklare Verfügbarkeiten, keine Einsicht in Qualifikationen und hoher administrativer Aufwand.

Von genau diesen Herausforderungen in der Arbeitskräfteüberlassung erzählte Petra Scheurer bei einer Wanderung ihrem langjährigen Freund Chris Newman. Die beiden Gründerinnen erkannten schnell: „Das muss besser gehen.“

Hintergründe der Gründer:innen

Die Idee zu einer digitalen Plattform ist mit dem Ziel entstanden, Unternehmen und Mitarbeitende einfacher, transparenter und fairer zusammenzubringen. „Eine Lösung, die beiden Seiten echten Mehrwert bietet“, sagen die beiden Gründer:innen im Gespräch mit brutkasten.

Mit ihrem gemeinsamen Wissen begannen sie im April 2024, die Plattform zu entwickeln. Petra Scheuer hat bereits Erfahrung in der Arbeitskräfteüberlassung: Sie baute bei ihrem vorherigen Arbeitgeber den Bereich der Express-Einsätze auf und leitete diesen als Filialleiterin. Momentan studiert sie Informatik an der FH Technikum Wien. Chris Newman kommt aus dem High-Tech-Bereich und war unter anderem bei AWS beschäftigt. Sein Know-how im Finanzbereich vertiefte er durch einen Master in Management an der TU München.

Alleinstellungsmerkmal: Kontrolle und Transparenz

Mit der Plattform crewhub möchten Scheuer und Newman die vorher genannten Probleme seitens der Unternehmen wie auch Arbeitnehmer:innen lösen.

„Unsere Plattform steht für Transparenz und Nutzerfreundlichkeit. Unsere Kunden können nicht nur einfach und schnell Aushilfen buchen, sondern sehen auch, wer wirklich kommt: mit Profilbild, Qualifikationen und allen relevanten Informationen. Diese Offenheit schafft Vertrauen und Effizienz.“, sagen Scheuer (COO) und Newman (CEO).

Andere Anbieter würden oft nur vermitteln, während sie den Unternehmen echte Kontrolle und Überblick geben würden. Dasselbe gilt für Arbeitnehmer:innen. In der App ist ganz genau zu sehen, was sie mit welchem Dienst inklusive Zuschläge verdienen, die Arbeitszeiten können exportiert werden. Auch die Anmeldung bei der ÖGK wird automatisiert an jede:n Mitarbeiter:in übermittelt. Außerdem wird bewusst auf freie Dienstverhältnisse verzichtet; Mitarbeiter:innen werden entweder fallweise oder regulär teilzeitangestellt. So wird sichergestellt, dass kollektivvertragliche Regelungen greifen, was mehr Schutz für sie bedeutet.

„Wir wissen, dass es in der Branche leider immer wieder zu Unregelmässigkeiten bei der Auszahlung von Zeitkonten oder Zuschlägen kommt. Unser Ziel ist es, hier ein faires, transparentes und verlässliches System zu schaffen.“, sagt Petra Scheuer.

Geschäftsmodell und Finanzierung

Es soll keine Plattform- oder Einschulungsgebühren geben. Die Einnahmen entstehen über die Stunden, die über die Plattform gebucht werden. „Wir verdienen nur, wenn unsere Kunden erfolgreich buchen.“, sagen die Gründer:innen.

Bisher hat sich das Startup vor allem durch eigene Mittel finanziert. Es bekam auch eine Förderung vom aws First Incubator. „Zusätzlich können wir uns aus unseren eigenen Umsätzen tragen, was für uns ein wichtiger Meilenstein ist.“, so die Gründer:innen.

Zukunftspläne

Die nächsten Entwicklungsschritte bei crewhub sind klar abgesteckt: Das interne Team wird gezielt skaliert, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, während parallel die Marktdurchdringung weiter forciert und der Zugang zu größeren Kunden ausgebaut wird. Technologisch wird die Plattform kontinuierlich weiterentwickelt, um Nutzer:innen langfristig echten Mehrwert zu bieten.

In einem Zeithorizont von drei bis fünf Jahren verfolgt das Team das Ziel, sich als führender Player am österreichischen Markt zu etablieren – sowohl als strategischer Partner für Unternehmen als auch als attraktiver Arbeitgeber mit einem klaren Fokus auf flexible, faire und selbstbestimmte Arbeitsmodelle.

Die Vision dahinter: crewhub soll sich zu einer Plattform entwickeln, über die Menschen so gerne arbeiten, dass sie sich aktiv dafür entscheiden, weil sie Transparenz, Vertrauen und Mitgestaltung erleben. Wenn Arbeitnehmer:innen beim nächsten Job sagen: „Ich möchte das über crewhub machen“, ist das Ziel erreicht.

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Münchens Startup-Ökosystem spielt in einer anderen Liga | (c) Anastasiya Dalenka via Unsplash
Münchens Startup-Ökosystem spielt in einer anderen Liga | (c) Anastasiya Dalenka via Unsplash

Die gute Nachricht für das österreichische Startup-Ökosystem: Im ersten Halbjahr 2026 gab es beim Finanzierungsvolumen ein ordentliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, wie brutkasten berichtete. 472 Millionen Euro wurden laut EY-Barometer in heimische Startups und Scaleups investiert – nur die ersten Halbjahre 2021 und 2022 waren stärker. Bei der Anzahl der erfassten Finanzierungsrunden wurde sogar ein neuer Rekord erreicht.

