09.04.2026
PERSONALIE

Wiener EnergyTech-Startup Podero holt Ex-N26-Manager Strobl als CCO

Das Wiener EnergyTech-Startup Podero verkündet einen Neuzugang im C-Level: Christian Strobl wird Chief Commercial Officer (CCO).
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Christian Strobl | © privat

Nach Jahren im FinTech-Bereich, einem Ausflug in die Solarwirtschaft und dem unfreiwilligen Ende seines letzten Arbeitgebers landet Christian Strobl nun beim Wiener EnergyTech-Startup Podero. Dort übernimmt er ab sofort die Rolle des Chief Commercial Officer (CCO). Das Timing ist kein Zufall: Podero wächst, hat frisches Kapital und kündigt jetzt eine Produktneuerung an, die in der Branche bislang einzigartig sein soll.

„Die geopolitische Lage macht deutlich, dass die Energiewende nicht nur eine klimapolitische Notwendigkeit ist, sondern auch eine Frage der europäischen Sicherheit. Umso mehr freut es mich, mit Podero ab sofort ein Unternehmen zu unterstützen, das das europäische Energiesystem aus Wien heraus maßgeblich mitgestaltet“, kommentiert Strobl.

N26, Soly und jetzt Podero

Der neue CCO Strobl war vier Jahre lang bei der Neobank N26 tätig, davon zweieinhalb als Market Lead und Managing Director für Österreich (brutkasten berichtete). Nach seinem N26-Abgang wechselte er 2024 als Country Manager zu Soly, einem niederländischen Photovoltaik-Anbieter, und verantwortete dort den Markteintritt in Österreich sowie das Wachstum in Deutschland (brutkasten berichtete). Hierzulande wuchs Soly innerhalb kurzer Zeit zu einem der größeren Anbieter von Photovoltaikanlagen. Doch Ende November 2025 wurden in den Niederlanden mehrere zentrale Gesellschaften der Soly-Gruppe insolvent. Das Wiener Startup Heizma übernahm anschließend den Großteil der Insolvenzmasse (brutkasten berichtete).

Podero-CEO Bernkopf kommentiert den Neuzugang so: „Mit Christian gewinnen wir einen erfahrenen Manager, der bereits bewiesen hat, dass er neue Märkte schnell entwickeln kann. Sein Verständnis des Energiesektors und seine Erfahrung mit skalierbaren Vertriebsmodellen sind genau das, was wir für unser nächstes Wachstumskapitel brauchen.“

Wandel in der Energiebranche

Der Wandel in der Energiebranche, getrieben durch den Ausbau erneuerbarer Energien und regulatorische Gesetzesänderungen, stellt Energieversorger vor neue Herausforderungen: Stromverträge müssen neu gedacht und den Kunden flexible Lösungen angeboten werden.

Pordero entwickelte eine B2B-Software, die Energieversorgern helfen soll, die Kosten für flexible Verbrauchsgeräte zu senken – mit dem Ziel einer Win-Win-Situation für Anbieter und Verbraucher:innen zugleich. CEO Chris Bernkopf beschreibt das Prinzip im brutkasten-Talk so: „Wir verbinden uns mit Wärmepumpen, Elektro-Autos, Batterien, also allen großen Geräten im Haushalt und wir steuern diese dann nach dem Strommarkt.“ Dadurch könne Podero Prognosen und Handlungsempfehlungen liefern, die es Energieversorgern ermöglichen, „ihre gebündelte Leistung auf den Energiemärkten zu handeln.“

Anfang 2025 schloss das Startup eine überzeichnete Seed-Runde über 5,5 Millionen Euro ab (brutkasten berichtete). Mit dem Kapital plante Podero, das Team von 16 auf rund 30 Mitarbeiter:innen auszubauen und die Expansion in den europäischen Markt zu beschleunigen. Heute zählen unter anderem E.ON, Kelag und oekostrom zu den Kunden.