Die dritte Liga

Nun die schlechte Nachricht: Im internationalen Vergleich sind das Peanuts. Ohne Zweifel sollte man die Finanzierungsrunden als individuelle Erfolge einzelner Startups nicht kleinreden. Als gesamtes Ökosystem spielt Österreich international aber bestenfalls in der dritten Liga.

In der ersten Liga bleiben US-Ökosysteme weiterhin unter sich – mit dem Silicon Valley als ewigem Champion. In den Vereinigten Staaten landeten laut Daten des Portals Crunchbase zuletzt wieder mehr als 80 Prozent des globalen Risikokapitals. Finanzierungsrunden für die KI-Riesen im zwei- bis sogar dreistelligen Milliardenbereich sind hier die Spitze des Eisbergs eines Systems, gegen das alle anderen alt aussehen.

In der zweiten Liga wird es spannender: Dort findet sich nicht nur der gewiss ernsthafteste USA-Herausforderer China, sondern auch große europäische Länder wie das traditionell starke Vereinigte Königreich, Deutschland und Frankreich, kleinere wie die Schweiz sowie Schweden und starke internationale Ökosysteme wie Israel, Singapur und Kanada.

Und irgendwo, nicht in der Spitzengruppe, sondern im Mittelfeld der dritten Liga kommt dann auch Österreich.

Warum eigentlich?

Warum? Mit dieser Frage beschäftigt sich das heimische Startup-Ökosystem in Dauerschleife. Denn wir sind ja ein reiches Land – das Kapital wäre eigentlich da. Wir sind ja ein kluges Land – viele unserer Forschungseinrichtungen sind im internationalen Vergleich hervorragend. Wir sind ja ein effizientes Land – Österreich zählt zur globalen Spitzengruppe bei der Arbeitsproduktivität.

Also woran liegt’s? Vielleicht am Mindset? An der Kultur? Wenn es um den Vergleich zum Silicon Valley geht, wird man hier definitiv fündig. Ein völlig anderes Level an Risikobereitschaft sei hier nur als herausstechender Unterschied genannt. Auch beim Match mit dem ähnlich bevölkerungsreichen, aber extrem Startup-starken Schweden kommt man mit dem Argument durchaus weiter. Die skandinavische Mentalität ist anderes und die tief verankerte Kapitalmarktkultur macht einen entscheidenden Unterschied.

Déjà-vu

Und dann ist da Bayern südlich des sogenannten „Weißwurstäquators“ – das Land der Lederhosen, der Bierzelte, des Leberkäses und der hübschen alpinen Landschaften, dessen Bewohner:innen diesen (aus Sicht des Rests von Deutschland) lustigen Dialekt sprechen. Das kommt einem doch bekannt vor.

Gut, man kann Ähnlichkeit natürlich nicht nur an solchen stereotypischen Faktoren festmachen. Aber es lässt sich schwer bestreiten, dass man bei einem Vergleich zwischen Österreich und Bayern mit den Argumenten „andere Kultur“ und „anders Mindset“ nicht weit kommt. Zudem sind die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und Österreich bekanntermaßen sehr ähnlich und auch gesamtwirtschaftlich spielen Deutschlands südöstliches Bundesland und die Alpenrepublik in einer Liga – wiewohl Bayern hier die Nase etwa beim BIP pro Kopf etwas vorne hat.

Und doch: Österreich kam im ersten Halbjahr auf die besagten 472 Millionen Euro Gesamt-Investmentvolumen mit zwei Finanzierungsrunden zu je 100 Millionen Euro als größte Einzelinvestments. Währenddessen: Allein in der bayerischen Hauptstadt München gab es dieses Jahr mit Quantum Systems und Helsing bereits zwei Investments über mehr als eine Milliarde Euro, mit Proxima Fusion (411 Millionen Euro) noch ein weiteres, das schon alleine am österreichischen Gesamthalbjahresvolumen kratzt. Hinzu kommt mit Isar Aerospace (270 Millionen Euro) sogar eine Mega-Runde für ein Startup mit österreichischem Co-Founder und CEO.

Man findet freilich auch hier Gründe, warum der Vergleich nicht zulässig ist, wenn man danach sucht. Etwa dass die beiden Milliardenrunden an DefenseTech-Startups gingen – eine Hype-Branche, die im neutralen Österreich weniger Tradition hat und schwerer zu beackern ist. Aber damit sind gerade einmal die beiden auffälligsten Ausreißer erklärt.

Sucht man weiter, findet man gewiss noch einige Gründe mehr, die sich nicht von heute auf morgen ändern lassen, etwa die traditionell herausragende Stärke von Bayerns Industrie.

Genauer Blick an die Isar

Aber man kommt auch zu einigen Gründen, die mit gezielten politischen Maßnahmen zu erklären sind. Und mit starken universitären Initiativen, allen voran UnternehmerTUM an der TU München. Und ja, hier steht die reichste Frau Deutschlands, Susanne Klatten, als Mäzenin dahinter. Aber: Das Geld wurde richtig gut genutzt. Geld gäbe es schließlich auch hierzulande prinzipiell genug.

Ein genauer Blick an die Isar ist also nicht nur für die heimische Politik lohnend. Mit Offenheit statt Ausreden. Dann könnte es doch auch mit dem Aufstieg aus der dritten in die zweite Liga der Startup-Ökosysteme klappen. Das muss das Ziel sein. Denn wenn Leute mit Lederhosen, Bierzelten, Leberkäse, hübschen alpinen Landschaften und lustigem Dialekt das können, dann können wir das eben.

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