Garantie als Wettbewerbsargument

Mit dem Personalzuwachs geht auch eine Produktneuerung einher: Podero ermöglicht nun neben dem Day-Ahead-Markt auch die Optimierung und den Handel von Batteriespeichern auf dem Intraday-Markt. Das soll die erzielbaren Einsparungen laut Unternehmensangaben nochmals deutlich erhöhen. Erstmals will Podero diese Ersparnisse auch vertraglich absichern: Kund:innen sollen künftig über 200 Euro pro Jahr einsparen. „Damit ist Podero der erste Flexibilitätsanbieter in Europa, der Einsparungen nicht nur vorrechnet, sondern vertraglich garantiert“, sagt Strobl.

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GoStudent
© brutkasten - Felix Ohswald, Gründer GoStudent.

GoStudent verfolgt weiter seine Offline-Strategie. Bereits 2022 hatte man Studienkreis übernommen – brutkasten berichtete. Der bereits 1974 gegründete Studienkreis galt als Deutschlands größtes Nachhilfeunternehmen mit bundesweit über 1.000 Lernzentren.

Im Mai 2025 vermeldete das Unicorn dann die Erweiterung seines Geschäftsmodells und den Plan, künftig verstärkt auf stationäre Nachhilfestandorte zu setzen – siehe hier.

GoStudent erweitert sich

„Das Franchise-Modell mit stationären Nachhilfestandorten, das wir in Deutschland übernommen haben, hat sich äußerst positiv entwickelt. Deshalb ist es für uns ein logischer nächster Schritt, dieses erfolgreiche Modell nun auf weitere europäische Länder auszuweiten, in denen wir bereits mit unserer personalisierten Online-Einzelnachhilfe aktiv sind“, erklärte damals eine Sprecherin des EdTechs die Gründe für diesen Schritt.

Heute schrieb GoStudent-Gründer Felix Ohswald per LinkedIn-Post, dass man bereits am 28. August den Kaufvertrag mit der Berlitz Corporation für die Berlitz Deutschland GmbH unterzeichnet habe und sich damit nun 50 Sprachzentren in ganz Deutschland, öffentlich geförderte Integrations- und berufliche Qualifizierungsprogramme, das Geschäft mit öffentlichen Institutionen, Sprachprüfungen und Zertifizierungen, ein breites Portfolio an Präsenzkursen für Privatkunden, die Rekrutierung internationaler Fachkräfte sowie Programme für Kinder und Jugendliche einverleibt habe.

Sprachkenntnisse im Fokus

Während Berlitz das Geschäft mit Unternehmenskunden und das Online-Sprachtraining weiterführt, ist die Berlitz Deutschland GmbH seit 1. September in einem separaten Unternehmen organisiert. Die Berlitz Deutschland GmbH bleibt dabei unter der Marke Berlitz und als Franchise-Partner der Berlitz Corporation bestehen. Der Abschluss der Transaktion wird bis zum Jahresende erwartet.

Hintergrund des Deals ist die Bedeutung von Sprachkenntnissen für den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt: Rund die Hälfte aller Arbeitgeber verlangt laut dem Unternehmen mindestens Deutschkenntnisse auf B2-Niveau. Die für öffentlich geförderte Sprachprogramme notwendigen Akkreditierungen wurden über zwei Jahrzehnte aufgebaut. Die operative Führung der Berlitz Deutschland GmbH bleibt bei Mattias Schwarz und dem bestehenden Team.

Drei Beobachtungen

Den Grund für diesen Schritt erläutert Ohswald aus drei Beobachtungen und zwei Hypothesen heraus: Erstens sei Deutsch das meistgebuchte Fach in der Nachhilfe: In der Grundschule werde Deutsch sogar häufiger gebucht als Mathematik – und das gelte für Kinder aller Herkünfte.

Zweitens zeige sich ein Zusammenhang mit der Demografie: In Städten und Kreisen, in denen viele Familien zu Hause mehr als eine Sprache sprechen, sei Deutsch häufiger Bestandteil der Nachhilfeverträge. Gleichzeitig würden Familien mit Zuwanderungsgeschichte laut Bildungsforschung seltener Nachhilfe in Anspruch nehmen, obwohl der Bedarf höher wäre.

Drittens zeige sich die Bedeutung von Sprachkompetenz auch in der Mathematik: Bei der zentralen Prüfung am Ende der zehnten Klasse in Nordrhein-Westfalen würde Sprachkompetenz 14 Prozent der Unterschiede in der Mathematikleistung erklären, während es bei sozialer Herkunft und Migrationshintergrund jeweils ein bis drei Prozent seien. Zwischen dem sprachlich schwächsten und stärksten Drittel der Schüler lag dabei mehr als eine Schulnote.

„Aus diesen Beobachtungen sind zwei Hypothesen geworden, und aus den Hypothesen eine Entscheidung. Sie fällt in einen Markt, dessen Etat der Bund 2027 fast halbieren will, und in Wochen, in denen der Bundestag genau darüber berät. Man kann das den falschen Moment nennen. Wir halten es für den richtigen und erklären, warum“, beschreibt Ohswald seine Gedanken.

Hypothese 1: „Die Arbeitswelt sortiert nach Sprache, bevor sie nach Qualifikation sortiert“

Die erste Sortierung beginne Ohswald zufolge bereits in der Schule. „2021 sprachen noch 62 Prozent der Viertklässler zu Hause immer Deutsch, zehn Jahre davor 84. Jedes vierte Kind verließ die Grundschule, ohne so lesen zu können, wie es die weiterführende Schule voraussetzt. Ein Kind, das zu Hause nie Deutsch spricht, liegt im Lesen 36 Punkte zurück, auch im Vergleich mit Kindern gleicher sozialer Herkunft. Ein Teil des Rückstands ist Armut. Ein Teil ist Sprache. Der zweite Teil ist der, den Bildung beheben kann“, betont Ohswald.

Die zweite Sortierung würde an der Tür zum Arbeitsmarkt stattfinden. Sie treffe Erwachsene, die neu kommen: „Die Hälfte der Betriebe verlangt bei Einstellungen immer mindestens B2, in Gesundheit, Bildung und Finanzen drei Viertel und mehr. Die andere Hälfte stellt auch darunter ein, im Gastgewerbe, in Lager und Verkehr, in der Leiharbeit. Die Sprachschwelle entscheidet nicht, ob jemand arbeitet. Sie entscheidet, in welchem Segment. In den reglementierten Berufen ist sie Zulassungsbedingung: Ärztinnen und Ärzte brauchen überall B2 und eine Fachsprachprüfung auf C1, Pflegekräfte B2, obwohl viele mit B1 einreisen“, erklärt der GoStudent-Gründer.

Als Beispiel führt Ohswald an, dass 72 Prozent der Geflüchteten aus der Ukraine über einen Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss verfügen, doch nur fünf Prozent bei ihrer Ankunft gut Deutsch sprechen würden. Laut Studien seien es bessere Sprachkenntnisse, die die Einstellungsbereitschaft deutlich erhöhen, während fehlende Kinderbetreuung und nicht anerkannte Abschlüsse weitere Hürden darstellen. Sprache sei damit eine zentrale Voraussetzung dafür, dass vorhandene Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sichtbar und nutzbar werden, so Ohswald.

Hypothese 2: Sprache hört nicht bei B1 auf

Der Integrationskurs – um auf seine zweite These zu kommen – zielt auf B1 ab. Für viele berufliche Wege seien jedoch weitergehende Sprachkenntnisse erforderlich, was für Ohswald bedeutet, dass auch nach dem Spracherwerb berufliche Weiterbildung schlicht ein wichtiger Schritt bleibe.

„Das IAB hat bei Geflüchteten gemessen, was nach dem Sprachkurs wirkt: Ein Sprachkurs mit Aktivierung bringt nach fünf bis sechs Jahren rund 3,5 Prozentpunkte mehr Beschäftigung“, zeigt sich der Founder auf LinkedIn überzeugt. „Eine geförderte Weiterbildung bringt rund 13 Prozentpunkte und etwa 800 Euro mehr Monatsbrutto. Sprache öffnet die Tür. Qualifikation bringt durch.“

All dies im Hinterkopf, scheint nun klar, was GoStudent mit der Berlitz-Übernahme möchte: Seine beiden Hypothesen in die Praxis übersetzen: Sprache als Schlüssel für Bildung und Arbeitsmarkt – und als Ausgangspunkt für den nächsten Schritt, die berufliche Qualifizierung, und sich weiter als stationärer Anbieter verfestigen.

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